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Das Abendland · 1868-10-01 · 19 (1.10.1868) · p. Seite 151

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
19 (1.10.1868)
Date
1868-10-01
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 der Objektivität der Forschung Eintrag thut, gelangt der Vers, zu dem Resultate, aß die Ansicht des Großvaters die einzig wahre und richtige sei, die er nun mit tüchtiger Begabung amplificirt, mit vielen neuen Gründen unterstützt, mit eigenen Forschungen und Excursen bereichert, und wie bereits erwähnt, in trefflicher Darstellung dem deutschen wissenschaftlichen Publikum zuführt. Wir gratuliren dem strebsamen Verfasser zu diesem ersten schriftstellerischen Debüt, und wünschen ihm öfters auf literarischem Gebiete zu begegnen. Welchen Standpunkt wir in der Frage einnehmen, dürste schon aus Obigem ersichtlich sein, und wir erlauben uns aus unserer 1866 veröffentlichten, vom Vers, obigen Werkes nicht berührten, wahrscheinlich weil nicht gekannten Biographie des Rabbi Juda Hanaßi (Israelitischer Zeitbote, Prag) eine die erwähnte Frage berührende Stelle zu citiren: „Ein fleißiger Gast an seinem Tische war ein Mann, mit dem er in innigster Freundschaft lebte, in stetem geistigen Verkehre stand, und den die Quellen keine geringere Persönlichkeit als den römischen Kaiser Antoninus nennen. Talmud und Midrasch sind unstreitig eine reichhaltige Quelle für die innere und äußere Geschichte des Judenthums, allein die agadische sagenhafte Hülle, in der die Daten erscheinen, die Uebertragnng gewisser Volkssagen auf einzelne hervorragende Personen ohne Rücksicht auf die Ehrouologie, di? Wiederholung wirklich historischer Ereignisse bei verschiedenen Personen und in verschiedenen Zeiten machen es der Geschichtsforschung nicht leicht, Dichtung von Wahrheit zu trennen. Der genannte Kaiser Antoninus hat den jüdischen Gelehrten unserer Zeit viel Schweiß gekostet, doch dürften ihre Untersuchungen kaum ein befrie.igendes Resultat geliefert haben; denn ein Herrscher Rom's, der ganz zu den agadischcn Berichten über den Busenfreund Rabbis paßt, der darnach einen langen und bleibenden Aufenthalt in Liberias nahm, der die jüdische Literatur kannte und den Glauben des Judenthums, wenn auch nur im Geheimen, bekannte, ist aus den Annalen der Geschichte nicht herauszufinden. Mit Hypothesen und Conjcktumt Geschichte machen ist überhaupt ein gewagtes Spiel, und wenn die jüdische Wissenschaft ihren Scharfsinn an einem römischen Kaiser im Talmud versuchen wollte, so hatte sie nicht nrthig auf Rabbis Freund zu warten. Schon frühere Talmudlehrer hatten Umgang mit römischen Kaisern, und gewiß steht der gesellige Verkehr Josua ben Chananja's mit einem derselben an Interesse und Intimität dem Freundschaftsverhältnisse in der Antouinussage nicht nach; abgesehen davon, daß jene früher« Lehrer Reisen machten und Italien besuchten, während Rabbi niemals das Heimatland verließ. Uns scheint die historische Basis der Antouinussage darin zu bestehen, daß Rabbi mit einem römischen Statthalter in Judäa, der zufällig ein Namensbruder des Kaisers Antoninus war, innig befreundet wurde. Als Vertreter seines Herrschers in einer unterworfenen Provinz konnte ihm die Kenutniß von den Sitten und Gebräuchen derselben nicht gleichgiltig sein; schon seine Stellung brachte ihn mit dem geistlichen Oberhaupte der Nation in Berührung, in dessen gastfreundlichem Hause er zugleich Befriedigung für seine Wißbegierde fand. Daß aus der Bekanntschaft eine innige Freundschaft, aus dem Ideenaustausch eine Ueberzeugung zu Gunsten der ewigen Glaubenswahrheiten entstand, hat au sich nichts Unwahrscheinliches. Die Sage ist sonst geschäftig und erfinderisch im Ausschmücken historischer Ereignisse, besonders wenn eine spätere Zeit der Leiden, an der es in der frühern jüdischen Geschichte selten fehlte, sich gerne in der Erinnerung unter den Lichtpunkten einer glücklichern Vergangenheit sonnt. Unserem Rabbi war sie im hohen Grade hold, sie bedachte ihn noch mit einem zweiten königlichen Freunde, mit Artaban, dem Herrscher Persiens, wobei sie ein freundschaftliches