Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 23 (1.12.1868)
- Date
- 1868-12-01
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 181 zu verschaffen und zu erhalten, den Sinn für jedes das All-- meinwohl fördernde Werk zu wecken und zu pflegen, als ein Herold der fortschreitenden Entwickelung Bildung zu verbreiten. Es werden an ihn mancherlei Anforderungen gestellt, deren Erfüllung zu versagen sein Ehrgeiz ihm verbieten wird, oft aber auch ein richtiges Taktgtfühl ihm verbieten soll, ohne daß er sich als Meister in allem Wissen und Können zu geriren braucht. Somit ist der Gesammtberus des jüdischen Religionslehrers in seiner mannigfachen Gestaltung ein wichtiger und bedeutsamer, so daß wir nun zur Beantwortung der zweiten Frage übergehen müssen. (Forts, folgt.) Correlponderyen. Brünn. Am 17. November wurde die Versammlung der von der hohen Regierung betreffs Uebernahme und Verwaltung des mährisch-jüdischen Landesmassafonds einberufenen Gemeinde- Delegirten eröffnet. Se. Exellenz der Herr Statthalter begrüßte die Versammlung in wohlwollendster und liberalster Weise, worauf das Mitglied der Versammlung, Herr Julius Gomperz, in schwungvoller Rede der hohen Regierung den Dank der mährischen Judenschaft aussprach, und die Versammlung zu einem Hoch aus Se. Majestät den Kaiser aufforderte, dem auch in freudigster und lebhaftester Stimmung entsprochen wurde. Herr Satthalterei-Rath Dr. Suchanek war als Regierungs-Eommissär bei den Berathungen anwesend. Die Versammlung wählte zu ihrem Vorsitzenden einstimmig Herrn Julius Gomperz. Als Vorlage für die Berathungen diente eine Denkschrift, welche über den Gegenstand von den Herrn Delegirten Ignaz Wohlmuth, David Mandl in Brünn und Friedrich Karplus in Göding ausgearbeitet und der Versammlung vorgelegt wurde. In dieser Denkschrift wird die Entstehung und Entwicklung des Landesmassafonds zur klaren Darstellung gebracht, der Zweck desselben als einer Humanitätsstiftung mit schlagenden Gründen entwickelt, und die Verwendung der Zinsen nach den Grundsätzen der Billigkeit und des Rechts empfohlen. Nach der Denkschrift betragen die jährlichen Revenuen 36,300 fl., von denen 40 Proc. auf sämmtliche mährisch-jüd. Gemeinden nach Maßgabe ihrer Leistungen auf dem Gebiete des Eultus und Unterrichts zu entfallen haben, 20 Proc. zu außerordentlichen Hilfsleistungen an Gemeinden, 15 Proc. als Subventionen an Rabbiner und Lehrer, 20 Proc. zur Erhaltung und Ereirung allgemeiner Anstalten, 5 Proc. für den Reservefond. Aus Grund dieser Vorschläge wird nun auch ein Programm entworfen, das den Zweck der Stiftung klar stellt, und zuletzt über die Generalversammlung und deren Wirkungskreis Bestimmungen enthält, aus denen wir Folgendes entnehmen: Die Generalversammlung findet regelmäßig alle 3 Jahre in Brünn statt. Auf Verlangen von 10 Gemeinden kann auch in der Zwischcnzeit eine Generalversammlung einberufen werden. Sie wählt zu ihrer Vertretung auf 3 Jahre ein verantwortliches Euratorium, dieses besteht aus 11 Personen, 5 von diesen werden durch die ganze Versammlung und 6 nach Bezirken gewählt. Das Euratorium tritt dreimal jährlich, in Brünn, seinem Sitze, zusammen. Fast alle Vorschläge der Denkschrift wurden von der Versammlung acceptirt, nur wenige Abänderungen wurden vorgenommen; so wurden für die Subventionen an Rabbiner und Lehrer 25 Proc. ausgesetzt, und dafür andere Verwendungen verkürzt. Es wurde auch die Wahl des ersten Euratoriums vorgenommen. Gewählt wurden die in Brünn wohnhaften Herren: Julius Gomperz (Althart), Ignaz Wohlmuth (Jamnitz), D. Mandl (Pisling), Moriz Spitzer (Brünn), Morrz Fröhlich (Kromau). Von den nach den Bezirken Gewählten famen ins Euratorium: S. Pollak (Kojetein), Fr. Karplus (Göding), S. Singer (Proßnitz), M. Stern (Kremsier-, W. Wltschek (Butschowitz), N. Stroß (Weißkirchen). — Sämmtliche Mitglieder der Versammlung, 52 an der Zahl, bewährten einen rühmlichen Gemeinsinn, ein von jedem Partikulcwismus entferntes Streben, einen Geist des Friedens nnd der Einigkeit, dem es im Vereine mit der taktvollen Leitung des Präsidenten zu verdanken ist, daß eine Angelegenheit von so großer Bedeutung mit einer solchen Schnelligkeit und zur Zufriedenheit aller Anwesenden erledigt wurde. Brünn. Der 17. und 18. Band der „Schriften der historisch-statistischen Sektion der k. k. mähr.