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Das jüdische Blatt · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2. 7 Das jüdische Matt. sondere Freude bereitet, daß ein Kaffeekränzchen derselben in der Lehrerwohnung veranstaltet wurde. Kaden. Mannheim. In einem seiner letzten Berichte hat Ihr Korrespondent Ihnen davon Kenntnis gegeben, daß z. Zt. hier Bestrebungen im Gang seien, zur obligatorischen Einführung des Hebräischen in den Lehrplan der hiesigen Schulen, was bedauerlicherweise bislang nicht der Fall war. Unsere Hoffnung, daß der Synagogenrat dem zustimmen würde, zumal dies auch der Wunsch des badischen Oberrats sei, hat sich leider nicht erfüllt, diese Korporation hat die Einführung abgelehnt. Unseres Wissens ist in allen anderen Staaten das Hebräische ein Bestandteil des jüdischen Religionsunterrichts, nur die badischen Städte Mannheim und Karlsruhe gestatten sich diese Ausnahme. Erfreulicher als diese bedauerliche Tatsache ist die Gründung eines jüdischen Iugendvereines, der sich letzte Woche auf Anregung der Km> britli Logv gründete. Er steht unter Präsidentschaft von Rechtsanwalt Max Kaufmann und will etz sich zur Aufgabe setzen, die jüdischen jungen Leute zu veranlassen, an jedem Abend in jüdischer Weise zusammenzukommen; man soll dort lesen, spielen, wöchentlich ungezwungene Referate hören können usw. Demnächst wird der Vorstand sich mit einem Aufruf und einer größeren Versammlung an die Oeffentlichkeit wenden. Erfreulich ist auch die Tatsache, daß anläßlich des Jahreswechsels wieder einer Anzahl Juden größere Auszeichnungen zuteil wurden. Württemberg. Am 16. Dezember ist zum ersten Male die neue Israel. Oberkirchenbehörde zusammengetreten. Voraus ging am 15. Dezember eine zwanglose Zusammenkunft der neu gewählten Abgeordneten und der Mitglieder der alten Oberkirchenbehörde, jetzt Engerer Rat genannt, um sich gegenseitig kennen zu lernen und Vorbesprechungen abzuhalten. Auch ein gemeinschaftliches Essen fand statt, bei welchem der Vorsitzende der Oberkirchenbehörde, Herr Ministerialrat v. B ä l z (Christ) eine Ansprache hielt und am Ende des Essens den Rabbiner-Abgeordneten Rabbiner Kahn mit dem Tischgebet „beehrte". Bei der geschäftlichen Sitzung am 16. Dezember handelte es sich um die Aufstellung von Listen für die vier Mitglieder des Engeren Rates. Inzwischen hat das Kgl. Kultusministerium seine Auswahl getroffen. Es wurden auf sechs Jahre zu Mitgliedern des Engeren Rates ernannt die der Oberkirchenbehörde bereits schon früher anaehörenden Herren Sanitätsrat Dr. Weil und Rentier Louis Hirsch in Stuttgart, Kaufmann Flegenh e i m e r in Heilbronn und neu gewählt Herr Siegfried Kahn in Stuttgart. Die Wahl des letztgenannten Herrn erweckt allenthalben lebhafte Freude und Genugtuung. Herr Siegfried Kahn ist nämlich st r e n g fromm, ein großer du ul gemidm chesed und duul zedokoli, Tugenden, die er in vorteilhaft großzügiger Weise ausübt, obwohl er nur zu dem „Mittelstand" gehört. Mit ihm zieht nach langen, langen Jahrzehnten wieder ein praktisch-religiöser Jehudi ins oberste Kollegium. Der demokratische Charakterzug, der sich durch unsre neue Kirchenverfassung zieht, findet bei der Wahl des Herrn Kahn insofern seine Konsequenz, als in seiner Person ein Vertreter nicht der großen Finanz oder der Akademiker, sondern ein Mitglied des Mittelstandes seinen Eintritt in die Oberkirchenbehörde vollzieht. Weiterhin ist bemerkenswert, daß bei dieser Ernennung dem Siege und den Erfolgen der Konservativen bei den Wahlen der Abgeordneten zur Oberkirchenbehörde Rechnung getragen wird. Möge dies alles Gute