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Das Abendland · 1868-11-15 · 22 (15.11.1868) · p. Seite 170

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
22 (15.11.1868)
Date
1868-11-15
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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ständig, sondern an die Mischnalehrer gebunden, sie lehrten nicht, sie waren blos Lernende. Eine zweite Bedeutung des angeführten aramäischen Wortes ist ..vollenden" rurd nmrde auch aus diesen Bestandtheil des Talrmrd paffen, inwiefern die Gemara eine Erklärung der Mischna ist, und solche gleichsam zur Vollendung bringt. Es ist möglich, daß bei der Benennung an beide Bed«»tttUlgen des Wortes gedacht wurde. In der Gemara kommen auch Meiimsyen älterer Lehrer vor, die nicht in der Mischna ausgenommen wurden, sie heißen Boraitha's fi“D „schneiden^, das Abgeschnitene, Entschiedene, analog dem lat. dseisioues. Nach Zunz von außerhalb als von Autoritäten außerhalb der Mischna ausgehende Bestimmungen; doch sind ja in den Boraitha's auch Mischna- Autoritäten angeführt; auch ist der Ausdruck ruiSCTTIWÖ (Rabo Exod. 5), der auch eine andere Deutung zuläßt, für die Erklärung nicht entscheidend. Allerdings ist es wahr, daß auch Lehren außerhalb der Schule verbreitet wurden. Die Lehrer der Mischna und der Boraitha's heißen Tanaim (Lehrer), als Vertreter selbstständiger Ansichten, die spätern befaßten sich blos mit Erläuterung der frühern Lehren, und heißen Amoraim (Erklärer) Die Mischna besteht aus folgenden 6 Theilen, welche Sedarim (Reihen, Ordnungen) heißen. 1. Seraim (Saaten) behandelt größthentheils die agrarischen Gesetze des Mosaismus. 2. Moed (Festzeit) über Sabbath und Festtage. 3. Nesikin (Beschädigungen) bespricht die Gesetze über das Mein und Dein, das eigentlich Juridische des Mosaismus. 4. Naschim (Frauen) handelt von den Ehegesetzen. 5. Kadaschim (Geheiligtes) befaßt sich mit den Opsergesetzen. 6. Taharoth (Reinigungen) behandelt die im Pentateuch vorkommenden Reinigungsgesetze. Die Namen der Ordnungen beziehen sich auf den Hauptinhalt derselben, indessen werden in einzelnen Ordnungen Themata behandelt, die nicht zum Titel passen, so handelt gleich der l. Traktat der ersten Ordnung — Berachoth — von den Segenssprüchen Traktat Aboda Sara in der 3. Ordnung handelt vom Götzendienste, Traktat Nedarim in der 4. Ordnung von Gelübden u. dgl. m. Jede Ordnung besteht aus mehreren Traktaten, welche Maßechoth (Zusammenstellungen von "JDÖ mischen, das Zusammenstellen gleichartiger Lehren) heißen. Jeder Traktat besteht wieder aus mehreren Abschnitten, welche Perakim (Glieder, Theile) heißen, jeder Abschnitt hat wieder mehrere Paragraphen, welche wieder den allgemeinen Namen Mischna im engern Sinne führen. Die Eintheilung der Mischna nach ihren 6 Ordnungen mit ihren Benennungen kommt schon im Talmud vor (Sabbath 31); auch scheinen die Namen der Traktate der ursprünglichen Mischna- Redaktion anzugehören, einige derselben werden ausdrücklich im Talmud genannt, so Kala (ibid 14), Semachoth (Freuden ein Euphemismus für Ebel Raboti Trauer, den zweiten Namen dieses Traktats. Moed Katon 24), Rosch Haschana (Taainth 2), Baba Kama, Baba Bathra (Aboda Sara 7), Aboda Sara (ibid. 14), Sanhedrin (Sanhedrin 41), Schebuoth, Makoth (Schebuoth 2), Menachoth (Menachoth 7), Edioth, welches auch Bechirtha heißt (Bechoroth 26). Die Aufeinanderfolge der Traktate und ihre Abtheilung in Perakim war ebenfalls schon frühzeitig bekannt. (Schebuoth 2, und andere Talmudstellen. Nach Tosafot: Aboda Sar^2. muß Aboda Sara nach Schebuoth kommen). — Aboda Tara (ibid. 14) wird als aus 5 Perakim bestehend angegeben. Chagiga 14 wird von 6—700 Perakim gesprochen. Wir haben deren blos 540. Es mögen manche Abschnitte verloren gegangen sein. Sind doch in neuerer Zeit ganze Traktate, die bisher als Manuscripte in Bibliotheken unbeachtet lagen, durch den Druck veröffentlicht worden, und es dürste daher leicht die angegebene Zahl unserer Eintheilung