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Das jüdische Blatt · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Da» jüdische Statt Nr. 5. Elsaß-Lothringen. Slraßburg. Vergangenen Mittwoch abend sprach Herr Rechtsanwalt Bernheim im jüdischen Jugendbund über die elsaß-lothringische Steuerreform. Dem Redner, der ein trefflicher Kenüer der Materie ist, gelang es vorzüglich, in ansprechender Darstellung seinen Hörern das neue Steuerbukett in seinen Prinzipien verständlich zu machen. Eine rege Diskussion veranlaßte Herrn Bernheim, auch eine Reihe Einzelheiten des Gesetzentwurfs zu besprechen. Wir möchten auch hier nicht versäumen, auf die gemeinnützigen Ziele des Jüdischen Jugendbundes hinzuweisen, dessen Räumlichkeiten allabendlich jedermann offen stehen, Sch. Llraßburg. Letzten Samstag abend fand im Restaurant Blum die diesjährige Generalversammlung des Jüdischen Turnvereins Straßburg statt. Rach Genehmigung des Protokolls der letzten Generalversammlung erstattete der 1. Vorsitzende, Herr Samuel Levy, den Jahresbericht, dem wir folgendes entnehmen: Auch das verflossene Jahr war für die Weiterentwickelung des Vereins günstig. Die stattliche Anzahl von Reuanmeldungen brachten dem Verein neue Kräfte, und trotz der im Laufe des Jahres eingeführten verschärften Turnordnung hat sich der Besuch der Turnstunden weiter gehoben. Ebenso erfreute sich die neu eingerichtete Damenriege einer sehr regen Teilnahme, wie auch die unlängst ins Leben gerufene Riege für ältere Herren allgemein Anklang gefunden hat. An Veranstaltungen des Vereins ist neben den in den Sommermonaten unternommenen Ausflügen vor allem das Stiftungsfest zu erwähnen, das einen glänzenden Verlauf nahm. Hierauf wurde dem Vorstand einstimmig Decharge erteilt, bei welcher Gelegenheit die Versammlung ihrem Dank für die rege Arbeit und umsichtige Leitung des Vorstandes Ausdruck verlieh. Die alsdann vorgenommenen Neuwahlen hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Herr Samuel Levy; 2. Vorsitzender Herr Armand Louy; 1. Schriftführer Herr Paul Koßmann; 1. Turnwart Herr Lucien Louy; 2. Tunwart Herr Repht. Metzger; Kassierer Herr Joseph Bloch; Beisitzer Frl. Louise Bloch, Herr Zahnarzt Oppenheimer, Herr Sem Baer. Aus den von der Generalversammlung gefaßten Beschlüssen elwühnen wir folgendes: Zur Hebung der Beteiligung an den Turnstunden wurde in Aussicht genommen, sowohl für die besten Leistungen im Turnen, als auch für die regelmäßigsten Besucher der Turnabende Preise auszusetzen, dies ebenso für die Damenwie für die Herrenriegen. Auf Anregung eines Mitgliedes sollen in Zukunft auch Fechtkurse eingeführt werden, da hierfür allseitig Interesse zu bestehen scheint. Zum Schlüsse sprach sich die Versammlung darüber aus, sowohl durch persönliche Propaganda, als auch durch die Presse für die Ziele des Vereins zu werben. Ein Antrag, zu diesem Zwecke eine Kommission zu wählen, wurde zum Beschluß erhoben und die Herren Zahnarzt Oppenheimer, Dr. I. Schneider, Edmond Louy und Sylvain Levy hierzu bestimmt. Um 11 % Uhr beschloß der Vorsitzende die Versammlung init der Aufforderung an die zahlreichen Anwesenden, dem Verein auch weiterhin nach Kräften Unterstützung imd Förderung angedeihen zu lassen. Vollweiler. Das Konsistorium hat der Gemeindeverwaltung mitgeteilt, daß die Wiederbesetzung des hiesigen Rabbinats im Prinzip beschlossen ist. Colmar. Soeben geht uns die traurige Kunde vom Ableben des Oberkantors der Israelitischen Gemeinde in Colmar, Herrn L. Metzger, zu. Derselbe hat ein Alter von 64 Jahren erreicht. In ihm verliert die Gemeinde einen tüchtigen pflichttreuen Beamten. 