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Das jüdische Blatt · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Das jüdische Matt Nr. 2. wie die Sonne — können wir beide eine Herrschaft teilen? — Wohlan, lautete die göttliche Antwort, so gehe und ziehe dich bescheiden zurück; die Frommen späterer Zeiten werden dich zum Borbild nehmen. Jakob, der Kleine, David, der Kleine, Samuel, der Kleine, volle Genugtuung wirst dn aber finden, wenn mit jedem Neumond Israel durch ein Sühnopfer sich rüstet, nach neuem Licht zu ringen, in diesem Ringen nach ewig vollem Licht seine ganze Bestimmung erkennen und sich ihrer vor Gott in festlicher Versammlung froh bewußt werden wird. (Talm. Chulin 60.) Und auch für das Geschick Israels im Laufe der Zeiten ist der Auf- und Niedergang des Mondlichtes nach den Worten der Weisen (Midrasch z. St.) ein symbolisches Vorbild: fünfzehn Generationen führen vom Anfänge der Geschichte Israels bis zu ihrem Gipfelpunkte, von Abraham bis Salomo, und fünfzehn Generationen führen von dieser Höhe bis zum vollendeten Niedergang von Salomo bis Zidkia, wie der Mond fünfzehn Tage steigt und ebensoviele Tage sinkt. — Und in späteren Jahrhunderten, als schwerer Druck und harte Leiden das Dasein unserer Ahnen verfinsterten, bot ihnen die im neuen Lichte hervortretende Mondessichel trostreiche Hoffnung auf eine lichtigere Zeit, und diese erhebende Zuversicht brachten sie zum Ausdruck bei der Ankündigung des Neumondes mit den Worten, die uns heute noch innig entgegentönen: Der Lenker der Zeiten, der unsere Väter so wunderbar zur Freiheit geführt, wird auch uns erlösen und sammeln von den Enden der Erde. — Wahrlich, nicht umsonst wird die durch Segensspruch zu vollziehende Begrüßung des Neumondes K i d d u s ch Halebonoh genannt, denn heilige und erhabene Lehren, bedeutungsreiche und heilsame Mahnungen werden dadurch in Geist und Herz geweckt und gekräftigt. Rabb. Schüler. Delegiertentag des Verbands der Habbaifreunde zu Berlin. (Schluß.) 2. Tag, 26. Dezember 9A Uhr. Zur Beratung gelangt der Antrag Frankfurt 2 , des Inhalts: 2. Der Verband der Sabbatfreunde soll an alle jüdischen Gemeinden wirkungsvolle Plakate senden, die in den Synagogen, Restaurationen usw. aufgehängt werden sollen und worin darauf hingemiesen wird: a) daß Stellensuchende sich stets kostenlos an die Israelitische Stellenvermittlungs-Zentrale in Frankfurt a. M. wenden können. b) daß die Chefs bei Vakanzen der Israelitischen Stellenvermittlungs-Zentrale Kenntnis geben sollen. Der Antrag wird nach einer Besprechung der Kommission überwiesen. Antrag Berlin 2: In Anbetracht der Tatsache, daß das Agenturgeschäft auch bei Heiligung des Sabbat gute Chancen bietet, erscheint die Schaffung einer Zentralstelle, die kaufmännisch gut ausgebildeten Personen Vertretungen nachzuweisen vermag, dringend geboten. Der Delegiertentag möge die Schaffung einer solchen Informationsstelle für Vertretungen beschließen. Es wird von mehreren Rednern betont, daß das Agenturgeschäft eine gewisse Selbständigkeit gewährt, die die Beobachtung des Sabbat gestattet. Es feien dafür erstklassige Leute nötig, solche etwa, die in großen Geschäften nicht mehr weiterkommen und über kein Kapital verfügen zur Selbständigmachung. Der Verband solle weder empfehlen noch vermitteln, sondern einfach als Informationsstelle