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Das Abendland · 1868-09-15 · 18 (15.9.1868) · p. Seite 141

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
18 (15.9.1868)
Date
1868-09-15
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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— 141 — Zeichen zur Zeit des Talmud schon existirt haben, wenn von manchen biblischen Büchern die Versezahl angegeben wird, so ist doch kaum anzunehmen, daß die Verse dieser Bücher nicht früher durch gewisse Zeichen abgetheilt waren. Das Abzählen ohne Zeichen ist beinahe eben so unausführbar als unverläßlich. Wir hätten somit wenigstens das NVL *]1D gerettet, folgende Talmudstelle beweist aber, daß es mehrere derartige Zeichen gegeben haben müsse. Es heißt (Berachoth 62) nun 'ara N2 nxnatr asa pmpa p8 na asa - Raschi bezieht diese Stelle mit Recht auf die Regina, welche er als eine Art musikalischer Declamation erklärt, bei der mancher Torahvorlescr wie der Capellmeister einer Musikbande mit den Händen dirigirte, und es ist für die Erforschung des Gegenstandes der Umstand nicht ohne Bedeutung daß Raschi ein solch' Verfahren bei Torahvorlesern bemerkte, die aus Palästina kamen. (Fortsetzung folgt.) EorrespondenM. Brünn. Das „Abendland" brachte vor einigen Wochen eine „Bemerkung über Amerika" von Dr. M. H. Friedländer, welche im „Hebr. Leader" aus unserem Blatte mit dem Bemerken ausgenommen wurde, daß die Bemerkung nicht neu zu sein scheine. In seiner Nr. v. 14. August bringt nun das genannte Journal bezüglich der erwähnten Bemerkung einen Artikel, den wir hier vollständig mittheilen, und überlassen es unserem geehrten Mitarbeiter Herrn Dr. Friedländer, ob er sich gegen den Vorwurf des Plagiats vertheidigen will, in welchem Falle wir ihm bereitwilligst die Spalten unseres Blattes eröffnen. Der Artikel lautet: „Wirerhielten über diesen dem „Abendland" entnommenen Aufsatz sowie über unsere Nachschrift zu demselben folgendes Schreiben aus Baltimore. Geehrter Herr Redakteur! Die Bemerkung über Amerika, die Sie in der letzten Nummer Ihres Blattes aus dem „Abendland" mittheilen, ist, wie Sie ganz richtig bemerkten, nicht neu. Herr Dr. M. H. Friedländer hat dieselbe fast wörtlich aus einer im Jahre 1837 unter dem Namen „die Synagoge" von Dr. L. Adler (gegenwärtig Rabbiner in Cassel) herausgegebenen Zeitschrift entnommen. Ich setze Ihnen die Stelle, wie sie sich dort Seite 367 befindet, hierher, und Sie mögen über die Originalität der Bemerkung des Herrn Dr. Friedländer selbst urtheilen. Ihr ergebenster: H. Hochheimer. Zu diesem Schreiben macht die Redaktion des „Hebr. Leader" folgende Nachbemerkung: Wir danken dem verehrten Schreiber für seinen gütigen Nachweis und freuen uns, daß unser Gedächtniß noch so treu ist. Herr Hochheimer ist so zuverlässig, daß wir uns der wörtlichen Citirung des beregten von M. Dreifuß in der „Synagoge" geschriebenen Artikels überhoben zu fühlen glauben. In seiner neuesten Nr. vom 21. August kömmt der „Heb. Leader" abermals auf die Bemerkung des Dr. Friedländer über die Soharstelle zurück. — Rabbiner Felsenthal aus Chicago weist nach, daß Zunz schon 1818 diese Stelle anführte. Es ist bezeichnend für den Stand der jüdischen Literatur, wenn sich ein Duzend Gelehrte um den Fund einer Stelle eines gedruckten Buches streiten. Nicht das Citat an sich, sondern die Deutung und Verwendung desselben hat literarischen Werth, und auch in dieser Beziehung würde der Kamps um die Priorität nicht aufhören, wenn jeder Schriftsteller mit Argusaugen alle Bemerkungen und Forschungen ausspähen wollte, die in spätern Erscheinungen zum wie vielten Male als frisches Gericht aufgetischt werden. Wir haben m unserer bescheidenen literarischen Thätigkeit es oft erfahren, daß. unsere Ansichten und Bemerkungen als fremdes Gut reproducirt wurden, ohne auch nur daran zu denken, unser Elgenthumsrecht zu reklamiren. Bei der Vielschreiberei auf jüdischem Literaturgebiete, wo der