Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Das jüdische Klatt. Nr. 1. liege, und daß die Frau nichts sei ohne Mann und der Mann nichts ohne Frau und beide nichts ohne Gott. Dort wälzt noch der Wahrheitssucher die schweren Folianten und sucht nach einer Lebensanschauung — nicht in Plato, nicht in Kant, nicht in Schopenhauer, nicht in Nietzsche —, sondern in Bibel und Talmud; denn er ist naiv genug, den Worten der Alten zu glauben: „Suche immer nur in der Thora; denn alles ist in ihr! Alles! Sogar wissenschaftliche Kritik, soweit sie innerhalb des Judentums Berechtigung hat. So war es zur Zeit, als das alte Heiligtum, die Thora, noch souverän dastand. Willst du nicht das alte Heiligtum neu befestigen helfen? Generalversammlung der Vereinigung Iradilionell-geseheslreuer Rabbiner Deutschlands. Berlin, den 24. Dezember 1912. Die Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands hat für gestern und heute eine Generalversammlung ihrer Mitglieder einberusen. Von den ca. 120 Mitgliedern waren 61 erschienen und zwar: Auerbach- Halberstadt; B ä h r - Prenzlau; Bamberger S.- Hanau; Bamberger M. L.-Schönlanke; Bamberger S.- Wandsbeck; Barth-Berlin; B a ß f r e u n d-Trier; Bahfreund- Pinne; Berliner-Berlin; B i b e r f e l d-Berlin; B l e i ch r o d e- Berlin; Bondi-Mainz; C a r l e b a ch - Leipzig; C o h n - Rawitsch; E p p e n st e i n - Berlin; F r i e d m a n n - Wongrowitz; Gallin er- Beuthen; G r a d e n w i tz - Tarnowitz; H a n o v e r - Köln; Hildesh e i m e r - Berlin; H o f f m a n n - Berlin; H o f f m a n n n - Emden; H o r o v i tz - Frankfurt a. M.; Kaatz-Zabrze; K a h n - Mergentheim; Klein-Nürnberg; Kohn-Ansbnch, K r a u h - Schildberg; Kramer-Karlsruhe; L e r n e r-Altona; v y E.-Berlin; L e w y W. - Charlottenburg; Mannheimer-Oldenburg; Mannes- Schwabach; Mi ch a l s k i - Recklinghausen; Munk-Berlin; Munk- Marburg; Münz- Berent; N e u w i r t h - Mainz; N e u w i r t h - Bingen: N i sch k o w s ki -Kattowitz; N o b e l - Filehne; Petuch o w s k i - Berlin; Pick- Berlin; Plato- Hamburg; R o f e n a ck - Bremen; R o s e n t h a l - Köln; R ö s e l - Tilsit; S ch w e i z e r - Weikersheim; S i l b e r b e r g-Berlin; S i l b e r b e r g-Schrimm; Stein- Schweinfurt; U n n e - Mannheim; W e i l l - Berlin; W e i l - Buchsweiler; W e y l - Czarnikau; Weinberg-Neumarkt; Winter- Myslowitz; W o h l g e m u t h-Berlin; Wolf-Köln; Wrefchner- Samter. Zunächst erstattet der Vorstand den Bericht über seine Tätigkeit in den abgelaufenen zwei Geschäftsjahren. Die Vereinigung beklagt den Verlust von zwei lieben Kollegen, von Landrabbiner Dr. L ö b S 'T in Emden und Rabbiner Dr. Aron Ackermann S"ftn Brandenburg a. H., von denen der erstere auch dem Vorstande der Vereinigung seit ihrer Gründung angehört hat. Der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Hoffmann, widmete beiden warme Worte des Nachrufes und gelobt liebevolles Gedenken. Die Versammlung hört stehend diesen Nachruf an. — Hingegen ist die Vereinigung durch den Zutritt von 19 neuen Mitgliedern gewachsen. — Während fast der ganzen Dauer der Berichtsperiode beschäftigten die halachische Kommission (die zurzeit aus den Herren Rabbiner Dr. Nobel- Halberftadt, Vorsitzender, Rabbiner Dr. Ehrentreu - München, Oberrabbiner Dr. F e i l ch e n f e l d - Posen, Rektor Dr. Hoffman n-Berlin, Oberrabbiner Dr. L e r n e r-Altona besteht) verschiedene Fragen, zuletzt die der F e u e r b e st a t tu n g. In den bisher von vier Mitgliedern erstatteten, dem fünften Mitgliede vorliegenden außerordentlichen umfangreichen Gutachten werden alle einschlägigen Fragen genauestens vom Standpunkte des Religionsgesetzes aus geprüft. Sobald das letzte Gutachten erstattet