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Das jüdische Blatt · 1913-02-14 · 7 (14.2.1913) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
7 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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'Jii. 7. Das jüdische Matt. vollen Wesens in hohem Maße die Sympathie der hiesigen Be-! oölkerung genießt. Ingweiler. Gestern sprachen Prosessor Dr. Dreyfuß und Referendar Ludwig Meyer aus Straßburg im Vereinslokale des hiesigen Literaturvereins über die Lösung der Judenfrage in Form eines öffentlichen Vortrages. Professor Dreyfuß hatte den historischen Teil übernommen und führte über das Fortschreiten des zionistischen Gedankens ungefähr folgendes aus: Das jüdische Volk habe nach dem Untergange des jüdischen Staates sich erhalten können, dank der Tat des Rabbi Jochanan den Sakai, der dem Volksganzen als geistigen Mittelpunkt die Thora erhielt, indem er Lehrhäuser gründete. 'Er habe sich trotz aller Drangsale in der Völkerwüste erhalten, während seine mächtigen Bedrücker untergegangen seien. Dadurch habe er den Beweis erbracht, daß es ein auserwähltes Volk und eine einheitliche Nation sei. Doch gehe er seit etwa 100 Jahren durch seine Zerstreuung unter den Kulturvölkern seiner Auflösung entgegen, weil ihm das Wesentliche, der Besitz eines eigenen Landes, fehle. Ziel des Zionismus sei, zunächst den Volksgenossen, welche von ihren Wirtsvölkern bedrückt wurden, eine gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen. Referendar Meyer sprach über den volkswirtschaftlichen Teil der zionistischen Bewegung, indem er in ausführlicher Breite deren Ziele über Ansiedelung jüdischer Volksmassen darlegte und über das in dieser Beziehung Geleistete referierte. Beide Reden wurden beifällig ausgenommen. In der darauffolgenden Diskussion erhielt Rabbiner Dr. Weil aus Buchsweiler das Wort. Er erkannte zwar an, daß der Zionismus manches gute gewirkt habe, indem er die Liebe zum heiligen Lande und zu'r hebräischen Sprache in Kreise getragen habe, in denen diese fast erloschen schien. Er mußte jedoch bemängeln, daß keiner der Referenten die Fragen behandelt habe, die im Mittelpunkte des Interesses stehen. Die Fragen: Wie erwirbt man die jüdische Nationalität? Ist Judentum nur ein Bekenntnis, oder nur Nationalität oder beides? Ferner, was versteht der Zionismus unter jüdischer Kultur. Der Redner ging daher auf diese Fragen ein und bewies, daß es unmöglich fei, das Judentum als Nationalismus hinzustellen. Das Judentum ist vor allem Religion. Die Religion allein hat das Judentum erhalten. Sogar die nationalen Erhebungen im jüdischen Volke waren von der Religion eingegeben. Es ist daher ein Unding, dem Judentum Nationalismus zuzuerkennen und ihm ein Bekenntnis abzustreiten. Dazu kommt, daß der Zionismus auf dem letzten Kongreß die Kultur der Poale Zion (Arbeiter in den zionistischen Kolonien), die das jüdische Religionsgesetz verwerfen und frevelmütig übertreten, offiziell als berechtigt anerkannt habe. Die zionistischen Bildungsanstalten in Palästina zeigen auch, wie das viel veri breitete zionistische Ideal der jüdischen Renaissance daraus ge- 1 richtet sei, an Stelle der jüdischen Ueberlieferung das west-! europäische Kulturideal zu setzen. Dem entspricht, daß der > religiöse Nihilismus der russischen zionistischen Arbeitervereine! auf den Boden des heiligen Landes verpflanzt werde, der für uns als die Stätte jüdischer Frömmigkeit und Gelehrsamkeit verehrt werde; dem entspricht, daß in dem hebräischen Gymnasium zu Jaffa, dessen Boden der zionistische Nationalfonds geschenkt habe, der Geist der Thoraleugnung jungen Juden