Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Da» jüdische Klatt. Nr. 4. raum durch Gewährung fester Alterszulagen und Regelung der Pensionsbezüge einigermaßen gebessert. Im ganzen hat sich die Schule auch im letzten Viertel ihres halbhundertjährigen Bestehens bemüht, ihren alten Ruf zu wahren und doch mit der Zeit fortzuschreiten, ihre spezielle Aufgabe in der Pflege jüdisch-religiösen Wissens zu erfüllen und dabei hinter den Anforderungen, die an eine militärberechtigte Realschule zu stellen sind, nicht zurückzubleiben. Sie hat bei bcn hohen Behörden und den Männern, die zur Prüfung ihrer Leistungen entsandt wurden, oft Zustimmung und Würdigung gefunden und sich mancher Beweise der Anerkennung von maßgebender Seite zu erfreuen gehabt. So ist erst neuerdings auch die Schule durch die Auszeichnung geehrt worden, die unferm verdienten ältesten Lehrer von Allerhöchster Stelle erwiesen worden ist. Das Vertrauen des kleinen Kreises, der für die Schule sorgt, ist ihr auch trotz größerer Leistungen und Opfer, die für die Weitersührung der Anstalt nötig waren, stets erhalten geblieben. Zwar sind manche bewährte Gönner und Förderer der Anstalt, ein Kommerzienrat Simon Fränkel, ein Jak. Cramer, ein Mos. Rau in den letzten Jahren dahingegangen, manche gute Freunde wie die Herren Siegfried und Sigm. Felsenstein haben ihren Wohnsitz von hier wegverlegt. Aber die Weggezogenen sind uns doch nicht ganz entrückt, sie betätigen auch fernerhin ihr lebhafte: Interesse, und der Kreis der Gönner hat sich andererseits wieder erweitert, indem auch in anderen Gemeinden, speziell in unserer Nachbargemeinde Nürnberg und in dem durch Wohltätigkeitssiun von jeher ausgezeichneten Frankfurt, nicht wenige Anhänger unserer Sache gewonnen wurde und ihre Kräfte mit denen unserer bewährten alten Freunde vereinen. Die Frequenz der Anstalt, die im Jahre 1898/99 106 betrug, hat sich in den letzten Jahren in erfreulicher Weise gemehrt, hauptsächlich auch durch Zuzug aus Nürnberg, das an der jetzigen Frequenz von 154 mit mehr als 20 Schülern beteiligt ist. Wir bleiben auch feruerhin auf das Wohlwollen unserer treuen Anhänger, sowie anderer Freunde der Iugendbildung, die unsere Bestrebungen zu würdigen wissen, angewiesen. Aber wenn wir uns die Schwierigkeiten vergegenwärtigen, unter denen die Anstalt gegründet und während dieser 50 Jahre erhalten und fortgeführt worden ist, so brauchen wir den Mut nicht sinken zu lassen. Wir dürfen getrost hoffen, daß die Anstalt auch in dem neuen halben Jahrhundert, das jetzt beginnt, kräftig weiter blühen und gedeihen, daß sie ihren Prinzipien treu im Sinne ihrer edlen Gründer und der Erben ihres Geistes für Gotteslehre und modernes Wissen wirken und tüchtige Männer, gute deutsche und bayrische Staatsbürger voll Liebe zu Herrscher und Vaterland und treue Juden für das Leben erziehen wird. Möge Gott dies unser Streben segnen und uns Kraft geben, die uns obliegenden Aufgaben treu zu erfüllen, damit unsere Anstalt weiteren Generationen zum Heile und Segen, der Vaterstadt und dem Vaterlande zur Ehre gereichen und sich neben den anderen bewährten Fürther Schulanstalten würdig behaupte. Das walte Gott! Elsaß-Lothringen. Llraßburg. Aus dem Landeshaushalietat. Für den Israelitischen Kultus sind in dein diesjährigen Etat im ganzen unter den fortdauernden Ausgaben 200 330 vorgesehen, 20 dt weniger als im Vorjahre. Diese Summe verteilt sich folgendermaßen: 3 Oberrabbiner (mit je 4000 -4t bis 4400 c.H) 13 200 < )t. 30 Rabbiner (mit 2000 dt bis 3 400 dt), davon zwei Stellet! kiinftig wegfallend, 90 400 