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Das jüdische Blatt · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das jüdische Statt. Nr. 5. erforderlichen Baulichkeiten für landwirtschaftliche Nebenbetriebe, insbesondere Milchwirtschaft, sollen später errichtet werden. Es ist dringend zu wünschen, daß dem Komitee aus den weitesten Kreisen reichlich Mittel zufließen, damit nach Fertigstellung des Neubaues, der zum Herbste bezogen werden soll, auch der Unterrichtsbetrieb selbst durch Gewinnung weiterer geeigneter und tüchtig vorgebildeter Lehrkräfte in genügender Zahl wie bisher auf der Höhe bleiben kann. Die Schule steht unter Leitung von Frl. L i p st a d t aus Hamburg und wird von Herrn Direktor Dr. Auerbach, dem Leiter der Talmud-Thora-Schule, regelmäßig inspiziert. Ruin innen. Die rumänischen Juden nehmen in diesem Augenblick das allgemeine Interesse in Anspruch. Die Londoner Botschafterkonferenz bietet den ersten Anlaß, für die Juden in Rumänien einzutreten. Der Zionistenführer M. Nordau hat sich in einem denkwürdigen meisterhaft abgesaßten Memorandum, das in der Londoner „Times" veröffentlicht wurde, an die Botschafterkonferenz gewandt und die jüdischen Interessen vertreten, die durch die infolge des Balkankrieges herbeigeführte Umwälzung der verschiedenen nationalen Besitzstände stark berührt werden. Unter anderm verlangte er die Ausführung des Art. 44 des Berliner Vertrags, in dem sich Rumänien verpflichtet, den Juden Gleichberechtigung zu gewähren, und die Bemühung der Botschafter um Erlangung der nötigen Zusicherungen, daß die Juden in denjenigen Gebietsteilen, die eintretendenfalls von Bulgarien an Rumänien abgetreten werden, bei dem Wechsel ihrer Nationalität als Rumänen nicht schlechter gestellt werden, wie als Bulgaren, wie sie bisher gewesen ist. als welche sie im Besitze aller bürgerlichen Ehrenrechte gewesen sind. Auch in den Kreisen der „Alliance" soll man sich ernstlich mit der Absicht tragen, für das Interesse der rumänischen Juden an die Botschasterkonserenz oder an deren Nachfolger zu treten. Die eingeborenen Juden Rumäniens selbst haben sich vor einigen Tagen in Bukarest im Parlamente eingefunden und dem Senatspräsidenten Cantacucino und dem Kammerpräsidenten eine Denkschrift zu überreichen. Die Denkschrift bezweckt, das neugewählte Parlament zu ersuchen, die Iudenfrage im Gei sie der Unparteilichkeit und der Gerechtigkeit zu prüfen und den Bedürfnissen und Forderungen der eingeborenen jüdischen Bevölkerung Rechnung zu tragen. Die Denkschrift beruft sich auf das Wort des Königs Carol, das er einer bei ihm im Jahre 1911 erschienenen Abordnung gegenüber gebraucht hat. Es hatte nämlich damals die jüdische Handwerkerorganisation ein Majestätsgesuch wegen der Präterierung jüdischer Handwerker bei Staatsbahnen überreicht, auf welches König Carol persönlich folgendes geschrieben hatte: „Wird der wohlwollendsten Aufmerksamkeit des Handels- und Jndnstrieministers empfohlen. Eine so zahlreiche arbeitsame Bevölkerung, welche hier seit Jahren ansässig ist und seit vielen Generationen im Lande sich betätigt, darf nicht mehr in die Lage gebracht werden, von der Arbeit abgehalten zu werden." Die Denkschrift führt unter anderm weiter folgendes aus: „Das rumänische Vaterland ist uns ebenso teuer als den übrigen Rumänen. Wir haben unsere tiefste Liebe zum Vaterland jederzeit bekundet und sind unserem König treu und ergeben und zu höchstem Danke verpflichtet. Wir glauben, daß jetzt der Augenblick gekoinmen ist, daß uns Gerechtigkeit zuteil werde. Die Regierung und das Parlament sollen den Willen und die Kraft haben, dieses Werk der Gerechtigkeit voll und ganz zu vollführen." In gleicher Richtung bewegen sich die Pläne, mit denen sich in Nerv-Park Mr. Henry Green, der Initiator jener erfolgreichen