entsprechen. Mit weniger Sicherheit läßt sich das Alter unserer Paragrapheneintheilung behaupten. Es wird in den Talmudausgaben niemals die Anzahl der Paragraphen angegeben, öfters wird von Rescha (Anfang der Mischna) und Sesa (Schluß derselben) gesprochen, während wir zwei getrennte Paragraphen haben. Die Namen der Traktate sind meistens ihrem Inhalte (Baba Kama, Mezia, Bathra haben von der Reihenfolge den Namen), die der Perakim ans ihren Anfangswörtern entlehnt. Die Ordnung der Paragraphen steht mit .em Inhalt des Perek im Zusammenhänge; doch werden häufig mehrere Lehren eines Lehrers ohne Rücksicht auf deren Inhalt aneinandergereiht. Die Mischna behandelt meistens halachische Stoffe, doch hat sie auch agadische Bestandtheile. Traktat Aboth ist ausschließlich agadisch, enthält Moral- und Sittenlehren; auch praktische Sentenzen und Sprüche. Schon vor dem Mischnaredakteur, R. Juda Hanaßi, existirten Mischnasammlungen, auch wurden zu seiner Mischna spätere Zusätze gemacht. (Sota 49 wird von seinem Tode, Aboda Sara 25 von seinem Eollegium, Aboth 2 von seinen Kindern gesprochen). Auch spricht der Redakteur niemals in der ersten Person von sich. Er selbst mag auch spätere Veränderungen vorgenommen haben (Ketuboth 4 heißt es: Er hat seine Ansicht geändert, aber die Mischna blieb in ihrer Fassung stehen). Nicht zu allen Ordnungen des Mischna ist erklärende Gemara. In der 1. und 6. Ordnung blos zu je einem Traktate, in den 5. blos zu einigen, in der 2., 3. und 4. zu allen Traktaten (Schekalim in der 2 Ordnung hat nur jerusalemitische Gemara). In der Gemara herrscht in Bezug aus dieAuseindersolge die größte Unregelmäßigkeit, ihre eigentliche Ordnung ist die Unordnung. Die Lehren eines Lehrers werden auch hier gerne zusammengestellt, doch sind zuweilen noch schwächere Verbindungspunkte der Zusammenstellung. Die Jdeenassociation hat hier ein weites Feld für ihre Thätigkeit; auch erscheinen Halacha und Agada meistens unter einander gemischt. In manchen Traktaten ist die Agada stark, in andern wieder schwach vertreten. Als Redakteure der Gemara werden Rawina und Aschi genannt. Auch bei der Gemara wird von einer ersten und zweiten Lesung gesprochen (Baba Bathra 157). Nach Raschbam ibid. soll die Redaktion 30 Jahre in Anspruch genommen haben. Man hatte zur Zeit des Talmud mehrere Literaturwerke, die uns verloren gingen; so ein Handbuch — mvx; — DpJö des Josua ben Levi, in welchem viel Astrologie vorkam (Sabbath 156), die Rolle der Fasttage (Erubin 62), das Buch Juchasin (Pesachim 62), auch gab es eine Art Familienchroniken, die historische Notizen enthielten (Jebamoth 59). Einzelne Gelehrte machten sich Sammlungen über einzelne Gesetzpunkte (Baba Bathra 52). Die frühesten Tanaim wurden auch Sofrim (Schreiber) genannt (Kelim B. 7.) Bemerkungen. von Dr. Nehemias Brüll, Rabbiner in Bisenz. I. In meiner Recension des Carmolyschen „Ha-Orebim u. Bene-Jona" konnte ich über Meschullam Kusi Rapa blos eine Notiz aus Inda Minz resp. Nr. 9 anführen. Was nun den Namen TD anbelangt, ist noch ein Epilog zu dem im Jahre 1475 gedruckten öfittö }Pn Tltö zu Berichten nach welchem dieses Druckwerk damals im Hause eines gewissen Meschullam Kusi die Presse verließ — bttd pdpi anpp tp dtp prpn jttdp ro*6a cn^-n) rfrm dp^ npan to-h pth *n riön naiaan ddp» TDn» rrn» kppd ppp dseöd abiy ‘Tjnnni?» Tiy Ob nun der in dem Epigraph genannte Meschllllam Kusi mit M. K. (resp. I. Minz l. c.) identisch ist, .oder ob TP überhaupt ein Neben- oder Begleitname von D'pPÖ. ist, läßt sich noch immer nicht entscheiden, jedenfalls ist dieses Wort für die Onomatologie des jüd. Mittelalters noch zu untersuchen. II. Der Herr Redakteur dieser Blätter brachte jüngsthin die Sage von der Titusmücke zur Sprache. Jedenfalls sollte dieselbe darstellen, wie der göttlichen Allmacht die scheinbar harmlosesten Dinge zur Verfügung stehen, um menschlichen Frevel und Hochmuth auf das Empfindlichste zu strafen;

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