sogenannte „gute Einfall" häufig den kritischen Sinn benebelt, kann derselbe Gedanke leicht in verschiedenen Köpfen entspringen. Allerdings haben wir auch an literarischen Freibeutern feine Noth, die es mit dem „Mein und Dein" aus geistigem Gebiete nicht so genau nehmen; es wäre aber ungerecht bei jeder Reproduction eines schon von einem Andern veröffentlichten Gedankens ein doloses Plagiat vorauszusetzen. Wer könnte verlangen, daß jeder Literat alle in Zeitschriften, Sammel- und andern Werken zerstreuten Notizen gelesen habe? — Wir begegnen in derselben Nr. des „Hebrew Leader" einer Recension der „Scholien" Wiesner's von dem bekannten Schriftsteller Ad. Neubauer in Paris, datirt aus Oxford; darin wird hervorgehoben, daß der Vers, die Davidharfe, die um Mitternacht von selbst spielte (Berachoth 3) als die Aeolsharfe erkennt. — Wir haben dieselbe Bemerkung bereits 1846 in einer Broschüre .Beiträge zur Culturgeschichte der Juden" gemacht, es kömmt uns aber nicht in den Sinn, Herrn Kreisrabbiner Wiesner, der sich bereits als selbstständiger Forscher bewährt hat, eines an uns begangenen Plagiats zu beschuldigen. Damit sei zugleich dem geehrten Redakteur des genannten Blattes geantwortet, der aus collegialischem Zartsinn mit uns „nicht rechten will", daß wir den Unsinn, wie er die Bemerkung des Herrn Dr. Friedländer nennt, passiren ließen. Eine unrichtige Auffassung ist noch nicht Unsinn, sie bedarf der Berichtigung, und gibt öfters den Impuls zur Klärung der Wahrheit, darum halten wir es für Redaktionspflicht ein neugebornes Geisteskind, wenn es nicht gerade eine Mißgeburt ist, nicht unbarmherzig zu ersticken, bevor es noch das Licht der Welt erblickte. — U. Feldkirch, 7. September. Anläßlich des Rundschreibens des Herrn Bezirkshauptmannes fanden sich Sonntag den 6. d. M. die meisten Vorsteher der nunmehr vereinigten politischen Amtsbezirke Feldkirch und Dornbirn hier ein, um den Hr. Purtscher als neuen Bezirkshauptmann zu begrüßen. Herr S. Menz, Bürgermeister der Jsraelitengemeinde in Hohenems, zum Wortführer gewählt, hielt eine Anrede, worin er seine Freude über das Rundschreiben aussprach und im Namen der übrigen Gemeindevorsteher erklärte, daß die Regierung auf die Verfassungstreue der Gemeindevorsteher rechnen dürfe. Der Herr Bezirkshauptmann erwiederte die Ansprache und versicherte die Anwesenden aufs Neue, daß er mit aller Entschiedenheit an den neuen Gesetzen festzuhalten und zu ihrer vollen Durchführung mitzuwirken gesonnen sei. Die Herren Vorsteher versammelten sich dann zu einem gemeinschaftlichen Mittagsmahle in englischen Hofe, wohin nach Tische auch der Herr Bezirkshauptmann sich verfügte. Herr S. Menz brachte einen Toast auf den Bezirkshauptmann, der durch Wort und Schrift versprochen habe, die Staatsgrundgesetze kräftigst zu stützen, auf die Verfassung und Verfassungs - Freunde. Der Herr Bezirkshauptmann dankte in wenigen herzlichen Worten und leerte ein Glas auf das Wohl der Vorsteher seines Bezirkes. Nachdem noch Hr. Dachauer, Vorsteher von Koblach, daran erinnert hatte, daß vor zwanzig Jahren das Volk ebenfalls viele schöne und wichtige Rechte errungen habe, welche ihm aber von den Feinden des Fortschrittes wieder entrissen worden seien und nachdem er die Zuversicht ausgesprochen, daß man an den neuen Rechten fester halten und sie nicht mehr entreißen lassen werde, wurden, aus Anregung des Landtags-Abgeordneten Ohsten noch einige, wichtige Punkte des Schulgesetzes besprochen. Erst nach vier Uhr Nachmittags trennte man sich in freudiger, zuversichtlicher Stimmung. (Nachbemerkung der Redaktion). — Wir begrüßen dir unserem Freunde Herrn Bürgermeister Menz zu Theil gewordene Auszeichnung mit eben solcher Theilnahme als Befriedigung darüber, daß in Vorarlberg ein solcher Geist der Freisinnigkeit und der innigen Bruderliebe herrscht, daß in diesem Ländchen religiöse Vorurtheile, die im benachbarten..

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