Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das jüdische Matt Nr. b. tesiore in Frankfurt, legte in einstündiger Rede die Ziele, Zwecke und Aufgaben dar, die sich der Verein gestellt habe, und zeigte im einzelnen, aus welchen Gebieten er sich entfalten müsse. Nach ihm richtete Herr Dr. Moses im Aufträge der Bu(>-l>> itli-Loge noch einige zündende Worte an die Versammlung, der Hoffnung Ausdruck gebend, daß die neue Institution aufrechte, gute Juden schaffe und sich weiter aufs Schönste entwickele. In seinem Schlußwort konnte der Vorsitzende die Mitteilung machen, daß innerhalb zwei Wochen sich schon 120 Mitglieder gemeldet hätten, daß bereits Sektionen sich haben bilden können, und diese Woche noch der erste Abend stattfinde. Im übrigen würde der Sommer zum Ausbauen benutzt werden, um im kommenden Winter mit schönen, gemütlichen Räumlichkeiten und einem festfundierten Budget und einem festliegenden Programm in die Arbeit einzutreten. Dann würde man auch nicht anstehen, die Damen in den Verein als aktive Mitglieder aufzunehmen. Mit der Bitte um regste Unterstützung schloß Herr Rechtsanwalt Kaufmann die Versammlung. TNannheim. Ein großes Kinderfest wird zu Purim hier veranstaltet und sind die Vorbereitungen schon fest im Gange, eine ganze Anzahl Knaben und Mädchen aus allen Gesellschaftskreisen üben Tänze und Aufführungen aller Art ein, an die sich dann eine Bewirtung mit Kuchen und Schokolade schließen wird. Am Abend findet ein weißer Ball für Erwachsene statt. Man bringt auch dieser Veranstaltung allgemeines Interesse entgegen. TNannheim. Am 22. Januar konnte die hiesige Getreidefirma Sußmann & Bodenheimer auf ein schönes Jubiläum zurückblicken, das ihres^ 50 jährigen Bestehens. Im Jahre 1863 von den mittlerweile verstorbenen Herren Bernhard Bodenheimer und Simon Sußmann begründet, hat sie sich aus kleinen Anfängen zu ihrer heutigen Bedeutung entwickelt. Sie nimmt heute einen hervorragenden Platz in der Reihe der Getreidetmporteure Mannheims und Süddeutschlands ein und genießt hohes Vertrauen in der gesamten Geschäftswelt des In- und Auslandes. 1884 trat Herr Sußmann aus, und Herr Bernhard Bodenheimer starb 1912. Lange Jahre war er Synagogenrat und hat sich viele Verdienste auf dem Gebiete der jüdischen Fürsorge erworben. Mögen die jetzigen Inhaber, seine Söhne, die Herren Alfred und Ernst Bodenheimer, das Unternehmen im Sinne ihres Vaters in gleichem Ansehen weiterführen. TNannheim. Dieser Tage wurde hier vor dem Schöffengerichte eine Sache gegen einen Taglöhner verhandelt und dabei der jüdische Kaufmann Würth als Zeuge aufgerufen. Schon vorher hatte er die Eidesbelehrung dadurch zu umgehen gesucht, daß er sich vor dem Aufruf der Zeugen in den Hof begab. Als er dann, besonders belehrt, den Hut zur Ablegung des Eides abnehmen sollte, verweigerte er dies, da er strenggläubiger Jude sei. Der Vorsitzende ermahnte ihn nochmals, sich keine Strafe zuzuziehen, und den Hut abzunehmen. Würth aber blieb dabei. Der Zeuge wurde nicht vereidigt, aber er wurde zu einer Geldstrafe von 10 Jl verurteilt. Er hätte sich wohl ein Gebetkäppchen mitbringen können, das wäre wohl wie früher auch jetzt nicht beanstandet worden. Preußen. Dortmund. Am 19. Januar hielt der Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen seine Generalversammlung in Dortmund ab. Mit dieser mar zugleich die Einführung des neugewählten Rabbiners, H. Michalsky, verknüpft. Die