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Das jüdische Blatt · 1911-09-22 · 38 (22.9.1911) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
II (1911)
Issue
38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das jüdische Matt Nr. 38. bung derselben hindrängt. Die verdammenswerte Tat eines revolutionären Fanatikers könnte furchtbare Leiden und Verfolgungen Unschuldiger heraufbeschwören. Schon schreien „die wilden Gesellen vom schwarzen Hundert nach Blutbädern", um darin die Revolution zu ertränken. Möge Gott über unfern schwergeprüften Brüdern wachen! R Korrespondenzen. W MW - Glsaß-Lotlrrmaerr. - Line Anregung an die jüdischen Vereine des Landes. Straßburg. Des öftern finden sich im „Iüd. Blatt" Berichte über von jüdischen Vereinen des Landes begangene Festlichkeiten. So erfreulich nun derartige Veranstaltungen an sich sind, so sehr ist es zu bedauern, daß, mag es sich nun um ein Stiftungsfest, um eine Purim- oder Chanukahfeier oder um sonst etwas derartiges handeln — kaum jemals ein dem jüdischen Leben und Jdeenkreise entnommenes Programm dem Feste zugrunde liegt. Jüdische Vereine sollten aber doch wohl gerade bei Festlichkeiten ihre Ehre darein setzen, ihre Mitglieder und Gäste mit jüdischen Dingen zu erfreuen und so ein erhöhtes Interesse für dieselben zu wecken. Wenn die wenigsten Vereine bisher solche in echtem Sinne jüdische Feste begingen, so trägt daran sicher nicht böser Wille der Vereinsvorstände schuld, sondern Unkenntnis, wie ein Fest mit jüdischem Programm einzurichten sei. Der jüdischliterarische Frauenverein in Straßburg bemüht sich nun seit einer Reihe von Jahren, seinen festlichen Veranstaltungen möglichst jüdischen Charakter zu geben. Sein Vorstand erklärt sich hiermit gern?., bereit, auf Grund der gemachten Erfahrungen die Vereine des Landes, die Feste mit jüdischem Programm abhalten wollen, mit gutem Rate zu unterstützen. Diesbezügliche Anfragen richte man an die 1. Vorsitzende, Fräulein Paula Hammel, Strahburg, Bischweilerstraße 3. Man vergesse bei den Anfragen nicht, Mitteilung über die Veranlassung des Festes und die Art der zur Mitwirkung in Betracht kommenden Kräfte. Straßburg. Die Frequenz der höheren Schulen in Elsaß-Lothringen. Aus den zu Herbst herausgegebenen Schulberichten können wir die Frequenz jüd. Schüler an den höheren Lehranstalten ersehen. Wie gewöhnlich bilden die jüd. Schüler im Durchschnitt den zehnten Teil der Schüler; an den Real- und Oberrealschulen ist durchweg der Prozentsatz bedeutend höher als an den Gymnasien. Im folgenden geben wir die Zahl der jüd. Schüler und in Klammern die Zahl aller Schüler der einzelnen Anstalten wieder. Realsch. Barr: 7 u. (96); Vorsch. 2 u. (22); Realsch. Vischweiler: 8 u. (88); Gym. Buchsweiler: 39 u. (256); Gym. Altkirch: 11 u. (165); Colmar: Lyzeum: 22 u. (327); Ob.-Realsch.: 75 u. (430); Ob.-Realsch. Forbach: 14 u. (248); Gym. mit Realabt. Gebweiler: 29 u. (326); Gym. Diedenhofen: 16 u. (427); Gym. niit Realabt. Hagenau: Gym.: 8 u. (141); Realsch.: 40 u. (179) (23«>/o); Realsch. Markirch: 5 u. (203); Realsch. Münster: 4 u. (112); Metz: Ob.-Realsch.: 65 u. (838); Lyzeum: 40 u. (607); Mülhausen: Gym.: 53 u. (496); Ob.-Realsch.: 55 u. (513); Progym. Oberehnheim: 4 u. (119); Realsch. Rappoltsweiler: 1 u. (95); Gym. Saarburg: 18 u. (280); Saargemünd: Gym.: 10 u. (134); Realsch.: 28 u. (267); Gym. Schlettstadt: 11 u. (219); Realsch. Thann: 25 u. (204); Gym. Weißenburg: 14 u. (141); Gym. Zabern: 12 u. (178); Straßburg: Prot. Gym.: 69 u. (575); Ob.-Realsch. St. Johann (mit Vorschule): 95 u. (684); Ob.