Verhältniß seines Schülers Aba auf den Lehrer übertrug." Von der hebräischen Monatsschrift „Haschachar" des Herrn Peter Smollenskin in Wien ist das erste Heft erschienen. . Es enthält eine Biographie des sel. Wiener Rabbiners Horwitz in Wien, der das Bildniß des Verewigten beigegeben ist; ferner eine Erzählung vom Herausgeber und andere belletristische Beigaben. Wir können nur wiederholen, was wir schon früher auszusprechen Gelegenheit hatten, daß Herr Smolenskin ein vorzügliches Hebräisch schreibt. U. Wien. Die im Juli d. I. verstorbene Wohlthäterin Frau Elise Herz geb. Edle v. Lämel hat in ihrem Testamente unter andern Legaten einen Betrag von 40,000 fl. zu einer Stiftung bestimmt, aus der unbescholtene Gewerbsleute bei dem Antritte eines selbstständigen ordnungsmäßig erlernten Gewerbes Unterstützung erhalten. Dieses Capital soll auf eine Realität angelegt, hypothekarisch sicher gestellt werden. Die Gemeindevertretung der Stadt Pilsen hat die Verwaltung des Stiftungsvermögens, und hat die jährlichen Interessen in vier gleichen Theilen au die Stiftlinge zu verabfolgen. Zum Stistuugsgennße sind berufen unbescholtene Gewerbsleute, ohne Unterschied der Consession aus dem Pilsner Kreise oder aus der Stadt Prag, welche ihr Gewerbe ordnungsmäßig erlernt haben, eine angemessene Verwendung als Gehilfen ausweisen und den selbstständigen Betrieb ihres Gewerbes anzutreten beabsichtigen. In erster Linie sind die Verwandten der Verstorbenen und zwar von mütterlicher Seite mit dem Familiennamen Duschenes und väterlicherseits mit dem Familiennamen Lämel, beide mit ganz gleichen Ansprüchen zu berücksichtigen. Unter den Nichtverwandten ist jener, welcher einen Verwandten von dieser oder jener Seite bereits geehlicht hat oder zu ehlichen beabsichtigt, anderen Bewerbern vorzuziehen. Endlich ist unter den Sliftungsbewerbern, welche weder durch Verwandschaft, noch durch Verschwägerung eine Bevorzugung anzusprechen haben, denjenigen aus dem Pilsner Kreise vor den aus der Stadt Prag gebürtigen den Vorzug einzuräuinen. Laut dem Wunsche der Stifterin soll der von ihr eingesetzte Verlassenschaftscurator die a. h. Genehmigung erwirken, daß diese Stiftung den Namen „Rudolphinum" führen dürfe. Zur Erklärung dieser Stiftnngsbestimmungen muß bemerkt werden, daß der Vater der Stisterin aus Tuschlau, einem Städtchen in der Nähe von Pilsen und deren Mutter aus Prag gebürtig war. — Am 9. September wurde von den 7 jüdischen Gemeinden in Jerusalem zur Erinnerung an die Verstorbene, die sich bekanntlich um die heilige Stadt große Verdienste erwarb, eine erhebende Todtenfeier abgehalten. In der großen, reichlich dekorirten sephardischen Synagoge brannten 400 Lampen. Die Knaben der Schule, welche Frau Elise Herz zu Ehren ihres verstorbenen Vaters mit einem Capitale von 50000 fl. im Jahre 1866 gründete, waren mit Trauerflören bekleidet, und begannen, nachdem der kais. österreichische Consul, Herr Graf v. Caböga, mit seinen Beamten und dem Gefolge in Parade- Uniform erschien, den Trauergesang. Sie sangen einen Psalm, das fünfte Klagelied des Jeremias und das salomonische Loblied aus wackere Frauen. Die hierauf vom Rabbiner, Herrn Bechor Hjeschar gehaltene Gedächtnißrede, in welcher er auch des Dichters L. A. Frankl, der bekanntlich die Gründung der Schule in Jerusalem zur Ausführung brachte, gedachte, machte auf die große Menge der Anwesenden den erhebendsten Eindruck. Lwdanu wurde die österreichische Volkshymne in hebräischer Sprache abgesungcn und bei offener Bundeslade ein Segenspruch auf Ihre Majestäten den Kaiser und die Kaiserin von Oesterreich gesprochen. Nach Beendigung dieser in den Annalen der heiligen Stadt einzigen Trauerfeier ordnete der Ehacham-Baschi ein Lernen, d. i. ein Studium in der heiligen Schrift, was nach jüdischer Anschauung dem Gebete gleichkommt, von 40 Rabbinern an, die sich demselben ununterbrochen während der ganzen Nacht und des darauffolgenden Tages widmeten. Locale und auswärtige Rothen. Brünn. Beim Herrn Jnstitutsinhaber Deutsch wurde für die letzten hohen Feiertage ein Vetlocale eingerichtet.

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