eingepflanzt werde. Solange die Religion für uns eine Hauptangelegenheit des Lebens sei und solange diese bedauerlichen Bestrebungen im Zionismus andauern, müsse Redner von einem Anschluß an den Zionisnms abraten. Der spontane große Beifall bewies die tiefe Wirkung, die die Worte des Redners auf die Versammlung gemacht haben. Die Bemühungen der Herren Zionisten um Werbung von Mitgliedern der zionistischen Organisation hatte denn auch ein negatives Resultat. Es muß noch bemerkt werden, daß man von Akademikern, wie diese Herren sind, einen vornehmeren Ton in der Diskussion hätte erwarten dürfen. Ich aber sagte mir, wenn die Assimilation gleich mit der Kultur nach Palästina verpflanzt werden soll, was soll daun die Schaffung einer Heimstätte in Palästina? Und ich sah den greisen Rabbi Johanan ben Sakai wie er mit der Thora im Arme von Titus, dem Beherrscher von Rom, das den Nationalismus in seiner ganzen Brutalität darstellte, die Erlaubnis zur Gründung eines Lehrhauses erbittet und erhält und damit sein Volk befähigt hat, 2000 Jahre nn Golus zu leben und sich fortzuentwickeln, während seine Besieger schon längst untergegangen sind. Und ich schaue diese stolze jüdische Jugend, wie sie, über die Thora hinwegschreitend, die Fahne des jüdischen Nationalismus entfaltet, und da drängt sich mir die Frage auf: Werden es diese sein, die dem jüdischen Volke eine unbegrenzte Lebensdauer schaffen werden? Wird dem Judentum durch Politik — und Politik ist der Zionismus — geholfen werden können? I'. T. Lingolsheim. Vortragsabend im jüdischen Inge n d b u n d. Letzten Samstag abend sprach im hiesigen Jugendbund Herr F e I i x B l o ch aus Straßburg über die jüdischen Gebete. Von den 40 Mitgliedern waren 30 erschienen. Angenehm berührte es, daß zum ersten Male Damen anwesend waren. Möge dies Beispiel Nachahmung finden. Der Referent verstand cs, in gemeinverständlicher Art und Weise die Erschienenen für das Gebet zu erwärmen. Er hatte die Zweiteilung der Gebete in bibl. und talmudische, seinem Vortrage zugrunde gelegt. Bot der Vortrag schon an und für sich viel des Interessanten, so vertiefte eine äußerst angeregte Diskussion noch den Wert desselben. Das Konsistorialmitglied, Herr Lederfabrikant Otto Adler, hat unserem jungen Verein 100 ckl gestiftet, so daß wir in der Lage sind, schon jetzt etliche Bücher anzuschaffen. Herzlichen Dank dem edlen Geber! Möge uns sein Wohlwollen auch weiterhin verbleiben! * Schlettstadt. Herr Sylvain Bauer, Sohn des hiesigen Synagogendieners, wurde vor wenigen Wochen als Dirigent des Gesangvereins von Scherweiler berufen. Vor einigen Tagen gab dieser Verein sein erstes Konzert, wobei Herrn Bauer das größte Lob für die Ausführung der Gesangstücke, sowie die Organisation des Programms zuteil wurde. Winzenheim. Wieder können wir von einem namhaften Geschenk berichten, das unserer Gemeinde verehrt worden ist. Die in Paris ansässigen Söhne des im vorigen Jahre verstorbenen langjährigen Vorstehers, Herrn Jacques Schwab, haben 400 Franken geschickt als Beitrag zu der beabsichtigten Renovierung unserer Synagoge, die nächsten Soinmer ausgeführt werden soll. Den edlen Spendern sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen. Dayern. Ansbach. Von tiefem, sittlichem Ernst und religiöser Treue getragen ist der Hirtenbrief des bayerischen Erzbischofs gegen die Feuerbestattung. Wir bringen daraus folgende Sätze zur Kenntnis unserer Leser: „Bei den ältesten Völkern, bis hinauf in den Anfang der Menschheit ist die Erdbestattuug die ursprünglichste und allgemeine. Darüber ist man einig. Namentlich war das der

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