Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Das jüdische Klatt. Nr 7. Fall bei den Juden wie überhaupt bei den semitischen Völkern. Wenn die Juden zur Zeit der Zerstreuung ja einmal ihre Toten statt beerdigt verbrannt haben, so ist dies als Ausnahme oder als Anbequemung an fremde Gebräuche anzusehen.Sonst aber war die Leichenverbrennung als Sitte bei den Israeliten unmöglich .... Auch der Heide hat Ehrfurcht vor dem menschlichen Körper und betrachtete es als seine heilige Pflicht, die Leichen in würdiger Weise zu bergen und ihre Ruhestätten in Ehren zu halten." Es ist uns unmöglich, den ganzen Hirtenbrief zu wiederholen, aber er ist lesenswert, lesenswert und beherzigenswert auch für Nichtchristen. Gunzenhausen. Es freut uns herzlich, auch unsere Gemeinde unter denen zu wissen, die zur rechten Zeit das rechte Wort fanden. Auf die Aufforderung der Administration Nürnberg, sich der bekannten Vorstandserklärung anzuschließen, erfolgte seitens der hiesigen Verwaltung folgende Antwort: München. Leider hat der Richtlinienkampf in eigenartiger Weise seinen Weg in die Presse gefunden. Im bayerischen Kurier stand ein H. X. gezeichneter Artikel, welcher in wenig geschmackvoller Weise der geheiligten Person des Regenten und des Ministeriums Erwähnung tat. Der fränkische Kurier in Nürnberg brachte daraufhin eine geharnischte Gegenwehr seitens der neologen Seite. Die Adas Israel sah sich daraufhin gezwungen, zu erklären, daß sie dem H. X.-Artikel vollkommen fernstehe. Wir glauben nun, es ist jedem Kundigen klar, daß der ersterwähnte Artikel eine Art Imllon (l’essai war. So werden prinzipiell Gegensätze nicht ausgefochten. Ist das Judentum zu schwach, einen allerdings schweren, grundsätzlich tiefen Kampf in sich selbst auszufechten? Ist es billig und recht, an die Oeffentlichkeit, an irgend eine Behörde heranzutreten, bevor man innerlich eine klare Position geschaffen hat? Where is a will, there is a way. Nürnberg. An die Administration der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg erging von seiten der Religionsgesellschaft folgendes Schreiben: Ihr geschätztes Schreiben vom 5. d. Mts. ist in unserm Besitz, müssen es aber ablehnen, Ihrem Ansinnen zu willfahren. Wir halten es für uns als selbstverständlich, daß religiöse Entscheidungen nur von den hierzu bestellten Führern auf Grund des traditionellen Religionsgesetzes getroffen werden können, und daß wir als Laien uns nicht als kompetent erachten, in schwerwiegenden religiösen Fragen, wie es die vorliegende ist, ein allgemein gehaltenes Urteil abzugeben. Unter Nr. 4 Ihrer geschätzten Zuschrift erklären Sie jedem Vorgehen entgegenzutreten, das die Autorität ihrer Rabbiner zu beeinträchtigen geneigt ist; wir bitten Sie, dieses Recht auch uns zubilligen zu wollen. Rothenburg o. T. Wir möchten nicht verfehlen, Kenner der Mischnah auf die sehr eingehende Kritik aufmerksam zu machen, welche Herr Professor Laible Rothenburg im theologischen Literaturblatt Nr. 1 und 2 der Holtzmannschen Mischnahausgabe angedeihen läßt. Es dürfte in christlichen Kreisen wenige geben, die den Stoff so beherrschen, wie Prof. Laible. Und aus der Kritik spricht eine so innerlich rein abgeklärte Objektivität! Dem Verfasser gebührt inniger Dank. Preußen. Berlin. Neben beit von der Bezirksgruppe Schönhauser Vorstadt des „Neuen Jüdischen Gemeinde-Vereins" veranstalteten Lernabenden (Mischna Pesachim), welche Rabbiner Dr. Petuchowski an jedem Montag, abends 9 Uhr, vor zahlreichem Zuhörerkreise abhält, begann Rabb. Dr. Königsberger am jüngsten Mittwoch seinen auf vier Abende berechneten Vortragszyklus über „Das Gebet" (im