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Das jüdische Blatt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Nr. 1. Das jüdische Statt 7 jahres seiner Schule zuwies. Und während die israelitische Schülerzahl immer mehr abnahm, vermehrte sich die der katholischen Bevölkerung derart, daß sich die Regierung veranlaßt sah, die hiesige Gemeinde zur Errichtung einer zweiten katholischen Schule zu drängen. In seiner letzten Sitzung hat nun der hiesige Gemeinderat beschlossen, die israelitische Schule vollends aufzuheben und sie in eine katholische umzuwandeln. Da Grussenheim, Dürmenach und BiesheiM kaum noch ein Drittel der Schülerzahl von vor 20 Jahren besitzen, wird wahrscheinlich die Reihe an diese Schulen auch bald herankommen. Die Ursache liegt in der Landflucht unserer Religionsgenossen, aber hauptsächlich auch in dem Streben, die Kinder schon möglichst früh in höhere Lehranstalten zu schicken. Meh. Herr Fernand BlocA, Kaufmann in Saargemünd, ist zum Mitglied der Handelskammer in Metz auf die Dauer von sechs Jahren gewählt worden. Mülhausen. Vergangenen Sonntag wurde der 90jährige Greis Herr K.B. Bernheim aus Pfastatt hier beerdigt. Alle Kreise mi5 Pfastatt erwiesen ihm die letzte Ehre. An Stelle des Herrn Rabbiner Blum, der zurzeit abwesend ist, amtierte Herr Rabbiner Bloch. Weiler (Kreis Schlettstadt). In die Verwaltungskommission wurden die bisherigen Mitglieder wieder gewählt; es sind dies die Herren Leopold Judas, Samuel Dreyfuß-Bassenberg und Theophil Weill. Das Präsidium wurde wieder Herrn Judas übertragen, der in dieseni Ehrenamt nun bald ein 25jähriges Jubiläuin feiern darf. — Herr Daniel Levy aus Bassenberg erhielt die Kriegsteilnehmerbeihilfe in Höhe von 120 jährlich bewilligt. Wingersheim. Eine Doppelfeier fand in der Familie des Herrn Gustav Levy statt: Zugleich mit der Verlobung ihrer Tochter Alice mit Herrn Joseph Levy aus Saarburg feierte das Ehepaar Levy seine silberne Hochzeit. Der Erlös aus der Versteigerung des Bentschens wurde dem Hagenauer Knabenwaisenhaus übermittelt. Winzenheim (Ober-Elsaß). Durch die Kriegsmedaille von 1870—71 ist Herr Jsaac May ausgezeichnet worden. Kayer«. Homburg. Einen großen Verlust hat unsere Gemeinde in dieser Woche erlitten. Unser so bewährter und beliebter Rabbiner Dr. Kotteck ist nicht mehr. Er hatte in letzter Zeit eine schwere Krankheit überstanden. Als er von dieser wieder genesen war, konnten seine Freunde hoffen, daß er wieder neue Kraft gesammelt habe zu seinem segensreichen Wirken. Gott hatte es anders beschlossen. Die Krankheit war der Vorbote des nun eingetretenen Todes, der die Familie des Verklärten so hart trifft und in den großen Kreis der diesem guten Manne ergebenen Freunde eine empfindliche Lücke zeigt. Der allgemeine Schmerz wird um so tiefer empfunden, als der Verewigte in dem Alter von erst 52 Jahren den Seinen entrissen wurde. Dr. Heimann K o t t e ck war in Pleschen in der Provinz Posen geboren. In feinem Rabbinat Homburg hat er sich die Zuneigung aller erworben. Freundliches Wesen und energische Arbeit für die Erfordernisse des überlieferten Judentums haben sich bei ihm zu einer harmonischen Einheit verschmolzen. Ueber die Kreise der israelitischen Gemeinde hinaus hat er sich einer hohen Achtung erfreut. Sein Wirken beschränkte sich nicht auf das engere Gebiet seines Rabbinats. Er gründete die Jüdischliterarische Gesellschaft und half durch rege Mitarbeit das Ansehen dieser die wahre jüdische Wissenschaft pflegenden Gesellschaft in kurzer Zeit zu heben und deren Bedeutung zu allgemeiner Anerkennung zu bringen. Eine edle Freundschaft verband ihn mit dem Nestor der jüdischen Wissenschaft Halevy (Hamburg). In einer wissenschaftlichen Broschüre hat er