Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. Das jüdische Klatt. nationaljüdischen Gedankens. In anschaulicher Weise wußten die Herren die zionistische Idee dem zahlreich erschienenen Publikum näher zu bringen. Die tiefen, inhaltsvollen Worte von Prof. Dreysuß und die kernige, begeisternde Rede von Herrn Löw, in dem wir einen temperamentvollen Redner kennen lernten, machten auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Kein Wunder, daß sich der neu gegründeten Schekelzahlergruppe sofort 31 Herren anschlossen Wir danken den Rednern nochmals auf diesem Wege für ihren Besuch. TNarkirch. Am 24. Januar feierte Herr M. D r e y f u ß , Vorsitzender der Kultusgemeinde und Beigeordneter, seinen 70 jährigen Geburtstag. Aus diesem Anlasse hatte es sich die israelitische Gemeinde Markirchs angelegen sein lassen, Herrn Dreysuß, der seit 42 Jahren Präsident dieser Gemeinde ist und seit 22 Jahren der israelitischen Friedhofsverwaltung in Schlettstadt angehört, in würdiger Form ihre besten Glückwünsche, sowie ihre Sympathie und Dankbarkeit darzubringen, die er sich nicht nur bei seinen israelitischen, sondern auch bei allen übrigen Mitbürgern durch die denselben geleisteten Dienste errungen hat. Eine Deputation begab sich nachmittags in die Wohnung des Herrn Dreysuß, um demselben im Namen der israelitischen Gemeinde zu seinem 70 jährigen Geburtstage zu gratulieren und ihm unter einer kurzen, ehrenden Ansprache eine kostbare marmorne Statue als Geschenk zu überreichen. Dieselbe stellt „Nathan der Weise" dar und steht aus einem hohen Sockel. Um 5 Uhr fand dann in der Synagoge eine schöne Feier zu Ehren des Herrn Dreysuß statt, und daran schloß sich ein offizieller Akt im Saale des Rathauses, wo ein prächtiger Blumenstrauß den Platz des Gefeierten zierte. Herr Dittmar, Ministerialrat und Ehrenbürgermeister der Stadt Markirch, hatte die Liebenswürdigkeit, zum Feste sich einzufinden, um feinen früheren Mitarbeiter zu beglückwünschen. Der Feier wohnten außerdem der Gemeinderat, die Beamten des Bürgermeisteramts, Herr Charles Fischer, der frühere Kollege des Herrn Dreysuß, und andere Beamte bei. Herr Bürgermeister Götel eröffnete gegen 6 Uhr die Feier mit folgender Ansprache: Mein lieber Herr Dreysuß! Im Namen des Gemeinderats bringe ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem 70. Geburtstage dar. Sie feiern heute ein Fest, das im Amte und in voller geistiger und körperlicher Frische zu erleben, nicht vielen Sterblichen vergönnt ist. Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken, so können Sie mit den biblischen Worten sagen, daß es köstlich war, denn es ist voll Mühe und Arbeit gewesen. Und Mühe und Arbeit haben Sie sich gemacht im Dienste des Gemeindewohls, dem Sie sich über 30 Jahre als Gemeinderatsmitglied und fast ein Vierteljahrhundert als Beigeordneter gewidmet haben. Wir, Ihre Mitarbeiter, die heute vollzählig erschienen sind, wissen besser als alle andere, mit welcher Treue und Gewissenhaftigkeit Sie Ihrer Pflicht nachgekommen sind. Ich freue mich, die nicht bloß der Bürgerschaft, sondern auch der Verwaltung gegenüber bekundete Treue, sowie die Zuverlässigkeit meines ältesten Mitarbeiters, an seinem heutigen Ehrentage öffentlich hervorheben zu können. Damit haben Sie sich, der Sie in jungen Jahren nach Markirch zugewandert sind, ein besseres Bürgerrecht erworben, als wenn Sie hier geboren wären. Von der Kritik sind Sie, wie keiner, der in der Oeffentlichkeit arbeitet, verschont geblieben. Am heutigen Tage schweigt auch diese, und alle