Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 2 (10.1.1913)
- Date
- 1913-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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w mwh t V IRelcb und Ausland: Lettungspretslttte. Wayern: Lettungsnummer 54S. Geschäftsstelle: - M. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg dnrch die Elsässtsche Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmaun, Schützenstrabe 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. --^7 Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede Vottanttalt entgegen. « i « i i i i i I »• IV. Zabrgang. Ansbacb-Stratzburg, 10. Zanuar 1913, 2. Scbewat 5673. ikr. 2. Inhalt. Leitartikel: Neumondgedanken. — Delegiertentag des Verbandes der Sabbatfreunde zu Berlin. — Das wahre weibliche Gefühl. — Festrede des Direktors Dr. Feilchenfeld. — R. Schneor Salmau. — Brief vom Lande. — Deutschland. — Aus aller Welt. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachricbten. — Rätsel-Ecke. — Haß und Liebe. Hilfe für die infolge des Krieges in den Balkanländern notleidenden Juden. — Freie Stellen. — Briefkasten. — Inserate. Keumondgedankerr. Bevor Israel, getragen auf den Fittigen der göttlichen Allmacht, in die Freiheit ziehen sollte, berief Gott die Führer des Volkes hinaus in den Anblick des zu neueni Lichte erstehenden Mondes und sprach: Hachodesch haseh lochem, mit dem jemaligen Eintritt dieser Erscheinung, dieser Erneuerung, bestimmt den Anfang des Monats, und wie die Weisen sinnig hinzufügen: üHpl Hindiese Verjüngung des Mondlichtes sei euch eine Mahnung zu heiligender Erhebung. Kidusch Hachodesch, die weihevolle Festsetzung des Monatsbeginns durch die höchsten Vertreter der Nation, ist demnach das e r st e Gesetz, durch welches Israel zum Gottesvolke, zur Höhe seiner Bestimmung berufen wurde. Und in der Tat erhält dieses Gebot den Brennpunkt aller jüdischen Lebensanschauung und ist der Grundstein alles jüdischen Bewußtseins. Sind ja die Leuchten am Himmelsgewölbe überhaupt dazu berufen, gar mächtig auf Geist und Gemüt der Erdbewohner einzuwirken, j vm heißt es in der Schöpfungsgeschichte, d. h., sie sollten ein höheres, hinweisendes Zeichen sein, gedankenweckende Symbole, Ansprachen Gottes an den Menschen, ihn an die Erhabenheit seiner Bestimmung mahnend. Hoch oben über den Häuptern der Sterblichen ziehen die Träger des Lichtes ihre ewigen Bahnen, die ihnen gezeichnet sind von dem Herrn des Weltalls, „der mit seinem Worte erschaffen die Himmel und mit dem Hauche seines Mundes all ihre Heere, der ihnen Zeit und Maß angewiesen, daß sie ihren Auftrag nie verfehlen"; und alle gehorchen seinem Ruf, weichen nicht ab von der ihnen gesetzten Ordnung. Friedlich vollenden sie ihre Bahn, die Myriaden von Sternenwelten, einer greift nicht störend ein in des anderen Kreis, und alle erweisen sie sich als Wohltäter der Erdenwelt. Hell strahlend erleuchtet die Sonne den Weltenraum, alles erwärmend und befruchtend. Mild erglänzt der Mond am nächtlichen Himmelszelte, tröstet mit seinem sanften Schimmer den Leidenden auf dem Krankenlager und gesellt sich als freundlicher Führer, begleitet von Millionen leuchtender Gestirne zu dem einsamen Wanderer in dunkler Nacht. — Während aber diese Wesensscharen willenlos dem ihnen gesteckten Ziele zustreben, liegt die Würde und die Hoheit des Menschen, jg sein höchster Vorzug, darin, aus freiem Entschlüsse seines Schöpfers Willen zu erfüllen, das Sittliche und Gute zu vollbringen und das Wohl seiner Mitwelt zu fördern. So werden die Himmelskörper zu einer eindringlichen Gottesschrift, die den Erdensohn des Lebens Zweck und Ziel begreifen lehrt. „Aber", so heißt es in dem Segensspruch, mit welchem wir den sich verjüngenden Lichtstreis des Mondes begrüßen, „aber zu dem Monde sprach er, daß er sich erneuere zur Verherrlichung Israels (vergl. Jesaias 46, 3), das bestimmt ist, sich mondgleich zu erneuern, und die „Herrlichkeit des Gottesreiches zu verkünden". Der Mond mit feinen wechselnden Lichtphasen trägt demnach die besondere Bestimmung, das jüdische Volk an seinen großen, göttlichen Beruf und an seine weltgeschichtliche Stellung zu erinnern. Wie die Grundlegung der jüdischen Nation bei Erneuerung des Mondlichtes erfolgte, so soll ihr. dessen allmonatlich sich verjüngender Lichtstreif stets und immer ein vorbildliches Wahrzeichen bleiben. Wie dieser Himmelskörper in seinem Kreislauf sich zu immer höherem Lichte emporringt mit dem Monatsbeginn, so ist es die ewige Aufgabe Israels, nach immer höherer Vollkommenheit im Sinne der Gotteslehre zu streben und dem Ideale seiner großen und heiligen Sendung näher zu kommen. Daher gilt der Monatsanfang in jüdischen Kreisen immer als Zeitpunkt der Weihe, der Selbstprüfung und der Läuterung. „Neumonde hast du deinem Volke gegeben, eine Zeit der Sühne bei allen ihren Generationen", wie dies auch durch die am Neumondstage vor Gott einst dargebrachten Opfer deutlich zum Ausdruck kam. Und von der Festsetzung des Monatseintritts nehmen die Festtage Israels ihren Ausgangspunkt, diese Berufungen zur Heiligkeit, Mikroe Kodesch, diese unerschöpflichen Quellen höherer Lebensweihe, diese an Poesie so reichen Blütentage des jüdischen Jahres. — Einst trat der Mond klagend vor den Thron des Schöpfers: Groß hast du mich genannt