Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 23 (1.12.1868)
- Date
- 1868-12-01
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 184 — meinde geht zunächst an die Besetzung der Stellen einer Vorsteherin und Stellvertretung derselben. Prag. Auf den 1. December ist eine Plenarversammlung der böhmisch-jüdischen Landes-Repräsentanz einberufen, wobei unter Anderem die vom Ministerium des Cultus und Unterrichts durch die k. k. Statthalter ei zur gutachtlichen Beantwortung vorgelegte Frage betreffs der legislativen Abänderung der Verbindlichkeit zur Cultussteuer bei sich ergebenden Wohnortsveränderungen zur Berathung kömmt. Goltsch-Jenikau. Unsere Gemeinde hat kürzlich durch den Tod des Herrn Markus Altar eine Capacität in jüdischer Gelehrsamkeit verloren. Der Verstorbene, Schwager des berühmten Talmudgelehrten Herrn Aron Kornfeld, zeichnete sich schon in seiner Jugend durch sein vielseitiges Wissen auf jüdischem Gebiete aus. — Er war ein tüchtiger Talmudist, schrieb ein elegantes Hebräisch, war ein vorzüglicher deutscher Stylist und befaßte sich eifrig mit der Wissenschaft des Judenthums bis zum Ende Fines Lebens. Seine große Bescheidenheit war die Ursache, daß seine Forschungen und Studien nicht zur Oeffentlichkeit gelangten; nur seine Uebersetzung und hebr. Commentar zu den Sabbathjozeroth sind erschienen und fanden verdienten Beifall. Sein trefflicher Charakter, sein mildes Wesen, erwarben ihm die Liebe und Achtung Aller, die ihn kannten. Sein Erdenleben hatte viel der Bitterkeiten. Ein biederes Weib und ein ausgezeichneter Sohn, der bereits Rabbiner war, sind ihm in's Jenseits vorausgegangen. Friede seiner Asche! — München. Nach der jüngsten Zählung wohnen in Baiern circa 64.000 Israeliten. Hannover. Mit dem 1. Jänner k. I. übernimmt das Provinzial-Schulcollegium die Oberaufsicht über das hiesige israelitische Schullehrerseminar, mit welchem aus dessen Anregung nächste Ostern eine einclassige Knabenschule verbunden werden soll. Verona. Der hiesige Gemeinderath hat zur Unterstützung der armen Israeliten den jährlichen Beitrag von 3000 Lire votirt. Dercelli. Die pädagogische Gesellschaft von Italien hat im ihrem zu Genua abgehaltenen Congresse dem Professor Giuseppe Levi für sein kürzlich erschienenes Werk „Selbstbiographie eines Familienvaters" die bronzene Ehrenmedaille, zuerkannt. Turin. Am 12. November wurde der Jahrestag des Turiner Arbeitervereines feierlichst begangen, unter den vielen Deputationen aus verschiedenen Städten, die zu diesem Feste hieher kamen, war auch die aus Chieri, an deren Spitze Herr Jakob Israel Sacerdote stand. . Paris. Den am 15. November erfolgten Tod des Barons James von Rothschild haben bereits alle Zeitungen berichtet und die Nachricht mit biographischen Notizen über den Verstorbenen begleitet. Ich will daher für Ihr geschätztes Blatt nur die Wahrheit constatiren, daß mit Baron James der edelste Charakter, der hilfsreichste Beschützer der leidenden Menschheit, der Förderer alles Guten und Schönen verloren gegangen ist. Der Wohlthätigkeitssinn dieses Mannes war grenzenlos. Er hatte ein eigenes Armenamt eingerichtet, wo die unzähligen Unterstützungsgesuche nach gehöriger Würdigung in humanster Weise Erledigung fanden. Seinem Glauben hing er mit aller Liebe und Treue an, er machte es sich zur Lebensaufgabe, zur Hebung und Förderung des Judenthums beizutragen. Seine wohlthätigen Stiftungen sind weltbekannt, er gründete Spitäler, Schulen und Gotteshäuser in fernen Gegenden, und förderte durch diese Mittel die Cultur bei einem Theile seiner Glaubensgenossen, der für eine geistige Erhebung ganz unempfänglich schien. Er war auch ein Förderer der Kunst und der Wissenschaft, und auch literarische Arbeiten auf dem Gebiete des Judenthums fanden bei ihm reichliche Unterstützung. Er war gleichsam der Repräsentant der Humanität für das Haus Rothschilds Für sein edles Streben wußte er auch zur Ausführung desselben die geeignete Persönlichkeit zu finden, und wahrlich, eine bessere Wahl konnte er nicht treffen. Sein Almosenier, Herr Dr. Albert Cohn, als Philanthrop hinreichend bekannt, verstand es nicht nur die Wohlthätigkeitsacte des Hauses Rothschild auszuführen, sondern sie durch seinen edlen Sinn, durch seine reiche Erfahrung und durch seinen praktischen Geist gleichsam neu zu schaffen. Man kann von der Humanität des Hauses Rothf schild nicht sprechen, ohne den Antheil, den Herr Albert Cohn daran nahm, rühmend hervorzuheben. Der verstorbene Baron James von Rothschild hat es durch seinen Charakter und durch seine Bildung verdient, in der Erinnerung der Nachwelt fortzuleben, und niemals hat ein Mensch von solchen großen Reichthümern einen bessern Gebrauch gemacht, als der edle Verstorbene. — Friede seiner Asche. Madrid. Die „Jberia" enthält bezüglich der zu erwartenden Rückkehr der exilirten Israeliten folgenden Passus: Von der Wiederaufnahme dieser intelligenten und betriebsamen! Race hat die Halbinsel die größten Vortheile zu erwarten. Nur die Verblendung eines intoleranten Fanatismus, der > nicht begreift, daß ein Volk reich und glücklich sein kann, auch wenn es in seinem Busen Individuen verschiedener Sekten birgt, konnte sie je aus unserem Lande vertreiben. London. Herr Guedalla, Vorsteher der hiesigen portu- > giesischen Gemeinde hatte sich in einem Schreiben an Prim gewandt, um die Aufhebung des die Juden aus Spanien verbannenden Decrets zu erhalten. Der Volksmann beantwortete dieses Schreiben auf die freundlichste Weise. In fernem Brief dankt er Herrn Guedalla für die ihm im Namen der portu- I giesischen Gemeinde ausgedrückten Sympathien, betont nach- 1 drücklichst, daß die spanische Revolution den Grundsätzen der! Toleranz und Gleichberechtigung aller Culte huldige; was je-! doch die Aufhebung des beregten Decrets betreffe; so liege das nicht in seiner Macht; er räth daher dem Schreiber, sich in einer Denkschrift in spanischer Sprache an die provisorische Regierung zu wenden, von der mit Sicherheit eine günstige Erledigung zu erwarten sei. Algier. Das lsracl. Cousistorium beabstchkigt eine Industrieschule für die Colonie zu gründen. Cap? er guten Hoffnung. Viele unserer dortigen Glaul bensgenossen sind von großer Noth heimgesuchk. Die Theuerung lastet furchtbar auf die armen Classen. Surinam. In dieser holländischen Colonie leben 1363 Juden, von denen 670 den portugiesischen Ritus haben. Auf der Holland gehörigen Insel Curacoa wohnen 1288 Israeliten. Inserate. Sara Kuh, geh. Plohn Ornamentenstickerci f. d. Synagoge Lleiver Ring Sfr. 457 — 3. Stock. 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