Anschluß an den Mischnatraktat Berachoth). Der Redner behandelte zunächst die Grundlage der ganzen Veranstaltung, der er einen Ausbau zu einer jüd. Volksakademie wünschte, und erörterte die Dreiteilung des Religionsgesetzes unter Bezugnahme auf die letzte Mischna des Traktates Orlah, worauf er auch die Autorität der von Esra begründeten „Großen Synode" durch den Hinweis bewies, daß in ihr P r o p h e t e n, d. h. Männer, welche von direktem Gottesgeiste erfüllt waren, faßen. Dadurch gehe unser von ihr festgesetztes, von den Gottesmännern gut geheißenes Gebetbuch weit über den Rahmen eines Werkes von Gelehrten hinaus. Bei der nunmehr folgenden Besprechung der ersten Mischna entwickelte der Redner in echt volkstümlicher, leicht faßlicher und überzeugender Darlegung unter Heranziehung vieler Hagadas so viele schöne rein religiöse und allgemein ethische Gedanken, daß das die Aula der Religionsschule (Rykestraße 53) füllende Auditorium am Schluffe mit dem lebhaftesten Beifall den empfangenen geistigen und ästhetischen Genuß quittierte. — Im Anschluß an den Vortrag dankte Herr Dr. Loevy dem Redner für den geistvollen Vortrag und hielt sich für verpflichtet, dem Vorsitzenden des Vortragsausschusses, Herrn Ludwig Behr, den Dank des Vorstandes auszusprechen, da lediglich Herrn Behrs Initiative und rastloser Energie das Zustandekommen der Vortragsveranstaltungen zu danken sei. Die nächsten Vortrüge hält Herr Rabb. Dr. Königsberger am Mittwoch, den 12., 26. Februar und 5. März. Am letztgenannten Tage, als Ersatz für den 19. Februar, an dem der Redner durch amtliche Berufung nach auswärts behindert ist. Am 12. und 26. März folgen dann noch 2 Vorträge des Herrn Rabbiner Dr. Bergmann über das Thema: „Die Erbauungsbücher unserer Bäte r". Berlin. Am Donnerstag, 6. Februar, hielt H. Provinzialrabbiner Dr. S. Bamberger-Hanau hier einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag gegen die „Richtlinien", dem eine sehr angeregte Diskussion folgte. Nach einer kurzen Charakteristik der „Richtlinien", die an die Stelle der göttlichen Lehre des alten Judentums eine Lehre menschlicher Willkür setzen, beantwortet Referent die Frage: „Wohin führen die Richtlinien?" etwa folgendermaßen: Nach dem Beschluß der Posener Versammlung der liberalen Vereinigung sollen die Richtlinien zur Grundlage einer kraftvollen Propaganda gemacht werden; diese soll sich nur auf die dem Judentum entfremdeten Kreise der Indifferenten erstrecken. Eine solche Beschränkung wird aber nicht möglich sein; die mit der Propaganda notwendig verbundene Betonung des Gegensatzes muß bis in die Kreise der Orthodoxie hinein, namentlich bei den Unkundigen und bei der Jugend, Jrrtümer über das Wesen des überlieferten Judentums erzeugen. Die Propaganda muß um so gefährlicher werden, als die Bestrebungen dahin zielen, die Liberalen nicht nur „auch als Juden", sondern als „die Juden" anerkannt zu sehen. Damit erwächst der Erhaltung der für die Gesetzestreuen unentbehrlichen Gemeinde-Institutionen schwere Gefahr, wenn auch diese Erhaltung auf Wunsch gesetzestreuer Minoritäten mehr oder minder verbindlich versprochen wird. Namentlich da, wo die Schaffung und Erhaltung doppelter Institutionen unmöglich ist, aber auch dort, wo sie tatsächlich erfolgt, wird deren Wert illusorisch, wenn sie dem Richtlinien- Rabbiner unterstellt bleiben sollen. Vor allem sei der Religionsunterricht dieser Rabbiner und ihrer Lehrer ein Unding, mag er von ihnen nach der Richtlinienlehre erteilt oder in unaufrichtiger Doppelzüngigkeit den Ansichten der Häuser, denen die zu unterrichtenden Kinder entstammen, angepaht werden.