im Gefolge haben. Der Wechsel im Kgl. Staatsministerium, der dieser Tage stattgefunden hat, ist auch für die Israeliten von Bedeutung. Des scheidenden Ministers des Innern v. P i s ch e ck gedenken wir dankbar seines wohlwollenden Interesses für die Rücksichtnahme auf die Wünsche der Israeliten bezüglich der S o n n - tagsruhe, Freigebung von drei Stunden für die sabbathaltenden Geschäfte zur Erledigung von schriftlichen Arbeiten am Sonntag (ß 4 des neuen Entwurfes betr. Sonntagsruhe). Auch die Viehhändler find ihm von Herzen dankbar für die allezeit bewiesene Förderung und Rücksichtnahme auf ihre Interessen. Herr Staatsminister o. Fleischhauer vertauscht das Kultusministerium mit dem Ministerium des Innern. Unter seiner Leitung und Mltarbeit kam die Kirchenoerfassung zustande in einer Form, daß auch die Minderheiten und die Gesetzestreuen mit ihr zufrieden sein konnten. Es wurde den israel. Schülern Dispens vom Schreiben am Sabbat gegeben und noch in den letzten Tagen der Entwurf einer Ferienordnung ausgearbeitet, der auf die religiöse Gewissensfreiheit die weitgehendste Rücksicht nimmt. Zum Kultusminister wurde Herr Konsistorialpräsident v. Habermaas ernannt, der vordem lange Jahre an der Spitze der Israel. Oberkirchenbehörde gestanden hatte und hier die Bedürfnisse der Israeliten auch der gesetzestreuen von Grund auf kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Preußen. Berlin. Die Gründung einer Chewra Kadischa in Berlin. Seit 1867 existiert in der größten Gemeinde Deutschlands, mit 150 000 Seelen, keine Chewra Kadischa. Dies dürfte ein Unikum nicht nur für Deutschland, sondern sogar für eine Großstadt der ganzen Welt sein. Wien, Budapest, Paris, London, New Port haben nicht nur eine, sondern mehrere, sogar zahlreiche Beerdignngsvereine. In Berlin lastete das ganze Beerdigunaswesen — mit Ausnahme der Separatgemeinde Adaß Jisroel — auf der Gemeindeverwaltung. So musterhaft in technischer Beziehung bisher das Beerdigungswesen auch seine Aufgaben erfüllte, so wenig hätte eine Chewra Kadischa einem so großen Gemeinwesen, schon aus ethisch-religiösen Gründen, fehlen dürfen. Es ist um so verwunderlicher, daß beinahe ein halbes Jahrhundert hingehen und die Gemeinde sich mehr als verdoppeln konnte, ehe jüdische Männer erstanden, die den völligen Mangel einer der allerersten und vornehmsten jüdischen Gemeinde-Institutionen empfanden. Nunmehr ist am 25. Dezember in einer von den Herren Dr. med. Arthur Kahn und Adolf Prager einberufenen und überaus zahlreich besucht gewesenen Versammlung eine Chewra Kadischa gegründet worden. Die Ansprachen des Versammlungsleiters Dr. Kahn, Prager, Wedell und die zündenden Schlußworte des Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher veranlaßten über 100 Anwesende, sofort der neuen Chewra Kadischa beizutreten, und gehören ihr bereits über 200 Männer schon jetzt an. Damit ist die Gemeinde Berlin um den bedeutsamsten Verein bereichert, der zum eisernen Bestand aller jüdischen Gemeinwesen von jeher gehört hat. Berliner Bericht. Die stets rührige Bezirksgruppe der Schönhauser Vorstadt des Neuen Jüdischen Gemeindevereins hatte anläßlich des Chanukkahfestes einen Unterhaltungsabend veranstaltet, welcher durch einen höchst interessanten und lehrreichen Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. M. Joseph eingeleitet wurde. Das Thema lautete: Die Anfänge der Entwicklung der jüdischen Gemeinden. In seinen Dankesworten an den Referenten führte Herr Ludwig Behr aus: So sehr die Gemeindeverwaltungen auch auf Neuerungen

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