-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde" sind erschienen, und enthalten wie die frühern Bände ein sehr schätzbares Material für die vaterländische Geschichtskunde. Man muß der unermüdlichen Thätigkeit, die der Sectionsvorstand, Herr Oberfinanzrath Ritter d'Elvert, in dieser Richtung seit vielen Jahren entwickelt alle Anerkennung zollen. Aus dem Staube der Archive hat er bereits so viele seltene historische Documente ans Tageslicht gefördert und mit vergleichenden und kritischen Noten versehen, daß seine Schriften für den Forscher auf dem Gebiete der Spezialgeschichte unentbehrlich sind. Von besonderer Bedeutung sind diese mit wahrem Bienenfleiße gesammelten Mittheilungen des Herrn Ritter d'Elvert für die Eulturgeschichte, und es bedarf noch vieler rüstiger Kräfte, um das reichlich gebotene Materiale wissenschaftlich zu verarbeiten. Für die Geschichte der Juden in Mähren und Schlesien bieten die bereits erschienenen 18 Bände der Sectionsschriften einen reichhaltigen Stoff, und es wäre zu wünschen, daß sich ein jüdischer Gelehrter die Benützung dieser Quellen für eine historische Arbeit zur Aufgabe stellen würde. Es ist allerdings wahr, daß ein solcher Rückblick in die düstere Vergangenheit für ein jüdisches Herz nicht sehr erquickend ist, allein Wahrheit ist das erste Postulat der Wissenschaft, und die Ergründung derselben befriedigt den Geist, ob auch das Gemüth nur in dem Eontraste zwischen Einst und Jetzt Beruhigung findet. Der eben erschiene 17. Band enthält ebenfalls manches Documentarische über die Juden. R. Prag den 24. November. Schön wieder ist unsere Stadt um einen ihrer besten Bürger, und die israel. Eultusgemeinde um eines ihrer wohlthätigsten und geachtetsten Mitglieder ärmer geworden. Herr Leopold Pollak, Chef des Hauses Pereles und Pollak, hat nach langem und schmerzhaftem Krankenlager am 19. d. M. im sechzigsten Jahre seines gottgefälligen Lebens das Zeitliche gesegnet, und wurde am darauffolgenden Tage unter großer Theilnahme aller Schichten der Bevölkerung zu Grabe getragen. Der Verlust, den hiedurch die Gemeinde und insbesondere die Armen erlitten, ist ein unersetzbarer; denn der Verblichene war ein Biedermann im wahren Sinne deö Wortes. Mit geringen Mitteln beginnend, hatte er es durch strenge Rechtschaffenheit, Fleiß und unermüdliches Streben so weit gebracht, daß seine Firma eine der geachtetsten und renommirtesten des Landes wurde. Dieß wurde auch von Sr. Majestät dem Kaiser nicht übersehen, denn nach der Pariser Weltausstellung, an welcher das Haus sich in hervorragender Weise betheiligte und mit beigetragen zur Anerkeuunng, die sich die Industrie Oesterreichs daselbst erwarb, erhielt er von Allerhöchst demselben das goldene Verdienstkreuz mit der Krone als Anerkennung seiner Verdienste für Industrie nnd Handel. Jndeß würde die kaufmännische Thätigkeit des Verewigten für uns am allerwenigsten ein Beweggrund sein, seinem Namen auch in diesen Blättern ein Denkmal zu setzen, wenn derselbe nicht auch als Mensch und Jude vorzügliche Eigenschaften besessen hätte; denn nur diese geben hiezu ein Anrecht. Diese waren aber bei H. Pollak in so reichem Maße vorhanden, daß wir in Verlegenheit gerathen, welche von denselben wir zuerst hervorheben sotten. Seine Bescheidenheit und Anspruchlosigkeit haben ihm die Herzen der Rei-