die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschungen des greisen Gelehrten verfochten und auf dieselben erst die allgemeine Aufmerksamkeit gelenkt. Ein beredtes Zeugnis für die allgemeine Beliebtheit des überzeugungstreuen und feinsinnigen Rabbiners legte die ungeheure Beteiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung bei seinem Leichenbegängnisse ab. Auch die Behörden waren dabei vertreten. Der Oraun wurde in die Synagoge getragen. Dort würdigte in einer tiefempfundenen und ergreifenden Rede Herr Provinzialrabbiner Dr. B a m b e r g e r - Hanau die Verdienste des Verstorbenen. Rach ihm brachte Herr Rabbiner Dr. Nobel- Frankfurt im Namen der Frankfurter israelitischen Gemeinde und der Logen dem Verewigten den Tribut seiner Anerkennung. Es folgte dann der Vorsteher der israelitischen Gemeinde Homburg, Herr Braunschweig, der dem Schmerz der Gemeinde um den Verlust ihres Führers Ausdruck verlieh; zuletzt sprach ein junger Mann die unvergängliche Dankbarkeit aus, die die Schüler ihrem dahingegangenen Lehrer und Berater entgegenbringen. Auf dem Friedhofe widmeten noch Rabbiner Dr. Bondi (Mainz) und Lehrer Herz dem Schmerze um den so früh Verstorbenen ergreifende Worte der Erinnerung. Als Scholle um Scholle fiel und Abschied von dem teuren religiösen Führer, von dem köstlichen Freunde genommen werden mußte, da ging ein herbes Weh durch alle Herzen. Manche Träne perlte im feuchten Auge und bewies, wie man sich eins fühlte im tiefen Leid, das die schwergeprüfte Familie so schnell ergriffen hat. Möge das Andenken des Heimgegangenen Segen stiften. Würzburg. Am Sonntag, den 22. d. M., vormittags 10 Uhr, fand in hiesiger Synagoge unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde-Mitglieder, sowie Beamten und der Militärs jüdischer Konfession die Trauerfeier um Seine Königliche Hoheit Prinzregent Luitpold statt. Die Synagoge war mit Blattpflanzen und Trauerdekoration versehen worden. Die Feier begann mit einem ergreifenden Chorgesang, ausgeführt von den Zöglingen der israelitischen Lehrerbildungsanstalt unter Leitung des Synagogen-Chordirigenten, Herrn Lehrer Hellmann. Diesem Gesang folgte Rezitation eines Psalms und Sologesang des Herrn Cantor Lehmann. Sodann bestieg Herr Distriktsrabbiner Bamberger die Kanzel und schilderte in langer, formvollendeter Rede das Leben des Verewigten als Mensch, als Landesvater und als Bundesgenosse des mächtigen Deutschen Reiches. Der Redner betonte besonders die Güte, die Geradheit und die Redlichkeit des hochseligen Prinzregenten. Die Rede schloß mit einem Seelengebet für den hohen Verklärten. Nach dem Vortrag einiger Gesänge bestieg Herr Rabbiner Bamberger abermals die Kanzel und sprach — mit der heiligen Thora im Arme — ein inhaltsreiches Gebet für das Wohl des Prinzregenten Ludwig und das ganze Königshaus. Mit einem ferneren Chorgesang endigte die in allen Teilen wohl gelungene und würdige Trauerfeier. — Universitäts-Nachricht. Die nicht etatsmäßige Präparatorin am anat. Institut der Universität Würzburg, Groß, wurde zur Präparatorin an diesem Institut etatsmäßig ernannt. Weiden (Oberpf.). Der frühere Rabbiner Dr. D. Brader war mit Beginn des Schuljahres 1912/13 an die hieß kgl. Realschule als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Geographie berufen worden. Durch ministerielle Entschließung wurde er perl.Januar 13 an die Kgl. Oberrealschule in Ludwigshafen versetzt. Sein Scheiden von hier wird nicht nur von den Mitgliedern der hies. israel. Kultusgemeinde, denen er durch sein bescheidenes und liebevolles Benehmen, durch seine wahre Frömmigkeit ein leuchtendes Vorbild war, sondern auch von seinen Schülern und deren

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