Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6. Das jüdische Statt b waren fast sämtliche Kantoren des Ober-Elsaß und viele aus Unter-Elsaß, so aus Straßburg, Benfeld, Bischweiler, Schlettstadt, Müttersholz, erschienen, sondern auch viele Israeliten aus der näheren und weiteren Umgebung. Daß die hiesige Gemeinde vollzählig sich beteiligte, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Sechs Kantoren trugen die Bahre vom Sterbehause in die Synagoge, die übrigen, eine recht stattliche Zahl, gingen dem Zuge voran. Die Trauerfeier in der Synagoge war würdig und äußerst eindrucksvoll. Sie wurde eingeleitet durch einen Psalm, mit Innigkeit und Rührung gesungen von Herrn Oberkantor Hey - mann- Straßburg. Nachdem auch Herr Kantor L e v y mit wohltönender Stimme einen Trauergesang zum Vortrag gebracht, hielt Herr Oberrabbiner W e i l die Trauerrede, in der er mit lebhaften Worten die Vorzüge des Herrn Metzger, sein Wirken in der Gemeinde und seiner Familie, schilderte und dem Schmerze der Gemeinde bewegten Ausdruck verlieh. Nach einem Schlußgesang des Herrn Heymann war die Feier in der Synagoge beendet, und der Zug setzte sich wieder in Bewegung nach dem Friedhof. Dort ergriffen nacheinander das Wort: Herr Konsistorialpräsident L. Manheimer im Namen des Konsistoriums, Herr Paul W u r m s e r als Vorsteher der Gemeinde, Herr Oberkantor H e y m a n n als persönlicher Freund und im Namen des Kantorenoerbands und zuletzt Herr L. Wormser als ehemaliger Vorsteher und als Mitglied des Konsistoriums. Alle Redner feierten übereinstimmend die Menschenfreundlichkeit und den mildtätigen Sinn des Dahingeschiedenen, dessen mitfühlendes Herz nie versagte, wo es galt, Not zu lindern und der Armut beizustehen. Er läßt hier eine fühlbare Lücke zurück. Sein Andenken bleibt unvergeßlich. x. Colmar. Zum Andenken an seinen verstorbenen Vater Gerson See wurde durch Herrn Camille See von hier die Summe von 400 Ji der städtischen Armenkasse übergeben. Diedenhosen. Am 20. Januar wtirde auch hier ein Viehhändlerverein ins Leben gerufen im Anschluß an den großen Deutschen Verband der Viehhändlervereine. Die nächste Versammlung findet am 6. Februar 1913 statt, es handelt sich dabei um Vorstandswahl und Aufnahme neuer Mitglieder. Die Vereine sind äußerst notwendig in diesen Zeiten, wo dem Viehhandel so viel Schwierigkeiten gemacht werden, hoffentlich wird er viel Gutes wirken. Schriftführer ist 2. Kantor und Schochet L. Hofstein. Diemeringen. Einen Beweis von Unparteilichkeit zeigt der hiesige Gesangverein (der Mitglieder aller Konfessionen enthält). E i n st i m m i g wurden die Herren I. Alexander und Dreyfus in den Vorstand gewählt; ersterer als Präsident, der letztere als Schriftführer. Ein um so erfreulicheres Ergebnis, als nur zwei Israeliten im Verein mitsingen. — Die bedrückenden Bestimmungen für den Viehhandel hinterlassen ihre Spuren. Ein hiesiger Geschäftsmann hat bereits sein Geschäft aufgegeben, ein anderer verzieht nach Frankreich. Dieuze. Besonders feierlich gestaltete sich dieses Jahr der Festgottesdienst in der Synagoge am Samstag vor Kaisersgeburtstag. Die Spitzen der christlichen Bevölkerung waren erschienen; wir erwähnen: der General mit seinem Adjutanten und mehreren Hauptleuten, der Bürgermeister mit einigen Mitgliedern des Stadtrats, der Amtsrichter, der Notar. Unser Chason, Herr Mantoux, leitete den Gottesdienst. Großbliltersdorf. Dem hiesigen Kantor H. Bloch ist der Religionsunterricht der Volksschüler der Stadt Saarbrücken übertragen. 