Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. Das jüdische Statt. 3 es in der Zukunft nie getrübt werden wird. Die Juden in den eroberten Provinzen, das versichere ich ihnen feierlich, werden mit derselben Gerechtigkeit und demselben Entgegenkommen behandelt werden, wie die Juden in Bulgarien es bisher gewesen sind. Sie werden die gleichen Rechte und Privilegien genießen, wie ihre Glaubensgenossen in dem Königreiche und keine Macht wird stark genug sein, uns zu einer andern Handlungsweise zu veranlassen. Sogar Rußland, dem wir doch viel verdanken,, wird es nicht vermögen, uns im Sinne einer antisemitischen Politik in unserem Lande zu beeinflussen. Auch Dr. Daneff hat dem Jewish Chronicle einen Brief in diesem Sinne geschrieben, den wir wiedergeben: Brief Dr. Donesfs an den Jewish Chronicle. In Beantwortung der Anfrage Ihres Vertreters, erkläre ich, daß die Bulgarische Regierung entschlossen ist, den Juden in den neueroberten Provinzen die gleichen Rechte und Freiheiten in jeder Hinsicht zu gewähren, welche die Juden im Königreiche Bulgarien bereits in den letzten 35 Jahren genossen haben. Dr. S. Daneff. Wandlungen. IV. Wir wissen bestimmt, daß der Führer der Deputation des Vereins für die Interessen der Orthodoxie in Bayern ein durchaus ehrlicher Mann ist; es muß also eine Unwahrheit sein, wenn in einem jüdischen Organ behauptet wird, diese Deputation habe im Namen der bayerischen Orthodoxie gesprochen. Selbst wenn der Schweinfurter Bannstrahl seiner Wirksamkeit schon beraubt wäre, könnte also noch nicht gesprochen werden?) Die Antwort Sr. Exzellenz des Herrn Kultusministers sollte übrigens diesen Herrn zu denken geben. Was haben wir denn stets anders behauptet, als daß im Rahmen der durch das bayerische Verfassungsrecht festgesetzten Rechtsnormen eine Revision, wie sie dieser Verein als eine unerläßliche Voraussetzung seines Revisionsbegehrens träumt, schlechthin unmöglich sei? Das rufen wir jetzt seit fünf Jahren und es ist sicher, daß eine Revision nur eine Art Diagonale bieten kann, eben im Rahmen dieser Rechtsnormen. Es ist zu konstatieren, daß also die Herren mit dieser Diagonale sich beruhigen, wir sind wahrhaftig nicht ruhig dabei. Nehmen wir einmal an, ein solches Diagonalprodukt bringe die äußerlich sicher beruhigende Bestimmung, daß die jeweilige Majorität der jeweiligen Minorität weitestgehende Rechnung zu tragen hat, bis zum Grabe, ja sogar noch darüber hinaus, bis zur Leichenrede. So, dann bitten wir doch einmal die Herren, die Gesetzgebung aller Staaten und aller Konfessionen durchzugehen, ob sie da eine gesetzlich festgelegte Gleichberechtigung der Majoritäten und Minoritäten finden. Es würde uns überraschen. Empfindet man es denn wirklich nicht, auch in der Zeit der Richtlinien nicht, welchen Schlag das überhaupt für den Begriff Religion in sich schließt? Hat man denn den Richtlinienkampf so wenig tief aufgefaßt, daß man sich nicht einmal bemüßigt fühlt, dem Revisionsbegehren einen anderen Inhalt zu geben? Fühlt man es denn nicht, daß die Fortsetzung des Begehrens nach einer Zentralkasse all dem, was man im Richtlinienkampf behauptet hat, diametral x) Im übrigen erklären wir hiermit feierlichst, daß wir auf diese Aufhebung förmlich verzichten und daß es uns trotzdem nicht leid tut, einer unter diesen Auspizien gegebenen Einladung dieses Vereins zur Kooperation im Richtlinienkampf Folge geleistet zu haben. Wie erklären aber ebenso feierlich, daß wir jedem Versuch dieses Vereins, diesen Kampf für „seine" Revision auszuniitzen, zu