Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das jüdische Statt. Nr. 1. Eltern sehr bedauert. Er hat es in der kurzen Zeit seines Hierseins verstanden, sich die Zuneigung und Verehrung all derjenigen zu erwerben, die das Vergnügen hatten, mit ihm zu verkehren. — Die besten Wünsche begleiten ihn auf seine fernere Lebensbahn. Kaden. Gailingen. Der seit einigen Wochen bestehende „Verein Jüdischer junger Leute" veranstaltete letzten Samstag - Abend im Saale des Hotel Biedermann einen „Jüdischen Kunst-Abend". Es wurden ausschließlich Gesang, Musik und Rezitationen von Jüdischen Komponisten und Dichtern vorgetragen. Dank freundlicher Mitwirkung auswärtiger und hiesiger erster Kräfte gestaltete sich dieser Abend äußerst angenehm und unterhaltend. Die hiesige israel. Gemeinde bewies, welch reges Interesse sie dem jungen Verein widmet, indem sie durch zahlreiches Erscheinen den obwohl großen Saal vollständig besetzten. Anschließend fand ein gemütliches Beisammensein statt und trennten sich die letzten Kunstfreunde erst lang nach Mitternacht. Möge sich der Verein an seinen bisherigen Erfolgen halten und uns noch öfters solch angenehme Stunden bereiten. Württemberg. Baisingen. Heute nachmittag erstattete in einer von der gesamten Geineinde besuchten Versammlung im „Löwen" Herr Rabbiner Kahn aus Mergentheim Bericht über den Delegiertentag des Verbandes der Sabbatfrennde in Berlin. Er gab ein lebendiges und anschauliches Bild von den Verhandlungen, deren Inhalt, von den Teilnehmern und dem was sich an den Delegiertentag anschloß, von der ganzen „jüdisch-orthodoxen Woche", die sich in Berlin vor und an den Weihnachtstagen abgespielt hatte. Auch erklärte er die Tragweite der „Richtlinien" und der Schritte und Maßnahmen, die man getroffen und noch zu treffen beschlossen hatte. Es ging uns das Herz auf, als wir vernahmen, wie machtvoll das gesetzestreue Judentum auftreten kann, wenn alles sich zusammentut, und wie zahlreiche Anhänger es immer noch im weiten deutschen Vaterlande besitzt. Ein solcher Einblick in die „große Welt" ist für uns Bewohner eines stillen Dorfes immer eine sehr erhebende Sache, zeigt sie uns doch, daß wir Mitglieder und Mitwirkende großer und allgemeiner Bestrebungen sind, daß wir in unserem entlegenen Winkel nicht abgeschlossen und vereinsamt sind, sondern Genossen einer bebewegten und tatenreichen Zeit, deren Flügelschläge sich bis in das friedliche Schwarzwalddörfchen erstrecken. Preußen. Berlin. Das Zentralkomitee des Hilfsvereins der Deutschen Juden hat einstimmig Herrn Oskar Tietz, Berlin, in den geschäftsführenden Ausschuß und Herrn D. Wissotzky, Moskau, in das Zentralkomitee gewählt. Beide Männer haben sich bereits feit langem um das ausgedehnte Werk des Hilfsvereins in hohem Maße verdient gemacht. Kobernheim. Am vorigen Mittwoch feierten die Eheleute Isidor Ostermann aus Meddersheim das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Von nah und fern wurde dem Jubelpaare herzliche Teilnahme zu erkennen gegeben, und es zeigte sich bei dieser Gelegenheit die allgemeine Beliebtheit der Jubilare sowohl bei den^i-si^als auch bei Andersgläubigen in der erfreulichsten Weise. Kinder und Enkel, Verwandte und Freunde wetteiferten, um den Jubeltag mitzufeiern. In der aus diesem Anlaß festlich geschmückten Synagoge dahier wurde eine stimmungsvolle Feier