Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Das jüdische Matt. Nr 6. einer Missionsreise." Der „fromme Mann", der hier während drei Tagen seine Weisheit kundtat, beendete dieselbe gestern abend in ziemlich „vorsichtiger" Weise; es schien ihm doch von irgend welcher Seite aus auf die Finger geklopft worden zu sein. Und als dann zum Schluß stürmisch nach Diskussion verlangt wurde (wahrscheinlich stimmte so manches nicht!), hielt es der „fromme" Mann nicht länger aus, und hätte zu gern den vor dem Eingang postierten Schutzmann zu Rate gezogen; dieser aber schien richtigerweise die Situation erkannt zu haben, und widerstand allen Versuchungen. So schied der Prediger von hier, und wenn seine stete Begleiterin meinte, „das sei Mülhausen", so hat ja niemand nach ihnen gerufen, und wir haben berechtigten Grund zur Annahme, daß man sie auch in Zukunft nicht rufen wird — so ist eben „Mülhausen"! Niederbronn. Der Auflösung der hiesigen jüdischen Schule, in der sich noch 10 Kinder befinden, ist vom Bezirkspräsidium die Bestätigung versagt worden. Winzenheim lOber-Elsaß). Letzten Sabbat fand in der Synagoge eine kleine, aber erhebende Feier statt. Herr Leopold Picard aus Colmar, ein Bruder unseres Vorstehers, hat eine Thorarolle schreiben lassen und sie unserer Gemeinde zum Geschenk gemacht. Da die Frau des Herrn Picard vor kaum zwei Wochen gestorben ist, bat er, man möge von jeder Feier absehen, und so brachte er am Freitag Nachmittag die Thorarolle hierher, wo sie sogleich in die heilige Lade zu den übrigen gestellt wurde. Doch man wollte eine so wichtige und heilige Sache, wie die Uebergabe einer neuen Thorarolle, nicht ganz unbeachtet vorübergehen lassen. Beim Morgengottesdienst wurde die Thora unter festtäglichen.Gesängen ausgehoben und mehrere Umzüge mit Gesang wie an Simchas-Thora veranstaltet. Als erster wurde Herr Leopold Picard, der den Sabbat bei seinem Bruder hier zubrachte, zur Thora gerufen und spendete bei dieser Gelegenheit einen namhaften Betrag für die Armen. Nach beendeter Thoravorlesung hielt der Rabbiner eine Predigt, in welcher er dem Spender den Dank der Gemeinde zum Ausdruck brachte und sich über die Bedeutung einer solchen Feier und der Thora gerade für die heutige Zeit verbreitete, wobei er nicht unterließ, unter Hinweis auf den Kampf um die Richtlinien, mit ernsten Worten zum treuen Festhalten in altgewohnter Weise an der Thora und der Ueberlieferung der Väter zu mahnen. Die Worte machten sichtlich Eindruck auf alle Anwesenden. Auch an dieser Stelle sei dem edlen Spender nochmals Dank ausgesprochen für sein hochherziges Geschenk. Nicht vergessen wollen wir, zu erwähnen, daß die Thorarolle von Herrn Kantor Bloch in Grussenheim geschrieben ist. Kayerm. Kchwemfurk. Auf die bekannte Aufforderung der Berlin- Frankfurt-Nürnberger Vorstandschaft, sich der Protesterklärung <egen die die Richtlinien bekämpfenden Rabbiner anzuschließen, erging s-ütens der hiesigen israel. Kultusverwaltung nachstehende Antwort: Wir bestätigen das am 16. Dezember 1912 bei uns eingegangene Schreiben der Administration der isreal. Kultusgemeinde Nürnberg, in welchem Sie uns zum Anschluß an die Protesterklärung gegen diejenigen Rabbiner auffordern, welche in öffentlichen Erklärungen gegen die Proklamation der Richtlinien für ein Programm des liberalen Judentums Stellung genommen haben Wir beehren uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir dieser Erklärung uns nicht anzuschließen vermögen. Wir betrachten es als unsere vornehmlichste Aujgabe, den Frieden in den Gemeinden hochzuhalten. der in unserer Gemeinde zwischen den Angehörigen des konservativen und liberalen Judentums in mustergültiger Weise besteht. Wir befürchten nun in der Tat, daß durch die Veröffentlichung der Richtlinien die Einheit der jüdischen Gemeinden beeinträchtigt und gefährdet wird, und bedauern und mißbilligen aus diesem Grunde in Uebereinstnnmung mit der Gegenerklärung der gesetzestreuen Rabbiner die Veröffentlichung der Richtlinien. Wir wollen nicht unterlassen zu bemerken, daß gerade dem Wirken unteres Rabbiners, der die Gegenerklärung mitunterzeichnet hat, der mustergültige Friede in unserer Gemeinde mitzudanken ist Kissingen. Herr Distriktsrabbiner Dr. Bamberger hat aus den: Kabinett des Prinzregenten Ludwig nachstehendes Schreiben erhalten: München, 22. Januar 1913. Seine Königliche Hoheit der Prinzregent haben von der Rede, die Euer Hochwohlgeboren bei der Trauerfeier für Weiland Seine Kgl. Hoheit den Prinzregenten Luitpold hielt, Kenntnis genommen. Allerhöchstdieselben lassen Euer Hochwohlgeboren für die tiefempfundenen Worte und für die durch die Vorlegung bekundete Aufmerksamkeit bestens danken. Im Allerhöchsten Auftrag v. D a n d l, Kgl. Staatsrat i. a. o. D. Schweinfurl, 31. Januar 1913. Sehr verehrliche Redaktion! Ich nehme Veranlassung, ausdrücklich zu erklären, daß ich als Führer der beim kgl. Staatsminister in Audienz empfangenen Deputation Sr. Exzellenz im Namen des Vereins für die Interessen des gesetzestreuen Judentums in B a y ern den Dank für feine der Revisionssache günstigen Stellungnahme ausgesprochen habe. Sollte irgendwo etwas anderes behauptet sein, so entspricht das den Tatsachen nicht. Ich persönlich stehe jeder Veröffentlichung in der Sache vollständig ferne. Mit vorz. Hochachtung! Rabbiner Dr. Stein. sNachbem. der Redaktion: Wir hatten an der absoluten Korrektheit des verehrten Herrn Einsenders auch nicht einen Augenblick einen Zweifel; die irreführende Aeuherung stand in einer Münchener Korrespondenz des Jsr.j Rördlingen. Eine wahrhaft Fromme hat ihre irdische Laufbahn vollendet. Am Donnerstag abend, 16. Schewah, entschlief nach kurzem Krankenlager Frau Wwe. Ernestine Ascher im 64. Lebensjahre. Ihr streng frommer Lebenswandel, ihre große Bescheidenheit, ihr felsenfestes Gottvertrauen, ihre Herzensgüte und grenzenlose Wohltätigkeit erheischen, daß der Heimgegangenen, dieser wahren Eisches Chail, auch in diesem Blatte ehrend gedacht werde. Bei der Beerdigung beteiligten sich neben den meisten hiesigen Gemeindemitgliedern zahlreiche Verwandte und Freunde von nah und fern und auch viele Andersgläubige. In ergreifender Rede würdigte Herr Lehrer Strauß am Grabe die mannigfachen Tugenden und Verdienste der Verblichenen. Ihr Andenken bleibt ein gesegnetes. Kaden. Salzburg (Baden). Ein ansehnlicher Leichenzug bewegte sich am letzten Sonntag durch unser Städtchen. Es galt die sterbliche Hülle der Gattin des von hier stammenden Kaufmanns Maier Mayer aus Schopfheim zur Erde zu bestatten. Im jugendlichen Alter von 35 Jahren nach 12jähriger Ehe mußte sie ihre schöne Heimat, iyren liebevollen Gatten, ihr hoffnungsvolles Söhnchen verlassen, um auf Gottes Ratschluß in eine noch bessere Welt