30 Jahre lang hat er mit seiner prachtvollen Tenorstimme den Gottesdienst verschönt, und stets' dazu beigetragen, daß der Besuch der Synagoge ein reger geblieben ist. Aber auch als Mensch hat sich der Verblichene die Sympathie seiner Mitbürger erworben, ohne Unterschied der Konfession, durch sein stets zugängliches, entgegenkommendes Wesen, besonders den Armen gegenüber, für weiche er immer ein williges Herz und offenes Ohr hatte. Im Elsaß-Lothringischen Kantorenverband bekleidete der Verstorbene die Stelle eines zweiten Vorsitzenden. An den früheren Stellen seiner Wirksamkeit Kolbsheim, Sulz, Benfeld hat der Verblichene ein ehrendes Andenken hinterlassen. Der tiefbetrübten Familie entbieten wir unser tiefgefühltes Beileid. Forbach. Die in unserer Gemeinde abgehaltene Kaisersgeburtstagsfeier verdient deshalb besonders erwähnt zu werden, weil an ihr nicht nur unsere Glaubensgenossen, sondern auch eine sehr große Anzahl Andersgläubige, darunter die Spitzen der Zivil- und'Militärbehörden, teilnahmen. Wir erwähnen u. a. Kreisdirektor Frhr. v. Woellwarth, Garnisonkommando Oberst Sommerfeld nebst Kollegium, Bezirkskommandeur nebst Kollegium, Bürgermeister Stieb nebst Gemeinderat, Oberrealschuldirektor Dr. H o r st nebst Kollegium, Kreisschulinspektor V u l h o f, Amtsrichter Maasen nebst Kollegium, Frl. Kautz, Vorsteherin der höheren Mädchenschule nebst Kollegium usw. Eingeleitet wurde die Feier durch Absingen des Mah Tauvu und einiger Psalmen, vorgetragen von einem vierstimmigen Chor. Sodann bestieg unser Kultusbeamter, Herr K a u f f m a n n die Kanzel um in schwungvoller Rede den Kaiser als Hort des Friedens und die treue Hingabe des Israeliten an sein Vaterland zu schildern. Den Schluß der Feier bildeten sodann das Ausheben der Thorarollen, das Gebet für den Landesvater, sowie die Rezitation der üblichen Psalmen. Selten fand noch in unserer Gemeinde eine Feier statt, die so eindrucksvoll auf alle Teilnehmer, besonders aber auf die Andersgläubigen wirkte. Großblitlersdorf. Unser langjähriger Synagogendiener Jakob Levy hat nun auch die Kriegsmedaille erhalten. Er hat die Schlachten bei Weißenbnrg, Wörth und Sedan mitgemacht und bezieht auch die Veteranenpension von -tl 10,— pro Monat. — Nachdem die von der letzten Renovierung unserer Synagoge herrührende Schuld fast ganz abgetragen ist, werden wir jetzt eine Heizungsvorrichtung für die Synagoge bekommen. 4. II. Hagenau. Herr Henri K a h n, Sekretär der jüdischen Gemeinde, ist im Alter von 52 Jahren gestorben. Von einem Spaziergang heimgekehrt, traf ihn ein Schlag, von dem er sich nicht wieder erholen sollte. Seit 27 Jahren im Hause Z. Levy & fils angestellt, und seit 20 Jahren als Nachfolger seines Vaters Gemeindefekretär, war er in jeder Beziehung ein musterhafter Beamter. Sein ausgezeichnetes Gedächtnis und seine tiefen Kenntnisse und ebenso sein angenehmer Charakter und sein unparteiischer Sinn machten ihn zu einem ausgezeichneten Mitarbeiter in allen Gemeindeangelegenheiten. Er hinterläßt eine trauernde Witwe und vier unmündige Kinder, denen wir unser herzlichstes Beileid aussprechen. M. W. O :. herlisheim. Der letzte Sonntag gestaltete sich für unsere Gemeinde zu einem großen Ereignis. Im Restaurant „Zum Grenadier" hielten Herr Prof. Dreyfuß und stud. med. Abraham Löw aus Straßburg einen Vortrag über die Entwickelung des % < *

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