di. 66 Vorsänger (3 mit je 1200 di und 63 mit je 720 d£) 48 960 dt. 3 Sekretäre der Konsistorien (einer zu Straßburg mit 2 800dt, einer zu Colmar und einer zu Metz mit je 960 dt) 4720 dt. 3 Bureaudiener der Konsistorien (davon 1 zu Straßburg mit 500 dt und 2 mit je 200 dt) 900 dt. Stellenzulagen an Religionsdiener und Beamte der Konsistorien 2000 dt. Zuschüsse an staatlich nicht besoldete Vorsänger bedürftiger Kultnsgemeinden 7500 dt. Unterstützungen für fungierende und ehemalige Religionsdiener ohne Rücksicht darauf, ob sie Staatsgehalt beziehen bzw. bezogen haben, und Beamte der Konsistorien, sowie an Hinterbliebene von solchen 9500 dt. Repräsations- und Reisekosten der Oberrabbiner 1800 Stipendien für israelitische Theologie-Aspiranten und andere Ausgaben für die Ausbildung israelitischer Religionsdiener 2 700 dt. lieber Verteilung und Bezug der Stipendien entscheidet das Ministerium. Pensioneu für in den Ruhestand getretene Oberrabbiner, Rabbiner, Beamte der Konsistorien und deren Hinterbliebenen 7 150 dt. Geschäftsbedürfnisse der Konsistorien einschließlich Heizung, Beleuchtung usw. (Abfindung) 2000dt, wobei bemerkt wird, daß der Fonds, namentlich zur Deckung der Geschäftsbedürfnisse des Konsistoriums in Straßburg, unzureichend ist Zuschüsse zu Synagogenbauten tmb Beiträge für Anstalten und Einrichtungen des israelitischen Kultus und sonstige fachliche Ausgaben für Kultuszwecke 9500 «H. Unter den einmaligen Ausgaben findet sich eine Summe von 4000 dt als Beitrag zum Neubau einer Synagoge in Diedenhofen (dritte Rate eures Gesamtbeitrages von 25 000 dt). Siraßburg. Anläßlich des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers wird ein Festgottesdienst in der Synagoge, Kleberstaden, am Montag den 27. er., vormittags 8iK Uhr, stattfinden. ' Strvßburg. In seiner Sitzung vom 12. ds. hat das Konfisistoriuin Herrn Iustizrat G. S ch nt o l l zum Präsidenten (wie schon in letzter Nummer mitgeteilt) und Herrn Oberrabbiner U r y zuin Vizepräsidenten ernannt. Dauendorf. Verflossene Woche, am Erev-Schabbos, verschied nach langer Krankheit in ihrem 68. Lebensjahre, Frau Sarah 5) e r z o g , geborene Lehmann. — Von der Verblichenen kann man sagen, daß sie eine wahre war, eine Frau, wie sie leider heute immer seltener werden. So lange sie gesund war, konnte man sie bei jedem Gottesdienst in der Synagoge sehen. Ja selbst in den r^lioltanx-Tageu (wo es hier Sitte, vor Tagesanbruch die Selichaus zu sagen) war sie schon in aller Frühe in der Synagoge. Auch in allen Fällen und an jedem Platze, wo es galt, Mizwaus und (UMiiilux-tMiesed auszuüben, war sie stets eine der ersten. Mit niemand wollte sie in Unfrieden leben, sie liebte und suchte den Frieden, und deswegen war sie beliebt und geschätzt nicht nur bei den jüdischen, sondern auch bei den christlichen Mitbürgern. Dies bewies am allerbesten der unendliche Leichenzug, der sich letzten Sonntag durch das Dorf bewegte. Im Trauerhause sprach Herr Rabbiner L e v y aus Hagenau. Er schiderte in beredten Worten den Lebensgang der Verstorbenen, die so viel gelitten und dennoch durch ihr inniges Gottvertrauen sich stets aufrichtete. Sie war die letzte Ueberlebende von elf Geschwistern, von denen sie die jüngste war. Und nun ist auch sie dahingegaugen zur ewige» Ruhe, erlöst von ihren schweren und langen Leiden. Sie ruhe in Frieden! Hagenau. Die Bibliothek des Jugendbundes verfügt jetzt über 124 Bücher. Im Lause des Jahre wurden 35 Bände geschenkt, wovon 12 durch Herrn Simon Levy. Entliehen wurden zusammen 705 Bücher. Am meisten wurden Werke von folgenden Ver-