Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- II (1911)
- Issue
- 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Das jüdische KLatt. Nr. 38. frage eine Aenderung nicht gezeitigt hat. Wir halten es aber für die Aufgabe der Konferenz, dies auch unzweideutig der Oeffentlichlichkeit bekannt zu geben. Schweiz. Basel. Das schweizerische Erez-Jisroül-Komitee hielt feine Sitzung am letzten Sonntag hier ab. Der Kassierer, Herr Emanuel Goldschmidt, erstattete den Jahresbericht. Es sind im verflossenen Jahre 4300 Frcs. eingegangen, wovon 300Frcs. für Spesen (Büchsen usw.) gebraucht wurden. 3400 Frcs. wurden nach Amsterdam abgesandt, so daß ein Saldo von 600 Frs. in der Kasse verblieb. Die Kommission beschloß, von dem Ertrage der bereits eingeleiteten Klubsammlung die Hälfte für die Armen des heiligen Landes zu verwenden. Ein Zehntel der Summe soll abgesondert und angesammelt werden, bis dafür ein Haus in Erez-JisroOl gekauft werden kann, das einem aus der Schweiz stammenden Armen zur Benutzung überlassen werden soll. Der Rest der Summe soll für wohltätige Anstalten in Erez-Jisroöl, Schulen, Waisenhäuser und Spitäler verwendet werden. Insbesondere wird dabei die Tachkemonischule, so lange sie unter der alten bewährten Leitung steht, und die Schule in Pethach- Tikwah berücksichtigt werden. Die Generalversammlung des „Vereins zur Förderung des geseßeslreuen Judentums in der Schweiz fand am Sonntag, den 17. Sept. im Saale des Beth-Hamidrasch in Basel statt. Noch vor Beginn der Versammlung war der Saal von Freunden aus der Nähe und Ferne dicht besetzt, so daß die später Kommenden sich mit einem Stehplatz begnügen mußten. Der Generalversammlung ging ein Vortrag von Herrn Dr. M. Ascher voran über „sogenannt liberales und sogenannt konservatives Judentum". Er bedauerte, daß die Mahnung des alten Attinghausen „Seid einig, einig, einig" von de ) Juden so wenig befolgt werde, und schilderte in düsteren Farben die Zerklüftung des Judentums, wies die Jrrtümer des liberalen und die Fehler des konservativen Judentums nach und schloß mit einem warmen Appell zu gemeinsamem Wirken aller derer, denen die Erhaltung des Judentums am Herzen liegt. Der Vortrag, der sowohl inhaltlich, als auch stilistisch vortrefflich war, fesselte, obwohl er über eine Stunde dauerte, die Zuhörer bis zum letzten Augenblicke. Nachdem sich der Beifallssturm gelegt hatte, wurde der Wunsch laut, der Vortrag möge gedruckt und allen Mitgliedern übersandt werden. Nachdem die Herren Charles Hordmann und E m i l H e y m a n n im Namen des „Siloma Thora"-, „Männer¬ und Jünglings-Vereins" die Anwesenden begrüßt hatten, erstattete Herr Rabbiner Dr. Cahn den Jahresbericht. Die Mitgliederzahl beträgt 407, die in 47 Ortschaften der Schweiz wohnen. Im Aufblühen begriffen ist die vom Verein begründete und subventionierte Schule Machsiktz Emunoh in Zürich 3, um deren Leitung sich Herr Joseph Brandeis große Verdienste erworben hat. Die Schule hat 2 Lehrer, welche in jeder Klasse 92 Kinder unterrichten. Die vom Verein begründete jüdische Bibliothek unterhält Filialen in Luzern, Winterthur, Endingen, Zürich, Baden und Lausanne. Nur in Lausanne wurden die Bücher nicht gelesen, in Basel wurden 400, in Endingen 100, Zürich 200, Winterthur 63 Bücher verliehen. Die vom Verein begründete zählt bereits 70 Mitglieder und konnte am Chanukah ihren ersten Sijum abhalten. Einer Anregung von Herrn Rabbiner Kornfein folgend, bemüht sich der Verein um Anstellung eines Wanderlehrers, der an allen Orten, wo nur vereinzelte Juden wohnen, Unterricht erteilen soll. Auf die vom Verein ergangene Umfrage