Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 19 (1.10.1868)
- Date
- 1868-10-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9050333-9094778-9051276--0960-9051282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 150 — Eigenschaften des Siegers herauszufinden und anzuerkennen, l hingegen ist sie mehr als scharfsichtig, um Makel und Fehler > zu entdecken, die ein Anderer nicht so leicht sieht. Voltaire : hat diesem Gedanken im dritten Buche seines „Charles douze“ j ebenfalls Ausdruck gegeben. Er sagt: „Die Schweden rülr ' men sich noch heute der Disciplin, welche sie in Sachsen! beobachteten, während die Sachsen sich über die großen Schä-! den beklagen, die sie dort anrichteten. Widersprüche, die man! unmöglich ansgleichen könnte, wenn man nicht wüßte, wie ‘ verschieden die Menschen dieselben Gegenstände ansehen. Es! ist kaum anzunehmen, daß die Sieger nicht zuweilen Miß-! brauch übten in ihrer Macht, und daß die Besiegten nicht j die geringste Verletzung für barbarische Räubereien gehalten j hätten. — Vielleicht liegt sogar in der angeführten Titussage j die Andeutung, daß dieser Kaiser von Gewissensqualen gefol-! tert, sich später gebessert, so daß.gleichsam durch diese Sage! der Ausgleich zwischen dem nationalen Hasse, und der histo- | rischen Wirklichkeit angebahnt wurde. Die freundliche Bei Handlung, deren sich Josefus in Rom erfreute, und die sich wahrscheinlich durch dessen Einfluß theilweise auf die andern ■ gefangenen Stammgenvssen erstreckte, konnte der spütern Zeit kein Geheimniß bleiben, und wenn sie auch von ihrer überkomj menen. Beurtheilung des Besiegers von Jerusalem rau,: abgehen wollte, so mußte sie sich doch den Thatsachcn beugen, j und es gewährte ihr etwa eine Art Befriedigung, wenn sie i den spätern tugendhaften Lebenswandel des Titus auf Rech-! nung der durch Gewissensqualen herbeigeführten Besserunng ' setzen, auf eine im Charakter des Imperators vorgegaugene . Wandlung zurückführen konnte. & j Correlpondenzen.! Br ü n n. Herr Rabbiner Dr. M. H. Friedländer hat uns auf den in der vorigen Nummer erwähnten ihm gemachten Vorwurf des Plagiats eine Erwiederung zukommen lassen. Nachdem derselbe auf seine zehnjährige literarische Thütgkeit und auf die ihm gewordene Anerkennung von Seiten großer Gelehrter hinweist, um darzuthun, daß er „es nicht nothwendig habe irgend eine einfache Erklärung oder Deutung einer Soharstelle einem vor 30 Jahren in irgend einem Winkel Deutschlands erschienenen Blättchen zu entnehmen", fährt er wie folgt fort: „Was nun die in Nr. l8 des „Abendland" erwähnte Zeitschrift „Die Synagoge" betrifft, so muß ich es zu meiner Schande gestehen, daß ich trotz meiner literarischen Thätigkeit denn doch nicht gewußt, daß je in Deutschland — wo, in welchem Dorfe oder in welcher Stadt weiß ich heute noch nicht, da dies in Nr. 18 des „Abendland" nicht stehteine Zeitschrift unter dem Titel „Die Synagoge" redigirt und herausgegeben worden sei. Ueberdieß kann ich es nicht unterlassen den Herrn Amerikaner noch dadurch zu beruhigen, indem ich ihm die Versicherung gebe, daß ich auf die im ( Jahre 1837 in einem Winkel Deutschlands erschienene „Sy-' nagoge", selbst wenn sie ein sehr verbreitetes Blatt gewesen wäre, unmöglich hätte abonniren können, da ich erst im Mai des Jahres 1836 das Licht der Welt erblickte. Sie sehen also, hochgeehrter Herr Redakteur! daß diese Behauptungen und Vorwürfe nur dahin zielen, um einen europäischen Schriftsteller verunglimpfen zu können, denn jeder Unbefangene muß Ihnen nur beipflichten, daß man es keineswegs verlangen kann, daß jeder Literat alle in Zeitschriften, Sammet- und andern Werken zerstreuten Notizen gelesen haben müsse. Wenn nun übrigens der Redakteur des „Hebrew Leader" unsere Bemerkung als einen Unsinn bezeichnet, so hat dies auf uns einen wohlthuenden Eindruck gemacht, da wir oftmals schon die Ueberzeugung gewonnen haben, daß Leute, die hier in dem gebildeten Europa ihrer Ignoranz wie ihrer Arroganz wegen nirgends durchdringen zu können vermochten, i ibre Zuflucht zur neuen Welt nahmen, und in der That da draußen verhimmelt wurden nun warum, sollte nicht eine einfache Deutung eines ansprnchlosen europäischen Literaten da draußen als Unsinn bezeichnet werden—■ sapieuti sat — Wahrlich in der neuen Welt bewährt sich das alte Sprüchwort: ÜInndus vult decipi ergo decipiatur. — Ich armer Europäer aber, der ich nie daran gedacht