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Das jüdische Blatt · 1913-02-07 · 6 (7.2.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6. Das jüdische Klatt 7 einzugehen. Sie war, wie es Rabbiner Dr. Eschelbacher aus Freiburg schilderte, eine Eisches Chail. Möge Gott den um diese gute, wackere Frau Trauernden Trost spenden. Preußen. Dr. David Carlebach p'0"T- Eine erschütternde Trauerkunde kommt aus Halberstadt. In der Blüte seiner Jahre ist uns einer der Edelsten unter Judas Söhnen enrrisien worden, Herr Rabbiner Dr. David Carlebach. Im Alter von 27 Jahren ist er, der Gesunde und Starke, an den Folgen einer schweren Operation verschieden. Noch können wir die Nachricht kaum fassen, daß wir ihn, den wir alle geliebt und geschätzt, ihn, auf den seine Freunde und Verwandte mit Stolz sahen, für immer verloren haben. rif!^ UW nnusb wn w er ewigen Ruhe eingegangen: aber wir empfinden mit schmerzlichem Kummer die Lücke, die sein plötzlicher Tod in unseren Reihen zurückläßt, und lebendig steht seine kraftvolle Persönlichkeit vor unserem Geiste. David Carlebach wurde als zweitjüngster Sohn des verehrten Herrn Rabbiner Dr. S. Carlebach in Lübeck geboren, und war von .Kindheit an mit Liebe und Begeisterung für die jüdischen Heiligtümer erfüllt. Als ideales Vorbild hatte sich dem Heranwachsenden Jüngling das Bild des unvergeßlichen Dr. Ephraim Adler Vf in die Seele gegraben; und mit Wehmut lesen wir die Worte, die er vor kaum drei Jahren seinem verstorbenem Oheim gewidmet, und die auch auf ihn voll und ganz angewandt werden dürfen; denn auch er hatte sich zur Lebensdevise gemacht -pp!?N Qy J-pHn D\Dn „Vollkommen sei mit dem Ewigen, deinem Gott". Auch sein einziger Beruf war, ein ganzer Jude zu sein, und alle Zweige seiner Wirksamkeit waren nur Ausstrahlungen seines Ideals. Einer führenden Rabbinerfamilie angehörend, widmete er sich mit großem Eifer diesem Berufe und besuchte das Rabbinerseminar zu Berlin: dort vertiefte er sich in alle Gebiete des jüdischen Wissens und erwarb sich im 24. Lebensjahre die „Hatoras Haurooh". Sodann widmete er sich dem Studium der profanen Wissenschaften; studierte in Leipzig moderne Sprachen, Philosophie und Pädagogik, und promovierte dort mit großer Auszeichnung vor zwei Jahren. In einer gediegenen, umfangreichen Arbeit behandelte er die „biblischen Königsdiamen in der französischen Literatur". Sein besonderes Interesse hatte er während seines ganzen Studiums der Pädagogik gewidmet, und sich vornehmlich in die Werke von F ö r st e r vertieft. Mit Hilfe eines gediegenen pädagogischen Rüstzeuges bildete er zuerst sich selbst zu einer lebensvollen Persönlichkeit, da der kategorische Imperativ der sittlichen Pflicht ihm ins Blut übergegangen war. Und dann kam er gebend zu uns. Kam zu seinen Freunden, denen er sich mit seinem ganzen warmen Herzen widmete; kam zu seinen Schülern, und ward ihnen nicht nur zum beliebten Lehrer, sondern zum väterlichen Freund. Wenn er in seiner Studienzeit in Berlin und Leipzig (an der jetzigen jüdischen Realschule, an deren Errichtung er so innigen Anteil genommen) Unterricht erteilte, so geschah es bei ihm sicherlich nicht, um sich so einen kleinen Nebenverdienst zu erwerben, sondern ihm war das Unterrichten eine schöne ernste Pflicht, eine heilige Aufgabe. Um dies zu begreifen, muß man gesehen haben, w i e er unterrichtete; wie er sich auf jede Stunde mehrere Stunden vorbereitete, und zwar nicht auf den positiven Inhalt, das hatte er wahrlich nicht nötig, sondern um, mit allen pädagogischen Hilfsmitteln ausgestattet, vor die Schüler hinzutreten, um ihnen das Lernen möglichst zu erleichtern, um ihnen den jüdischen Unterricht zu Lieblingsstunden zu gestalten; und so freuten sich die Schüler und er, dem jede Stunde zum Erlebnis wurd>,- von einer Stunde auf die andere. Eine Fülle trefflicher Gedanken und Anregungen