vereinigen sich in einem Gefühle des Dankes. Als ein Zeichen der Dankbarkeit bin ich vom Gemeinderate beauftragt, Ihnen für Ihre hervorragenden Dienste die gegenwärtige Adresse zu überreichen, welche folgenden Wortlaut hat: „Der Gemeinderat der Stadt Markirch spricht anläßlich des heutigen 70. Geburtstages des Herrn Beigeordneten Moritz Dreysuß demselben seinen wärmsten Dank aus für die hervorragenden Dienste, welche derselbe der Stadt ununterbrochen als Gemeinderatsmitglied während 31 Jahren und als Beigeordneter während 24 Jahren geleistet hat." Und nun geben Sie mir die Hand und lassen Sie mich Ihnen nochmals herzlichst gratulieren und mit dem Wunsche schließen, daß Sie der Stadt und Ihrer Familie noch lange erhalten bleiben mögen. Herr Dreysuß antwortete, er sei zu bewegt, um eine längere Rede halten zu können. Er sprach dem Bürgermeister für seine wohlwollenden Worte seinen besten Dank aus und dankte auch dem Gemeitiderate, der ihn unterstützt und ihm fein Zutrauen geschenkt habe. Er hoffe, daß seine Kräfte ihm erlauben werden, noch lange mit dem Gemeinderate zu arbeiten, und daß ihm dessen Vertrauen erhalten bleiben werde. Hierauf ergriff Herr Ministerialrat Dittmar das Wort und führte ungefähr folgendes aus: Meine Herren! Gönnen Sie mir zunächst, daß ich Ihnen meinen innigsten Dank dafür ausspreche, daß Sie, vertreten durch den Herrn Bürgermeister, mich zu der heutigen Feier freundlichst eingeladen haben. Es ist mir eine große Freude gewesen, als ich die Einladung erhielt, derselben Folge zu geben. Ich danke Ihnen dafür, daß Sie mir heute dienstlich noch einmal Gelegenheit geben, in Ihrer Stadt zu verweilen, in diesem so vertrauten Raume, der so lange die Stätte meiner Wirksamkeit in Markirch gewesen ist. Ich bin gerne hier gewesen und habe mir Mühe gegeben, dem Amte gerecht zu werden. Ich denke oft zurück an die Zeit, wo ich hier weilen durfte; sie zählt mit zu den schönsten Zeiten meines Lebens. Wenn ich an dieser Stätte verweile,, so zaubert sich vor meinem geistigen Auge wieder die Vergangenheit hin. Ich freue mich, daß ich viele von den Herren, die damals mit mir zu beraten berufen waren, begrüßen kann. Ich bitte um die Erlaubnis, auch denjenigen Herren, welche damals nicht dieser Körperschaft angehörten, meine Grüße entgegenbringen zu dürfen. Ganz besonders treten vor meinem geistigen und glücklicherweise heute auch vor meinem körperlichen Auge die Gesichter der Herren, mit denen ich täglich beratschlagen durfte und mit denen ich tätig war für das Interesse der Stadt Markirch. Ich meine die Persönlichkeit der Herren Beigeordneten Dreyfuß und Fischer. Bei dem einen hat ja ein widriges Geschick gefügt, daß er nicht mehr dem Dienste der Stadt sich widmen kann. Herr Dreysuß ist heilte derjenige, welcher in erster Linie und in vollständigem Maße die Vergangenheit für mich verkörpert. Alles, was der Bürgermeister Götel über die Tätigkeit des Herrn Dreysuß gesagt hat, kann ich voll und ganz unterschreiben. In vollkommener Hingebung hat sich Herr Dreysuß das Wohl der Stadt angelegen sein lassen. Herr Bürgermeister Götel hat für die neue Zeit gesprochen, ich möchte Herrn Dreysuß die Grüße der alten Zeit bringen. Ich bin heute hierhergekommen, um Ihnen zu Ihrem 70. Geburtstage zu gratulieren. Ich wünsche Ihnen, daß Ihnen die körperliche und geistige Kraft erhalten bleiben möge, damit Sie das Amt noch lange in voller Rüstigkeit weiter versehen dürfen. Ich wünsche, daß es der Stadt Markirch vergönnt sein möge, noch lange die Früchte Ihrer langjährigen Mit- \~i