Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 19 (1.10.1868)
- Date
- 1868-10-01
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Unter mehreren Borbetenden befriedigte besonders Herr Lehrer Baß die Zuhörer durch seinen von Berständniß zeigenden Vortrag wie durch seine schöne Stimme. Brünn. Aus einer Besprechung des Werkes: „Deutsches Bürgerthum im Mittelalter, nach urkundlichen Forschungen und mit besonderer Beziehung auf Frankfurt a. M., vom Stadtarchivar Dr. G. L. Kriegk" in der „Neuen freien Presse" entnehmen wir folgende interessante Stelle: In der frühem Zeit waren die Aerzt meist Juden, neben ihnen kommen auch häufig jüdische Frauen als Heiltüustlerinen vor. sticht etwa als Curpfuscherinen, sondern als „befugte Aerztin" wird uns diese und jene Jüdin genannt. Das widerspricht der sonstigen Stellung der Frauen im Mittelalter ebenso, wie das Vertrauen in die Judenürzte, das selbst von geistlichen Fürsten getheilt wird, der sonstigen Feindschaft gegen die Juden entgegen. War es nicht eine Selbstironie des deutschen Volksgeistes, daß man die Juden verfolgte und todtschlug, in schwerer Krankheit aber regelmäßig jüdische Hilfe in Anspruch nahm? Prag. Die durch Abgang des Herrn Dr. Sonneschein erledigte Predigerposten iu der hiesigen Neusynagoge soll, wie uns mitgetheilt wird, bald wieder zur Besetzung gelangen. Bereits hat ein Candidat, Herr Dr. Arnold Bodek, Enkel des sel. Oberrabbiners Rappoport, eine Probepredigt abgehalten, und wurde derselbe vom Vorstande eingeladen am nächsten Su othfeste abermals zu predigen. Pest. Der Congreß der Israeliten Ungarns zu Regelung ihrer Cultus- und Gemeindeverhältnisse ist durch Allerhöchsten kaiserlichen Befehl auf den 10. November einberufen. Die Wahl der 220 Deputirten wird an einem Tage — 3. November — im ganzen Lande vorgenommen. Der Wahlkampf, der mitunter ein heftiger zu werden verspricht, wird schon jetzt mit allem Eifer von den verschiedenen Parteien betrieben. Es ist unleugbar, daß die starre Orthodoxie über viele Stimmen gebietet, doch wollen wir hoffen, daß auch der Fortschritt seine gehörige Vertretung finden werde. Mögen nur alle Parteien von Liebe zum Judenthume beseelt, die nöthige Mäßigung bewahren, um zu einem glücklichen Resultate zu gelangen. Eine vollständige Trennung und Absonderung der Parteien, wie dieß von gewisser Seite angestrebt wird, wäre das größte Unglück für das ungarische Judenthum und würde unbedingt ein Schisma ins Leben rufen, das — möge die starre Orthodoxie es sich nicht verhehlen — mit dem Congreß noch lange nicht seinen Abschluß gesunden hätte. Die Partei, die heute in der Majorität ist, kann leicht zur Minorität herabsinken. In religiösen Angelegenheiten ist die Zeit ein Faktor, der von keiner Seite unbeachtet bleiben darf. Volle Gewissensfreiheit bei Wahrung der Integrität des Judenthums ist das einzige Programm, dem man eine Zukunft prognosticiren kann. Pari--. Bei der Preisüertheilung an der israel. Communalschule, sprach der Direetor nach Ertheilung des ersten Preises: Der zweite Preis kann nicht abgegeben werden, er war bestimmt für den Schüler Morhange, der mit seiner ganzen Familie beim Brande von St. Antoine den Tod fand. Der Preis, auf dem der Name des Knaben eingezeichnet ist, wird in der Schulbibliothek aufbewahrt werden. Wie bereits berichtet wurde, verlor die ganze Familie Morhange, Vater, Mutter und 3 Kinder, das Leben bei diesem Brande. * Ein Kutscher, der sich in selbstmörderischer Absicht in die Seine stürzte, wurde von Herrn Alphvns Weil mit Gefahr des eigenen Lebens aus den Fluthen gerettet. Herr Weil, ein alter Soldat, der 21 Jahre in Afrika diente, hat bereits früher