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Das jüdische Blatt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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6 Das jüdische Matt Nr 1. sie nur von Frankfurt ausgehen, und zwar von der Religionsgesellschaft. In der neuesten Zeit sind von Frankfurt aus die kräftigsten Anstöße zur Wiedererstarkung des thoratreuen Judentums ausgegangen. Frankfurt ist das Herz des deutschen Judentums. Und die Aguda von Frankfurt auf einen neutralen Boden zu übertragen, kann man heute ebensowenig, wie man die Lebenstätigkeit des Herzens nicht auf eine neutrale Stelle des Körpers übertragen kann. Vielleicht waren also die Gegensätze, die nun einmal in Frankfurt bedauerlicherweise, herrschen, innerhalb der Aguda unvermeidlich. Sicher ist, daß sie endlich für die Aguda zum Austrag gebracht werden müssen; je schneller, desto besser. Die Existenz der Aguda hängt davon ab. Nur der Rabbinische Rat ist in der Lage, das Urteil zu fällen. Jeder Freund der Aguda muß daher wünschen, daß der Rabbinische Rat baldigst sich bilde und diese Frage, die die Vorfrage der Aguda ist, zur klaren Entscheidung bringe. Mit dem Austritt Breuers aus dem Provisorischen Komitee ist diese Frage auch nicht um einen Schritt weiter gefördert. Bei der Feststellung der Statuten wird man immer auf sie stoßen, sie drängt von selber auf Lösung. Daß Breuer auch aus der Aguda ausgetreten ist, haben wir übrigens nicht gehört. Dem embryonisch gebildeten rabbinischen Rat gehört er immer noch an. Aus diesem ist er nicht ausgeschieden. Und wenn dem auch so wäre, unsere Reihen sind weder groß noch stark genug, um ohne Schaden eine Lichtung zu ertragen. Was uns not tut, ist die Einigung. Die Agudaus müssen aufhören,- eine große Aguda muß kommen und sie verschlingen. Die weisen erhabenen Grundsätze unserer Thora müssen den Befehl ergreifen und die Disziplin erzwingen. Keiner von uns — wer es auch fein mag —, darf in religiösen Dingen auf seiner eigenen Meinung beharren, keiner darf sagen: Ihr müßt meine Meinung annehmen, dem Urteil unserer religiösen Behörde — in dem Falle der Aguda, dem Rabbinischen Rat — müssen wir uns alle unterwerfen. Dann wird Einigkeit unter uns sein, dann kann die Aguda mit der ihr eigenen Schwungkraft sich entfalten und die Renaissance des thoratreuen Judentums, das Ziel unserer Wünsche, wird gekommen sein. Glsaß-Kothrmgen. Slraßburg. Mittwoch, den 8. Januar, wird das neu erweiterte israelitische Krankenhaus eingeweiht werden. Slraßbnrg. Am Freitag, den 27. Dezember, wurde eine stadtbekannte Persönlichkeit, der frühere Coiffeur Zadoc Mach, zu Grabe geleitet. Welcher allgemeinen Beliebtheit sich der Verstorbene erfreute, davon legte der ungewöhnlich große Trauerzug ein beredtes Zeugnis ab. Im Trauerhaus sprach nach einem Gebete des Herrn Oberrabbiners, der Präsident der „Fraternelle", Herr Oberdörfser einige herzliche und rührende Worte des Abschieds im Namen des Vereins, dem Mach über ein Vierteljahrhundert angehört hatte. Auf dem Friedhof zeichnete Herr Oberrabbiner im Oratorium in längerer Rede ein treues Bild des Verblichenen, und am Grabe verlas Herr Netter als Präsident im Namen des Vereins „Menachem Avelim" ein letztes Abschiedswort. Zadoc Mach gehörte zu den Menschen, die jeder gern haben muß; er besaß einen goldenen, sonnigen Humor und war nie um eine gute, witzige Antwort verlegen, so manche kursiert unter seinem großen Bekanntenkreise. Er war auch einige Jahre Oberaufseher in der Synagoge gewesen, die durch sein