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Das jüdische Blatt · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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4 6 Das jüdische Klatt. Nr 4. titl. Rabbinerkonferenz 100 di als Subvention des Vereins bewilligte, wofür der Dank ausgesprochen wird. Der Kassierer, Godlewsky, legte Rechenschaft über die Einnahmen und Ausgaben pro 1912 ab, worauf man ihm unter Anerkennung Decharge erteilte. Das rentierliche Vermögen beträgt zurzeit 1907,30 dl. Hernach folgte der interessanteste und belehrendste 3>il her Sitzung, Vortrag Krämer-Ansbach über Xe^inaiiN Hataamim, worüber an anderer Stelle ausführlich berichtet wird.*) Der Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen und von einer eigentlichen Diskussion abgesehen. Nur fügten die HH. Rotter-München, Lübeck-Fürth und Neufeld-Nürnberg noch -verschiedene sachliche, teils originelle Erläuterungen und Ergänzungen hinzu. H. Rabbiner Dr. Neuburger dankte vielmals für die an ihn ergangene Einladung und erklärte, daß der äußerst instruktive Vortrag des H. Krämer sein höchstes Interesse beanspruchte und wünscht dem Verein die Aseres Alolim, von denen in der Megillo die Rede ist, mit lauter Stimme, wie es dortselbst ebenfalls mit erhobenen K o 1 hinausgerufen wird. Punkt IV der Tagesordnung berührte den Anschluß an den allgemeinen deutschen Kantorenverband. Der beorderte Delegierte, H. Krämer-Heidelberg, legte in schönen, gewandten Worten die große Bedeutung des Zusammenschlusses dar. Die Gründung des A. d. K. V. vollzog sich vor acht Jahren in Berlin und er hat seitdem nicht nur an Größe, sondern an Wert und Wichtigkeit gewaltige Fortschritte gemacht. Nicht aus Egoismus erstrebt er mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Hebung der sozialen Stellung des Standes, sondern vor allem zum Besten derer, die ihm solche Aemter anvertrauen, zum Wähle des Gesamtjudentums, aus Liebe zur Religion. Der Beweis der Existenzberechtigung ist zur Genüge erbracht und die Kinderkrankheiten sind glücklich überstanden. Was dem Einzelnen nicht zu gelingen vermag, wird viel eher und leichter durch kollegiales Zusammenarbeiten erreicht. Der A. d. K. V. hat seine Zwecke und Ziele folgendermaßen präzisiert: 1. Wahrung des Ansehens und der Würde des jüdischen Kultusbeamten und speziell des Kantorenstandes: 2. Förderung seiner Mitglieder in fachwissenschaftlicher und amtlicher Beziehung; 3. Hebung des Standesbewußtseins, der Kollegialität, aber auch Forderung in materieller Beziehung durch Herbeiführung geregelter Anstellungsverhältnisse, durch Unterstützung des Alters, der Invalidität und der Waisen. Er fordert gründliche Vorbildung in speziell kantoraler, aber auch allgemeiner Bildung und richtet sein besonderes Augenmerk auf die Fortbildung nach beendigter Studienzeit. Eine Frucht jahrelanger aufklärender Arbeit des Verbandes in dieser Richtung war es, daß auf dem letzten Verbandstage der jüd. Lehrervereine im Deutschen Reiche ein kantorales Thema auf der Tagesordnung stand. Nur Einigkeit macht stark! Hierauf brachte H. Krämer 10 Paragraphen zur Verlesung, die dem bayerischen Vereine in seinen innern Angelegenheiten völlige Selbständigkeit zuerkennt und auch im übrigen sehr günstige und akzeptable Bedingungen und Bestimmungen enthalten, wozu auch der Rechtsschutz, eine neue Aufgabe des A. d. K. V., eine sehr bedeutungsvolle Angelegenheit, zählt. Aufwärts und vorwärts lautet die Losung. Verschiedene Einwendungen und Bedenken einzelner Mitglieder wurden trefflich widerlegt, mancherlei Aufschluß erteilt, noch weitere Aenderungen der die bayerischen Verhältnisse betreffenden Satzungen Vorbehalten und dann der Antrag des Anschlusses genehmigt. — Die Wahl der Verwaltung erfolgte einstimmig per Akklamation für die bisherige Bereinsleitung. Des weiteren wurde noch die Anlegenheit