Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 21 (1.11.1868)
- Date
- 1868-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nro. 21. V. Lahra. Srünn, den 1. November 1868. zeitgemäße« I«terefse« des I«ds«tH«ms. Pränumerationsbetrag ganzj. 3 ft-, halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendmig und Zustellung ins Haus. Wr's Ausland gänzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. l5 Gr. Verleger, Eigentümer und verantwortlicher Redakteur D. EhrmaNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats Administration Bäckergafse Nr. 2. 2. Stock. Exped. Krapfengasse 18, Epstein's Bnchh. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Das Targum zu den Propheten. — Die Naturwissenschaften im Talmud. — Talmudische Studien. — Das Recht des Leihens und Verleihens. — Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Brieflasten der Redaktion. - Inserate. Das Targum zu den Propheten. > Bibliologische Studie, | von Ludwig Lichtsch ein, Rabbiner zu Austerlitz.! i Eine talmudische Stelle (Megilla 3. a) lautet: Das Targum zur Thora wurde von Onkelos verfaßt, welches ihm von R. Cliesar und R Josua überkommen war; das Targum zu den Propheten hingegen hat Jonatan ben Usiel zum Verfasser, dem dieses wieder von den Propheten Chagai, Secharja und Malachi überliefert wurde. Jonatan b. Usiel heißt es daselbst ferner, war auch im Begriffe, ein Targum zu den Hagiographen niederzuschreiben, mußte dies aber auf höhern göttlichen Befehl unterlassen. Unwillkürlich drängt sich nun jedem denkenden Forscher die Frage auf, wird doch fast durchgehends im Talmud das Targum zu den Propheten dem R. Josef zugeschrieben, der allerdings um circa 4 Jahrhunderte später als Jonatan b. Usiel lebte, und einer der letzten Amoräer war, während Jonatan b. Usiel Schüler des greisen Hillel zur Anfangszeit der Tanaiten blühte? (vergl. | Berach. 28. a, Sabbat 64. a, Nedar. 38 a, Sanhedr. 94 b. rc.). Selbst bezüglich des Targums zu den Hagiographen herrscht im Talmud ein in die Augen fallender Widerspruch und Anachronismus. — Im Talmud (Sabbat 115. a) wird erzählt, daß R. Chalafta dem R. Gamaliel begegnet, als er eben mit dem Lesen des Targum zu Hiob beschäftigt war. Tosafab zur Stelle, Schlagw. YT21 macht hierauf die Bemerkung, daß wie aus dieser Erzählung hervorgeht, schon zur Zeit der Tanaiten ein Targum zu den Hagiographen vor- > Händen gewesen, was auch aus einer Talmudstelle (Megilla I 21. b) deducirt werden kann; daselbst heißt es: daß im Ge-! gensatz zum Targum der Thora, woselbst nur Einer den Originaltext und ein Anderer das Targum lesen dürfe, bei den Hagiographen hingegen Text und Targum selbst von zehn und noch mehreren Personen gelesen werden dürfe. — Raschi zur Stelle will wohl das Wort Targum gestrichen wissen, da doch zu jener Zeit noch kein Targum zu den Hagiographen vorhanden gewesen, Tosefat hingegen bemerken, daß allerdings ein Targum zu den Hagiographen, wenn auch nicht von Jonatan, so doch von einem andern Tanaiten abgesaßt worden sei, im Gegensätze zu Denjenigen, die behaupten wollen, daß R. Josef der Verfasser des Targum zu den Hagiographen sei.— Nun aber vgl. man ('8 D*HSTD 'Ö) ba* selbst sagt R. Jose! , , jrbana nro ann »pön tu rmn crom *vtk i 121 X2T2 '2"> pb'sn Aus dieser Stelle geht nun unzweideutig hervor, daß das Targum zu den Hagiographen dennoch dem R. Joses, einem Amoräer, zugeschrieben wird. — Zur Losung dieser Widersprüche, möge es mir nun gestattet sein, in diesen Blättern eine kleine talmudische Excursion zu veranstalten. — In (8U 822 822, Tosaf. Schlagw. DTTTlTTU heißt es, daß R. Joses, welcher bekanntlich seines Augenlichtes beraubt war, und vermöge einer talmudischen Satzung 8 27122W na bv anb1*6 wznnmntit dem Studium des Urtextes der heil. Schrift sich nicht beschäftigen konnte und durfte, mußte daher in seinem Hange und Eifer zum Studium seine ganze Aufmerksamkeit auf das Targum und Uebersetzung lenken, worin er auch im Laufe der Zeit eine solche Fertigkeit erlangte, daß er darin alle übrigen Gelehrten übertroffen haben mochte In Folge dieser seiner immensen Fertigkeit im Targum nun, war man auch geneigt, die Abfassung desselben ihm zuzuschreiben, trotzdem selbe schon lange Zeit früher vorhanden war. — Nun rühren von R. Josef allerdings zu gewissen lücken- und mangelhaften Stellen im Targum, selbst zum Onkelos, des bessern und richtigen Verständnißes halber gewisse Zusätze und Anmerkungen her, wie wir dies aus mehreren Stellen Nachweisen werden.— In Sabb. 28. a, übersetzt R. Joses irnn Numm. 4. 6) mit N2nn s121)2 82)22 — weil es sich des Farbenspieles mehrerer Farben erfreut, ferner (Nazir 39. a.) wird die Stelle 21 njn ffamö von R. Joses übersetzt durch piry njn p*ni22 d. h. äußere Schale und innerer Kern, u. dgl. m. War nun Jonatan b. Usiel in Wirklichkeit der Verfasser des Targums zu den Propheten, und wurde dennoch dem R. Josef theils seiner Fertigkeit im Targum, theils seiner Zusätze halber zugeschrieben, so wäre auch der Widerspruch bezüglich der Abfassung des