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Das jüdische Blatt · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3. Das jüdische Klatl. 7 von der im allgemeinen Interesse zu hoffen ist, daß sie bald wieder ausgefüllt werde. Daß ihr Heimgang allgemein bedauert wird, bewies das große Leichenbegängnis, das ihrem Sarge folgte. Kl. Ludwig. Unser Jünglingsverein Achawoh, der erst jüngst eine recht gelungene Chanukkah-Abendunterhaltung veranstaltet hatte, hatte gestern Abend abermals Veranlassung genommen, durch einen Vortragsabend die Familien der hiesigen Gemeinde zu sich einzuladen. Leider machten nur zu wenige von dieser Einladung Gebrauch. Die Anwesenden verlebten einige recht genußreiche Stunden, da der Vorstand des Vereins den bekannten Schweizerischen Dichter Herrn Markus Bollag für den Abend gewonnen hatte. Herr Bollag wußte durch den Vortrag seiner eigenen Dichtungen, teils heiterer, teils ernster Natur, die Aufmerksamkeit der Zuhörer in hohem Grade zu fesseln. Wir hoffen, daß Herr Bollag auch fernerhin seine Kunst in den Dienst unseres Vereins stellen wird. Bayern. hainsfarkh. Bekanntlich schwebt schon seit längerer Zeit ein Streit betreffs des Präsentationsrechtes hiesiger Kultusgemeinde auf die Elementarschulstelle vor dem Verwaltungsgerichtshof. Nun wurde am 10. Januar von dem Verwaltungsgerichtshof die Entscheidung dahin verkündet, daß das Präsentationsrecht der Gemeinde zusteht. Sogar die Anwaltskosten trägt das Staatsärar. sWir werden die prinzipiell hochwichtige Entscheidung im Wortlaut veröffentlichen. Red.j Nürnberg. Die von dem orthodoxen Verein einberufene Versammlung war glänzend besucht und nahm einen würdigen Verlauf. (Ausführlicher Bericht folgt.) Nürnberg. Wenn überhaupt das Wort Neutralität in religiösen Dingen als Kern eines Vereinsstatuts überhaupt einen Sinn hat, so kann diese höchstens darin bestehen, daß religiöse Fragen in einem solchen Verein überhaupt nicht zur Debatte gestellt werden. Es ist zwar auch dann noch ein mißliches Ding fraglichen Wertes. Allein wir hatten gerade in dieser Woche Gelegenheit, die Süßigkeit einer solchen Neutralität zu kosten. Da existiert ein Verband der jüdischen Jngendvereine Deutschlands, welcher dieses schöne Wort auf seine Fahne geschrieben hat; selbiger Verein gibt Mitteilungen heraus. Wir schlagen Heft 1 des vierten Jahrgangs auf. Und der erste Artikel lautet: Die Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum von Dr. Vogelstein, Königsberg. Der erste Satz des Artikels lautet: Der Aufforderung der Verbandsleitung*), für die „Mitteilungen" einen Aufsatz über die „Richtlinien" zu schreiben, komme ich gern nach. Der Artikel ist vortrefflich geschrieben, ist eine ganz vorzügliche Propaganda für die „Richtlinien". Was will es da besagen, wenn nachher die Schriftleitung sich „jeder Stellungnahme zu den angeschnittenen Fragen enthält"? Die Aufforderung der Verbandsleitung spricht klar genug. Wir möchten das all den Eltern zur Erwägung anheimgeben, welche vertrauensselig genug ihre Kinder diesen Verbandsvereinen preisgeben. Wir möchten dies als sehr ernste Gewissensfrage all den jungen Leuten vorlegen, die unter dem Deckmantel einer solchen Neutralität vielleicht zu spät erkennen dürsten, wohin sie geführt werden. Schläfst du, Brutus? *) Von uns unterstrichen. Kchweinfurl. Das Lokalkomitee der Alliance Ist. Universelle zu Schweinfurt ist am 5. Januar 1913 zu einer Besprechung und zur Stellungnahme hinsichtlich der aus dem Kampf zwischen dem Pariser C. C. und dem deutschen Landeskomitee sich ergebenden Situation zusammengetreten unb hat nach einem eingehenden Referat des Distriktsrabbiners Dr. Stein, und einer ausführlichen Diskussion folgenden einstimmigen Beschluß gefaßt: 1. In dem Kampfe der deutschen Konferenzgemeinschaft (zuletzt „Deutsches Landeskomitee) mit dem C. C. in Paris standen wir von Anfang an mit unseren Sympathien auf seiten der deutschen Konferenzgemeinschaft und bedauern, daß durch die Spaltung, die in den Reihen der deutschen Alliance-Mitglieder zutage getreten ist, dieselbe in diesem Kampfe unterliegen mußte. 