der zu errichtenden Fortbildungskurse besprochen, wozu schon eine *) Wir werden über dieses Referat ausführlich berichten. Red. beträchtliche Anzahl von Meldungen einliefen, und soll in nächster Zeit bereits die Tätigkeit eröffnet werden. OppenheimerNeumarkt dankte dem Delegierten des A.d.K.V., H Krämer-Heidelberg. Bemerkt sei noch, daß vorerwähnte Kurse im Hörsaale der Essenweinsynagoge Nürnberg abgehalten werden, welche Gemeinde bereitwilligst das Lokal zur Verfügung stellte, wofür ihr der Dank der Versammlung ausgesprochen wurde. Nebst Leistungen auf kanwralem Gebiete werden auch die Dine Scheeliito, Erklärungen von Tefillos und Piutim zu ihrem Rechte gelangen. Reisediäten für die Teilnehmer der Kurse werden nach Möglichkeit gewährt. Die nächste Generalversammlung findet in Würzburg statt. So schloß in vorgerückter Abendstunde der in den Annalen der Vereinsgeschichte denkwürdige Tag, der mit ausgedehntem Programme bedacht war. Mit dem Gruß des Friedens, der Treue und des Gelöbnisses der Einigkeit trennten sich die Freunde und Kollegen unter der Devise: „Alle Mann an Bord zur Arbeit für den Verein und in großer Zahl auf gesundes Wiedersehen im nächsten Jahre zur Generalversammlung in der schönen Mainstadt Würzburg." Prolestversammlung gegen die Richtlinien. Nürnberg. Maimonides, Mendelssohn und die Religionsphilosophen, alle die sind gegen uns, aber die Juden Deutschlands find mit uns, so beiläufig las ich bei einem liberalen Führer. So glauben sie es, oder möchten es glauben. Verhängnisvoll wäre es, wenn man diese Verwechslung religiöser Laxheit und programmatischer Lossagung von dem überlieferten Judentum ohne Widerrede gelten ließe. Denn es ist nicht wahr, daß Deutschlands Judenheit zum größten Teil hinter den „Richtlinien" — Liberalismus steht. Aufklärung tut not, Aufklärung der jüdischen Menge über ihren eigenen religiösen Stand, über ihre eigenen religiösen Gefühle. Und die Aufklärung ist wirksam und wird dankbar entgegengenommen, das haben wir in unserer Versammlung hier sehen können. Diese Menge, diese Spannung, diese fast andächtige Aufmerksamkeit. Schon vor Beginn der Versammlung war kein Plätzchen in dem großen Saale frei; der Vorraum voll, Kopf an Kops gedrängt stehen sie geduldig da. Man schätzt die Menge aus 800—1000 Personen, und die größere Zahl hat die größere Wahrscheinlichkeit für sich. Zum größten Teil sind's Liberale, die gekommen sind. Aus den besten gesellschaftlichen Kreisen, Akademiker in großer Zahl. Von vornherein herrschte nicht die Stimmung eines gewöhnlichen Vortragsabends. Das Bewußtsein, daß über große Fragen verhandelt werden soll, drückte sich im ganzen Verhalten der Versammelten aus. Die Versammlung wurde um 8*A Uhr eröffnet. In kurzer Ansprache begrüßt der Leiter der Versammlung, Herr A. Grünbaum, die Versammelten, dankt dem Referenten für die Uebernahme des Referats und betont, daß durch Erscheinen des Herrn Dr. Kohn der bekanntlich nicht in allen Fragen mit dem Verein einig gehe, die Einigkeit der bayerischen Orthodoxen in dieser Frage dargetan sei. Dann nahm, mit lebhaftem Beifall begrüßt, Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein das Wort zu seinem Referat: „Was sagen die Richtlinien uns?" Der Referent führte aus, daß das liberale Judentum, das die Richtlinien als geistiger Nährvater erzeugt habe, zunächst eine geschichtliche Betrachtung notwendig mache und diese geschichtliche Betrachtung zeige uns eine ganz merkwürdig häufige Wandlung seiner leitenden Prinzipien. Wenn zu allererst das Prinzip der Entwicklung als der große Gedanke des liberalen Judentums in allen möglichen Variationen verkündet worden sei, so sei dieser Grundsatz bereits längst aufgegeben; vor allem sei er bei Abfassung der Richtlinien mit Bewußtsein und Absicht aufgegeben. * - >

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