Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 19 (1.10.1868)
- Date
- 1868-10-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 147 Satzes D22J7 22 T“1' üb (Rabba Genes. 91). Oft wieder liebt es der Talmud in ganz rein hebräischen Sätzen zu sprechen, so HIJ» ‘TP D122!TI TT2K 71*27! 172“l Hl “127 (Sulla 93), DTK b2 '727 (Jebamoth 60) anstatt des so häufigen ^27 '727 (ibid. 61), D'TJTn pK2 (Nabba Genes. 2). Woher kömmst du? — 727*7 DTÜT — Es ist die Vermuthung und viele andere Stellen. Es gibt auch manche eigenthümliche Erklärungen zu hebräischen Wörtern, die aber meistens mehr Witz als gründliche Sprachforschung verrathen, so über TUÖ^K (Ketuboth 10), TTTRP (ihid. 105), D'KlttTp (Berachoth 57) u. a. m. Auch grammatikalische Regeln für das Hebräische werden gegeben. So wird von den vier Bedeutungen, welche das Wörtchen '2 hat, gesprochen, und es wird auch hervorgehoben, daß der Buchstabe ,7 am Ende des Wortes häufig die Bedeutung eines b am Anfänge desselben hat. Bei erweiterter Behandlung ließe sich in dieser Beziehung noch Manches anführen. Der Abschluß des Bibelcanous kann nahezu mit Zuverlässigkeit als ein Werk der großen Synode betrachtet werden, man hat wenigstens keinen triftigen Grund, ihn einer später« Zeit zuzuschreiben; auch beziehen sich die ältesten Tanaiten aus die Bibel als auf etwas Abgeschlossenes. Wenn man die Bücher Ezechiel und Koheleth, ja sogar Mischle dem Publikum entziehen wollte, so ist doch nicht erwiesen, daß dieß ,zur Zeit des Abschlußes der biblischen Bücher geschehen sein müsse. Die Talmudlehrer erlaubten sich, gestützt auf den Satz '121 nittfyS ity tiefe Eingriffe in das Bestehende, und waren oft kühne Reformer, wenn es galt, den Zeitverhältnissen Rechnung zu tragen. Durften doch sogar manche Stellen aus der Torah nicht öffentlich vorgelesen werden, und es war auch verboten, über n'tTK72 7I2P2 und ,72272 .72P2 Vorträge zu halten. Dem Chananje ben Chiskija wird übrigens blos das Verdienst zugeschrieben, die scheinbaren Widersprüche in den erwähnten Büchern gelöst, nicht aber den Anschluß derselben an den Bibelcanon erwirkt zu haben (Meuachoth 45-). Was endlich neuere Forscher von makkabäischen Psalmen und anderen späteren Zugaben zur Bibel behaupten, ist noch immer nicht mehr als Hypothese. Soviel uns der Talmud über Anordnung und Verfasser der heiligen Bücher berichtet, weist Alles auf einen durch die große Synode erfolgten Abschluß hin. Diese Thütigkeit der großen Synode ist sogar deutlich im Talmud zu lesen. Es heißt (BabaBathra 14): Folgendes ist die Ordnung der Prophetenbücher: Iosua, Richter, Samuel, Könige, Jeremias, Ezechiel, Jesaias und 12 kleine Propheten. Ordnung der Hagiographen: Ruth. Psalmen, Hiob, Sprüche Salomo's, Kohelet, Hohelied, Klagelieder, Daniel, Esther, Esra, Chronik. — lieber die Verfasser der biblischen Bücher werden uns folgende Nachrichten gegeben: Moses schrieb sein Buch, den Abschnitt über Bileam und das Buch Hiob, doch herrschten auch Ansichten, die das letztere Buch in eine viel spätere Zeit setzen. (Aus dieser Stelle ließe sich auch schließen, daß die Erzählung von Bileam ursprünglich nicht in den Pentateuch ausgenommen war, gewiß hat sie auch einen von den übrigen heiligen Schriften ganz verschiedenen Charakter, das Sprechen eines Thieres findet in der an Wundern und Bilden so reichen Bibel keine Analogie.) — Iosua schrieb sein Buch und die letzten acht Sätze des Pentateuch; doch wird über Abfassung dieser acht Sätze auch eine anoere Ansicht mitgetheilt. Samuel schrieb sein Buch, das Buch der Richter und Ruth. David schrieb die P atmen, wobei er frühere Gedichte aufnahm. Jeremias schrieb sein Buch, das Buch der Könige und die Klagelieder. König Chiskijahu und seine Schüler schrieben Jesaias, Sprüche Salomo's, Hohelied und Kohelet. Die Männer der großen Synode schrieben Ezechiel, 12 kleine Propheten, Daniel und Esther. Esra schrieb sein Buch und das Buch der Chronik bis zu seiner Zeit, vollendet hat es Nechemja. — Diese Angaben lassen sich mit den Ansprüchen der Kritik nur dann vereinen, wenn man den Ausdruck „schreiben" einmal in dem Sinne nimmt, daß der Verfasser das Wichtigste des Buches niederschrieb, was