Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 2 (10.1.1913)
- Date
- 1913-01-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Das jüdische Klatt Nr 2. folge seiner gediegenen Ausarbeitung, seines lehrreichen Inhalts und seiner ansprechenden Darstellungsweise ein aufmerksames Auditorium, das denn auch mit dem wohlverdienten Beifall nicht geizte. Wir danken dem verehrten Referenten auch an dieser Stelle für den interessanten Vortrag und verknüpfen damit den Wunsch: Auf Wiedersehen in unserm Verein im nächsten Jahre s. G. w. — Am nächsten Sonntag wird in unserm Verein Herr Rabbiner Dr. Weil aus Buchsweiler über die „Richtlinien" sprechen. L'mgolsheim. Iugendbund Lingolsheim. Vergangenen Samstag Abend sprach Herr Rabbiner Dr. M a r x - Straßburg im hiesigen Jugendbunde über Moses Maimon i d e s. Etwa 30 Herren, der Mehrzahl nach junge Leute, waren erschienen und folgten mit großem Interesse den Ausführungen des Redners. Zunächst gab er einen kurzen geschichtlichen Rückblick von der Zeit Hillels bis zur Zeit Moses Maimons, um dann über diesen großen Gelehrten das Wesentliche vorzutragen. Sein Vortrag hatte praktischen Wert, denn das Interesse an der jüdischen Geschichte ist geweckt. Herr Felix Bloch aus Straßburg, welcher einer Einladung an den Jugendbund Straßburg im Aufträge desselben gefolgt war, zeigte sich in der Diskussion als gewandter Redner, so daß ein zahlreicher Besuch für den zweiten Vortragsabend gesichert ist, an dem Herr Bloch über die jüdischen Gebete referieren wird. Der erste Leseabend (Freitag Abend) war verhältnismäßig gut besucht und wird voraussichtlich unsere Jugend zur eigenen Arbeit anregen. Rosenweiler. Von hier hört man in jüdischen Blättern nur bei Gelegenheit von Beerdigungen oder wenn von dem alten großen rrO hier die Rede ist. Der einzige Jude, der hier mit seiner Familie lebt, ist der Friedhofswärter B. Bloch, bekannter unter dem Namen Wolf. Es sind jetzt 25 Jahre, daß er hier oben seines Amtes waltet. Er hat sich in dieser Zeit die volle Zufriedenheit der Friedhofsverwaltung, ebenso wie große Beliebheit bei allen Besuchern des Friedhofs erworben durch feine volle Hingebung an fein schweres Amt und seine freundliche Bereitwilligkeit, überall mitzuhelfen. Er wird hierbei unterstützt von seiner arbeitsfreudigen und trotz ihrer schweren Familienlast freundlich-heiteren Gattin. Beide sind auch sehr geschätzt von der nichtjüdischen Bevölkerung., Zur Erinnerung an dieses 25 jährige Jubiläum und als Zeichen der Wertschätzung hat die Friedhofsverwaltung dem Jubilar ein Geschenk überreicht mit dem Wunsche, sich recht lange an demselben zu erfreuen. Sulz u. W. Am vergangenen Sabbat wurde nach längerer Unterbrechung die neurestaurierte Synagoge zum ersten Male wieder benutzt. Aus diesem Anlaß war der Gottesdienst am Freitag Abend und Sabbat Morgen in dem in neuer Schönheit erstandenen und festlich geschmückten Gotteshause besonders feierlich. Herr Kantor Heimendinger hatte einen Männerchor eingeübt, dessen Darbietungen allgemein gefielen. Bayern. Nürnberg. Am 9. Januar findet dahier ein von dem Verein für die Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in. Bayern veranstalteter Vortragsabend über die Richtlinien statt. Nachdem von maßgebender Seite aus die Garantie gegeben wurde, daß der nächsten Generalversammlung ein Antrag auf Aufhebung des Schweinfurter Cherem vorgelegt wird, übernahm auch Distriktsrabbiner Dr. Kohn-Ansbach ein Referat. Es ist aber Sorge getragen, daß betont wird, daß damit von keiner Seite irgend eine Aenderung des Standpunktes zur Revisionsfrage verbunden ist. Der Ernst der Zeiten erheischt es, daß alle Kräfte in den Dienst des Kampfes gegen die Richtlinien