sind aus 17 Orten 54 Kinder angemeldet worden. Ob die Anstellung eines Wanderlehrers, die überaus segensreich wäre, zur Durchführung gelangen und nicht an finanziellen und technischen Schwierigkeiten scheitern wird, bedarf einer weiteren eingehenden Prüfung. Herr Hermann Weil, Zürich, erstattet hierauf den Kassenbericht: Einnahmen und Ausgaben gleichen sich fast völlig aus. Das Vereinsvermögen beträgt 2000 Frcs. Herr Emanuel Goldschmidt spricht im Namen der Revisoren und dankt dem Kassierer für die musterhafte Verwaltung der Kasse. Die nunmehr eröffnete Diskussion wird von den anwesenden Mitgliedern stark benutzt. Herr Kim che (St. Gallen) beklagt sich in einem an die Generalversammlung gerichteten Schreiben bitter über die Schwierigkeiten, die dem aus Polen einwandernden Juden vielfach in den Weg treten, wenn er nach dem Gesetze seiner Religion leben will. Wenn der polnische Jude z. B. sich ein Pfund Fleisch von auswärts kommen lassen will, so müssen, da die Bahn nur 2 Kilo annimmt, dem Paket noch drei Pfund Steine beigepackt werden. Das Fleisch komme dann häufig in einem Zustand an, daß die Empfänger das Fleisch wegwerfen und Knochen und Steine kochen können. In St. Gallen sei eine arme Witwe mit 4 Kindern zurückgeblieben, von denen zwei im Baseler Waisenhaus erzogen werden, während die beiden anderen in einer christlichen Familie untergebracht seien, was die Herren von St. Gallen „ganz normal" fänden. Der Brief wird der Kommission zur Erwägung überwiesen. Auf Antrag des Herrn Jsac Erlanger, Luzern wird eine Kommission gewählt, welche die Angelegenheit des Wanderlehrers prüfen und der Kommission binnen drei Monaten Bericht erstatten solle. In diese Kommission wurden delegiert die Herren E r - langer junior und Herz-Luzern, Berthold Rothschild und CH. Ey s-Zürich und Herr L. Eichenmann- Basel. Gegen 6 Uhr mußte die sehr interessante Diskussion zu allseitigem Bedauern abgebrochen werden, weil die Freunde aus Zürich zur Generalversammlung der israelitischen Religionsgesellschaft, die in anerkennenswerter Weise mit Rücksicht auf die Baseler Tagung auf den Abend verschoben worden war, die Rückfahrt antreten mußten. Zum Schlüsse wurden die ausscheidenden Mitglieder der Kommission per Akklamation wiedergewählt. Die Herren Altgemeinderat S. Wyler - Endingen undA. Müller- Winterthur hatten ihre Wiederwahl abgelehnt. Es wird ihnen der Dank für ihre Tätigkeit ausgesprochen. Neu gewählt werden die Herren Moritz R o l l a y - Endingen, Jsac Gaggenheim - Winterthur und Herr F r ö h l i ch - Baden. Möge der Wunsch, mit dem sich die Teilnehmer an der Versammlung trennten, für ganz Israel in Erfüllung gehen. Dellemont. Die Einweihung der'hiesigen Synagoge fand am Mittwoch statt. Wegen der Nähe der Feiertage mußte von einer größeren Festlichkeit abgesehen werden. Die Festrede hatte Herr Rabbiner Dr. A. Cohn von Basel zu halten, den gesanglichen Teil hatte Herr Oberkantor S. Drujan übernommen. Frankreich. Rice. Im hohen Alter von 87 Jahren ist unser Gemeindepräsident, Herr Eugene Lottes, der früher auch dem Konsistorium von Marseille angehört hatte, verstorben. 50 Jahre lang hate er seine Kraft in den Dienst der jüdischen Gemeinde gestellt Auszeichnungen. Seitens des Unterrichtsministeriums sind mit wissenschaftlichen Aufgaben betraut worden die Herren Marcel Cohen, Universitätsprofessor (über die abesynischen Dialekte), und Professor MauriceWolff (Schulfragen). — Vom Unterstaatssekretariat der schönen Künste wurde Herr Gaston Charles mit einer Arbeit betraut, zum olüeler du iridrlttz aKricolo wurde ernannt: General Valabrögue, Hauptmann beim