Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das jüdische Klatt. Nr. 4. Pforzheim. Frau Laura Schneider aus Straßburg hielt am 20. d. M. un hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur einen sehr geistreichen Vortrag über Nahida Remys Buch „Das jüdische Weib". Eine sehr zahlreiche, dankbare Zuhörerschaft hatte sich eingefunden, die mit größter Spannung den interessanten Ausführungen folgte. Trotzdem der Votrag über eine Stunde dauerte, verstand es die Rednerin geradezu meisterhaft, das Interesse bis zum letzten Augenblicke rege zu halten. Reichen Beifall zollte man der Vortragenden, und der Vorstand des Vereins überreichte einen prachtvollen Rosenstrauch, anknüpfend an das Dichterwort: „Ehret die Frauen, sie flechten und weben, himmlische Rosen ins irdische Leben!" — Und diese Worte möchten wir auf Frau Laura Schneider anwenden, die in so uneigennütziger Weise ihr Können in den Dienst der Allgemeinheit stellt. M. Mürtlerirlrerg. Sluttgarl. Das Kgl. Ministerium des Kirchen- und Schulwesens hat am 27. Dezember v. I. aus der Zahl der vom weiteren Rat der Kgl. Israelitischen Oberkirchenbehörde Vorgeschlagenen zu unbesoldeten Mitgliedern des engeren Rats dieser Behörde (Oberkirchenvorsteher) auf sechs Jahre ernannt die Herren: Sanitätsrat Dr. Emanuel Weil in Stuttgart, Kaufmann Louis Hirsch in Stuttgart, Kaufmann Isidor Flegenheimer in Heilbronn und Kaufmann Siegfried Kahn in Stuttgart. Preußen. Eschwege (Werra). Am vergangenen Sonntag fand hier eine vom israelitischen Iugendverein in Eschwege in Gemeinschaft mit dem Verbände israelitischer Iugendvereine Deutschlands veranstaltete Propagandaversammlung statt, die der Ausbreitung der israelitischen Jugendvereinsbestrebungen in den israelitischen Landgemeinden zu dienen bestimmt war. Aus vielen Orten von Kurhessen, Hannover und der Provinz Sachsen waren Delegierte erschienen. Der Verbandsvorsitzende, Rechtsanwalt Apfel-Berlin, hielt einen Vortrag über die Bestrebungen und die Ausbreitung des Verbandes: die Geschäftsführerin des Verbandes, Fräulein Berliner-Berlin, sprach über die Stellung der israelitischen Frauen und Mädchen zur Jugendbewegung. Der Verband zählt zurzeit 90 Vereine mit 14 000 Mitgliedern. Frankfurt a. 7N. Die jüngste Nummer des H a d e r e ch enthält unter anderem einen feurigen Aufruf vier bedeutender Rabbiner Rußlands zum Anschluß an die „Agudas I s - r o e l". Es sind die Herren Rabbiner Israel Meir Kohen aus Radin, Izchok Jakob Rabbinowitz aus Poniwiz, ChaimAuferGrodfenski, Wilna, Eljohu Meir Feiwelsohn, Kupischki. — Rabbiner Feiwelsohn führt in einem tiefempfundenen Artikel die Notwendigkeit aus, alle Kräfte zusammenzuraffen, um die Gefahren abzuwehren, die den Bestand des Judentums bedrohen, und alle Anstalten zu treffen, die geistigen und materiellen Lebensbedingungen des jüdischen Volkes in allen Ländern der Zerstreuung zu verbessern. Seine gehaltvollen Ausführungen beschließt er mit den Worten: Lasset uns alle uns scharen um diese erhabene Fahne (der Aguda). Einer ermutige den andern, der Freund sporne den Freund an, damit die Lust zu schaffen und zu geben sich mehre. Wenn jeder sein Bestes aufwendet in dem brüderlichen Bunde, wird Gott seinen Segen entbieten. Von den obigen Rabbinern, lauter bekannte Thoragrößen, betonen der Rabbi von Radin, außerdem die Rabbiner