gestellt werden und die Revisionsgegner dachten weit genug, um die Aufhebung des Cherem nicht vorher zu verlangen. Es ist aber jetzt Pflicht des Würzburger Vereins, fein Versprechen baldmöglichst einzulösen, (jui vivru, vari'u. Berolzheim. In froher Erwartung sah man dem Tage entgegen, an welchem die israelitische Volksschule eröffnet werden sollte. Am Vorabende fand nach Anordnung des Herrn Distriktsrabbiners ein Dankgottesdienst nach dem 313^3 Gebete statt, bei welchem Herr Dr. Kohn eine tiefergreifende Rede hielt, welche er mit dem Segensspruche 'iPfÜTZ* mim einleitete; er führte unter anderem aus, daß der 23. einen denkwürdigen Tag in der Chronik von Berolzheim bilde, wozu er die Gemeinde beglückwünsche. Er sei der frohen Hoffnung, daß aus der jüdischen Volksschule jüdische Kinder, jüdische Männer und Frauen erstehen werden, welche sich nicht von den Strömungen der Zeit werden fortreißen lassen. Aus den Worten des Psalmiften: ip ^33 □'PüP entwickelte der Herr Rabbiner die schweren Pflichten, welche dem Lehrer obliegen, welche jedoch durch Liebe zum Berufe gemildert, ja beglückend wirken können. Der eigentliche Festakt fand Donnerstag Vormittag im festlich geschmückten Schulsaale statt; es waren hierzu erschienen der Kgl. Bezirksamtmann die beiden Herrn Pfarrer und Lehrer des Ortes, die Gemeindeverwaltung und die gesamte jüdische Bevölkerung. Nachdem von der Schuljugend das ^3- “'P3 gesungen wurde, begrüßte der Vorstand, Herr Simon Herz, die Erschienenen und legte an Hand der Chronik dar, daß im Jahre 1820 von der Kgl. Regierung der Gemeinde Berolzheim der Antrag gestellt worden sei, eine Elementarschule zu gründen, welcher Frage jedoch von seiten der Kultusgemeinde, wahrscheinlich wegen der damalig mißlichen Erwerbs- und Freiheitsverhältnisse unserer Glaubensgenossen, nicht näher getreten wurde; der Wunsch, eine eigene Schule zu gründen, sei gereift durch die Erwägung, dem häufigen Lehrerwechsel, ja Lehrermangel vorzubeugen, wodurch der Bestand der Gemeinde gefährdet werde; er danke den Lehrern der Ortsschule, welche den israelitischen Kindern dieselbe humane Behandlung zuteil werden ließen wie denen der eigenen Konfession; er würdige das Verdienst von Herrn Dr. Kohn, ohne dessen Unterstützung und Förderung die Gemeinde heute wohl nicht da stände. — Es erfolgte nun die Einführung des derzeitigen Religionslehrers, Herrn Edmund Hirsch, in seine neue Stellung durch den Kgl. Lokalschulinspektor, welcher auch einem guten Einvernehmen der beiden Konfessionen freundliche Worte widmete. — Der Kgl. Bezirksamtmann wendete sich mit markanten Worten an die Vertreter der politischen Gemeinde, daran erinnernd, daß Unstimmigkeiten ob der neuen Schule, soweit solche noch bestehen sollten, vollends schwinden mögen; vor dem Gesetze müsse sich eben jeder beugen. — Herr Dr. Kohn legte dar, daß die Gründung von Elementarschulen geeignet sei, der Landflucht vorzubeugen, und vom pädagogischen Standpunkte der Konzentrationsidee sei es geboten, für die Gründung der Elementarschulen einzutreten; es sei hierbei zu erhoffen, daß die dem Religionsunterrichte zugemessene Zeit nicht gekürzt werde. Herr Lehrer Hirsch dankt namens der Kultusgemeinde dem Vorstande für seine mühevolle Arbeit und zielbewußte Vertretung der neuen Schöpfung: seinerseits dankte er der Kultusgemeinde, der hohen Kgl. Regierung, dem Herrn Distriktsrabbiner, und werde er sich bemühen, den an die Elementarschule gesetzten Anforderungen nach jeder Richtung hin gerecht zu werden. Nach einigen Worten der Aneiferung an die Schüler wurde die Königshymne gesungen und hiermit hatte der offizielle Akt seinen Abschluß gefunden. Der Schuljugend wurde noch dadurch eine be-