Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. 5 Das jüdische Klatt fafsern entliehen: Auerbach, Kahn, Lehmann und Nahida Ruth. Die Jugendbibliothek hat sich des besten Zuspruchs ersreut und Neuanschafsungen sind notwendig. M.W. hc-tten. Unser Lehrer, Herr K. Leopold, ist zum 1. Februar er. mit der Stelle von Hochfelden betraut worden. Damit ist leider wohl das Ende der hiesigen jüdischen Elementarschule gekommen. Ingweiler. Zehn Jahre ist es her, daß unser Literaturverein gegründet wnrde. Nun hieß es, daß zur Feier dieser Tatsache Purim ein größeres Fest stattfinden soll. Es scheint aber alles wieder auf ein kleines Festmahl zusammenzuschrumpfen, wie es die letzten Jahre immer stattfand. Ingweiler. Heute hielt Rabbiner Dr. Weil aus Buchsweiler im Lokale des Literaturvereins einen Vortrag über die „Richtlinien". Er wies nach, wie die Richtlinien-Religion, indem sie die Offenbarung am Sinai, die Autortät der Thora als Gotteswort und damit die Verbindlichkeit der Thoragesetze leugnet, sich von der überlieferten Religion weiter entfernt, als dies je eine der Tochterreligionen des Judentums bei ihrer Gründung getan hat. Er wies des weiteren nach, daß die bisher universelle Judenheit, durch die Ausbreitung der Richtlinien, die einen Ausgleich zwischen Lehre und Leben darstellen sollen, in verschiedene Judenheiten zerfallen müßte, weil dieser Ausgleich in verschiedenen Teilen der Welt verschieden ausfallen müßte, und daß die Judenheit dadurch, wenn auch entgegen der Absicht der Stifter der Richtlinien, ihrer Auflösung und ihrem Untergang zugeführt würde. — Der allseitige Beifall bewies dem Redner, daß in der hiesigen Gemeinde für die Richtlinien kein Boden vorhanden sei. — Und so ist es zweifellos im ganzen Lande. Nach dem Vortrag fanden sich die Vereinsmitglieder noch zu einer Diskussion zusammen, wobei die Richtlinien zu Betrachtungen hinsichtlich ihrer Logik und Wirkung Veranlassung gaben. Logik ist besonders in Abteilung LI zu vermissen. 1. Wird dort in Ziffer 1 in einem Atem die Sabbatheiligung als Gesetz proklamiert und gleich darauf wieder verzichtet, wenn sie an den wirtschaftlichen Verhältnissen scheitert. Die alte als unzeitgemäß erklärte Tora will die Menschheit zur Freiheit erziehen. Indem sie durch das Schabbos-Ruhegebot den geringsten und ärmsten Juden an diesem Tage unbeschränkt vom Herren-' gebot befreit, adelt sie ihn zum freien Mann. Anders die Richtlinien. Sie gestatten auf den Schabbos zu verzichten zugunsten eines krassen Materialismus. Die Tora wollte Willensstärke Menschen erziehen, die nicht durch irgend ein Hemmnis auf das als wahr und gut erkannte verzichten. Die Richtlinien drücken sie zu Sklaven des Mammondienstes herab. Sind es doch gerade, wenigstens prozentual, die besser situierten jüdischen Kreise, welche den Schabbos, der wirtschaftlichen Verhältnisse wegen, nicht mehr halten zu können vorgeben. Werden diese Kreise noch dazu kommen, das in Ziffer 2 als ein Mittel zur Förderung religiösen Lebens vorgeschlagene tägliche häusliche Gebet zu verrichten oder werden sie gar zu der in Abschnitt X Ziffer 7 empfohlenen würdigen Ausgestaltung des Werktagsgottesdienstes gelangen? Die Erfahrung lehrt jedenfalls das Gegenteil. 