Versammlung war gut aus allen Teilen Westfalens besucht. Auch der Schwesterverein aus dem Rheinland hatte seine Vertreter entsandt. Der Vorsitzende, Herr Dr. Rubens-Gelsenkirchen, begrüßte die Erschienenen mit herzlichen Worten, gab eine Uebersicht über den Stand des Vereins und die Kassenverhältnisse und dankte in warmempfundenen Worten dem scheidenden Rabbiner, Herrn Dr. Brader, für seine Tätigkeit, die einen allseitigen Erfolg bedeutet habe. Hierauf erstattete Herr Rabbiner Dr. Brader den Jahresbericht. Aus der reichen Fülle der während der Amtszeit des Herrn Dr. Brader entwickelten Tätigkeit heben wir nur hervor, daß der Verein an Zahl der angeschlossenen Gemeinden sich um ein volles Drittel vergrößerte, zwei neue Mikwoauth zu Dortmund und Vreden erbaut wurden und in mehreren Gemeinden ständiger Religionsunterricht eingeführt wurde. Herr Referendar Jsi Kahn aus Köln hielt sodann ein ausgezeichnetes Referat über „die Richtlinien und ihre Bedeutung für das deutsche Judentum". Seine markigen, überzeugenden Ausführungen lösten bei der Versammlung begeisterten Beifall aus. Nach einer kurzen Pause ergriff nunmehr Herr Rabbiner Dr. Wolf-Köln das Wort, um Herrn Rabbiner Michalsky in sein Amt einzuführen. In tiesdurchdachten und von inniger Begeisterung erfüllten Worten wies er den Herrn Rabbiner auf die Schwere seines Amtes hin, aber auch auf die Befriedigung, die ein gottgssegnetes Wirken mit sich bringe. Die sodann von Herrn Rabbiner Michalsky gehaltene Antrittsrede war eine nach Form und Inhalt rednerische Glanzleistung, die bei den Zuhörern allseitigen reichen Beifall fand. An die Versammlung schloß sich ein gemeinsames Mahl, das von^^^i^^gewürzt, die Teilnehmer noch recht lange in fröhlichster Stimmung zusammenhielt. Möge dem jungen Rabbiner des Vereins eine recht gesegnete, erfolgreiche Tätigkeit beschieden sein. Bavarus. Aus aller Welt. Kchwriz. Basel. Herrn Charles Nordmann wurde von Herrn R a b b i n e r Dr. Cohn der “iDH Titel verliehen. Diese so ehrenvolle Auszeichnung gewinnt noch an Bedeutung, wenn man in Betracht zieht, daß Herr Rabb. Dr. Cohn während seiner 28 jährigen Amtszeit in Basel, diesen Ehrentitel bloß dreimal verliehen hat. In dem von Herrn Kantor M. L o e b künstlerisch hergestellten Diplome sind die Verdienste gewürdigt, die sich Herr Nordmann um die Erhaltung und Förderung des gesetzestreuen Judentums in Basel und in der Schweiz erworben hat. Die echt jüdische Erziehung, die ihm sein Vater Herr Lehrer N o r d m a n n in Solothurn zuteil werden ließ, trug reichlich Früchte. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß er während seiner Militärdienstzeit in Belfort Pe größten Opfer brachte, um den jüdischen Vorschriften entsprechend leben zu können. In Basel ist er der Mitbegründer des „Schomre- Thora-Vereins" und seit 18 Jahren ununterbrochen Präsident dieses so segensreich wirkenden Vereins. Ferner ist er Vizepräsident der Fleisch- und Schächtkommission, Sekretär des Vereins zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz und Mitglied der Kommissionen vieler gemeinnütziger Institutionen. Von der echt jüdischen Erziehung, die Herr Nordmann seinen Kindern zuteil werden ließ, legte die Barmizwoh- Feier seines ältesten Sohnes, S a l o m o n, die vergangenen 71357 stattgefunden hat, ein beredtes Zeugnis ab. Bei einem Festessen, das neben den Familienangehörigen eine große Anzahl von