abgehalten, wobei Herr Kantor Berendt seiner tiefgreifenden Predigt aus der Wochensidrah den Satz zugrunde legte: bjx lisvt n:om swa lyn mon n:m. „Und siehe, der Dornbusch brannte im Feuer, aber er wurde nicht verzehrt." Zwei herrliche Gesangvorträge eines Doppel-Män- »crquartets verschönten die Feier, welche ihren Höhepunkt erreichte, als Herr Berendt die den Eheleuten von Sr. Majestät dem Kaiser allergnädigst verliehene Ehejubiläumsmedaille neblt Glückwunschschreiben des Geheimen Kabinetts behändigte. Zugleich gratulierte der Kantor im Namen der Kultusgemeinde und des Judentums, welches letztere in dem jüdischen Familienleben stets seine Wurzeln und seine Kraft gefunden hat. Mit Gebet und Segen schloß die Synagogenfeier, die auf alle Teilnehmer ohne Unterschied der Konfession einen tiefen Eindruck machte. Auch Herr Bürgermeister von Bülow ließ es sich nicht nehmen, seine Glückwünsche persönlich darzubringen. — Am Abend brachte der Meddersheimer Gesangverein „Apollo" den Iubilaren ein Ständchen, wobei ein Mitglied in meisterhafter Art den Wünschen des Vereins beredten Ausdruck gab. — Möge dem noch rüstigen Jubelpaar ein langer, heiterer Lebensabend beschieden sein. Schmerz. Baden. Hier fand am letzten pn'# eine sehr gut besuchte Versammlung im Saale des Hotel Zentralhof statt, in der Herr Max Weil aus Freiburg über „Sabbat" sprach. Die öfters mit lebhaftem Beifall unterbrochene Rede zeigte uns, wie unbedingt nötig es ist, den Sabbath nicht nur, wie Redner ausführte, „in der guten alten Zeit", sondern „Kens aulom" als einen ewigen Bund, also auch in der Aera der modernen Flugtechnik muß der Sabbat zu seinem Rechte gelangen. Der jugendliche Redner schloß mit den Worten S. R. Hirsch Gebt! vererbt auf eure Kinder den Sabbat. Diese Perle des Sabbats bleibt, wenn ihr längst euern Kindern fern seid, längst schon der Erde entrückt seid, jenseitshin, wo das ganze Leben in einen Sabbat aufgeht. Basler Korrespondenz. Basel. Sonntag den 29. Dez. hielt der Bethaus- Verein Klein-Basel seine ordentliche Generalversammlung ab. Dem durchaus erschöpfenden Jahresberichte des Präsidenten Herrn A. Scheps entnehmen wir folgende Daten. Der Verein zählt 52 Mitglieder. Der Kassenbestand besteht aus einem Depot bei der Eidgenössischen Bank Basel von 3566 Frs., aus einem Kassabetrag von 173,80 Frs. und Außenstände an Mitgliederbeiträgen, Mizwaus usw. von 825 Frs. An Spenden gingen von Nichtmitgliedern ein: von Herrn Dreyfus- Brodsky, Bafel 400 Frs., von Frau Brodsky-Kiev 200 Frs. Am rOi^ hielt wie alljährlich auch im verflossenen Jahre Herr Rabb. Dr. Cohn eine n2H“i, die vom Vorstande nochmals bestens verdankt wird. Dem beifällig aufgenommenen Jahresberichte folgten die Neuwahlen: Es wurden gewählt zum Präsidenten Herr A. Scheps, Vizepräsident Herr A. Davidswitz, Kassierer Herr A. Melier, Aktuar Herr A. Frommer, als Beisitzer Herr Iadvig in Birsfelden. Der Antrag, in der Schützenmattstraße eine Synagoge zu errichten, wurde nach längerer Diskussion abgelehnt. Der Bethaus-Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die osteuropäischen Glaubensbrüder in Basel zu sammeln und einen ihrem entsprechenden Gottesdienst einzurichten, beruht auf einer gesunden Entwicklungsbasis und es ist nur zu wünschen, daß sich ihm alle anderen ähnlichen kleineren Vereine wie einzelne Separatisten anschließen mögen. A.