2. Die planmäßig und vollständig durchgeführte Ausschaltung des deutschen Einflusses im Pariser C. C. und damit auf die Führung der Alliance überhaupt, wie sie durch die gewaltsame Aenderung der Statuten und des Wahlmodus im Vorjahre herbeigeführt worden ist und die angesichts der großen, Frankreich um ein vielfaches übertreffenden deutschen Mitgliederzahl als ein flagrantes Unrecht bezeichnet werden muß, ist für uns als erstes Motiv maßgebend, aus der Alliance anszuscheiden, der wie bisher mit Treue und ernstem Interesse ungeschlossen waren. Der weitere und nicht minder schwerwiegende Beweggrund für unser Ausscheiden ist die Propagierung eines dem positiv Religösen abgewandten Geistes in den Alliance-Schulen des Orients, der feit vielen Jahren in der Oeffentlichkeit als eine unheilvolle, bedauernswerte Erscheinung diskutiert wird. 3. Wenn es dem deutschen Landeskomitee in Berlin gelingen wird, eine einigermaßen lebensfähige Institution ins Leben zu rufen, die bei Aufrechterhaltung des allgemeinen Alliance- Gedankens die für uns deutsche Mitglieder wünschenswerte Bewegungsfreiheit garantiert, so werden wir derselben nach wie vor unsere Dienste und unsere Mittel zur Verfügung stellen: demgemäß sieht die Versammlung von der Auflösung des Lokalkomitees vorläufig ab. Würzburg. In einer gut besuchten Versammlung wurde mit Majorität eine Resolution angenommen, welche den Anschluß der hiesigen Kultusverwaltung an die Berliner Vorstands-Erklärung mißbilligt. Württemberg. Mergentheim, 13. Jan. Gestern Abend feierte der Israel. Frauenverein das Fest seines 60jährigen Bestehens. Ein reicher Kranz von Damen hatte sich in den Räumen des Hotels Fechenbach zu fröhlicher Unterhaltung versammelt. Eröffnet wurde die Feier durch eine Ansprache des Rabbiners, der auf die Bedeutung und die Tätigkeit des Vereins für die Pflege des Gemilus chesed innerhalb der Gemeinde hinwies und seine Worte beschloß mit dem Wunsche, daß der Verein weiter wachse und gedeihe und Segen stiftc, vor allen, dadurch, daß er auf seine jüngeren Mitglieder dahin einwirke, daß auch diese vom Geist des jüdischen Gemilus chesed erfüllt und würdige Nachfahrer der Vorgängerinnen im Vereine werden möchten. Weitere Ansprachen hielten Herr Lehrer Pappenheimer und Frau Rabb. Dr. Saenger, die zur Stiftung eines neuen Porauches die Anregung gab. Mit einer Verlosung und Gabenverteilung schloß die schöne Feier. Preußen. Berlin. In seiner Sitzung von, 8. Januar hat das Zentral- Komitee der Allian e Jsraülite Universelle für folgende Zwecke Beihilfen bewilligt: 1. 10 000 Franken an das Komitee in Sofia zur Unterstützung der bulgarisch-jüdischen Familien, die durch den Balkankrieg gelitten haben. 2. 5000 Franken zugunsten der nach Saloniki geflüchreten israelitischen Familien. 3. 2000 Franken für die holländischen Grenz-Komitees, die den russischen Aus und Rückwanderern Hilfe leisten. 4. 500 Franken an den Hilssverein für kranke russische Israeliten in Königsberg i. Pr. Für die Opfer der Cholera hat das Zentral-Komitee nach Tiberias

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