zwei Kameraden, die ihre Pferde in die Schwemme trieben und dabei in Lebensgefahr kamen, aus der Seine gerettet. Der Muth dieses Mannes verdient umsomehr Bewunderung als er Vater einer zahlreichen Familie ist. Sein Vater, ebenfalls gewesener Soldat, ist 103 Jahre alt^und gegenwärtig Pensionär des israel. Hospitals zu Paris. L>ein Bruder ist Brigadier der Stadtsergeanten in Paris und mit der Ehrenlegion dekorirt. Kopenhagen. Die zweite Kammer erklärte in einer fast einstimmig angenommenen Tagesordnung, daß weder in den bestehenden Gesetzen noch in der Volksgesinnung ein Hinderniß obwalte, den Israeliten das Richteramt zu'verleihen. Stockholm. Die Hauptstadt Schwedens ist in 6 Bezirke getheilt, jedem Bezirke steht ein „Takcirungs-Comite" vor. Im ersten Bezirke wurde vom Magistrat unser Glaubensgenosse M. M. Eliasou zu diesem Ehrenamte gewählt. Bar. Rothschild aus Paris sammt Frau befinden sich auf einer Vergnügungsreise in Schweden. Bei der Versammlung der Zahnärzte in Christiana war ein Glaubensgenosse, der Arzt Bensew von hier, Präsident; dessen Bruder wurde kürzlich zum Compagnie - Arzt beim Garderegiment zu Fuß ernannt. (Homogid.) Madrid. Kürzlich wurde Herr Castro aus Bordeaux zum vierten Male hierher berufen, um an einem neugebornen Knaben die Operation der Beschneidung vorzunehmen. Der Zufall wollte, daß am selben Abende die Pathin des Kindes von einen Knaben entbunden wurde, und Herr Castro mußte j noch 8 Tage hier bleiben, um auch die zweite Operation! vorzunehmen. Während seines Aufenthaltes hier besuchte er auch die Gräber mehrerer Israeliten auf dem englischen Friedhof und verrichtete die üblichen Gebete. Bei dem Akt der Beschneidung waren gegen 20 Israeliten anwesend. — Was würde Torquamada sagen, wenn er aus dem Grabe steigen und das sehen könnte! (Univ. isr.) NetwAork. Herr Louis Trazer Jsraelite, wurde zum Präsidenten der „police jury“ in Coneordia, Louisiana, ernannt. Dieses Amt gibt ihm die Controle über die öffentlichen Schulen, Gebäude und Straßen. Jerusalem. Der unermüdliche Forscher Warren ist bei seinen Ausgrabungen nunmehr auch auf die Trümmer der einst mit Thürmen versehenen „Ophel" Mauer gestoßen. Daraus fußend stellt er die berechtigte Behauptung auf: daß die Stadt sich über den nun mit Schutt oder mit Gärten bedeckten, gegen den Hiobsbrunnen abfallenden Hügel im Süd-Osten der Stadt ausgedehnt haben müsse. Dagegen bestreitet er die vielfach geäußerte, auch lcicht denkbare Annahme, daß Jerusalem sich über den durch die heutigen Mauern abgeschlossenen Raum gegen Nordwest erstreckt habe, da diese erst im «6. Jahrhundert durch Sultan Seliman im I. d. Welt 5297 (1537) erbaut wurden. (Israelit.) Statistisches. Das Königreich Italien zählt 29,233 Israeliten. In Calkutta wohnen 681 Personen jüdischen Glaubens. Briefkasten der Redaktion: Löbl. Vorstand der israel. Cultusgemeinde zu Brandeis an der Elbe: Wir ersuchen um die für Inserate kommenden 5 fl. und um das Abonnement xro 1868 pr. 3 fl. Sara Kuh, geh. Plohn Ornamentenstickerei f. d. Synagoge in Prag. Kleiner Ring Kr. 457 — 3 Stock. Diese Firma, welche sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, wird nun nach Dahinscheiden meiner seligen Mutter Salomon Plohns Wittwe von mir fortgeführt und empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publikum insbesondere den löblichen Synagogenvorständen zur Anfertigung aller Arten von Ornamentenstickererei für die Synagoge als: MDDÖ rfiSÜ rOllS miÖ3 und Thoramäntel und verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zufriedenheit der Besteller. Thoramäntel und Thoradecken fDSft sind zu jeder Zeit vorräthig. Druck von Rudolf M. Uohrer in Brünn.