Kampagne gegen die Erneuerung des Handelsvertrages zwischen Amerika und Rußland, trägt. Von den meisten hervorragenden Vertretern der Wissenschaft in Amerika und Europa hat er Zustimmuugserklärrmg zu seinem Plane erhalten, die rumänische I u d e n f r a g e ins Rollen zu bringen. Selbst angesehene Kirchenfürsten haben ihm ihre Unterstützung seiner Aktion zugesagt. Dr. Green wird demnächst mit dem bekannten Philantropen Nathan Strauß eine Reise nach Palästina unternehmen, und auf seinem Rückwege die Hauptstädte der europäischen Länder besuchen, und für die Befreiung der rumänischen Juden von dem Drucke der Ungesetzlichkeit in Versammlungen Propaganda machen. Auf Grund der zahlreichen Zustimmungserklärur.gen hegt Air. Green die Hoffnung, daß es ihm gelingen werde, das vielgelästerte europäische Gewissen endlich aufzurütteln und der rumänischen Schmach ein Ende bereiten. Mr. Green hat die Absicht, seine Agitationsreise über Rom, Budapest, Wien, Berlin, Paris und London zu nehmen. Uom SaUmn. Adrianopel. (Aus deni inleressanten Bericht des Hilfsvereins über die Reise Dr. Nathans, Elkan Adlers, Dr. Kahns, nach den Balkanländern geben wir zunächst die interessanteste Stelle wieder, nämlich die Vorkehrungen für die nach dem Fall von Adrianopel zu leistende Hilfe.) Die Frage von Adrianopel mußte für sich allein behandelt werden. Wann die Stadt wieder zugänglich wird, läßt sich natürlich nicht mit Sicherheit sagen, immerhin kann das schon in verhältnismäßig kurzer Zeit eintreten. Es war nötig, in zweifacher Weise Vorsorge zu treffen. Einmal muß das, was in Bulgarien nicht erhältlich ist, aus dem Auslande schon jetzt herveigeschafft werden; was hier zu bekommen ist, muß angekauft und in die Nähe Adrianopels gebracht werden, damit im Augenblick der Zugänglichkeit für die Kranken und Halbverhungerten sogleich Hilfe vorhanden ist. Wir hatten vielfache eingehende Beratungen mit Fachleuten, Kaufleuten, Aerzten, Politikern und Personen, von denen vorauszufctzen ist, daß sie die Lage Adrianopels gut kennen, um mit ihnen festzustellen, was nötig ist und in welchen Mengen. Insbesondere gab uns auch die Königin in der besonderen Audienz, die wir bei ihr hatten, beherzigenswerte Winke gerade für Adrianopel. Die Kosten, die die Hilfe für Adrianopel erfordert, werden sehr bedeutend sein. Wir müssen nach allem, was wir erforscht haben, von den 25 000 Juden, die eingeschlossen sein dürften, 10 000 mit allen Lebensbedürfnissen für mindestens 8 Tage unterstützen; leider läßt sich sagen, daß auch schwere Krankheiten in Adrianopel herrschen, wahrscheinlich Erkrankungen der Atmungswege, Typhus, Lungenentzündungen, Dissenterie, Pocken, vielleicht auch Cholera. Nach genauen Berechnungen, brauchen wir an Lebensmitteln, Heizung, Kleidung usw. mindestens 52 000 Frs., ein Dispositionsfonds für unvorhergesehene notwendige bare Geldausgaben muß bereitgestellt werden; wir bewilligten dafür 13 000 Frs. Da größter Mangel an Aerzten und Schwestern herrschen wird, haben wir bereits einen jüdischen Arzt vom russischen Roten Kreuz engagiert für 20 Frs. den Tag, ferner haben wir 2 Krankenschwestern aus Berlin bestellt, die Medikamente, kondensierte Milch, Erbsmehl und für Kranke und Schwache andere Dinge, die in Bulgarien nicht zu haben find, mitbringen. Wir rechnen für Arzt, Schwestern, Medikamente sowie für Krankenpflege 10 000 Frs. Es liegt weiter im Interesse einer schnellen Gesundung der Verhältnisse, sobald Adrianopel offen ist, daß diejenigen, die nur durch die Belagerung vorübergehend in Not sind, so schnell wie möglich in den Stand gesetzt werden, wieder ihre Tätigkeit aufzunehmen, daß die aus anderen Orten Geflüchteten möglichst rasch zurückkehren, um die Stadt von Nichtansässigen zu leeren. Für

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