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Das jüdische Blatt · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3. Das jüdische Matt 9 ♦ T * Eine Freude war für ihn der Sabbat in Tripolis. Alle jüdischen Geschäfte sind geschlossen, alle Arbeit ruht, die kleinen Arbeiter und Hünder sind in ihren Sabbatkleidern nicht wieder zu erkennen. Briefe werden im Judenviertel nicht ausgetragen, die schulen sind geschlossen, die Synagogen und Jeschiwoth sind von einer mannigfaltigen Menge gefüllt, die andächtig betet und dem belehrenden Worte lauscht, das von den geistigen Führern gesprochen wird. Das Talmudstudium wird sorgfältig gepflegt wie in Galizien und Rußland. Die meisten verbringen ein gut Teil ihrer Jugendjahre in den Jeschiwoth; man trifft nicht selten Geschäftsleute, die gute Talmudistcn und Arbeiter, die Meister der hebräischen Sprache sind. Hier ist ein junger Schneider, dort ein Briefträger, die mit Leichtigkeit eine Seite Talmud auseinandersetzen. Alle Handwerke sind unter ihnen vertreten: es gibt Schmiede, Maurer, Tischler, Schuhmacher, Schneider, Goldschmiede, Uhrmacher usw. Ich sah, sagt Dr. Margulies, einen jungen Stiefelwichser, der hebräisch sprach und der am Sabbat in seinen Sabbatkleidern nicht wieder zu erkennen war. Die Synagogen sind sehr zahlreich; manche sehr geräumig und so eingerichtet, daß zwei oder drei Gruppen von Betern unabhängig voneinander das gemeinsame Gebet verrichten können. Die Verlesung der Thora geschieht gemeinsam. Die Seifer Thora wird im Gegensatz zu uns in einem kostbaren kunstvoll aus Holz geschnitztem Futteral aufbewahrt; es gibt keine ständigen Vorbeter, sondern jedermann hat nach dem altjüdischen Gebrauch das Recht, vor die Lewa hinabzusteigen. Obgleich der Ritus der spanische ist, hat die Aussprache und die Melodie wenig gemein mit der in den italienischen Gemeinden üblichen. Ja, die Melodien gleichen sonderbarerweise den aschkenasischen und einzelne ganz besonders den polnischen. DttÜrstnrtt. Die Cholera in Liberias. Dr. Brün, Vorsteher der Nathan Strauß'schen Sanitätsstation für Palästina ist auf Ansuchen des beim Ausbruch der Epidemie gegründeten Hilfskomitees eigens nach Liberias gereist, um die nötigen Anstalten zur Bekämpfung der Krankheit zu treffen. Glücklicherweise hat er bei seiner Ankunft die Cholera, die einige Wochen hindurch heftig gewütet hatte, erstickt vorgefunden. Seit mehreren Tagen haben keine Erkrankungen mehr stattgefunden; die letzten Kranken gehen, mit Ausnahme von zwei Todesfällen, die inzwischen noch eingetreten sind, alle einer Besserung entgegen. Leider sind der Opfer genug. Die jüdische Gemeinde allein zählt einen Verlust von 50 Menschen, der um so empfindlicher ist, als die Gemeinde infolge der letzten großen Choleraepidemie vor 10 Jahren bereits die besten jungen Kräfte durch Auswanderung verloren hat. An der immerhin noch nicht abgeschlossenen Hilfsaktion gegen die Epidemie sowie zur Linderung des infolge der über die Stadt verhängten Absperrung entstandenen Not beteiligten sich außer den berufenen Wohltätigkeitsgesellschaften auch alle Kolebin von Jerusalem, sowie viele Private aus der heiligen Stadt und deren Umgebung. Diese ließen ihre Hilfe für Liberias den Notleidenden zugehen durch Vermittelung des aus den angesehensten Männern Jerusalems zusammengesetzten Hilfskomitees. Amerika. Die Wirkung der jüdischen Einwanderung auf die Gestaltung großer Zweige der nationalen Industrie in Amerika geht deutlich aus einem offiziellen Bericht hervor, der in dem in New-Pork erscheinenden American Hebrew abgedruckt ist. Die Fabrikation von Unterkleidern für Frauen beschäftigte im Jahre 1832 kaum ein Dutzend Fabriken. Heute zählt diese Industrie 2000 Firmen mir einem Arbeiterheer von 80 000 Männern und Frauen. New-Pork nimmt in dieser Industrie die herrschende Stellung ein mit einer Produktion in 1909 von etwa 273 Millionen Dollar. Dabei ist diese Industrie nicht nur die wichtigste, sondern die maßgebendste und mustergültigste des Staates. Und das merkwürdigste daran ist, daß diese riesenhafte Entwicklung in den letzten 15 Jahren eingesetzt hat. Diese 2000 Firmen und 80 000 Arbeiter sind zum großen Teile Juden, die aus Osteuropa eingewandert sind. Das sind also die „unerwünschten" Einwanderer, gegen die die Restriktionisten die Gesetzesmaschine in Bewegung setzen wollen, die „unerwünschten" Einwanderer, die einen ganzen neuen Zweig der Industrie ins Dasein gerufen und zum blühendsten des Landes gemacht haben. Das Schöne dabei ist, daß dank den verständnisvollen Bemühungen des H. Louis M a r s ch a l l die Basis einer Verständigung zwischen Arbeit und Kapital in dieser Industrie erzielt worden ist, die das Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern harmonisch zu gestalten berufen ist. Diese „unerwünschten" Einwanderer haben also Großes zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beigetragen. Vom Sattrair. Die Unlerhaltung der 3000 jüdischen Flüchtlinge in Konstantinopel hat die vorhandenen Mittel fast völlig erschöpft. Das Hilfskomitee steht vor einem Defizit von etwa 20 000 Franken, (Jede Woche erfordert 10 000 Fr. an Unterstützung.) Es hat deshalb einen neuen dringenden Appell an die großen europäischen Hilfsgesellschaften gerichtet. Der Hilfsverein hat 15 000 Franken, die Groß-Loge in Berlin 5000 Franken, die Loge in Alexandrien 3000 Franken geschickt. Diese Hilfssendungen waren dringend notwendig, denn schon mußte zur Einschränkung der Lieferung von Heizmaterial an die Flüchtlinge geschritten werden und dies ist in dieser Jahreszeit besonders hart. vermischtes. > Das Salzen Neugeborener. Im Propheten Esekiel 16, 3 heißt es: . . . Und bei deiner Geburt . . . und du wurdest nicht im Wasser gebadet, glänzend zu werden, und du wurdest nicht gesalzen und in Windeln wurdest du nicht gewickelt. Da aus diesen Worten des Propheten hervorgeht, daß die angeführte Behandlung der Neugeborenen üblich und empfehlenswert ist, wird im Anschluß an diese Prophetenstelle im Talmud Sabbat 129 b erlaubt, den Neugeborenen am Sabbat zu salzen. Durch das Salzen wird nämlich der Körper abgehärtet, fügt zur Stelle Raschi erklärend hinzu. Diese bei uns unbekannte Pflege der Neugeborenen durch Salzen, wie sie beim Propheten ausgesprochen und vom Talmud ausgenommen wird, erhält eine interessante Beleuchtung durch folgendes Entrefilet der Chronique Medicale (S. 724), das uns von einem unserem Blatte nahestehenden Arzte mitgeteilt wird. Dort heißt es: Die gesalzenen kleinen. Eine amerikanische Revue teilt einen merkwürdigen Gebrauch mit, der noch in gewissen Gegenden Asiens und auch Europas in Uebung ist und der in dem Salzen Neugeborener besteht.

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