Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- II (1911)
- Issue
- 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 38. 11 Das jüdische Matt. 3. Armeekorps in Rouen. — Zum cliavnlicn-: Herr Gaston L 0 visales , Advokat in Paris. — Herr May ist nach Vollendung seiner Studien in St. Cyr zum ttoim-lienitonnnt beim 79. Infanterieregiment befördert worden; Herr Meyer von der St. Moixent zum koim-liemtenmnt beim 42. Infanterieregiment; Herr Mayer aus der Artillerie- und Genieschule zum gleichen Grad beim 39. Artillerieregiment. Rrrtzlarrd. Zur „Reform" der russischen Anwallsordnung. Im Justiz- Ministerium wird zurzeit eifrig an einem Gesetzentwurf zur Reform des Advokaturwesens gearbeitet. Ueber die Natur der geplanten Reformen wurde bis jetzt von seiten des Ministeriums nichts Bestimmtes verlautbart. Bei dem gegenwärtigen extrem-antisemitischen Kurs der russischen Regierungspolitik und insbesondere bei der bekannten erzreaktinären und judenfresserischen Gesinnung der leitenden Beamten des Justizministeriums kann jedoch kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß diese Reformen in erster Reihe gegen die Juden gerichtet sein werden. In juristischen Kreisen zirkuliert denn auch das ganz bestimmte Gerücht, daß den jüdischen Rechtsanwälten verboten werden soll, als Vertreter christlicher Auftraggeber vor Gericht aufzutreten. Wirtschaftlicher Boykott gegen die Juden in Russisch-Polen. Hier wurde vor kurzem eine neue Spar- und Leihkasse eröffnet, die statutengemäß Juden keinen Kredit gewährt. Die Zahl derartiger ausgesprochen judenfeindlicher Finanzinstitute steigt in Russisch-Polen überhaupt von Tag zu Tag. Ein russischer Polizeichef als Mörder. In Uralsk geschah das auch für Rußland merkwürdige Ereignis, daß der oberste Hüter der öffentlichen Ordnung, Polizeichef Liwkin, zwei Juden — die Kaufleute Benjaminowitsch und Bjelostozky. — eigenhändig erschoß. Die unglücklichen Opfer mußten es büßen, daß sie sich erkühnt hatten, gegen die unerträgliche Erpressungssucht des Polizeichefs, dem sie allmonatlich ihren „Tribut" entrichten mußten und der den Tarif für diese „Abgaben" immer höher schraubte, bei der Vorgesetzten Behörde Beschwerde zu führen. Nach vollzogener Tat erklärte der Mörder kaltblütig: „Nun werden die Jüdlein keine Beschwerdeschriften mehr schreiben!" Palästina. Ein Muslercheder in Jerusalem. Seit einiger Zeit besteht hier unter dem Namen Chadar-Thora ein nach modernen pädagogischen Grundsätzen geleitetes Cheder, in dem neben den jüdischtraditionellen Unterrichtsgegenständen auch weltliche Elementarfächer gelehrt werden. Zum Leiter dieser Anstalt ist vor kurzem Herr Dr. I. Marschak berufen worden, der früher an der Volksschule in Pethach-Tikwah tätig war. Ein neuer jüdischer Augenarzt in Jerusalem. Man schreibt der „N. I. K." aus Jerusalem: Der Verein „Lemaan Zion" hat in der Person des Herrn Dr. Krause einen neuen Augenarzt für seine hiesige Augenklinik gewonnen. Herr Dr. Krause ist vor kurzem in Jerusalem eingetroffen und hat seine ärztliche Tätigkeit in der Augenklinik bereits ausgenommen. Damit ist die seit dem Abgänge Dr. Erlangers erledigte Stelle wieder besetzt, was von den hiesigen jüdischen Augenleidenden mit großer Freude begrüßt wird. Lhachambaschiwahl in Safed. Die sephardische Gemeinde in Safed hat den gewesenen Großrabbiner von Damaskus, Alfandari, zum Chachambaschi gewählt. Dieser Tage traf nun Rabbi Alfandari hier ein, um sich nach seinem neuen Amtssitze zu begeben. Er wurde hier von einer Anzahl Chachamim und Notabeln aus Safed, die ihm entgegengereist waren, auf das herzlichste begrüßt. Rabbi Jakob Meir — Gutsbesitzer in Pethach-Tikwah. Der Chachambaschi von Saloniki, R. Iakob Meir, hat gelegentlich seiner jüngsten Anwesenheit in der Kolonie Pethach-Tikwah ein mit verschiedenen Pflanzungen bestandenes zirka 60 Dunam großes Grundstück käuflich erworben. Ein Abgesandter der jüdischen