Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 2 (10.1.1913)
- Date
- 1913-01-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. 5 Das jüdische Klatt. kenhaus eine Zuflucht für die Leidenden, eine Wohltat für die Menschheit sei. Der Herr B e z i r k s p r ä f i d e n t Dr. P ö h l m a n n gab als Vertreter des Bezirks dem stolzen Gefühle Ausdruck, daß im Bezirk Unterelsaß so viel großangelegte Krankenanstalten vorhanden seien. Es gereiche dem Staat zum Ruhme, daß nicht bloß Staat und Stadt, sondern die einzelnen Konfessionen darin wetteifern, in der Einrichtung ihrer Krankenanstalten bis an die Grenze des Erreichbaren zu dringen. Sei deshalb eine Ueberproduktion eingetreten? Es sei vielmehr ein Triumph der Zivilisation, daß jedes neu erstehende Krankenhaus bald nach der Eröffnung fast völlig belegt werde. Das sei der Fortschritt gegen früher, daß in allen Schichten der Bevölkerung, in den hohen wie in den niederen, sich die Ueberzeugung befestige, daß die Spitalbehandlung allein in vielen Fällen die nötige Bürgschaft für Heilung biete. Indem er dem Israelitischen Krankenhaus seine Glückwünsche zu seiner Verjüngung darbringe, betone er laut, daß das ein neuer Beweis ist für das Blühen edler Menschenliebe im Kreise der israelitischen Mitbürger. Herr V ü r g e r m e i st e r Dr. S ch w a n d e r erklärt, die eifrige, emsige Arbeit der Verwaltung des Krankenhauses verdiene hohe Anerkennung, die glänzende Ausstattung des Krankenhauses mit allen modernen Hilfsmitteln zeigt, wie begründet der sprichwörtlich gewordene Wohltätigkeitssinn der Israeliten sei. Sie haben hier in den Ruhmeskranz unserer sozialen Werke ein neues Blatt hinzugefügt. In einer Zeit des Kampfes tue der Anblick eines friedlichen Wettstreites unter allen Konfessionen um den Bau von Krankenhäusern wohl, hier handle es sich nicht Wunden zu schlagen, sondern zu heilen. Der Geheime Medizinalrat habe gesagt, die Räume der Krankenhäuser seien so hell und hoch, so bequem und schön, daß man wünschen könne, einige Tage krank zu sein. Im Gegensatz dazu hoffe er, daß die Stadt Straßburg wie bisher bestrebt sein werde, tüchtig zu arbeiten und gesund zu werden und zu bleiben, auch wirtschaftlich. Im Falle der Krankheit hat heute jeder Bürger den Trost, gute, liebevolle Pflege zu finden. Auch hier sei eine solche erstklassige Stelle geschaffen, die vielen Segen stiften wird. Pr. Arzt Dr. Müller als Vertreter des Aerztevereins erinnert an die kleinen Anfänge im K u p p e l h o f, wo recht und schlecht einige Wohnungen zur Anstalt für Aufnahme von Kranken umgestaltet worden seien. Was für einen Fortschritt stelle dagegen das jetzige prächtig eingerichtete Krankenhaus dar. Möge es nie der Routine verfallen, sondern mit der Wissenschaft weiter fortschreiten und den Ratschlägen der Aerzte willig Gehör schenken. Als Vertreter des Vereins für Ausbildung von Krankenpflegerinnen in Frankfurt a. M. bespricht Herr Schiff- Frankfurt a. M. die Notwendigkeit der Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen. Die Oberin des Straßburger Krankenhauses sei ein Lieblingskind seines Vereins gewesen, mit ihrem Abschied habe sie sich gewissermaßen ein Stück aus dem Herzen gerissen. Die Aerzte, die in Beziehung zu ihr treten, werden bestätigen, mit welcher Liebe und Energie sie und ihre Mitschwestern ihrem Berufe leben. Nach dem, was er hier von dem Lob der Straßburger Krankenhäuser gehört und an Pracht gesehen habe, müsse er das Lied umdichten und sprechen: O Straßburg, du wunderschöne Stadt, die so viele schöne Spitäler hat. Das Losungswort für das Israelitische Krankenhaus sei: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Pr. Arzt Dr. Bloch, Hausarzt des Israelitischen Krankenhauses, gibt in kurzen Zügen einen geschichtlichen Ueberblick. Der erste gedruckte Aufruf zur Errichtung eines Krankenhauses ging 1875 von der Verwaltung der