hat er in seinen pädagogischen Aufsätzen niedergelegt, und können wir es nur schmerzlich bedauern, daß mit ihm sein Zukunftsplan, die Schaffung eines jüdisch-pädagogischen Lehrbuchs, begraben wird. Aber nicht nur von dem Pädagogen David Carlebach fei die Rede, sondern auch von dem Menschenfreund, dessen Höchstes es war, andere zu beglücken, und der, um dies zu erreichen, nicht Mühe, noch Zeit und Geld scheute. Soll ich davon erzählen, wie er mit eigenen Mitteln sich eine kleine belletristische Bibliothek einrichtete, um sie seinen Schülern zur Verfügung zu stellen und sie so zu guter jüdischer Lektüre anzuregen; davon daß er (ich ertappte ihn einmal dabei und durfte es niemand wissen lassen) für sämtliche Schüler einer Klasse ein teures Werk anschaffte, weil er den Unterricht nach diesem neuerschienenen Buche, das nicht in den Lehrplan ausgenommen war, für besonders zweckmäßig hielt; soll ich davon berichten, wie er allwöchentlich mit seinen Schülern aus der Großstadt entfloh, um in Gottes freier Natur mit der Jugend zu spielen und zu scherzen; und von dieser angenehmen Ausgabe vermochte ihn nichts, auch keine Examensarbeit zurückzuhalten. Es kann nur angedeutet werden, welchen Verlust sein Tod für seine Freunde bedeutet, die mit dem innersten Wesen seiner Persönlichkeit vertraut waren, für den „Bund jüdischer Akademiker" und den „Dibbuk Chawerim" zu Berlin; sie alle, die sich von seinem lautern und bescheidenen Wesen angezogen fühlten, werden ihn aufrichtig betrauern, denn wir haben wahrlich der geschlossenen und gediegenen Persönlichkeiten nicht zu viele; sie werden ihn beweinen, die in ihm den Jmmerfrohen sahen, der, bei einer ernsten Lebensauffassung, dem düstern Kampf ums Dasein doch auch manche lustige Seite abzugewinnen wußte; sie werden ihn vermissen, ihn, dessen geistreiche und humorvolle Gelegenheitsreden über Berlin hinaus bekannt waren. So gilt auch von diesem David: "|p0l *0 niptUl Um das Andenken des Verblichenen zu ehren, der uns mit seinen jungen Jahren so viel geboten und so manches geleistet hat, und der nun in der Fülle seiner Kraft durch unerforschlichen Ratschluß von uns genommen wurde, wäre es wohl angebracht, wenn sich seine zahlreichen Freunde zusammenscharen würden, um eine „Dr. David- C a r l e b a ch - S t i f t u n g" ins Leben zu rufen, deren Mittel für die jüdische Schuljugend in Erez Jisroel und in den Städten, in denen er gewirkt, verwandt werden könnten; und zwar sollte das Geld dazu benutzt werden, um den Schulkindern die Veranstaltung von Ausflügen zu ermöglichen und für die Schüler Bibliotheken zu errichten. So könnten wir, dazu bedarf es keiner großen Kapitalien, zum Andenken an den Verstorbenen auf dem Wege, den er uns gewiesen, durch Kleinarbeit Gutes stiften, und nun, nachdem fein warmes Herz nicht mehr schlägt, in seinem Sinn die Jugend zu erfreuen suchen. Seine Freunde werden diesen schweren Verlust lange nicht verschmerzen können und aus vollem Herzen kommt mir der Wehruf um diesen teuren bewährten Freund: ij-|^ -p^y -0 Aber in die Fülle des bitteren Schmerzes mengt sich ein Gefühl, das die tiefgebeugten Eltern, die trauernden Geschwister und Freunde aufrichten möge, ein Gefühl des Stolzes und des Glückes, daß wir einen David Carlebach zu den Unsrigen zählen durften. Stets wird er uns. als nachahmenswertes Vorbild voranleuchten. Der Neujahrstag der Fruchtbäume hielt draußen in diesen Tagen seinen Einzug; dies sei uns, nach des Verstorbenen eigenen Gedanken, ein Symbol: daß wenn auch dieses Herz aufgehört hat zu schlagen, und diese Hand nicht mehr Segen stiften kann i-jn mjyy^ daß doch das edle Wirken des Verblichenen noch weiter Früchte tragen wird. nzinb p'ix “dt m.c. Berlin. Wie mitgeteilt wird, befindet sich die antisemitische „Staatsbürgerzeitung" in Liquidation.

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