-Realsch. beim Kaiserpalast: 82 u. (644); Neue Realsch.: 7 u. (225); Lyzeum: 50 u. (645). Die 5 höheren Schulen Straßburgs werden also von 303 israelit. Schülern besucht, was bei 2769 Schülern ungefähr 12 o/o ausmacht. Sehr gering ist dieses Jahr die Zahl der jüd. Abiturienten, die vor mehreren Jahren doppelt so groß war. Es haben folgende bestanden: Oberrealsch. Metz: Brunner: Jura; Schweich: Handelswissensch.; Lyzeum Metz: Epstein Georg: Philologie; Schlettstadt: Alexander I.: Medizin; Hagenau: Levy Robert: Medizin; Buchsweiler: Levy Marcel: Medizin; Ob.-Realsch. Colmar: Falk Paul: Jura; Lyzeum Straßburg: Bloch: Jura; Hauser: Technik; Nußbaum: Medizin; Prot. Gym. Straßburg: Dreyfuß Moritz: Medizin; Picard Julius: Medizin; Kremer P.: Jura; Meyer M.: Jura. Straßburg. Das Konsistorium versendet soeben an die Rabbiner und Synagogenverwalter folgende Bekanntmachung: „In Ausführung von Vermächtnissen der bei Lebzeiten in Straßburg wohnhaft gewesenen Eheleute Michel und Fanny Weil wird hiermit den Israeliten Elsaß-Lothringens zur Kenntnis gebracht, daß am 13. Januar 1912 ein Betrag von 1500.— Mark, sowie am 2. August 1912 ein solcher von 1800.— Mark für Preise zu vergeben ist, und zwar an Witwen, vorzugsweise an solche mit kleinen Kindern, und welche durch ihre Führung, ihre gesellschaftliche Stellung, ihre Erziehung und Sittlichkeit, einen Preis verdienen. Die Bewerberinnen um diese Preise oder deren Antragsteller haben ihre Gesuche spätestens bis zum 15. Dezember 1911 ihrem respektiven Konsistorium einzureichen." Vom Hegenheimer Friedhof. Hegenheim, 17. Sept. Heute fand hier, wie alljährlich am ersten Selichothtage die ordentliche Generalversammlung der Friedhofskommission statt. Herr Dr. Nordmann, Vizepräsident und Kassierer der Verwaltung, erstattete den Jahres- und Kassenbericht. Aus ersterem erfuhren wir, daß im abgelaufenen Jahre 21 Beerdigungen stattgefunden haben, von denen 4 aus Hegenheim, 2 aus St. Ludwig, 1 aus Kembs, 1 aus Uffheim, 2 aus Hüningen, 1 aus Langenthal, 1 aus Nizza, 9 aus Basel kamen, daß ferner die Bau- und Reparaturarbeiten nun definitiv beendigt sind. Der Stand der Kasse ist insofern als nicht ungünstig zu bezeichnen, als die Sammlung der s. Zt. subskribierten Jahresbeiträge mit Erfolg fortgesetzt wird. Der definitive Abschluß des Baukontos wird erst im nächsten Jahre vorgelegt werden können. Am 26. Februar hatte in St. Ludwig unter dem Vorsitz des Herrn Dreyfus eine außerordentliche Generalversammlung stattgefunden, deren Haupttraktandum die Besprechung eines Gesuches von seiten des Vorstandes der Gemeinde Basel um Mitbenutzung des Hegenheimer Friedhofes war. Der Grund zu diesem Gesuche liegt darin, daß der Baseler Friedhof, der erst vor 8 Jahren angelegt worden war, sich für die allernächste Zeit schon als zu klein erwiesen hat, und daß Terrains neben demselben nicht mehr zu haben sind event. nur unter den größten Opfern. Die Verwaltung konnte dem Gesuche nicht entsprechen, da von seiten Basels in Hegenheim nur Passanten begraben werden sollten und Leute, die sich nur kurze Zeit in Basel aufgehalten hätten, weil solches dem Ansehen des Friedhofes schaden könnte und übrigens auch religionsgesetzlich unzulässig ist. (Jorch Deah 363,2.) Zu Beginn dieser Sitzung hatte Herr Dr. M. die traurige Pflicht erfüllt, den Anwesenden Mitteilung zu machen von dem Ableben der beiden ältesten Mitglieder der Verwaltung, des Herrn Emil Weil aus St. Ludwig und des im ganzen Ober- Elsaß und der Schweiz unter dem Namen „Nonsieur" bekannt gewesenen langjährigen Sekretärs Herrn M. H. Günzburger aus Hegenheim.

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