aber von Spätern gesammelt, ergänzt und vermehrt wurde, ein anderes Mal aber ganz umgekehrt, unter „schreiben" blos sammeln und ordnen versteht. David konnte nur einen großen Theil der Psalmen verfaßt, König Chiskijahu die Sprüche seines Ahnen Salomo gesammelt haben. Jedenfalls ersieht man, daß es die große Synode war, welche die noch nicht gesammelten und geordneten Bücher der heiligen Schrift zum Abschluß brachte, mit ihrem letzten Federstrich war der Abschluß vollendet. Wäre später noch ein anderer Abschluß erfolgt, so wars das ein zu wichtiges Factum, um mit Stillschweigen übergangen zu werden. Der Talmud spricht oft von den 24 Büchern der heiligen Schrift als von einem abgeschlossenen Werke, und der Ausdruck >126 12?p2 läßt gewiß weniger auf die Debatte über ein aufzunehmendes, als über die Entfernung eines schon längst aufgenommenen Buches schließen. Der Pentateuch kömmt im Talmud meistens unter dem Namen 71717 vor, auch die Benennung min ■’tPÖin ,72127 findet sich (Sanhedrin 44). Die ,72'K 7*722 heißt auch 712,7 “ED (Chagiga 5). Der Talmud hat unfern vollständigen Bibeltext, und es lassen sich nur wenige Varianten Nachweisen. Wir führen einige an s!7K7 7122 TTl (Sebachim 118), D7'2J?2 (Sabbath 54), 171*72*7 (Berachoth Cap. I.). Jeruschalmi läßt Simson das Richteramt 40 Jahre lang bekleiden (Tosph. Sabbath 54). Es wurden aber nach einer Tanchumastelll (Natnoth Kehuna zu Rabba Genes. 49) von der großen Synode Emendationen im Bibeltexte vorgenommen, namentlich da, wo die Gottheit zu sehr antropomorphisirt erschien. Diese Emendationen heißen D'TEID .jlp7- Es waren deren mehrere, so 722 1271J? D772K177122 K*7 (Habak. 1, 12), anstatt KT TTP 71222 711271 (Zacharias 232), statt 77? n222 u. a. m. solche Emendationen konnten offenbar nur beim Abschluß des Bibelcanons vorgenommen werden, sonst waren sie gegen eine spätere Hand nicht gesichert. Wie der Talmud die bliblische Exegese zu seinem Zwecke handhabt, ist jeden Talmudkenner hinlänglich bekannt, dennoch war auch eine wissenschaftliche Exegese den Forschern nicht fremd, und oft kam eine auf Sprachkenntniß und Sprachforschung gegründete Interpretation zur Geltung. Der Nutzen des Talmud für die Bibelexegese hat noch immer nicht die gehörige Würdigung erhalten. Sätze und Wörter werden oft sprachlicherklärt, so DM ,1222 '7'2777 ,2172(Chagiga 12, Rabba Exodus 21, Kiduschin 20, Joma4, Gitin 30). Doch waren die Amoraim mit der Bedeutung der Wörter schon nicht so vertraut als die srühern Talmudlehrer (Megilla 18). Geist und Zweck der mosaischen Gesetze zu ergründen war nicht Aufgabe des Talmud, er hält sich streng an den Wortlaut, und schwärmt mehr für einen unbedingten Gehorsam, er befaßt sich ausschließlich mit der Kenutniß der Gesetze, nicht mit derer Begründung (siehe Einleitung des D'2122 7712); nach talmudischer Ansicht war es sogar für das praktsche religiöse Leben nachtheilig, wenn man über den Zweck der Gesetze zu viel grübelte (Sanhedrin 21). Demungeachtet war diese Art Forschung den Gelehrten des Talmud nicht fremd, über verschiedene Gesetze wurden begründende Erklärungen gegeben, so über die Auslösung der Erstgebornen der Eselinnen (Bechoroth 5), über das Durchbohren des Ohres beim Sklaven, der im Erlaßjahre nicht befreit werden wollte (Kiduschin 49). Warum bei einem gestohlenen Ochsen fünffacher, bei einem Lamme nur vierfacher Ersatz geleistet werden mußte (Baba Kama 79) u. a. m. Die rationalistische Richtung der Exegese fand ebenfalls im Talmud ihre Vertreter. Rabbi Juda erklärt die Erzählung von der Belebung der Todten dnrch Ezechiel für ein prophetisches Bild (77.7 2212 Sanhedrin 92). Auf die rechte Mitte wird in folgender Stelle hingewiesen: Wer die Bibel wörtlich nimmt, täuscht sich ('K72), wer etwas hinzusetzt, ist ein Lästerer (Kiduschin 49). Nur zur Befestigung der als unzweifelhaft gegebenen Tradition, oder um einer Morallehre leichter Eingang in das Gemüth zu verschaffen, erlaubte man sich gezwungene Deutungen, in dieser Absicht wurden sogar Namen von Städten gedeutet, bei vollem Bewußtsein, daß dieß nicht der wahre Sinn der Textstelle sei (Gitin 7). In dem Satze J122 77T imYlKl (Sprüche 29) wird das Wort *