Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 22 (15.11.1868)
- Date
- 1868-11-15
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Hohenems. Ihr geschätztes Blatt, Herr Redakteur! fand schon oft Gelegenheit die Verdienste unseres trefflichen Bürgermeisters, Herrn Samuel Menz, um unsere Gemeinde hervorzuheben. Der nachfolgende Bericht mag Ihnen beweisen, welcher Achtung und welchen Ansehens Herr Menz sich in unserem ganzen Vorarlberg erfreut. Derselbe wurde am 7. October von einer lebensgefährlichen Krankheit befallen, von der er nun gottlob wieder befreit ist. Die Theilnahme war nicht nur in unserer Gemeinde, sondern auch in der ganzen Gegend eine allgemeine. Alls die erhaltene Kunde von der Erkrankung erhielt er Besuche vorn Landeshauptmann und Reichtagsabgeordneten Herrn v. Froschauer aus Bregenz, vom Herrn Landrichter Schandel aus Dornbirn und von dem neuernannten Bezirkshauptmann Purtscher aus Feldkirch. Letzterer richtete bei der Nachricht von der Wiedergenesung des Herrn Bürgermeisters an denselben das nachfolgende Schreiben, das den Schreiber wie den Adressaten ehrt, und keines weitern Commentarö bedarf: Fjeldkirch, 27. Oct. 1868. Geehrtester Herr Bürgermeister! Die Erkundigungen, welche ich wiederholt über Ihr Befinden einzuziehen mich gedrängt sah, lauten in neuester Zeit so erfreulich, daß ich nicht umhin kann, Ihnen und Ihrer werthen Familie vorläufig wenigstens aus brieflichem Wege meine Glückwünsche zu dieser erfreulichen Wendung auszusprechen. Ich freue mich mit Ihnen und Allen, welche Sie gleich hochschätzen, aus ganzem Herzen, und hoffe zuversichtlich, daß Sie baldigst vollkommen wieder hergestellt und gekräftigt wieder in der Lage sein werden, Ihre Kräfte mit gewohntem Eifer zum Besten Ihrer Familie und Ihrer Gerneilldc zu verwertheu. Das wollte Gott und wünscht Herzinniglich unter Versicherung aufrichtiger Hochachtung und Freundschaftsgesinnung Ihr ergebenster O t h m a r Purtscher, k. l. Bezirkshanptmann, Möge Herr Menz zum Wohle seiner Gemeinde und zur Freude seiner vielen Freunde sich noch viele Jahre einer ungetrübten Gesundheit erfreuen.*) P. New Aork. Bei Besprechung des jüdischen Neujahrsfestes schreibt die hier erscheinende Zeitung „World'4: Die Wiederkehr dieses Festes führt uns auf einen Gegenstand, dem man noch immer nicht die verdiente Aufmerksamkeit zuwendet. Die Geschichte des jüdischen Volkes ist in Wirklichkeit die Geschichte des ganzen Menschengeschlechts. Wie viel von der Weltgeschichte würde der Erwähnung werth sein, wenn wir sie von der Geschichte der jüdischen Nation trennen wollten? Die Geschichte der Patriarchen, der egyptischeu Sklaverei, die Befreiung aus derselben, der Zug durch die Wüste, die Eroberung Palästina's, die Auflösung des Staates, den David und Salomo so mühsam aufgebaut hatten, die Zerstörung Jerusalems durch die Römer uud die hierauf folgende gänzliche Zerstreuung der Juden — wie sehr greifen sie in die uns bekannte Geschichte der Vergangenheit ein. Aus jüdischen Quellen stanimt alles Werthvolle, das wir in sittlicher und religiöser Beziehung haben. Sind wir auch keine Juden von Geburt, so sind wir doch Inden an Geist und Gefühl. Es ist uns unmöglich bei der Lage der Juden *) Auch wir gratuliren unserem verehrt. Freunde zu seiner Wiedergenesung und theilen aus vollem Herzen die aufrichtigen Wünsche, die Herr Bezirkshauptmann Purtscher so schön und so innig ausdrückt. (Der Redakteur.) gleichgiltig zu bleiben. Es war eine Zeit, in welcher man es für Christenpflicht hielt, die Juden zu verfolgen, keine Grausamkeit