habe, an irgend einem Blättchen ein Plagiat zu begehen, sondern blos zufälliger Weise in einer Mußestunde dasselbe dachte, woran ein Arensch in Deutschlands vor 30 Jahren gedacht haben sollte, fühle mich veranlaßt, jenem Amerikaner zururufen: 1)uo si taeiunt idem, non est idem. Dr. M. H. Friedländer, Rabbiner. Nach dieser Erklärung des Herrn Dr. Friedländer betrachten wir diese an sich unwichtige literarische Fehde für das „Abendland" als abgeschlossen, und können weitern etwaigen Erörterungen über diesen Gegenstand keinen Raum in unserem Blatte gönnen. (Die Redaktion.) Brünn. Markus Aurelius Antonius als Freund und Zeitgenosse des Rabbi Jehuda ha - Naßi. Ein Beitrag zur Eultnrgeschichte von Dr. Arnold Bodek. Leipzig 1868, s. 158. — Antoninns, so wird allerdings der kaiserliche Freund des Mischnaredaktenrs in Talmud genannt, allein die zerstretiten unzusammenhängenden Notizen und deren mittmter abenteuerlicher Inhalt würden es beinahe zu einem unlösbaren Problem machen, dem sagenhaften Nelbelbilde eine historische Basis zu geben, selbst wenn der Name „Antonius" nicht ein solcher mein, der mehreren Nachfolgern desAugustus beigelegt wurde. Unter diesen Umständen muß sich die Geschichtsforschung mit Vermuthungen begnügen, und an solchen fehlt es auch nicht in der neuern jüdischen Literatur. Jost erkennt in ihm Eoraialla, dem entgegen behauptet Rappoport, es sei der Kaiser Mark Aurel gemeint. Eine zwischen den beiden genannten Gelehrten hierüber geführte Polemik erregte weniger wegen der Sache selbst als durch die entwickelten Principien und Forschungen das wissenschaftliche Interesse in hohem Grade; besonders aber mußte man den Scharfsinn, den tiefen kritischen Geist Rappoports bewundern. — Die einschlägigen Arbeiten zählen zu den glänzendsten des berühmten Kritikers. Die Frage kam nicht zum Abschlüße, weil sie nicht kommen konnte. Die Kritik ist ihrer Natur nach negirend, zersetzend, zerstörend, sie hat schon manche historische Persönlichkeit in das Reich der Mythe znrückgeschoben, manche geschichtliche Epistenz ihrer recipirten Bedeutung entkleidet, aber umgekehrt einem Schattenbilde, einer Nebelhülle historisches Fleisch und Blut zu geben, liegt außer dem Bereiche ihrer Kraft; sie versteht es die allzu redsamen übersprudelnden Quellen einzudämmen, ihrem Laufe Maß und Richtung zu geben, nie aber aus dem har ten starren Felsen mit einem Mosesstab die Quelle zu entlocken, sie kann nicht die stummen Zeugen der Vergangenheit ins Verhör nehmen und sie zum Reden zwingen, und die noch so geistreiche Interpretation, die sie deren sparsamen Worten gibt, verliert allen Werth, sobald sie sich unterfängt, in ihrem Sinne Geschichte zu machen. Das Feld der Vermuthungen ist ein sehr weites und der Antonine gibt es viele in der römischen Geschichte, es darf uns daher nicht wundern, daß verschiedene jüdische Gelehrte sich verschiedene Imperatoren als Repräsentanten des talmudischen Antoninns heraussuchten. Nach längerem Hin- und Hertappen im Dunkeln ließ man die ganze Untersuchung, die der wissenschaftliche Instinkt als eine müßige erkannte, fallen. Der Verf. obigen Werkes, ein Enkel des berühmten Rappoport, nimmt nun die Untersuchung abermals auf, und sie bildet den Inhalt seines Buches. In einem blühenden wissenschaftlichen Styl, wie man ihn selten bei jugendlichen Schriftstellern und bei Erstlingswerken findet, mit einer gewinnenden Geistesschärfe, mit einem anerkennenswerthen scientifischen Ernst werden die verschiedenen Ansichten in der Antoninusfrage einer Kritik unterzogen, die zur Verwerfung derselben führt, und ohne daß die Pietät des Enkels unserer 1^66 berührte», wa Kbbi Juda \ .'wähnte Frac „Gin für mit dem er ir pt Berühre sönlichkeit als mud und Ääi die innere und agadische sageliebertragimg Personen ohne lnng wirklich und in verschi nicht leicht, nannte Kaiser M\i viel rch kaum ein herrsche Rv den Bm'enste bleibenden Al teratur lannt nur im lRche schichte nicht i tm Geschichte wenn ou \vw\i mi'chen -H.tr, imhig auf Re lehrcr halten der gesellige : selben an On; nisse in der 2 jene frühern * i I! i dst historische daß Rabbi nt 'Ufällig ein % befreundet wu unterworfenen Zitten und ö leine Ztellmic der Ration ir er zugleich § aus der Ackc Äeenaustausc ^iauberiswahr Die Z, ’towfen histo?.eit Leidei leltaim, R Rabbi wit einem Harscher' seines eurer " iie P°n der Herrn Peter l Tl Es entb H°rwitz in 4 tts ftrnei