Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 Das jüdische Statt Nr. 1. Vortrag drucken zu lassen und der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Als nächster Redner erhält Bamberger -Hanau, das Wort zu seinem Vortrage: „Bericht über legislative Angelegenheiten: 2. S o l d a t e n f ü r s o r g e". In erschöpfender Weise und auf Grund eingehender Sachkenntnis, die der Referent sowohl aus persönlicher Erfahrung im Militärdienst als auch besonders durch jahrelange erfolgreiche Tätigkeit auf diesem Gebiete sich angeeignet hat, berichtet Redner über die wichtigsten Fragen der religiösen Soldatenfürsorge. Es handelt sich zunächst um die Gewährung ritueller Verpflegung, Ermöglichung einer Dienstbeschränkung amppAUnd den jüdischen Feiertagen sowie im allgemeinen um belehrende und erzieherische Einwirkung in religiösem Sinn. Interessant ist hier vor allem die Feststellung des Referenten, daß die leitenden Militärbehörden, wie ein geschichtlicher Ueberblick beweist, sich im allgemeinen recht entgegenkommend in diesen Fragen zeigen und daß die Hindernisse oft hauptsächlich auf dem einschüchternden Verhalten der subalternen Vorgesetzten dem neueingetretenen Rekruten gegenüber zuzuschreiben sind und auf der vielfachen Unkenntnis der gesetzlichen Lage beruhen. Diesem Uebel soll der Antrag des Referenten abhelfen, dem jüdischen Rekruten durch orientierende Merkblätter eine ausreichende Kenntnis der bestehenden Vorschriften zu übermitteln und sie dadurch in die Lage zu bringen, das Erreichbare zu verlangen. Auf die vielen interessanten Einzelheiten und Fragen, die der Redner voegebracht, kann hier nicht berichtet werden. In dankenswerter Weise hat er im Aufträge der „Freien Vereinigung ö. o. S." eine ausführliche Denkschrift über diesen Gegenstand Lusgearbeitet, und es steht zu erwarten, daß in absehbarer Zeit über diese wichtigen Fragen Genaueres der Oeffentlichkeit wird mitgeteilt werden können. Ueber „Praktische Maßnahmen zur Durchführung religionsgesetzlicher Vorschriften: Schochtim" spricht als letzter Referent Rabbiner Dr. Silberberg Schrimm. Referent betont den Mangel an Nachwuchs geeigneter Schochtim in Deutschland, Ausländer, die früher die Schechita hauptsächlich in Händen hatten, werden immer weniger in Deutschland geduldet. Seminarzöglinge, an die man zu denken hätte, sind so überlastet, daß eine genügende Ausbildung kaum zu erwarten ist. Die Einrichtung von Wanderschochtim ist wegen technischer Schwierigkeiten nicht durchführbar. Es müßten daher junge Schochtim an mehreren Zentralen mehrere Jahre hindurch theoretisch und praktisch in allgemein jüdischer Bildung und zum speziellen Beruf ausgebildet werden. Diese Zentralen sollen in Gemeinden begründet werden, an denen eine genügend große Schechita vorhanden ist. Das Haupthindernis dürfte die Aufbringung der Kosten sein; aber dazu könnten die Gemeinden herangezogen werden, die sicher gern Beiträge leisten werden. Vielleicht wird es auch möglich fein, da Deutsche sich diesem Berufe nur ungern widmen, auch weniger geeignet sind, an ihrer statt Ausländer auszu- »bilden, die sich bereit erklären, den Militärdienst zu leisten, in welchem Falle sie zumeist naturalisiert werden. Das Referat löst eine sehr lebhafte und vielseitige Debatte aus, deren Grundton die Klage über die immer mehr überhand nehmende Mittelmäßigkeit der Schochtim in der Kenntnis der Quellenschriften ist. Im Laufe der Diskussion wird mitgeteilt, der Kantorenverband habe an die Preußische Regierung das Ersuchen gerichtet, es möchte Ausländern untersagt werden, auch interimistisch das Amt eines Schart chet in Deutschland