Altersvexsorgungsanstalt aus. Ein zweiter Aufruf erschien 1878 (13. Febr.) und schon am 1. Juli konnte im Kuppelhof bedürftigen Kranken kostenlose Aufnahme zugesichert werden. Das ziehichere Komitee, bei deni stets die Namen Blum-Auscher, Gustave Levy, L6on Schwarz wiederkehren, ruhte nicht, bis es fein Krankenhaus auf eigenem Grund und Boden hatte. Am 11. September 1883 wurde dieses durch Kaiserliche Verordnung als gemeinnützige Anstalt anerkannt, am 26. August 1884 wurde der Grundstein zum jetzigen Krankenhaus gelegt, am 20. Juli 1886 wurde es eingeweiht in Gegenwart Seiner Durchlaucht des Kaiserl. Statthalters v. Hohenlohe-Schillingsfürst und von Vertretern sämtlicher Staats- und städtischen Behörden. Seitdem hat die medizinische Wissenschaft ungeheure Fortschritte und Entdeckungen gemacht, das Krankenhaus mußte auf die Höhe der Technik und Wissenschaft gehoben werden. Es wurde eine ärztliche Kommission eingesetzt, bestehend aus Professor A. Cahn, Manasse, Levy, Dr. Bloch, ein ausführliches Gutachten wurde ausgearbeitet. Am 1. Juli 1911 kamen die Oberin und die übrigen Schwestern an das Krankenhaus; der Neubau wurde begonnen, unter Leitung von Markwardt und Schimpf, mitten im Bau trat die ärztliche Kommission mit neuen Ansprüchen an die Verwaltung, eine Röntgenanstalt, eine Entbindungsanstalt, ein neuer Betsaal, eine Isolier- und Sezierabteilung, eine geräumige Terrasse auf der Südseite wurde hinzugefügt, abgesehen von den Operationssälen, die nach den modernsten Anforderungen eingerichtet sind und zu den besten und schönsten von Straßburg gehören. So ist das Krankenhaus wie ein Phönix aus der Asche verjüngt und glänzend hervorgegangen, zum Frommen der Leidenden, ein Segen für die Stadt, eine Ehre der Menschheit. Die Schlußakkorde des Harmoniums bedeckten die letzten Worte feinen Redners. Ein Rundgang der Gäste schloß sich an. Hier konnte sich jeder überzeugen, daß die Redner nicht übertrieben haben. Krankenkomfort, helle Zimmer, prächtige Operationssäle, überall Glanz moderner Technik. Möge das Krankenhaus in seinem inneren Leben dem Aeußern entsprechen und eine Bereicherung jüdischen Lebens bedeuten. Klraßburg. Der Jüdische Turnverein Straßburg hat soeben ein fakultatives Turnen für seine passiven Mitglieder sowie für ältere Herren eingerichtet. Diese Stunde wird zum erstenmal am 6. Januar stattsinden, und wird alsdann jeden Montag unter persönlicher Leitung des Turnlehrers von 9—10 Uhr im Turnsaal der Oberrealschule bei St. Johann Kürturnen abgehalten werden. Bestimmt wird diese Neueinrichtung von den Personen mit Freuden ausgenommen werden, die schon längst die Notwendigkeit des Turnens zur Erhaltung eines gesunden Körpers erkannt haben. Dem rührigen Verein werden dadurch weitere Freunde zugeführt werden. Slraßburg. Durch Beschluß des Konsistoriums vom 22. Dezember 1912 sind aus dem Legat Fanny und Michel Weil folgende Preise bewilligt worden: Israelitische Gewerbeschule Straßburg 1000.it; Israelitischer Jugendbund, Straßburg 500.«; Th6ophile Kahn, Mohel, Westhofen, 450.«. Ingweiler. Vor dichtgedrängter Zuhörerschaft hielt am Sonntag Abend im hiesigen Literaturverein Herr Rabbiner Dr. Lehmann aus Bischweiler einen äußerst interessanten Vortrag über „Erziehung und Unterricht bei den Juden in alter Zeit". An der Hand von einer außerordentlich reichen Auswahl von Zitaten aus Bibel und Talmud zeigte uns der geschätzte Redner, wie es von jeher bei den Juden als oberstes Prinzip galt, seine Kinder 31t unterrichten und und zu gesitteten Menschen zu erziehen. Ausgehend von den im Midrasch erwähnten Lehrhäusern von Schem und Eber machte uns der Vortragende in anschaulicher Weise bekannt mit allen Arten der altjüdischen privaten und öffentlichen Unterrichtsanstalten, deren Unterrichts- und Erziehungsweise, deren Zielen und Erfolgen bis herauf zu den talmudifchen Hochschulen. Der über einstündige Vortrag fand in-