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Das Abendland · 1868-11-01 · 21 (1.11.1868) · p. Seite 162

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
21 (1.11.1868)
Date
1868-11-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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— 162 Targmns zu den Hagiographen zwischen Tosafat (Sabb. 115. I a. und Safrim) gelöst. — Das Targum zu den Hagiographen mag nähmlich von irgend einem Tanaiteu herrühren, wie Tosafot behaupten, wurde jedoch aus eben erwähnten Gründen in Safr.m dem R. Josef zugeschricben. — Haupt- J sächlich sprechen für diese unsere Behauptung so manche Stellen i im Targum, die hier ihren Platz finden mögen. — Die Bij belstelle (II. Sam. 5. 21.) „NN DKUm" BTlMCpfiK üWQTSPI! wird im Targum mit NN „pnpIKI" in der Bedeutung „verbrennen" übersetzt. — Diese Uebersetzung des Wortes EKttn! mit der Bedeutung „verbrennen, war allenfalls nicht die urj sprüngliche Uebersetzung des Jonatan b. Usiel, sondern ein! späterer Zusatz des R. Josef; denn wäre es ursprünglich von j Jonatan mit sZNNIXI übersetzt worden, wie es auch im! Talmud (Rosch Haschana 22. b. aufgefaßt wird, so wäre es! auffallend, daß R. Huna, der doch beinahe um 3 Secula! später als Jonatan b. U. gelebt, dennoch, wie aus der! Talmudfielle (Aboda Sara 4-1. a.) hervorgeht, nicht die ge-! ringste Keuntniß von dieser Uebersetzung sollte gehabt haben. — Er faßt daselbst zum richtigen Verständniß der zwei sich scheinbar widersprechenden Stellen II. Sam. 5. 21) DKttm TN und I. Chron. 14. 12 1TKE ISTiri TH *UöKTI erstere Stelle in ihrer eigentlichen Bedeutung „tragen" vom Winde getragen, zerstreut, auf, indem ihm das Wort 2XLN in der Bedeutung „verbrennen", wie Targum es überträgt, ganz fremd ist. Nun ist es wahrscheinlich, daß diese Targumübersetzung ein späterer Zusatz des R. Josef ist, mihtin auch R. 1 Huna, der ungefähr um ein Jahrhundert vor R. Josef lebte, , von dieser Uebersetzung nichts gewußt haben konnte. Sprechen nun diese Belege für unsere Annahme, daß nämlich das Targum zu Propheten und Hagiographen, Zusätze von R. Joses, einem späten Amoräer, enthalten, so sind uns auch die zahlreichen Abweisungen des Talmud vom Targum erklärbar, denn abgesehen von dieser unserer Auffassung, bliebe es jedenfalls auffallend, da doch im Talmud (Sukka 28. a.) Jonatan b. U. als der Größte unter den 80 Schülern des greisen Hillel geschildert wird, bezüglich feiner Gelehrsamkeit dem Propheten Mose gleichgestellt wird, und in der talmudischen Bildersprache daselbst erzählt wird, daß wie am Sinai, so auch um ihn stets, wenn er mit der Thora sich beschäftigte, Funken und Flammen sprühten; wie konnten und durften die Rabbinen im Talmud nun von seiner Erklärung abzuweichen sich erlauben? — Von diesen zahllosen Abweichungen wollen wir nun einige aufzählen. Die Stelle zu (I. Sam. 12. 3) a DK TVlin DK1 TPlTp übersetzt Targum ITDJX fKkl DpttW JNÖ und im Talmund (Nedar. 38. a) wird diese Stelle im Gegensätze zu dieser Übersetzung aufgefaßt — DJ1KE TlpW pjTO TflSTf) vrgl. auch (Makkot 23. b.) Ferner, die stelle (I. Regium 6. 4.) — CfklEK MW lautet im Targum Vtrcbü pDIDDI Tlbo pmns geöffnet nach innen und geschlossen nach außen, damit das Licht dem Innern des Heiligthums sich zuwende, im Gegensatz zur Talmud-Auffassung (Menachot 86. b.) vb ffjasö aaitoKi pnsö DaiplT ffSW TT2i kK TFtvh nach welcher die Fenster des Heiligthums von innen geschlossen, und blos nach außen hin durchsichtig waren. — Selbst das Targum zur Thora ist nicht dasselbe, wie es im Original von Onkolos niedergeschrieben wurde, sondern hat ebenfalls Zusätze und Abänderungen erlitten, wie dies aus mehreren Stellen nachgewiefen werden kann: so z. B. vgl. man das Targum zur Stelle (Exod. 24. 