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Das Abendland · 1868-12-01 · 23 (1.12.1868) · p. Seite 183

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
23 (1.12.1868)
Date
1868-12-01
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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— 188 — und eine Mittellchule, sollten nach dem Wunsche des Herrn Mühler einen confessionellen Charakter erhalten, und da sich die Stadt hierzu nicht einverstanden erklären will, verzichtet sie überhaupt auf die Errichtung der neuen Unterrichtsanstalten und läßt die beiden großartigen Gebäude lieber leer stehen. Nun aber hoffen die Breslauer, daß das, was für Kassel Recht ist, für Breslau wohl auch billig sein werde, und versprechen sich darum von ihrer diesbezüglichen, mit vielen Tausenden von Unterschriften versehenen Petition, die sie vor Kurzem an das Abgeordnetenhaus nach Berlin schickten, den besten Erfolg, trotzdem der hiesige „katholische Volks- Derein" eine Gegenpetition einreichen will. — Ein unerquicklicher Streit droht gegenwärtig vom Neuen im Schooße der hiesigen Cultusgemeinde auszubrechen. Die Veranlassung hiezu ist der neue Tempel, der bereits bis zur Kuppel vollendet ist. Wie bekannt, gibt es in der hiesigen Gemeinde zwei Hauptparteien, die sogenannten Geigerianer, die der neuern Richtung huldigen, und die Tiktinianer oder Orthodoxen. Beide haben ihre eigenen Synagogen, Religionsschulen und Rabbiner, ihre eigenen Gebetbücher, und Cultusformen. ja sogar bis auf die Begräbnißweise erstreckt sich der Parteiunterschied. — Nur die gemeinschaftliche Gemeindecasse und die Wohlthätigkeitsanstalten erinnern noch an eine gewesene Einheit. Der neue Tempel sollte nun ein neues Bindeglied zwischen den beiden Parteien bilden, unter seinem Dache sollten alle Glieder der Gemeinde wieder vereinigt werden. Darum wurde sein Bau auch auf gemeinschaftliche Kosten unternommen und Dr. Joel sowohl, wie Landrabbiner Tiktin fungirten bei der feierlichen Grundsteinlegung desselben. Seit zwei Jahren wird rüstig daran gebaut, das prächtige Gebäude verspricht eine der schönsten Zierden der Stadt zu werden. Wohl ist der Kostenvoranschlag bereits bedeutend überschritten worden, obwohl noch sehr viel zur Vollendung des Tempels fehlt; doch wurde darüber keine Klage laut, weil dies ja bei allen größeren Neuballten vorzukymmen pflegt. Als aber der zeitige Vorstand, der seiner Mehrheit nach der neologen Partei angehört, in dem neuen Gebäude einen Platz für die Orgel Herrichten ließ und diese selbst beim Instrumentenbauer schon bestellte, als es offenes Geheimniß ward, daß das von Dr. Geiger für seine Synagoge verfaßte Gebetbuch auch im neuen Tempel eingeführt werden solle: Da erhoben sich die Strenggläubigen dagegen und remonstrirten gegen das den getroffenen Vereinbarungen zuwiderlaufende Verfahren des Vorstandes. Nach diesen hätte nämlich die Orgel- und Eultusfrage bis zur Vollendung des Tempelbaues eine offene bleiben und dann erst nach der Majorität der Gemeindeglieder entschieden werden sollen. Unter den Tiktinianern circulirt nun gegenwärtig zur Unterschrift eine Adresse an den Vorstand, in welcher entschieden die Abbestellung der Orgel und die Offenlassung der Eultusfrage gefordert wird, widrigenfalls von ihnen keine weitern Gemeinde- und Tempelbeitrüge gezahlt würden. Die Adresse zählt bereits zahlreiche Unterschriften. H. K. Berlin. Die Judengemeinde von Bukarest hat sich neuerdings wieder an den Bundeskanzler Grafen Bismark mit der Bitte gewendet, daß er zu Gunsten unserer armen Glaubensgenossen in den Donaufürstenthümern seinen Eifluß geltend mache und beim Fürsten Karl intervenire. Ohne Zweifel wird Bismark diesem Wunsche bereitwilligst Nachkommen. Möchte er dies nur in nachdrücklicherer Weise thun, als es bisher geschehen. — Berlin. In der diesmaligen Landtagssession soll wieder (zum wie vielten Male?) anläßlich einer Petition der in Preußen noch immer bestehende nnd sogar bei den Rekruteneinsteüungen