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Das jüdische Blatt · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2 Das jüdische Statt. 3 Nicht gut glaublich! Oder ein etwas älteres Fräulein und bereits aus dem Schneider? Dann darf man vermuten, daß Lidia mit der gefinnungs- und altersverwandten Anita Augspurg nach Ruhm und Notorietät dürstet und sich der ehrwürdigen Anita anverbündet hat, um, da Lorbeeren nicht so leicht auf Alltagsgebieten zu erobern sind, solche da zu pflücken, wo es leichter ist: nämlich auf dem allerdings auch schon stark zerstampften Feld des tierschützlerischen Antisemitismus. Soll man dagegen Stellung nehmen? Mit Nichten! Jüdische Zeitungen sind doch nicht dazu da, um an längstvergessene „Frauengrößen", wie Anita Augspurg, — welche man nach natürlichen Voraussetzungen bereits längst verstorben glaubte, — erinnert zu werden! Auch nicht dazu, um einer herzlich gleichgültigen Altersgenossin und Helfershelfern einen Schimmer von Bedeutung zu verleihen, der ihr ebensowenig zukommt, wie jener Anita. Also, ob Lidia oder Anita, ob sie für oder gegen das Schächten agieren — man gehe endlich über beide zur Tagesordnung über und verschone uns mit ihren Personen. Daß jede charaktervolle Jüdin keinem Verein angehören darf, in dem, unter welcher Humanitären Maske wie immer, durchsichtig klarer Antisemitismus getrieben wird, ist ebenso selbverständlich, aber eine Sache für sich. Dr. A. K. Festrede des Direktors Dr. Keitchenfetd anläßlich des 50 jährigen Jubiläums der israelitischen Realschule in Fürth. (Fortsetzung.) Am 29. Oktober 1862 wurde die Schule in zwei gemieteten Räumen vm dem Eckhaus Theater- und Blumenstraße) mit 42 Schülern eröstnet. Sie bestwtd zuerst aus zwei Klassen zu je zwei Jahrgängen: Dr. Auerbach und Lehrer E l d o d versahen darin den gatizen Unterricht bis auf die technischen Fächer, für die bewährte Fachlehrer engagiert waren. In den beiden nächsten Jahren kamen zwei weitere Klassen und zwei Lehrer hinzrr: Herr S i nr o n N o r d h e i m e r aiis Emden, der nach 38jähriger Tätigkeit an der Anstalt 1901 in den Ruhestand getreten ist und noch rüstig in unserer Mitte lebt, und Herr Dr. Josef Werner aus Frankfurt a. M., der schon nach VA Jahren Fürth wieder verließ und durch Dr. Heinrich Bloch ersetzt wurde. Die Anstalt entsprach in ihren Zielen damals ungefähr einer vierklassigen bayrischen Realschule nebst dem Unterbau einer vierklassigen Elementarschule. Bei der größeren Freiheit individueller Entwickelung, die damals den privaten Lehranstalten gegeben war, und bei der kleinen Schülerzahl, mit der die Bürgerschule arbeitete, konnte das Ziel der einzelnen Klassen in manchen Gebieten etwas höher gesteckt werden als in den entsprechenden Klassen der Staatsanstalten. So wurde z. B. mit dem Französischen schon im 4., mit dem Englischen und der Buchführung im 7. Schuljahr begonnen. Es ist bemerkenswert, daß in der Bürgerschule gleich von Anfang an, sobald sie zu einer vierklassigen Schule ausgebaut war, zwei fremde Sprachen getrieben wurden. Auch mit der Physik wurde gleich nach Errichtung der Oberklasse begonnen, nicht lange nachher wurden auch Algebra und Geometrie in den Lehrplan ausgenommen. Für die Mathematik und Physik nebst Naturkunde wurden sofort Spezialisten herangezogen; für den Unterricht in den fremden Sprachen, der in den ersten Jahren von den ordentlichen Lehrern der Anstalt allein erteilt worden war, trat bald ein besonderer Fachlehrer ein. Im ganzen aber herrschte damals an der Bürgerschule entgegen der späteren und noch heute an den bayrischen Realschulen geltenden Praxis (des Fachlehrersystems) das Klassenlehrersystem vor, indem die Klassenlehrer den Unterricht in den meisten Fächern ihrer Klasse erteilten und dadurch mit ihren Schülern viel mehr vertraut