Gemeinde Haifa beim türkischen Großrabbiner. Seit einigen Tagen weilt hier Herr Jsak Nahun, Direktor der Allianceschule in Haifa, den die dortige jüdische Gemeinde hierher entsandt hat, um dem Großrabbiner Haim Nahum die Lage der jüdischen Bevölkerung in Galiläa eingehend zu schildern und ihn zu veranlassen, einen Chachambaschi für Haifa zu ernennen, der die Interessen der jüdischen Bevölkerung bei den Behörden nachdrücklich wahrnehmen soll. Herr Nahun ist auch beauftragt, einen tüchtigen jüdischen Rechtsanwalt in der Hauptstadt ausfindig zu machen, der geneigt wäre, sich in Haifa niederzulassen. Damit wäre einem in ganz Palästina sehr fühlbaren Mangel abgeholfen. Ueber die Sabbatbeobachkung in Australien machte, wie dem „Ieurich Chronicle" zu entnehmen ist, ein angesehener Jude aus Melbourne folgende interessante Aeußerungen: Mr. Blashki meinte: „Das Sabbatproblem ist das ernsteste, dem wir zurzeit gegenüberstehen. In den 70er und 80er Jahren, als ich ein Knabe war, richteten die Rabbiner Ornstein und Davis in Sydney ihr Hauptaugenmerk auf den Sabbat, und sie bemühten sich, energisch und erfolgreich, eine bessere Beobachtung des Sabbats herbeizuführen. In jenen Tagen war es nichts Ungewöhnliches, eine große Zahl von Detail- und Engrosgeschäften am Sabbat streng geschlossen zu finden. Leider wird in den letzten Jahren der Sabbat allmählich wenig'er beobachtet, so daß die Aufgabe, passende Unterkunft für jüdische junge Leute von religiöser Gesinnung zu finden, immer schwieriger wird. Die Hauptursache dieses Rückganges ist imgrunde der wirtschaftliche Erfolg der jüdischen Geschäftsleute. Viele haben ihre Geschäfte in Genossenschaften oder Aktiengesellschaften umgewandelt. Die Gründer ziehen sich zurück oder sterben, und die jüngeren Direktoren betrachten es sozusagen als eine Pflicht gegen ihre Anteilseigner, den Sabbat allmählich zu einem Arbeitstag zu machen. Es ist jedoch bemerkenswert, daß diejenigen Häuser, welche fortgesetzt am Sabbat festhalten, ganz außerordentliche geschäftliche Erfolge haben und daß der Wettbewerb augenscheinlich ihre Lage keineswegs ungünstig beeinflußt. Ich kenne eine Firma in Melbourne, deren Bureaus am Sabbat und an Festtagen streng geschlossen sind und deren Inhaber am Freitag mittag punkt 2 Uhr sein Geschäft verläßt, und doch ist das Geschäft eines der erfolgreichsten in der ganzen Stadt. Es ist daher sicher ein Irrtum, zu vermuten, daß der Sabbat den wirtschaftlichen Ruin bedinge. Möglicherweise nähert sich übrigens bei uns das Problem seiner Lösung. Man geht in der Melbourner Geschäftswelt damit um, den Sabbat zu einem allgemeinen Halbfeiertag zu machen, eine Maßnahme, welche wahrscheinlich verwirklicht wird." Die gesamte jüdische Bevölkerung Australiens erreicht übrigens noch nicht 20 000 Seelen. Von den karäern. Die Zahl der Karäer in Rußland beträgt nach einer aus dem Jahre 1897 stammenden Statistik im ganzen 12 890 Seelen, die sich in zwei Gruppen teilen: in Krimer und in littauisch Karäer. Die Krimer Karäer sind im Twarer Gouvernement konzentriert. Die meisten von ihnen wohnen in Eupatoria (1505 Seelen), dann folgt Feodoria (mit 1233 Seelen), Odessa (1049), Sebastopol (813), Simseropol (709), Nikolajew (554) usw. In den mittelrussischen Städten finden sich in Moskau 332 und in Petersburg 310 Karäer. Bloß 60 Prozent der Karäer ist des Lesens und Schreibens kundig. 21 Prozent gab als Muttersprache russisch, der Rest tatarisch an. Seit 1897 hat die Zahl der Karäer nicht zugenommen, sie sind in Abnahme begriffen, und die karaitischen Studenten an der Moskauer Universität haben es sich eben zur Aufgabe gemacht, über den heutigen Stand der Karäer genaue statistische Daten zu sammeln und in einer Zeitschrift zu veröffentlichen, die sie zu diesem Zwecke herausgeben. Straus und der Gouverneur von Jaffa. Der gewesene amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Honorable Oskar Straus,