1. Kantor Lißner, der bisher diesen Unterricht gab, war zu überlastet, und hat demzufolge die Kultusgemeinde seiner Bitte um Anstellung einer Hilfskraft Folge gegeben. herlisheim (ll.E.) Vergangenen Mittwoch hatten wir den Heimgang der nach langen, mit frommer Geduld ertragenen Leiden unerwartet schnell verstorbenen Frau Konstant Rehs zu beklagen. Um die 71jährige Entschlafene, welche eine wahre Esches chajil gewesen ist, trauern ein greiser Gatte, fünf verheiratete Kinder und Enkel. Möge der Allmächtige die betrübten Hinterbliebenen trösten! — Einem von unserer Frauenwelt schon längst schwer empfundenen Mißstand soll binnen kurzem abgeholfen sein. Unser Frauenbad, welches den rituellen Anforderungen nicht entsprach, wird dank der anerkennenswertesten Opferwilligkeit der Gemeinde und der Vereine und der unermüdlichen Bemühungen unseres Rabbiners Dr. Lehmann-Bischweiler einer umfassenden Reparatur unterzogen. Die technischen Arbeiten werden unter Leitung des Rabbiners durch H. Köcher, Mechaniker in Pfaffenhofen, ausgeführt, welcher die Bäder in Psaffenhofen und Ingweiler in mustergültiger Weise umgeändert hat. Möge diese Einrichtung dann auch von unseren Damen fleißig und vorschriftsmäßig benutzt werden! Ingweiler. Ein großes Trauergeleite verbrachte die irdischen Ueberreste der Frau Wwe. Brünette Weil letzten Montag nach dem Friedhof. Die Verblichene hat ein Alter von 66 Jahren erreicht, sie ist von schwerer Krankheit erlöst. Rabbiner Dr. Weil hob ihre Eigenschaften als liebende Mutter, biedere Hausfrau und treusorgende Gattin hervor, die sie ihrem vor sechs Jahren in den Tod vorausgegangenen Gatten gewesen war; sie ruhe in Frieden! — Seit Sonntag den 2. d. M. ist hier wieder eine Armenkasse; die Durchreisenden erhalten jeder 1,50 cM, dürfen aber dann' nicht in die Häuser gehen, um Almosen zu verlangen. Die Neueinrichtung der Kasse wird als große Erleichterung empfunden. — Auch ein hiesiger Balbos, Herr Charles Wertheimer, Metzger, hat die Kriegsmedaille erhalten, hoffen wir, daß er sie lange zu tragen die Ehre hat. J. B. Mülhausen (Ob.-Elf.). Vergangenen Montag wurde Herr- David Meyer zu Grabe getragen. Der Verstorbene, der mehr als 80 Jahre alt geworden ist, gehörte nicht nur den Jahren, sondern seinem ganzen Leben nach zu den „Alten" unserer Gemeinde. Das heißt, fein Haus war ein jüdisches Haus, nach dem Vorbild unserer Alten, die vor uns gewesen sind. Nach Rabbiner Blum würdigte der greise Rabbiner Bamberger aus Sennheim, seine Rede an die Sidroh vom letzten Sabbat anlehnend, die großen Tugenden und besonders die Wohltätigkeit des Heimgegangenen. Vor dem Minchah-Gottesdienst im Hause des Toten sprach Rabbiner Bloch und betonte, daß der Sera Kaudesch im Toten lebte ebenso wie in seinem im Tode ihm vorausgegangenen Bruder, dem allgemein rühmlichst bekannten Jacques Meyer, dieser Sera Kaudesch, der in Israel nie aufhören wird. Mülhausen. Es gibt auch hier noch wackere jüdische Jünglinge. Den Beweis brachte letzte Woche folgendes Vorkommnis: Ein Missionar Boden, der ganz Deutschland, scheints, bereist, hat im Börsensaal drei Vorträge abgehalten, dieselben in allen hiesigen Zeitungen und an allen Säulen angekündigt und obendrein noch die ganze israelitische Gemeinde speziell dazu eingeladen. Die Themata waren so gewählt, daß man meinen mußte, es handle sich um jüdische Vorträge. Zahlreich kamen die jüdischen Familien zur Börse, um die Vorträge zu hören. Da waren am Eingänge zur Börse einige junge Herren postiert, welche die israelitischen Familien über den wahren Zweck der Vorträge aufklärten. Und wirklich sind die meisten Erschienenen wieder schön heimgekehrt. Darauf begaben sich die jungen Herren zum Vortrag in den Börsensaal, hörten die Weisheit ruhig an, setzten aber dem armen Missionar nach seinem Vortrag hart zu. Die „Oberels. Landeszeitung" schreibt darüber: Man schreibt lins: „Das Ende