Klatzkin-Lublin, Jerusalemski-Kilee, Bloch-Tels und Rabbiner Zirelsohn Kischinew, in besonderen Briefen die Notwendigkeit innerhalb der Aguda die Einheit aller Thoratreuen herzustellen: in einer so ernsten Zeit wie der unserigen, wo der Abfall von der Thora sich überall breit macht, sei es dringend geboten, das Gegensätzliche hintanzustellen und den Blick allein auf die Erhöhung des Thorageistes gerichtet zu halten. Kirn. Der Pferdehändler Siegmund Hirsch hierselbst ist seit 10 Tagen verschollen. H. ist am 6. Januar d. Js. mit einer größeren Summe Geldes versehen nach Mittelburg —Holland—Seeland zum Einkauf von Pferden gefahren, wie er dieses schon öfters getan hat. Er hatte mit seiner Frau und seinem Schwiegervater verabredet, jeden Tag eine Postkarte zu schreiben. Nachdem die Anverwandten bis zum Samstag, den 11. d. Mts. ohne Nachricht blieben, reiste der Pferdehändler Haas nach Mittelburg und stellte fest, daß Hirsch dort nicht eingetroffen ist, auch bei seinen Geschäftsfreunden nicht vorgesprochen hat. Da Hirsch eine größere Summe Geldes bei sich führt, so ist zu befürchten, daß er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Saarbrücken. Montag, den 13. d. Mts., abends 8 Uhr, fand im kleinen Saale „Tannhäuser" eine zionistische Versammlung statt. Die Versammlung war sehr stark besucht, und mit großem Interesse lauschte man den Ausführungen des Parteisekretärs Rosenbaum-Berlin über Ziele und Zwecke des Zionismus. Der Vortrag fand großen Beifall und entfesselte eine rege Diskussion. In derselben traten dem Redner Lehrer Lißner hier, Kaufmann Köster u. a. entgegen, welche besonders die nationalistischen Bestrebungen der Zionisten als Utopie bezeichneten. Der Referent suchte diese Einwendungen zu entkräften. Mitglieder wurden keine ausgenommen, da nicht dazu aufgefordert wurde, doch soll dies bei einer späteren Versammlung geschehen. Aus aller Wett. Basler Korrespondenz. Vorigen Donnerstag hielt Herr stuck, lur. Erwin Bloch im Jüdischen Turnverein einen sehr interessanten Vortrag über das Thema: „Das Turnwesen bei den Juden in alter und neuer Zeit." Der Referent gab eine sehr klare historische Uebersicht über die Entwicklung und Pflege der Turnerei bei den Juden. Er schilderte eingehend die Nachahmung der griechischen Gymnastik zur Zeit des Hellenismus, und kam dann auf die Vernachlässigung der körperlichen Ausbildung während des Mittelalters zu sprechen, in welcher Zeit die Juden sich hauptsächlich mit geistiger Arbeit beschäftigten. Erst der jüdisch-nationalen Bewegung ist es zu verdanken, daß ein kräftiges Muskeljudentum geschaffen wird. 7000 Mitglieder zählen bereits die national-jüdischen Turnvereine Europas. Mit den kräftigen Schlußworten: „Wir müssen unserer Jugend heute Kraft, Mut und Disziplin beibringen", schloß der Redner seinen gediegenen Vortrag, der den lebhaften Beifall der zahlreich erschienenen Zuhörer fand. Eine längere Diskussion schloß sich den Ausführungen an. Der „Jüdische Turnverein Basel" erfreut sich hier einer besonderen Popularität und hat sich, obwohl er noch nicht lange besteht, bis jetzt sehr gut entwickelt und ist in stetigem Wachstum begriffen. Vor einiger Zeit versandte die Chevro-Kadischo- Basel ihren Jahresbericht, dem wir folgende Daten entnehmen: An freiwilligen Gaben gingen im verflossenen Jahre 1580 Frs. ein. Für Vereinszwecke, wie Begräbnisse, Vereins-