war für sie zu hart. Die Geschichte ihrer Wanderungen während der letzten 1800 Jahre ist eine Geschichte der Leiden, die ihresgleichen im Leben der Völker nicht weiter hat. Allein die Juden konnten nicht vertilgt werden. Trotz der Verachtung und Vernachlässigung von Seite anderer Völker schien Gott mit ihnen zu sein, in allen Ländern vermehrten sie sich und erlangten großen Wohlstand und waren auch im Besitz der Intelligenz. Die Zeiten haben sich geändert, die Juden sind nicht länger ein Gegenstand der Verachtung und Verfolgung. Bei allen civilisirten Nationen erfreuen sie sich der Gunst der Fürsten und des Volkes. Bei jeder sich darbietenden Gelegenheit zeigt sich der intelligente Sinn dieses Stammes, auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit sind Mitarbeiter der Kunst und Literatur, in Staats- und Finauzangelegenheiten tragen sie die höchsten Preise davon. — Hat sich ihre Lage in allen civilisirten Staaten gebessert, so haben sie in der Union eine wahre Heimat gefunden. In keinem Staate sind sie der bürgerlichen Rechte wie hier thellhaftig. In diesem Lande fühlen sie sich als Bürger nach Menschenrecht. Da ihre Religion und ihre Abstammung keine Hindernisse bieten, steht ihnen jedes Amt in unseren Freistaaten offen, und es ist kein Grund vorhanden, warum nicht auch ein Abkömmling Davids mit Ruhm den Präsidentenstuhl einnehmen könnte. Die Vortheile, die wir Ihnen bieten, werden auch von ihren europäischen Brüdern gewürdigt, und von Jahr zu Jahr nimmt die jüdische Einwanderung zu. Jemehr wir aber die Juden an uns heranziehen, desto mehr vermehren wir unfern Wohlstand. In allen unseren größeren Handelsstädten zeigt sich der jüdische Unternehmungsgeist; im ganzen Lande, besonders in westlichen Distrikten, sind sie große Grundbesitzer. Als Bürger dieses Landes tragen sie zu den Verbesserungen und Verschönerungen desselben bei. In manchen Städten zeigen ihre schönen Häuser und Synagogen von ihreur Geschmacke und ihrer Freigebigkeit. Warum sollten wir nicht unfern jüdischen Mitbrüdern die herzlichsten Neujahrswünsche darbringen? — Locale und auswärtige Nöthen. Brünn. Der 7. Jahresbericht des Vereines zur Unterstützung mittelloser israel. Studirender in Wien ist erschienen. Er umfaßt das Studienjahr 1867/68. Bei der statutenmäßigen Generalversammlung am 21. December 1867 wurden auf Antrag des Herrn Dr. Mayer auch Schüler der Akademie der bildenden Künste als zur Unterstützung geeignet erklärt. Die Neuwahl des Vorstandes fiel auf die frühern Mitglieder desselben, nur wurde für Herrn Wilhelm von Wertheimstein, der auf eine Wiederwahl verzichten zu müssen erklärte, Herr Dr. Gotthelf Mayer als neues Mitglied gewühlt. . Dem Tode seines Obmanns, Herrn Rabbiner Horwitz, widmet dw Verein herzliche Worte schmerzlicher Erinnerung. Außer hen Jahresbeiträgen erhielt der Verein mehrere Spenden, unter andern durch Vermittlung des Herrn Predigers Dr. ^ellinek von einem edlen Menschenfreunde 200 Gulden. Die Jahresbeiträge der Mitglieder beliefen sich auf 1933 fl. — GAdunterstützungen erhielten, als Beitrüge zu Collegiengeldern, Rigorosen und Promotion: 16 Rabbinats- Candidaten, 4 Studirende der Philosophie, 142 Studirende der Mcdicin, 18 Studirende der Rechte, 10 Techniker, 1 Schüler der Akademie der bildenden Künste. Fürth. 9. Ock. Seine Majestät der König haben den durch seine Lelftungm in Wissenschaft uud Praxis gleich hervorragend kgl. Advokaten Herrn Dr. Feust dahier durch Verteilung der I. .Aaste des Michael-Verdienstordens auszuzeiynen und hierbei ausdrücklich mit besonderen! Wohl-