wurden. Was an Vertiefung des Wissensstoffes in Vergleich zu den heutigen Anforderungen bei dem einen oder anderen Fache vielleicht fehlen mochte, das wurde durch größere Konzentration des Unterrichts und das Jneinandergreifen der Lehrfächer sicherlich ausgegelichen. Nach allem, was man von jener ersten Periode der Schule hört, wurde trotz der engen beschränkten Räume und trotz der verhältnismäßig geringen Aufwendungen für Schuleinrichtungen und Lehrmitteln mit großer Lust und Liebe gearbeitet, und auch der kleine Kreis der an der Schule beteiligten Familien wirkte durch das rege Interesse, das er für die Anstalt zeigte, ermunternd und fördernd auf die Schularbeit ein. Dem Publikum wurden die Leistungen der Schule damals durch die alljährlichen öffentlichen Prüfungen nahe gebracht, die in Anwesenheit städtischer Schulinspektoren abgehalten wurden und von den Kenntnissen der Schüler in den verschiedenen Fächern Proben darboten. Von der städtischen Schulaufsichtsbehörde wurden über die Prüfungen Protokolle ausgenommen und alljährlich der Kgl. Regierung eingeschickt. Diese nahm schon 1865 Gelegenheit auf Grund eines Berichtes der Lokalschulkommission dem Lehrpersonal für den angewandten Fleiß und den erzielten Erfolg eine Belobigung zu erteilen. Daß die Eltern der Schüler der Anstalt Vertrauen entgegenbrachten, sieht man aus der schnell wachsenden Zahl der Schüler, die noch unter Dr. Auerbachs Direktorat von 42 auf ca. 110 (einmal sogar auf 118) stieg. Die Opferwilligkeit des kleinen Kreises machte es möglich, daß die Anstalt, die längere Zeit im Schweizerschen Hause m der Hirschstraße untergebracht war, sich bald ein eigenes Haus erbaute — das noch jetzt benutzte Vordergebäude unseres Schulhauses, das im Jahre 1869 bezogen wurde. Die wenigen, mit einfachster Schuleinrichtung versehenen Räume nahmen sich sicherlich auch in damaliger Zeit, wo man die inodernen Schulpaläste noch nicht kannte, bescheiden genug aus. Aber es wurde in dem eigenen Hause, wie in den früher benutzten Mieträumen, eisrigst und zielbewußt gearbeitet und die Resultate des Unterrichts entsprachen der dafür aufgewandten Mühe. Aus jener Periode leben teils in unserer Mitte, teils auswärts nicht wenige hochgeachtete Männer, zumeist Kaufleutc und Industrielle, die ihre ganze Schulbildung der Bürgerschule verdanken und sich auch jetzt noch gern der wertvollen Anregungen und Belehrungen erinnern, die ihnen hier von ihren Lehrern zuteil geworden. Besonders lebendig ist in den Herzen vieler ehemaliger Schüler die Erinnerung an Dr. Auerbach und seine Lehrtätigkeit. Er war so recht die Verkörperung des Prinzips der Anstalt: Tora im Derecli erez, jüdisch-religiöse in innigem Verein mit allgemein-menschlicher Bildung, er, der in den heiligen Schriften unseres Glaubens ebenso bewandert war wie in den Meisterwerken der deutschen Literatur, in der englischen Sprache und in den Epochen der Weltgeschichte und für diese verschiedenen Gebiete seiner Schüler in gleicher Weise zu erwärmen und zu begeistern wußte. Auch auf die Erwachsenen übte er durch seine regelmäßigen belehrenden Vorträge einen großen Einfluß und er hatte sich in gesellschaftlicher Beziehung eine angesehene Stellung hier zu schaffen gewußt. Es war daher ein schwerer Verlust für die Schule und für die ganze Gemeinde, als der treffliche Organisator der Schule nach ungefähr 10 jähriger Tätigkeit hier zum Nachfolger seines Vaters im Rabbinate berufen wurde und einige Monate später — hauptsächlich einem letzten Wunsche seines Vaters zuliebe — dem Rufe nach Halberstadt folgte. Wie schwer sich Dr. Auerbach yon Fürth und der ihm liebgewordenen Tätigkeit hier trennte, bezeugt die Tatsache, daß er, schon im Begriff sein Amt in Halberstadt anzutreten, noch

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