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Das jüdische Blatt · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das jüdische Klatl Nr. 2 einmal auf einige Monate nach Fürth zurückkam und die Schule noch solange leitete, bis ein geeigneter würdiger Nachfolger gefunden war. (Fortsetzung folgt.) ---- B. Schneor Salman. (Zum 24. Tewes.) Am 24. Tewes waren es 100 Jahre, seitdem der große „Ras" seine Augen schloß. Im Osten ist es ein Tag ernsten Gedenkens und zugleich eine Stunde frohen Bewußtseins des Erfolges. Denn die Anschauungen, für die der Ras von Ladi gelitten und gestritten, gelebt und gelehrt, sind heute der Lebensinhalt unendlich vieler geworden. Bei uns. ist es leider anders. In dem öden Bestreben der Größlein auf dem Throne der Wissenschaft, alles, was mit Kabbalah im Zusammenhang steht, mit dem Uebertone wissenschaftlicher Entrüstung von sich zu werfen, ist man auch dieser Erscheinung nicht gerecht geworden. Und doch hätte sie uns so vieles zu bieten. Wir wollen nicht reden von dem Leben des großen Mannes. Der ist ja füglich in großen Umrissen den einigermaßen Kundigen wenigstens bekannt. Man weiß, daß R. Schneor Salman hervorragend begabt war mit allen Gaben des Geistes und Herzens, « mit stählerner Energie des Willens. Man kennt die Entstehung des Gegensatzes zwischen dem Gaon von Wilna und den Bekenner« des Chassidismus und den Verlauf dieses Kampfes. Allein von alledem wollen wir heute nicht sprechen, das gehört der Weltgeschichte an und es sind gerade im Laufe des jüngsten Jahrfünfts einige durchaus objektive Werke über diese Frage erschienen. Allein bei uns sollte die Jahrzeit des Raf von Ladi mit einem Vorsatz begangen werden. Wer von den ernsten Forschern wäre nicht mit dem Schulchan Aruch desselben vertraut? Und wer auf der anderen Seite wäre eingedrungen in die Welt seiner Lebensanschauung? Da sucht man und spürt man nach einer zureichenden Weltanschauung, aus der sich die Ethik mit zwingender, logischer Notwendigkeit ergibt; wohlan leset, lernet, verstehet einmal den Tanja und da werden die „Größen" Westeuropas vielleicht doch noch etwas zu lernen haben. Und unsere Jugend würde es uns lohnen. --- Brief vom Lande. LIM. Mein Jung ist also wohlbestallter Kommis, endlich! Nach dreijähriger Lehrzeit, obwohl er das Einjährige hatte. Er soll sogar ein ganz tüchtiges Kerlchen sein, na, meine väterliche Bescheidenheit verbietet mir zu widersprechen. Sie werden wohl schon überhaupt gemerkt haben, daß Widerspruch nicht meine starke Seite ist. Nun aber schweifen wir lieber nicht ab. Meinen Sie etwa, es ist ein Vergnügen, einen Kommis zum Sohn zu haben? Der liegt mir immer in den Ohren von wegen seines Chefs. Er hat etwas Handlungsgehilfengeist und hält mächtige Reden über das soziale Empfinden. Ich sagte ihm zwar jüngst, dieses sogenannte soziale Empfinden habe ich immer nur gegenüber den anderen als Anforderung beobachten können und es beruhe selten auf Gegenseitigkeit. Aber da kam ich schön an und ich war nebbisch sehr bedeppt. Aber als ich den andern Tag seinen Chef sprach, war es dieselbe Geschichte. Ich meinte nämlich — dummer Weise —, etwas Gehaltsaufbesserung dürfte er schon geben, damit das Einkommen der jungen Leute durch die Beiträge an die Angestelltenversicherung nicht unter die bisherige Höhe (???) hinabsinke. Ui, da bekam ich etwas zu hören. Bedenken Sie doch, jetzt hat damit Ihr Sohn schon für seine Witwe gesorgt. (Er ist gerade 20^ Jahre alt.) Ob solcher Weisheit verstummte ich und beschloß, das soziale Empfinden der Herren Chefs und der Herren Kommis nicht mehr verstehen zu können. Aber in meiner Gemeinde setzte ich durch, daß die Versicherungsbeiträge unserer Beamten von uns getragen werden. Da spielte ich wieder ein bißchen Rosch Hakohol. Elsa ß-Koth ringen. Die Einweihungsfeier des neu eingerichteten Israelitischen Krankenhauses. In Anwesenheit einer zahlreichen geladenen Gesellschaft aus den besten Kreisen Straßburgs wurde am Mittwoch, 8. Januar, die Einweihungsfeier des neu ausgebauten und eingerichteten Israelitischen Krankenhauses zu Straßburg abgehalten. Ernst und vornehm verlief die Feier und hinterließ bei allen Teilnehmern ein tiefes Gefühl innerer Befriedigung. Vertreter der Staats- und der städtischen Behörden, der Bezirkspräsident, der Polizeipräsident, der Bürgermeister der Stadt Straßburg, Aerzte und Professoren, die Mitglieder des Konsistoriums, die Präsidenten der Straßburger israelitischen Wohltätigkeitsvereine und -Anstalten, ein Vertreter des Vereins für jüdische Krankenpflege Frankfurt a. M., die Mitglieder des Verwaltungsrats und deren Damen und Freunde des Krankenhauses erhöhten durch ihre Anwesenheit den Eindruck des Festaktes. Punkt 10 Uhr wurde die Feier durch ein von Herrn Schlesinger gespieltes Präludium eingeleitet. Darauf begrüßte der Präsident des Verwaltungsrats, Herr M. Hirsch, die Anwesenden und gab in klarer, einfacher, übersichtlicher Rede einen kurzen Ueberblick über den Werdegang der Anstalt und die Entwickelung der Restaurierungsarbeiten, die am 15. März 1912 begonnen hatten. Nach dieser von einer sympathischen Erscheinung getragenen und in warmem Tone gehaltenen Ansprache bestieg Herr Oberrabbiner Uhry das Podium, um in einer tiefempfundenen Rede die Bedeutung der Krankenpflege und der allgemeinen praktischen Menschenliebe zu entwickeln. Am Schlüsse forderte er die Versammlung auf, sich zum Gebete zu erheben, in welchem der ehrwürdige Redner den Segen Gottes herabflehte auf den Kaiser und das kaiserliche Haus, auf die Behörden des Landes und der Stadt, auf die rührige Verwaltung des Krankenhauses und auf die ganze Gemeinde Straßburg. Nach dieser stimmungsvollen Rede folgten die verschiedenen Vertreter von Behörden und Vereinen. Im Namen der Landesverwaltung sprach Geh. Medizinalrat Prof. H o l tz m a n n: Die Stadt Straßburg gehe mit ihren prächtigen Spitalbauten mit gutem Beispiele voran, die privaten Krankenanstalten im Innern der Stadt und in den Vororten folgten in edlem Wettstreit. Als Vertreter des Medizinalwesens konstatiere er diesen Eifer mit großer Genugtuung, denn die Krankenanstalten seien ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung der Epidemien, sie erleichtern und ermöglichen dem Arzt seine dornenvolle Aufgabe, deren Hauptgesetz ist Salus aegroti suprema lex (das Heil des Kranken ist höchstes Gesetz). Er wünsche, daß das Israelitische Kran-

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