in Anwendung kommende Judeneid zur Sprache kommen. Bekanntlich hat das Abgeordnetenhaus im vorigen Jahre nach Antrag der Commission die Abänderung dieser lüngstveralteten Institution der Regierung empfohlen, welche aber bisher die ganze Angelegenheit auf sich beruhen ließ. Vielleicht wird der Landtag diesmal seinen Beschlüssen eine bessere Anerkennung von Seiten der Herren Minister zu verschaffen wissen, als es bisher der Fall war. Locale und auswärtige Nöthen. Brünn. Ueber das in unserem Artikel „Organismus des Talmud" erklärte Wort kömnst uns auch eine Erklärung zu von unserem Freunde Herrn S. Trebitsch aus Dobruschka. Derselbe meint von m2 (Bund) abzuleiten, und es wäre darunter zu verstehen, eine nachträgliche mit der Mischna verbu nd e ne oder im Zusammenhänge stehende Sammlung der Aussprüche und Meinungen ebenbürtiger Autoritäten (□'Wn) entsprechend dem lateinischen apenciix (Anhang) zur Mischna." — Wenn nun auch die Redaktion der Boraitha's eine solche Erklärung zuließe, so ist, wie uns scheint, diese Erklärung nicht gut sprachlich zu begründen, JT“Q bedeutet im Hebräischen nicht Bund im Allgemeinen, sondern „Freundschastsbund, und stammt gleichfalls von FPQ schneiden, nach der Sitt^ des Alterthums, beim Abschlüße von Freundschaftsbündnissen Thiere zu zerschneiden. R. * Unter der Redaktion des Herrn Dr. Kayserling, Rabbiners in Lengnau, erscheint „Ha-Nescher", ein Wochenblatt für die Inden in der Schweiz, Süd-Deutschland und Elsaß. * Wohlthätigkeit üben ist sicher ein frommes Gotteswerk, doppelt verdienstlich aber ist die Wohlthätigkeit, die an armen Kranken geübt wird. Mit besonderem Lobe müssen wir in dieser Beziehung die Leistungen des israel. Spitals zu Teplitz (Böhmen) hervorheben; in diesem Institute werden so viele fremde, kranke Israeliten ausgenommen, als es nur die Räume des Hauses gestatten. Dank der wackeren, ihrer humanistischen Aufgabe gewachsenen und mit Liebe zugewandten Verwaltung finden die Kranken hier die sorgfältigste Pflege und alle jene Bequemlichkeiten, die geeignet sind, ihnen ihre traurige Lage erträglich zu machen. Da das Spital größtentheils auf die Spenden wohlthütiger Menschenfreunde angewiesen ist, so müssen, trotz der regen Theilnahme, deren sich dieses mnsterhafte Institut erfreut, die Mittel allmälig schwinden, wenn nicht die Hilfsquellen in dem Maße reichlicher fließen, als der Zudrang Derer, die hier Unterkommen suchen mit jedem Jahre wächst. Wir folgen daher mit Vergnügen einer an uns ergangenen Aufforderung, in diesen Blättern das Interesse der reichen Wohlthäter aus Israels Mitte für dieses Institut wachzurufen, und um Unterstützung desselben unsere warme Fürbitte einzulegen. Es gibt gewiß viele mildherzige Reiche, die nicht bloß spenden, sondern zweckmäßig mit nachhaltigem Erfolge und zum wahren Wohle der leidenden Menschheit spenden möchten. Wir weisen sie auf das genannte Spital hin. wo sie mit Beruhigung eine entsprechende Verwendung ihrer Spenden voraussetzen können, und wobei sie das erhebende Bewußtsein lohnt, einen wahren Akt der Humanität geübt zu haben. Unsere Bitte ist auch an die Vorstände der jüdischen Geineinden gerichtet, dieser humanen Anstalt, in der viele ihrer armen Mitglieder entweder schon Aufnahme gefunden oder leicht in Zukunft finden dürften, mit einem Jahresbeitrag oder mit einer entsprechenden einmaligen Spende zu unterstützen. X. * Bei der Ergänzungswahl für die ansgetretenen Mitglied :r der Cultusgemeinde-Repräsentanz wurden sämmtliche ausgetretenen 6 Herren neuerdings gewählt. Von den abgegebenen 219 Stimmen erhielten die Herrn: D. Mandl 218, I. Gomperz 217, Mor. Spitzer 202, D. Samuely 192! Fr. Flesch 187, L. Herzfelder 164. Wien. Nach vieljährigen Kämpfen wird die Königsberg'- sche Stiftung behufs Errichtung einer Erziehungsanstalt für arme israelitische Mädchen aus allen Kronländern des Kaiserstaates in nächster Zeit ins Leben treten. Die Cultusge-

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