Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9052070-9096771-9052145--0087-9052154- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 4. Das jüdische Klatl. 9 diener, wurden 1227 Frs. verausgabt. Der Vermögensstand beträgt 1940 Frs. Die Chevro hat eine Vermögenszunahme im Rechnungsjahr von 609 Frs. zu verzeichnen. Bei der Basler Chevro verdient, besonders hervorgehoben zu werden die stramme Organisation des Vereines, sowie die bewundernswerte und aufopfernde Pflichterfüllung, der sich alle ihre Mitglieder unterziehen. Der Vorstand besteht zurzeit aus den Herren: I. Bollag- Feuchtwanger, Vizepräsident; I. de A. Meyer, Sekretär; Aron Weil, Kassierer: Emil Rhein, Revisor. .V. Frankreich. Paris. Die Libre Parole schreibt in ihrer Nummer vom 6 Januar unter der Ueberschrift: Unsere tapferen Elsaß-Lothringer! folgendes: Man teilt mit, daß ein Metzer Kind, Herr Paul Storck, ehemaliger Unteroffizier Leim 94. Linienregiment in Bar-le-Duc, jetzt in Algerien etabliert, wieder Dienst übernommen hat in Marokko als Reserveleutnant, obwohl er Vater von fünf Kindern ist und am 19. März 50 Jahre alt wird. An diesem Datum muß der Staat ihm ein Pferd liefern, unterdessen erregt er aber die Bewunderung seiner Kameraden, die ihn „wie ein Haas" in den Bergen springen sehen. Andererseits meldet man die Rückkehr aus Marrakesch des Oberstleutnants Ruef, eines geborenen Straßburgers, der am 14. Dezember an der Spitze von sechs Kompagnien, einer Batterie und einer Schwadron fortgezogen war, um eine Plünderundgsaffäre im Gebiete der Oulad-Delimini zu bestrafen. Was verdankt nicht alles Frankreich den Elsaß- Lothringern! Muß man da nicht unwillkürlich an das bekannte Wort im Sabbatliede denken von dem bösen Geiste, der gegen seinen Willen das Lob verkünden muß! Paris. Zu Großoffizieren der Ehrenlegion sind Herr Lyon, Sektionspräsident beim Staatsrat und Vizepräsident des Zentralkonsistoriums, und Herr Jnles Lax,, Generalinspektor 1. Klasse des Brücken- und Straßenbaues, ernannt worden. Zu Offizieren der Ehrenlegion wurden ernannt: Oberst Raine, Bataillonschef Gerst, May, Bureauchef bei der Zentralverwaltung des Krieges, Weil Gustave, Verwalter bei der Generaldirektion des Enregistrement, Tristan Bernard, Schriftsteller, D^nery, Generalinspektor des Postwesens. Zu Rittern der Ehrenlegion wurden ernannt: Franck, Hauptmann; Hertz, Hauptmann; Lang, Hauptmann; Lüoy, Hauptmann; L6on, medecün-inajor erster Klasse; Alexandre, Verwaltungsoffizier erster Klasse; Lazare, Schwadronschef; Bloch, xilrarmaeien-muzor erster Klasse; Godchot, Leutnant: Waller, Hauptmann; Säe, Hauptmann; Hendlü Paul, Ingenieur; May, Professor an der Fakultät der Rechte zu Paris, Sacerdote, Gymnasiallehrer, Edmond See, Schriftsteller, Hertz, Theaterdirektor, Abraham, Ingenieur erster Klasse, Frau Baronin James-Nathaniel de Rothschild. Transvaal. Die Regierung hat den Beschluß gefaßt, daß an den höheren Schulen die hebräische Sprache auf gleicher Stufe wie Latein und Griechisch als klassische Sprache ihre Stelle im Unterricht und bei den Prüfungen erhalte. Rußland. Das Konntagsruhegefetz. In jüdischen Kreisen herrscht große Befriedigung über die Annahme des Regierungsoorschlags im Oberhause, der das Offenhalten der Geschäfte während fünf Stunden an Sonntagen gestattet. Der Gesetzentwurf war in der Gestalt, wie er von der