begegnen versuchen werden. entgegengesetzt ist? Aber freilich, wir wissen es, das sind ja alles Theorien, aschgraue Theorien, und die Praxis, ja Bauer, das ist etwas ganz anderes. Ach dir mein lieber Himmel, was hat sich schon alles gewandelt, was ist schon alles (selbstverständlich unbewußt) in diesen fünf Jahren auf der Strecke geblieben in der Welt der Möglichkeiten. Nein, es ist nicht wahr, daß aller Anfang schwer ist, nur in der Entwicklung sich über den Anfang klar zu bleiben, das ist schwer. Und noch eine bescheidene Anftage haben wir, die natürlich auch ohne Antwort bleiben wird. Wenn „man" in der Agudafrage so feurig behauptet, jeder, der zu uns kommt, ist uns recht, gehört zu uns, zu den Thoratreuen, bloß Führer kann er nicht sein, wenn „man" so sagt, dann bitten wir doch einmal, in aller Ruhe sich die Konsequenzen dieser Gedankenreihe für das allerdings im Rahmen des bayerischen Verfassungsrechtes unmögliche Austrittsbegehren kühl überlegen zu wollen. Wir gestehen, vieles wandelt sich, aber wir wagen zu prophezeien, die Theorie, die aschgraue Theorie wird sich nicht wandeln und wird siegen. Was aber die „Theorie" des Austritts betrifft, so haben wir in Nürnberg in der vom Verein für Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums einberufenen Versammlung gesagt: So lange für mich jemand ein Angehöriger der jüdischen Religion ist. u n d zu dieser sich bekennt, so lange kann ich mit ihm zusammen sein in einer Gemeinde; nur muß man untersuchen und bekennen, ob und wann dieser Fall noch gegeben ist. Und niemand widersprach. Freilich war diese Versammlung nur ein Tummelplatz der Theorie. P. K. Wrief vom Lande. LV. Massel tof! Ich Hab wieder einmal eine Idee. So eine Art Mobilmachung! Sie sehen, ich genieße der Zeiten Unverstand mit Wonne und ersprießlichem Erfolge. Jetzt muß es sich ja eigentlich zeigen, ob wirklich noch religiöser Sinn vorhanden ist, oder ob so eine Art Altersschwäche sich eingestellt hat. Aber ich habe einen Bruder in England, der sagt, da drüben haben sie ein sehr schönes Sprichwort, allwelches besagt, daß man mit gutem Werk bei sich anfangen soll. Nun sehen Sie, im Vertrauen gesagt, Am lioorez sind wir alle. Und da habe ich zu meinem lieben Nachbar und Dubruder gesagt: Du hast doch einen großen Jung, der ist unberufen doch ein ganz gesunder Mensch, und ich glaube, er hat einen ganz Hellen Kops. Der könnte uns allen einmal Helsen, wenn er ein bißchen lernen würde. Laß ihn doch an jedem Sonntag in die Stadt fahren, daß er anfängt, Genioro zu lernen und dereinst nicht so ein — gescheiter Kerl ist, wie die Alten. — Hm, ja wissen Sie, ich möchte das ja so gerne, aber ich fürchte, das Geschäft leidet darunter. — So, so, ja Bauer, das ist ganz was anderes. Aber wissen Sie, warum ich es gerade zu Ihnen gesagt habe. Sie sind doch wirklich der Frömmste hierzulande, und wenn Sie auch schon von gar nichts anderem schmusen, als vom Geschäft, dann nehmen Sie mir's nicht übel, verzeihen Sie, bitte, dann bin ich noch — dümmer als ich geglaubt habe, dann verstehe ich nämlich nicht einmal mehr Sie.— — — Und nun will ich Ihnen rundheraus meine Meinung sagen; wenn wir nicht wieder anfangen wie unsere Großväter, die unsere Väter alle etwas „lernen" ließen, selbst um den Preis, daß die Nedinje nachher etwas kleiner ausgefallen ist, dann pfeife ich aus unseren sogenannten guten Willen und auf alle Entrüstung. Dann unterscheidet uns von den wirklich Untreuen nur der Grad. So, Adje! So beschaffen war die Aufnahme der großen Idee Ihres Rosch Hakohol.