2. Die Verfasser der Richtlinien streben naturgemäß danach, ihren Religionskodex, wenn auch nicht mit dem Schwert, so doch mit dem Feuer ihrer Beredsamkeit zu verbreiten und als das Judentum der Gemeinden zur Anerkennung zu bringen. Dadurch werden sie aber nur Unfrieden in die Gemeinden tragen und zu Spaltungen führen, obgleich sie vorgeben, der Einheit des Judentums zu dienen. So wie die Richtlinien in die Tat umgesetzt werden, wird der proklamierten Einheit des Judentums ein direkter Schlag versetzt werden. Wir sehen, über die Logik ihrer Forderungen haben die Richtlinienmänner sich nicht allzusehr angestrengt. Wie können auch Anordnungen für eine verschiedenartig zusammengesetzte Gemeinschaft logisch aufgebaut werden, die nur für diejenigen Kreise getroffen sind, die aus Bequemlichkeit und aus dem Bestreben der herrschenden Klasse gleich zu sein, alles Gesetz aus Religion und Judentum ausgemerzt haben wollen? Wir hoffen jedoch, daß auch die heutige Judenheit nvch genügend Einsicht besitzt um zu erkennen, daß der Vorzug der Tora vor den Richtlinien ist wie der Vorzug des Lichtes vor der Finsternis, wenn auch die Richtlinienmänner durch schöngewählte Worte eine lieblich gefärbte Dämmerung auszubreiten bestrebt sind. I\ L. Mülhausen. Vergangenen Sonntag bewegte sich ein großes Trauergefolge durch unsere Straßen. Es galt, der Witwe Charles Meyer, geb. Schuhl, das letzte Geleite zu geben. Durch ihre edlen Tugenden und ihre Menschenfreundlichkeit, besonders verschämten Armen gegenüber hat sie sich hervorgetan vor vielen. Herr Rabbiner Blum schilderte ihre Lebensbahn in schönen, zu Herzen gehenden Worten. Durch eine mir zwölftägige Krankheit ist sie aus der Mitte ihrer Familie gerissen worden. Alle, die sie kannten, werden ihr ein gutes Andenken bewahren. Der Allmächtige möge die tieftrauernde Familie trösten. Bayern. Ansbach. Auf unsere Erkundigungen ergab sich die erfreuliche Tatsache, daß Sie hinsichtlich Ihres Berichtes über die Ausländerfrage nicht ganz richtig informiert waren. Der Allgemeine Deutsche Kantorenverband hatte auf eine Erkundigung bei dem Präsidium von Ostpreußen erfahren, daß dort eine Denunziation eingelaufen war von einem deutschen Kantorenbund (?) unterzeichnet Hahn-Berlin. Bis jetzt sind weder dieser Bund noch dieser Hahn aufzufinden gewesen. Der Kantorenverband gab sich alle ordentliche Mühe und hat auch an das Präsidium von Ostpreußen berichtet, daß im Gegenteil u. a. die Zulassung von Ausländern eine Notwendigkeit für die Gemeinden fei. Er hat also seine Pflicht im vollen Umfange erfüllt. München. Am 12. Januar verstarb dahier Herr Lothar Feuchtwanger HIn seiner Bescheidenheit hatte der Verklärte gebeten, van jedem Hesped Abstand zu nehmen. Wir beugen uns diesem Wunsche in dem stillen Gebete pp £0” München. Herr Rabbiner Dr. Werner und die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde München wurden am 10. Januar von Sr. Kgl. Hoheit dem Prinzregenten Ludwig in Audienz empfangen. Nachdem Herr Rabbiner die Glückwünsche dargebracht und den religiösen Segensspruch verrichtet hatte, dankte Se. Kgl. Hoheit tiefgerührt und unterhielt sich huldvollst mit allen Teilnehmern der Audienz. Fürth. Die am 25. Dezember 1912 in Fürth im Bürgersaal des Hotels „National" stattgefundene Generalversammlung des isr. Kantorenvereins und der übrigen K u l t u s b e a m t e n im Königreiche Bayern (E. V.). Von den 40 ordentlichen Mitgliedern obigen Vereins waren am bezeichneten Termin die Hälfte erschienen, wiewohl man bestimmt auf größere Beteiligung gerechnet hatte. Als Gäste hatten wir Se. Ehrwürden H. Distriktsrabbiner Dr. Neuburger, Fürth, und noch einige HH. Lehrer zu verzeichnen. Vormittags 10 Uhr fand Verwaltungssitzung statt, wobei die Gegenstände der Tagesordnung zur Vorbereitung gelangten. Bei Eröffnung der Hauptsitzung berüßte der Vorstand Neufeld alle Anwesenden recht herzlich, erstattete dann einen Tätigkeitsbericht über die Leistungen des verflossenen Jahres und konstatierte rmter anderem auch, daß die