gravitätisches Auftreten besonderen Schmuck erhielt. — Möge ihm, der so viele zu erfreuen gesucht hat, das ewige Leben zuteil werden. Slraßburg. Durch Verordnung des kaiserlichen Statthalters ist die von den Wählern des israelitischen Konsistorialbezirks Unterelsaß vorgenommene Wahl von OttoAdler, Aron Weil, beide in Straßburg, und Karl Levy zu Düttlenheim zu weltlichen Mitgliedern des Konsistoriums bestätigt worden. -ölraßburg. Das israelitische Konsistorium hat von den diesjährigen Preisen der Michel und Fanny Weil-Stiftung eine Summe von 450 Mk. Herrn Feissel Cahn von Westhofen für das von ihm gegründete Bes-Hamidrasch bewilligt. Wir gratulieren von Herzen dieser Institution für diese ehrende Anerkennung ihres nützlichen Wirkens. Außerdem erhielten noch Zuwendungen der Jugendbund und die Israelitische Gewerbeschule zu Straßburg. Bergheim. Herrn Abraham Hauher ist eine Kriegsteilnehmerbeihilfe bewilligt worden im Betrage von 120 jährlich. Haußer wurde nach der Einnahme von Metz als Kriegsgefangener nach Spandau geschickt. Einige Monate nach Friedensschluß wurde er für tot erklärt, da sein Militärbuch bei einem im Spital verstorbenen Soldaten vorgefunden wurde. Vor einigen Wochen wurde ihm die Kriegsmedaille 1870—71 zuteil. Möge es ihm gegönnt sein, längere Jahre diese Rente zu genießen. Dauendorf. Auch zwei Mitglieder unserer Kehille wurden vorigen Sonntag mit der Kriegsmedaille von 1870—71 dekoriert. Es sind dies die Herren Salomon Weilt und Moses Kling senior. Wir gratulieren unfern beiden wackeren Gemeindemitgliedern, möge es ihnen beschieden sein, dies Ehrenzeichen zu tragen — aä meioli sebouoli. Hagenau. Samstag Abend hielt Herr Gymnasiallehrer Dr. Fohlen-Altkirch einen Vortrag über die jüdischen Organisationen, ihre Entstehung und ihre Ziele. In seiner sehr interessanten und mit großem Beifall aufgenommenen Rede schilderte der Redner den Werdegang der verschiedenen großen Organisationen, der Alliance, des Zionismus usw., führte deren hauptsächlichste Gründer und Mitarbeiter an und besprach objektiv alles, was für und gegen diese Organisationen ins Feld geführt wird. Eine kurze Diskussion schloß sich dem Vortrag an, und es wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, den Redner bald wieder hier sprechen zu hören. ^1. 'VV. Hattstalt. Herr Lucien Grumbach, Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde, wurde für das laufende Jahr beim Amtsgericht Rufach als Schöffe ernannt. Die Übertragung dieses Ehrenamtes ist um so bemerkenswerter, als seit ungefähr 25 Jahren kein hiesiger Israelit zu demselben auserlesen war. — Wie wir soeben erfahren, ist auch unser Parnes, Herr Max Bernheim, für die gleiche Zeit zum Geschworenen beim Schwurgericht in Colmar vorgeschlagen worden. Da für dieses Amt unter den vorgeschlagenen Herren das Los entscheidet, so darf in diesem Falle der Vorschlag allein schon als äußerst ehrend betrachtet werden. Horburg. Eine traurige Erscheinung ist die stetige Abnahme der Zahl der israelitischen Schulen, besonders im Oberelsaß. Sulzmatt, Sulz, Hattstatt, Bollweiler und Regisheim haben schon seit mehreren Jahren ihre Schulen eingebüßt, und nun kommt auch die Reihe an die hiesige israelitische Schule. Die Schülerzahl, die vor 20 Jahren noch 25 überstieg, ist heute auf sechs herabgesunken. Schon vor sieben Jahren, beim Antritt des jetzigen Lehrers Stüffel, war die Schülerzahl eine so niedrige, daß man sämtliche Kinder der drei Konfessionen des ersten Schul-

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