Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. Das jüdische Statt. 7 Völlig irreparable Schäden bringe die Stellungnahme der Richtlinien gegenüber dem Ehegesetz, die es ermöglicht, Ehen zu schließen, mit deren Kindern als Mamscrim andere als mit dem gleichen Mamser-Makel behaftete Juden sich nicht verheiraten dürfen, deren Folgen also selbst bei später gewonnener Erkenntnis des begangenen Unrechts und bei eventueller Lösung der verbotenen Ehe nie wieder beseitigt werden könnten. Abgesehen aber von allem diesen erst in der näheren oder ferneren Zukunft zu erwartenden Folgen sei es unausbleiblich, daß die unwidersprochene Verbreitung der Richtlinien Mißverständnis und Mißtrauen erzeuge, die alle unsere Maßnahmen zur Berücksichtigung unserer religiösen Bedürfnisse seitens der Behörden illusorisch machten mühten. Wenn heute die staatliche Unterrichtsverwaltung, die Justiz- und die Heeresverwaltung auf Sabbat und Feste Rücksicht nehmen, wenn wir bei ihnen Entgegenkommen finden, wo es sich um Beachtung der Speisegesetze handelt, wenn wir mit Erfolg für die Erhaltung der bedrohten Schechito kämpfen und wenn wir Schonung der sabbathaltenden Kausleute im neuen Sonntagsruhegesetz erbitten, so würde das alles unmöglich sein, wenn die Lehre der Richtlinien mit. ihrer Entthronung des Sabbat und mit ihrer Ausschaltung der Speisegesetze wahr wäre. Angesichts aller dieser, an einzelnen Beispielen näher erläuterten Gefahren müsse mit aller Entschiedenheit gegen die Richtlinien protestiert werden. Nicht die sogenannten Lebensinöglichkeiten der Liberalen seien dasjenige, wonach wir streben müssen, sondern die Möglichkeit einer religiösen Lebensführung muß unser Ziel sein, damit wir das, was wir als Ideal unseres Lebens erachten, auch auf die nachkommenden Geschlechter vererben können. Breslau. In unserer Stadt, an der es an einer Organisalwn der gesetzestreuen Jugend bisher vollkommen fehlte, ist nunmehr eine I u g e n d g r u p p e der Agudas Jisroel gegründet worden. In der konstituierenden Versammlung am 15. Januar im Eintrachtssaal erösfnete das Mitglied des Provisorischen Komitees, Herr Aron Kober, die Beratungen mit einer warmen Begrüßung. Darauf berichtete Herr Isidor S i m o n s o h n in einem längeren Referate über die Ziele und Zwecke der Aguda und begeisterte die Jugend für die Mitarbeit an der orthodoxen Weltorganisation. Der darauf gegründeteil Jugendgruppe haben sich noch am gleichen Abend zahlreiche Mitglieder angeschlossen. Die Lern - S ch i u r i m der Jugendgruppe finden in Verbindung mit denen des Vereins Machst ke Th auro statt. Außerdem sind im Programme Geschichts- und Sprachkurse sowie Vorträge über jüdische Tagesfragen vorgesehen. Breslau. Vor kurzem fand hier im Hotel „4 Jahreszeiten" eine Versammlung der Vertraue ns in änn er der Agudas Jisroel für Schlesien statt. Den Vorsitz führte Herr Aron Kober, Mitglied des provisorischen Komitees. Nach einem ausführlichen Referate des Delegierten des Gesetzestreilen Rabbinerverbaüdes im Provisorischen Komitee, Herrn Rabbiner Dr. Cohn, Rawitsch, wurde die Gründung einer Ortsgruppe in Breslau beschlossen. Sämtliche Vertrauensmänner aus Stadt und Land versprachen ihre eifrige Mitarbeit an der Aguda und die Gründung von Ortsgruppen an ihren Wohnsitzen. Posen. Im Anschluß an die Vertrauensmänner-Versammlung der Agudas Jisroel in Breslau traten auch hier im Hotel Friedenshof die Vertrauensmänner der Provinz Posen zu einer Beratung zusammen. Die Sitzung fand unter dem Ehrenvorsitze des Herrn Oberrabb. Dr. Feilchenfeld, Mitglied des rabbinischen Rats der Agudas Jisroel, statt und wurde von Herrn Bankier Georg Loewy, Rawitsch, geleitet. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, zusannnen mit den Vertrauensmännern der Provinz Schlesien für die Idee der Agudas Jisroel und die Gründung von Ortsgruppen eifrig zu arbeiten. Es wurde konstatiert, daß sämtliche gesetzestreuen Rabbiner der Provinzen Schlesien und Posen der Agudas Jisroel beigetreten sind. Weilburg. Vergangenen Samstag, 1. Februar, hielt Bezirksrabbiner Dr. M. Landau im Volksverein hier einen Vortrag über „Die Sprache in der Bibel". Der Vorstand des Volksvereins, Professor Dr. Ottmann, betonte bei der Eröffnung der Sitzung, daß noch niemals der Saal bei anderen Rednern so voll von Zuhörern gewesen, wie an diesem Abend, und wäre dieses nur der Ehre und der Persönlichkeit des hiesigen Rabbiners zuzuschreiben. Alsdann begann Dr. Landau seinen Vortrag. Er erläuterte, daß die hebräische oder semitische Sprache 500 Sprachwurzeln und 5642 Wörter besitze und jedenfalls die erwähnten 3000 Sprüche Salomons und 5000 Lieder und Rätsel früher und später, vor und nach dem Exil für uns verloren gegangen wären, weshalb auch die Armut an Wörtern diesem Umstand jedenfalls zuzuschreiben wäre, dagegen wäre die hebräische Sprache reich an Grammatik, Konjugationen, wie so leicht keine andere Sprache. An Hand von Wortbeispielen erklärte der Referent, daß ein Wort in vielen Uebersetzungen und in den verschiedenen Bedeutungen zu deuten wäre und andernteils viele Wörter, die sich in deutscher Sprache vorfinden, in der hebräischen Sprache nicht vorkämen, die jedenfalls unter den damaligen Verhältnissen deshalb nicht erörtert wurden, da die meisten Vorfahren den Beruf als Ackerbauer, Handwerker usw. auserwählt hatten. So wären die Worte Handel und Industrie in der hebräischen Sprache nicht übersetzt. Es würde zu weit führen, noch vieles darüber zu schreiben, nur bewies der große Beifall, den das Publikum zollte, wie der Vorstand erwähnte, die interessante, lehrreiche und vielseitige Erklärungen unseres hiesigen Bezirksrabbiners und wäre es nur zu wünschen, daß unser hiesiger Bezirksrabbiner durch sein großes und reiches Wissen recht oft der Allgemeinheit wie gestern Abend nützen würde. Möge hierzu ihm die allgütige Vorsehung die Frische seines Geistes und die Frische seines Körpers bewahren und erhalten, damit es ihm vergönnt sein möge, noch recht lange nach innen und außen segensreich zu wirken. Basler Korrespondenz. Vergangenen Donnerstag fand die ordentliche Generalversammlung des S ch o m r 6 - T h o r a - M ä n n e r - V e r e i n s statt. Der Präsident, Herr CharlesNordmann, erstattete einen sehr gediegenen Jahresbericht. Der Verein hat im laufenden Jahre eine bedeutende Mitglieder- und Vermögenszunahme zu verzeichnen. Die Schiurim, die jeden Abend abgehalten werden, erfreuen sich eines regen Zuspruchs. Besonders zahlreich wird das vry-i und Lernen des Herrn Rabbiner Dr. Cohn besucht, an dem nicht nur jeder Thorafreund Basels, sondern auch oft Fremde teilnehmen. Fortbildungsschule. In dieser Schule werden 23 Knaben Basler Familien unterrichtet, die zum größten Teile die höheren Schulen besuchen. Die auf Grund modern pädagogischer Prinzipien von einem akademisch