dritten Duma angenommen war, eine ernstliche Bedrohung der [ jüdischen sabbathaltenden Geschäfte, und ihre Proteste gegen den vollständigen Geschäftsschluß an Sonntagen war tatsächlich berechtigt. Mit ganz besonderer Schärfe trat der Erzbischof von Warschau für den ursprünglichen Dumatext ein, und merkwürdigerweise wies er gerade auf das Beispiel der jüdischen Sabbatheiligung hin, um gemäß dem Beschluß der dritten Duma im Oberhause das vollständige Schließen der Geschäfte am Sonntag zu verlangen. An den dringenden Gesuchen der jüdischen Geschäftsleute ging er vorüber, ohne auch nur einen Augenblick sich dabei aufzuhalten, daß der Dumabeschluß unsere Glaubensgenossen in die schreckliche Alternative versetzte, entweder das Fundamentalgesetz des Judentums aufzugeben oder sich dem geschäftlichen Ruin auszusetzen. Der Gesetzentwurf hat jetzt den gemeinsamen Ausschuß der beiden Häuser zu durchlaufen, und es herrschen immer noch gelinde Zweifel darüber, ob die jetzige Duma dem Vorschlag des Oberhauses zustimmen wird. Vom Balkan. Die Herren Dr. Paul Nathan-Berlin, Elkan Adler-London unb Dr. Bernhard Kahn, Berlin als Vertreter der h u m a n i - tären jüdischen Organisationen sind auf der Reise nach den Notstandsgebieten des Orients in Belgrad eingetroffen. Soweit die Delegation bisher feststellen konnte, behandeln die serbische Regierung und die Militärbehörden die Juden in den eroberten Gebietn human. Durch Vermittlung des Herrn Rabbiners Alkalay in Belgrad ist es erreicht, daß die türkischen Gefangenen jüdischen Glaubens wahrscheinlich freigelassen und in die Heimat zurückbefördert werden. Von Belgrad begaben sie sich nach Sofia. Die Herren hatten Unterredungen mit dem Premierminister und eine lange Audienz bei der Königin, die betonte, wie sehr der König die Verdienste seiner jüdischen Untertanen, die in ernster Kriegszeit Heroismus an den Tag legen, würdige. In einstündiger Audienz bekundete der König heute sein besonderes Interesse für die humane Aktion und versprach die Unterstützung der edlen Bestrebungen. Die Herren wollen besonders den A d r i a n o p e l e r Juden nach dem Kriegsschlusse helfen. Sie reisen morgen durch Mazedonien nach S a l o n i k. Erklärung. Seit einiger Zeit gehen unter der Bezeichnung „Deutscher K a n t o r e n b u n d" I. A. Hahn von Berlin aus Eingaben an Behörden, Korporationen, Genieinden usw, die dem Ansehen und den Interessen der Juden Deutschlands unb den Kantoren insbesondere von Schaden sind. Dieser „Kantorenbund" hat mit der anerkannten Vertretung der deutschen Kantoren, dem „Allgemeinen Deutschen Kantorenverband E. V." auch nicht im entferntesten das allergeringste zu tun. Nach den uns zuteil gewordenen Informationen gibt es einen deutschen „K a n t o r e n b u n d" überhaupt nicht, auch ist ein K a n t o r H a h n in Berlin gar nicht ausfindig zu machen. Ferner sehen wir uns veranlaßt zu erklären, daß der „Allgemeine Deutsche Kantorenoerband E. V." und dessen geschäftsführender Ausschuß noch nie an die Preußische oder an eine andere Regierung herangetreien ist wegen der A n st e l l u n g vor: Ausländern als K u l t u s b e a in t e, noch an Korporationen oder Gemeinden, um innere Angelegenheiten derselben zu kritisieren. Alle diese Machenschaften scheinen vielmehr von einer Einzelperson auszugehen, die nüt ihrem schändlichen Treiben unter