Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Nr. 7. Das jüdische Klatl. denen Ländern eingelaufenen Aeußerungen mit den Mitgliedern des „rabbinifchen Rates" nunmehr wegen der notwendigen Zuwahl in Verbindung zu treten. In Angelegenheiten der Presse wurde nach längerer Diskussion u. a. beschlossen, dem „Hadere ch" fortan versuchsweise eine deutsche Beilage hinzuzufügen, in der der Hauptinhalt der hebräischen Ausgabe wiedergegeben werden soll. Nach längerer Aussprache über den Stand der P r o p a - g a n d n in den verschiedenen Ländern, wobei die Tätigkeit der Vertrauensmänner in P a l ä st i n a und Rumänien mit besonderer Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde, wendete sich die Versammlung dem Hauptgegenstande der Tagesordnung, der Einleitung der praktischen Tätigkeit, zu. Gegenstand einer ausführlichen Aussprache war vor allem die Lage der Jeschiwoth im Osten. Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Zukunft der jüdischen Gesamtheit von der Erhaltung und dem Ausbau dieser Pflanzstätten der Thorawissenschaft wie von keinem anderen Faktor abhängig ist, erblickt das Komitee in der Schaffung des bereits in der vorigen Sitzung beschlossenen nb^n ”l^ -Fonds eine der wichtigsten Aufgaben der „Agudas Jisroel". Dieser Fonds, der natürlich nur dann seiner Aufgabe genügen kann, wenn er die Höhe von Millionen erreicht hat, da ja nur die Zinsen Verwendung finden sollen, kann nicht von heute auf morgen beschafft werden und wird nur mit der hingebungsvollen Unterstützung der breitesten V o l k s m a s s e n sowohl wie durch die der Freigebigkeit der auf der Höhe des Lebens stehenden begüterten Gesinnungsgenoss e n sich entwickeln können. Inzwischen aber ist es nötig, auch der Gegenwart nicht zu vergessen. Es wird darüber geklagt, daß, namentlich in Rußland, die prekäre Lage der großen Thoralehranstalten häufig davon herrührt, daß zu Beginn des Sommer- und Wintersemesters, bevor die ausgesandten Sendboten Geldmittel nach Hause schicken können, für den dringenden Lebensbedarf der Jeschiwahjünger Anleihen ausgenommen werden, die dann zu dauernder Verschuldung und oft zum Ruin der Anstalten führen. Es würde daher als eine Wohltat begrüßt werden, wenn den größeren Anstalten zu Beginn des Semesters einige Mittel für den laufenden Betrieb zur Verfügung ständen. Es wird daher beschlossen, z unächst für das laufende Jahr einen Betrag von 10 000 dl für den Beginn des Sommersemesters und weitere 10 000 dl für den Beginn des Wintersemesters zugunsten der größeren (nicht auf den lokalen Kreis beschränkten) Jeschiwoth zu bewilligen. Der Betrag soll durch drei russische Mitglieder des rrrrn ''‘T'iIj zur Verwendung gelangen. Eine weitere Aussprache galt der etwa zweckmäßig erscheinenden Reorganisation des Meschulochim- Wesens, insbesondere der Frage, auf welchem Wege es möglich wäre, eine Steigerung der privaten Opfer- Willigkeit für die Thoralehran st alten und eine Verringerung der heute ziemlich bedeutenden Akguisitionsspesen herbeizuführen. Der Gegenstand wird nach Einholung sachverständiger Gutachten in einer späteren Sitzung weiterverhandelt werden. Es gelangten hierauf eine Reihe von bereits vorgeprüften Plänen zur Einleitung der P a l ä st i n a a r b e i t zur Vorlage. Rach eingehender Diskussion wurde beschlossen, die Aufmerksamkeit der „Agudas Jisroel" zunächst einem Projekt zu widmen, das