dienen. Der Antrag wird der neu gewählten Kommission überwiesen. Antrag Straßburg 2: 2. Die Mitglieder sämtlicher Ortsgruppen der „Sabbatfreunde" mögen, da sie prinzipiell die Heilighaltung des Sabbats anerkennen und somit in einem der wichtigsten Punkte auf dem Boden der „Agudas Jisroel" stehen, ohne Zahlung eines besonderen Beitrages als Mitglieder der „Agudas Jisroel" angesehen werden. Zu diesem Zwecke wolle der Delegiertentag beschließen, daß alljährlich der Verband der Sabbatfreunde eine bestimmte Summe an die Kasse der „Agudas Jisroel" zu zahlen habe, wird abgelehnt. Antrag Hamburg-Altona-Wandsbeck: Den Ortsgruppen des Verbandes der Sabbatfreunde wird empfohlen, für jüdische junge Leute, speziell für solche, welche von auswärts stammend, heimatlichen Anschluß entbehren, Stätten zu begründen, an denen sie sich am Schabbos, namentlich im Winter, unter Gleichgesinnten bewegen und fortbilden können und, wenn angängig, an größeren Orten Lehrlingsheime zu gründen. Der geschäftsführende Ausschuß erklärt seine Bereitschaft, die Ortsgruppen dabei zu unterstützen. Cohn-Hamburg erklärt berichtigend, die Mittel wird Hamburg schon aufbringen, Hamburg habe bloß den anderen Ortsgruppen Anregung geben wollen. Es wird beschlossen: Den Ortsgruppen des Verbands der Sabbatfreunde wird empfohlen Stellen zu schaffen, an denen jüdische junge Leute an den Freitag Abenden unb Sabbaten sich zusanimensinden unb durch angemessene Unterhaltung oder Belehrung einen Ersatz für das fehlende Heim finden. Die Richtlinien-Anlräge. Manche Redner (Rothschild, Schwab) empfehlen, der Sabbatverband müsse gegen die „Richtlinien" protestieren. Bisher hätten es bloß die Rabbiner getan, jetzt müßten die „Balbattim" folgen und diese seien hauptsächlich im Sabbatverband vertreten. Andere (Neuberger, Pleßner) widerraten, da der Sabbatverband kein Kampfverein sei. Alle Zeit hätten auch die Uebertreter des Sabbats die Wichtigkeit des Sabbats zugegeben, bis die Richtlinien gekommen wären, um zu erklären, man könne heute die Beobachtung des Sabbat nicht verlangen. Die Existenz des Sabbatverbandes sei der kräftigste Protest gegen dieses Attentat. Die Agitation gegen die Richtlinien sei den anderen Verbänden zu überlassen. Bieberfeld beantragt, ein Flugblatt zu verbreiten: Die Richtlinien und der Sabbat. Die Frage Mannes- Schwabach, ob ein Unterzeichner der Richtlinien Mitglied des Verbandes seine könne, verneint der Vorsitzende. eingenommen wird Antrag Berlin 1: Der Delegierten tag soll nur alle zwei Jahre stattfinden und Antrag Bieberfeld: (Flugblatt: Die Richtlinien und der Sabbat). Hierauf hält Dr. N e u w i r t - Mainz sein Referat: Das soziale Moment in der biblischen Gesetzgebung. Die vorgelegten veränderten Statuten werden mit einigen Aenderungen angenommen. Es folgen die Wahlen.' Schluß 2 Uhr. Das wahre weiöliche Gefühl. Spukt da seit einigen Monaten ein Fräulein Lidia Heymann, von deren irdischem Dasein vorher keine zwei Dutzend Menschen eine blasse Ahnung hatten, in jüdischen Zeitungen herum, gleich einem Mitternachtsgespenst in einer verfallenen Burgruine. Wer ist Fräulein Lidia Heymann? Ein schwärmerischer Backfisch, von etwa 16 bis 18 Jahren, dessen noch unbewußt sehnendes Herz zwischen Tierfreundschaft und Judenfeindschaft schwankt?

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