auszuüben!! Von den vielen Vorschlägen, die gemacht werden, sei der eine hervorgehoben, junge Leute nach Ungarn zu entsenden, wo bei geringen Kosten eine gediegene Ausbildung gewährleistet sei, und die jungen Leute religiös bleiben würden. Besonderer Dank wird von den verschiedenen Rednern Herrn Oberrabbiner Feilchenfeld ausgesprochen, der seit Jahren dieser wichtigen Angelegenheit seine Aufmerksamkeit geschenkt und sie mit der bei ihm gewohnten Energie in die Tat umgesetzt hat. Die „Vereinigung" wird ihrerseits, was ihr möglich sein wird, tun, dem Notstand zu steuern. Kahn- Mergentheim gibt kurze Anregungen zur Frage der Beschaffung von Mohalim. Zum Schlüsse macht Rabbiner Munk- Berlin einige interessante Mitteilungen über den Stand der „Sonntagsruhe"-Gesetzgebung. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildeten „Anträge", von denen mehrere Vorlagen, die — meist debattelos — angenommen wurden. Unter anderem wurde auf schriftlichen Vorschlag von Oberrabbiner Feilchenfeld - Posen nachstehende Resolution angenommen: Die Versammlung erklärt es für notwendig, daß bei einem —| □''jÜI”' rikVw auf folgende Weise verfahren werde: 1. Die Aufforderung zur Erteilung desppip soll von drei Rabbinern erst nach Einholung der bekanntzugebenden Zustimmung eines d e r ppzpp ^'H7, ergehen. 2. Sie soll von einer ausführlichen halachischew Beleuchtung des vorliegenden Falles begleitet sein. 3. Nachdem die eingegangenen Zustimmungen der den bezeichneten drei Rabbinern vorgelegt und von ihnen geprüft worden sind, unterzeichnen diese gemeinsam ein p*n das dielen ,ppip ausspricht. 4. Bei einer Wiederverheiratung soll der Rabbiner erst nach Einsichtnahme in dieses Schriftstück die religiöse Trauung vollziehen. Mit dem Ausdrucke freudiger Genugtuung über die von der Versammlung bewältigte Arbeitssumme schließt der Vorsitzende (Abends 6'A Uhr) die Beratungen, nachdem Rabbiner Stein- Schweinfurt unter allseitigem Beifall dem Vorstande herzlichen Dank ausgesprochen hatte. Aekegiertentag des Deröands der Saööatfreunde zu Werkin. 25. und 26. Dezember 1912. Im Sitzungssaals der Berliner Gemeinde in der Heidereutergasse wird die Sitzung des Delegiertentags vom Vorsitzenden, Dr. E. B i e b e r f e l d, am 25. Dezember, 3 Uhr nachmittags, mit Worten der Begrüßung eröffnet. Die Verhandlungen werden eingeleitet durch die Verlesung des Geschäftsberichts, an den sich eine angeregte Debatte über die Stellenvermittelung knüpfte. Vorher wurde der Konflikt mit der Ortsgruppe Nürnberg dahin beschieden, daß derselbe sowohl nach den tatsächlichen Verhältnissen als auch nach den Presteauslassungsn auf Mißverständnissen beruht, die durch gegenseitige Aussprache als geklärt gelten können. Es wird von mehreren Rednern (Pleßner, Kramer, Wreschner), Beschwerde erhoben, daß der Verband als solcher nicht die Stellenvermittelung führe, sondern diese der Zentrale in Frankfurt a. M. überlasse, während der Vertreter der letzteren, Wolf, diese verteidigt und darauf hinweist, daß die Zentrale verhältnismäßig mehr Stellen besetzt, als die ähnlichen christlichen Vereine. Nachdem Herr L o e w y-Rawitsch ausführlichen Bericht über die Lage der Verhandlungen betreffs des Reichsgesetzes über die Sonntagsruhe erstattet hat, wird diese Debatte auf eine halbe Stunde unterbrochen, um Dr. S e e g a l l Gelegenheit zu einem interessanten statistischen Referate zu geben. Dr. S e £ g a 11 führte ungefähr folgendes aus: Die Zunahme der Juden hat nicht gleichen Schritt gehalten mit der der Gesamtbevölkerung. Die Juden bilden einen fluktuierenden Teil der Bevölkerung. In den achtziger und neunziger Jahren des vorigen