sein wird, werden diese zu kurzen Repliken nochmals den übrigen Herren zugehen und sodann das Material den Mitgliedern der Vereinigung zugänglich gemacht werden. Im Anschluß hieran wird angeregt, daß auch von den übrigen, der halachischen Kommission vorliegenden religiösen Fragen bzw. Entscheidungen alle Mitglieder in Kenntnis gesetzt werden mögen, damit sie sich ihrer in analogen oder ähnlichen Fällen bedienen können. — Auf der VH. Generalversammlung (Dezember 1910) ist der Vor stand ersucht worden, „eine Erklärung, welche die unterscheidenden Merkmale zwischen glaubenstreuem und liberalem Judentum knapp und scharf umschreibt, in möglichst kurzer Zeit auszuarbeiten, den Mitgliedern zur Unterschrift zuzusenden und mit den Unterschriften zu veröffentlichen." Im Verfolg dieses Auftrages hat der Vorstand Herrn Rabbiner Nobel in Halberstadt, als Vorsitzenden der halachischen Kommission, um einen Entwurf gebeten. Herr Rabbiner Nobel bat eine sehr klare Darstellung entworfen, die aber den Umfang einer „Erklärung", wie solche der Beschluß fordert, um ein Beträchtliches übersteigt. Es ist zweifelhaft geworden, ob in der gewünschten Kürze und doch unzweideutig die Merkmale darzulegen möglich sei. Es war dies um so schwieriger, als eine sichere Unterlage für die Normierung dessen, was „liberal" ist, nicht vorhanden war. Durch die Veröffentlichung der „Richtlinien" sei nach dieser Richtung die Arbeit immerhin erleichtert. — Die Tätigkeit des Vorstandes war in der Zwischenzeit mehrfach in Anspruch genommen. U. a. in dem Prozeß eines Rabbiners mit seinem Gemeindevorstande, und zwar durch Erteilung eines umfangreichen Gutachtens. Der gen. Rabbiner hat mitgeteilt, daß dieses Gutachten wesentlich zum günstigen Ausgange beigetragen habe. — Durch Rundschreiben und zwar wiederholte Rundschreiben ist der Vorstand wegen der Stellungnahme zur „Agudah" und zu den „Richtlinien" mit seinen Mitgliedern in Beziehung getreten. Zunächst wird über die Tätigkeit in Sachen der „Richtlinien" referiert: Abgesehen von der großen Wichtigkeit der Angelegenheit überhaupt, der Entrüstung, die das ganze gesetzestreue Judentum Deutschlands nach dem Bekanntwerden der Richtlinien erfüllt hat, mußte die Vereinigung dem Drängen weiter Kreise nachgeben, mit einer Erklärung gegen die Richtlinien hervorzutreten. Ursprünglich war geplant, daß diese, am 12. November versandfertige, Erklärung nur vom Borstande erlassen werde, auf vielseitigen Wunsch wurde sie jedoch zuvor allen Mitgliedern zur Rückäußerung zugestellt. Eine mündliche Besprechung war auf den 18. November einberufen worden und von ca. 25 Mitgliedern besucht. Nach Versendung des ersten Erklärungsentwurfes wurde bekannt, daß die Vereinigung liberaler Rabbiner ihre Bereitwilligkeit erklären würde, in Bezug auf die Ehegesetze ihre Beschlüsse einzuschränken. Eingehende Erwägungen hatten sowohl den Vorstand als auch die durch Rundschreiben befragten Mitglieder es für unmöglich ansehen lassen, diese doch höchstens in einem, wenn auch äußerst wichtigen Punkte, erfolgende „Einigung" für ausreichend zu erachten, um von einer klaren Stellungnahme gegen die Richtlinien Abstand zu nehmen. Es erschien dann die bekannte Erklärung, der sich 111 von unfern Mitgliedern angeschlossen haben. Als dann einige Gemeindevorstände die bekannte Gegenerklärung erlassen hatten, hat der Vorstand sofort eine Erwiderung entworfen, diese sämtlichen Mitgliedern zugehen lassen und, nachdem sie von diesen gebilligt worden war, in der nächsten Woche veröffentlicht. Von seiten der Versammlung wird dem Vorstande der Dank ausgesprochen für die energische, prompte und verständnisvolle Erledigung, die diese für den Fortbestand des gesetzestreuen