8) TOk npn ktdtö by dth xvn rr rwö 2D2i - npn by pinn Dtiro Kftp by Nun konnte Onkelos, dem doch nach Aussage des Talmud (Megilla 3. a.) das Targum von R. Elieser und R. Josua überliefert wurde, unmöglich diese Abweichung vom Texte, worin es heißt, daß mit dem Blute das Volk, und nicht der Altar besprengt werde, niedergeschrieben haben, da R. Josua selbst im Talmud (Jebamot 46. a) behauptet, daß mit dem Blute das Volk zu besprengen sei. — Mehr als wahrscheinlich ist daher die Annahme, da der Zusatz Krank by von irgend einem spätern Amoräer, vielleicht sogar ebenfalls von dem berühmten Targumisten R. Josef herruhre. — Wurde ich nicht fürchten weitläufig zu werden, so könnte lch noch zahlreiche Argumente ansühren, jedoch will ich selbe für einen spätern Artikel aufbewahren, den ich über diesen Gegenstand noch zu veröffentlichen beabsichtige. Die Naturwissenschaften im Talmud. Vom Redakteur. (Schluß.) Die Anatomie, die eigentlich einen Theil der Zoologie bildet, war auch nach dem damaligen Stande der Wissenschaften, bekannt. Die Glieder des Menschen werden einzeln aufgezählt. (Oholoth 1. 5). Von einem Todtengräber Abu Saul wird erzählt, daß er aus den Gebeinen erkannte, ob deren Besitzer im Leben ein Verehrer des Weines war, und ob er dieses edle Getränk mit oder ohne Wassermischung getrunken habe. (Nida 24). Die Leber ist der Sitz des Zornes, die Milz Sitz des Lachens (Berachoth 61). In der That sind Leberleidende zur Melancholie und zum Jähzorn disponirt. Auch aus dem Gebiete der Botanik erhalten wir mancherlei Mittheilungen. Vom Knoblauch, dieser bei den Orientalen so beliebten Pflanze, werden sehr wohlthätige Wirkungen für die Gesundheit gerühmt. (Baba Kama 82). Daß er ein gutes Mittel gegen die Wurmkrankheit sei, dürfte allerdings auf einer medicinischen Erfahrung beruhen. Von einer Holzkohle wird berichtet, daß sie ein Jahr lang glühend bleibe. (Baba Bathra 74). Da haben wir es offenbar mit einer Hyperbel zu thun. Die Heilkraft der Pflanzen war natürlich, da man sich viel mit der Arzneikuude befaßte, allgemein bekannt. Wenn berichtet wird, daß manche Pflanzen sogar die Eigenschaft besitzen zerschnittene Fleischstücke zusammenzufügen (ibid), so weist das auf die Wirkungen der Pflanzen bei Verwundungen hin, worin selbst die Wilden eine von der Wissenschaft noch nicht erreichte Erfahrung besitzen. Aus den physikalischen Wissenschaften haben wir wenig talmudische Bemerkungen zu registriren, doch blieb die Natur nicht unbeobachtet, und einzelne Notizen sind nicht ohne Interesse. Der Donner wird richtig aus dem Zusammenstoß der Wolken erklärt. (Berachoth 59). Ueber die Winde wird folgende Erfahrung aufbewahrt. Der Nordwind macht das Gold werthlos, was wohl sagen will, er schadet dem Wachsthum und führt Theuerung der Lebensmittel herbei, der Westwind kömmt vom Rückenmark der Welt, d. h. er kräftigt, der Ostwind erzeugt Stürme, der Südwiiü bringt Regen und macht die Felder fruchtbar. (Baba Bathra 25). Ein Fluß wird durch seine Quellen gesegnet (Sabbath 25); er erhält seine Zuflüsse durch die innern Quellen. Die Mischna kennt bereits eine Methode, Feuer aus dem Wasser zu ziehen (Beza 33); man mußte also die Brennbarkeit des Hydrogens und die Zersetzung des Wassers in seine Elemente gekannt haben. Raschi zur Stelle spricht wirklich von einem solchen chemischen Feuerzeuge. Auch die Wirkugen des Magnets, der im Talmud ziehender Stein — 712K11P PK — genannt wird, waren bekannt. (Aboda Sara 44. Sota 47.) Im Orient galten die Juden von jeher als die tüchtigsten Aerzte, und es kann uns nicht überraschen, wenn uns der Talmud unzählig viele medicinische Lehren und Regeln bietet. Die Medicin des Talmud wurde von neuern jüdischen Gelehrten in selbstständigen Werken behandelt. Das Werk von Wunderbar ist für die Geschichte der Medicin nicht von sonderlichem Werthe, hingegen soll das französisch geschriebene Buch Carmoly's über dieses Fach von wissenschaftlicher Bedeutung sein. Das Urtheil über das letzte Buch, das wir nicht gelesen, haben wir aus einem kompetenten medicinischen Fachblatte geschöpft. Die Theologie früherer Zeiten war den Jüngern Aeskulaps nicht gewogen, der Klerus im Mittelalter betrachtete die ärztliche Praxis als einen Eingriff in die göttlichen Verhängnisse. Auch der Talmud hat einzelne

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