sowohl der Hebung des T h o r a g e i st e s im heiligen Lande, wie auch der wirtschaftlichen Entwicklung der Kolonien in gleicher Weise zugute koinmt. Es soll versucht werden, durch den Bau von Arbeiterhäusern an der Seßhaftmachung eines wahrhaft jüdischen A r b e i t e r st a n d e s in den Kolonien mitzuarbeiten. Zur Verfügung gestellt wurde zunächst ein Betrag von 5 0 0 0 0 0 Fr., der dazu dienen wird, kleine Arbeiterhäuschen in Verbindung mit Gemüsegarten, ev. der Gewährung der Möglichkeit einer kleinen Milchwirtschaft, zu errichten. Im einzelnen wurden dafür folgende Bedingungen beschlossen:;>) Da das Unternehmen den Kolonien in hohem Maße zugute kommt, wird erwartet, daß die Kolonialverwaltungen den Grund und Boden für die Häuser unentgeltlich zur Verfügung stellen; b) die Häuser werden den Inhabern zunächst pacht- bzw. mietweise überlassen mit der Verpflichtung, den Baubetrag allmählich in kleinen Raten zu amortisieren und dadurch den Bau weiterer Häuser zu ermöglichen: <•) als Pächter werden vor allem ehemalige Zöglinge von I e s ch i w o t h, überhaupt ,-pip '\22 gewählt, die bereits winde st ens ein Jahr in einer Kolonie landwirtschaftlich tätig waren. Weitere Anträge (Gewährung eines hypothekarischen Darlehens an den Handwerkerverein Jegia Kapaim in Jerusalem, sowie ein Kolonisationsprojekt) werden vorläufig zurückgestellt. Auf Antrag der russischen Gesinnungsgenossen wird beschlossen, auch von seiten der „Agudas Jisroel" die Bemühungen um Wiederaufrichtung des aschkenasischen Oberrabbinats zu Jerusalem auf gesunder Grundlage nach Kräften zu fördern, umsomehr, als hieran über Jerusalem hinaus die Gesamtheit in höchstem Maße interessiert ist. Das Schicksal der nach dem Westen a usge wände rten osteuropäischen Brüder, ihre geistige, religiöse und wirtschaftliche Gesunderhaltung, bildet ein besonderes Augenmerk der „Agudas Jisroel". Demgemäß wurde beschlossen, den Vorschlägen des Herrn Rabbiner Dr. Wolf in Köln, die sich mit den Bedürfnissen der nach Tausenden zählenden osteuropäischen Bevölkerung des r h e i n i f ch - w e st - fälischen Jndustriebezirkes beschäftigen, demnächst eine besondere Sitzung zu widmen und um die Beschaffung der für diesen Zweck notwendigen Geldmittel eventuell bemüht zu sein. Die Versannnlnng beschäftigte sich ferner mit einem Plane zur Hebung des Thorastudiums in Deutschland, auf den später noch zurückzukommen sein wird. Herr Wolf Möller-Altona regt eine Verschmelzung der für die Pflege gesetzestreuer Palästinaarbeit gegründeten „M o - r i a" mit der „Agudas Jisroel" an. Das Komitee beschließt, seine volle Sympathie gegenüber diesem Vorschläge zu bekunden, der geeignet ist, latente Gegensätze innerhalb der Orthodoxie zu beseitigen, und ist bereit, den Vorschlag im Auge zu behalten. Die Versammlung gibt noch dein einmütigen Danke für den verehrten ersten Vorsitzenden des Komitees, Herrn Kommerzienrat Feist, Ausdruck, der an der Sitzung nicht teilnehmen konnte, durch seine schriftlich gegebenen Anregungen und durch sein tatkräftiges Eintreten für die praktische Arbeit der Aguda aber fortdauernd in hervorragendem Maße dazu beiträgt, die raschere Verwirklichung dieser praktischen Ziele zu ermöglichen. Je mehr indessen einzelne hervorragende Gesinnungsgenossen der Agudas Jisroel ihr Interesse zuwenden, desto nachdrücklicher muß betont werden, daß die Zukunft unserer Be-