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Das Abendland · 1868-09-01 · 17 (1.9.1868) · p. Seite 135

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
17 (1.9.1868)
Date
1868-09-01
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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— 135 Verlustes zu ermessen, den wir erlitten haben; ich hatte die häufigste Veranlassung, den Bereich der rastlosen Thätigkeit zu würdigen, worin sich bei ihm die äußerste Sorgfalt in der Erfüllung aller religiösen Pflichten mit einem unablässigen Fleiße im Studium des Talmuds und im Forschen der Gotteslehre vereinigte; wobei der eifrige Unterricht im Talmud, mit welchem er durch viele Jahre die lernbegierige Jugend beglückte, ihm noch besonders zum unvergänglichen Verdienste gereicht. Wer von uns wüßte nicht, wie rastlos, wie treu und ernst er seinem Amte oblag? wer hätte nicht in bedeutungsvollen Augenblicken Rath und Trost — in schwierigen Geschäften Hilfe — bei allen guten Werken Förderung — bei gebeugtem Gemüthe Aufrichtung und Erbauung bei ihm gesucht und gefunden? Wer hätte nicht seine lebhafte Theilnahme und die schnelle und scharfsinnige Auffassung erfahren, womit er jedes höhere Interesse ergriff, mochte es das allgemeine Wohl, oder den innern Zustand des Einzelnen angehen? Was aber das würdige Leben des Dahingeschiedenen vor Allem bezeichnete — das war dessen Eifer und Wärme, womit er bei vielen Gelegenheiten, von seinem immensen talmudischen Wissen unterstützt, das Wort Gottes ergriff. Nicht blos lehren wollte der Verewigte den Willen und das Wort Gottes — er wollte ihn auch verrichten — er wollte es auch erfüllen, in allen Stücken, soweit er vermochte — an allen Orten, so weit er reichte. Wie dieses Streben in einer nie von ihm weichenden Freudigkeit ihn durchdrang — das zeigte sich auf das Sprechendste durch seine ganze Laufbahn von Jugend auf. Fest und unerschütterlich wie sein Glaube, war er auch in allen Beziehungen, in Wohlwollen, in der Freundschaft, in den zartesten Verhältnissen des Privatwie in den würdigsten des öffentlichen Lebens. Das Alles stand in der unmittelbarsten Verbindung mit seinem felsenhaften Vertrauen auf Gott, der sein erster und sein letzter Gedanke war. So ist der Staub zum Staube zurückgekehrt, aber der Geist hat sich emporgeschwungen zu Gott, der ihm zum ewigen Leben berufen hat. — Eduard Blitz. Baltimore, 29. Juli 1868. Geehrter Herr Redakteur! Noch sehr ergriffen von dem schrecklichen Ereignisse, das einem großen Theile unserer Stadt so vielen Schaden zusügte, beeile ich mich Ihnen eine schwache Schilderung der Zerstörung zu geben, die eine Ueberschwemmung in Folge des Austretens der Jones Falls, die die Stadt in zwei Hälften theilen, anstistete. Ruhig und friedlich wandelten die Bewohner des unteren Stadttheiles, wohl fürchtend, daß in Folge des heftigen Regens, die an den Falls befindlichen Häuser unter Wasser gesetzt werden könnten, aber eine solche Gefahr, wie sie sich Freitag den 24. d. Mts. zeigte, nicht im Geringsten ahnend. Da, am obgenannten Tage Mittags, wuchs der sonst kleine Bergstrom mit solch riesiger Schnelle, daß die meisten Bewohner kaum rasch genug das Leben retten konnten; denn das Wasser stieg in einer Viertelstunde 5—6 Fuß. In einem Zeitraum von einer Stunde hatte das Wasser an manchen Stellen eine Höhe von 15 Fuß erreicht. Was für Schaden angerichtet wurde, läßt sich kaum beschreiben. Die Straßen, welche vom Unglücke am härtesten heimgesucht wurden, sind zum größten Theile von armen Leuten unseres Glaubens bewohnt, die ohnehin mit Nahrungssorgen kämpfend, nun jedes Kleidungsstückes und jedes Bettes beraubt sind; denn die reißende Fluth nahm in ihrer Wuth Alles mit sich, was ihr in den Weg kam. Es ist ein jammervoller Anblick, diese ausgeleerten Häuser zu sehen, von denen zuweilen die ganze Fronte fehlt, andere wieder, die mit ihren eingedrückten Fenstern hohläugig, gleich einem Gespenste anzusehen sind. Fürchterlich aber ist der Anblick dieser beschmutzten und im fußhohen Schlamme watenden Menschen, die nach dem suchen, was ihnen die Fluth vielleicht noch gnädig gelassen hat. Das Wasser war noch vor Abend abgelausen und noch an diesem Abend konnte man die Vorstandsmitglieder der hies. „Hebrew Benevolent Society" sehen, wie sie in den Straßen umhergingen, forschten und fragten, wie und wo zu helfen sei. Viele, denen das neuerbaute jüdische Hospital zur provisorischen Wohnung angeboten wurde, wiesen dies zurück und blieben bei den Ruinen stehen, von welchen sie sich nicht trennen wollten. Es war ein Glück, daß das Wasser nicht in der Nacht kam, es wären sonst mehr Menschenleben zu beklagen gewesen, als dies jetzt der Fall ist. Auch zwei unserer Glaubensbrüder sind Opfer der Fluth geworden. Sonntag waren die meisten Logen des U. O. B. B. in Sitzung, um den leidenden Brüdern Unterstützung zukommen zu lassen. Im wahren Geiste des Ordens zeigte sich die Jedidjahloge, welche 2300 Doll, bewilligte, die Harmonieloge, welche 500 Dollar die Mendelssohnloge 300 Doll. u. s. w. Montag berief die „Hebrew Benevolent Society" eine Generalversammlung nach der Synagoge der Oheb Scholom Congr. und obzwar nur Wenige anwesend waren, wurden doch gleich 3600 Dollar gezeichnet. Es wurde beschlossen, jeden Abend dieser Woche in Sitzung zu sein, um weitere Zeichnungen eytgegen zu nehmen. Wie ich hörte, war der Betrag des Dinstag Abends 1000 Dollar. Auch wurde ein Comite von 20 Mitgliedern ernannt, welches in den verschiedenen Wards der Stadt collectiren soll; doch ich fürchte, daß alles dies nicht hinreichen wird, um die so schwer Betroffenen wirksam zu unterstützen, wenn sich nicht auswärtige Städte mildthätig dem Unterstützungswerke anschließen. Die verschiedenen B. B. Logen sollten nicht ungehört den Schrei der Noth ihrer Brüder an ihr Ohr verklingen lassen. Auch sollten einige der vermögenden Männer New-Iorks es sich angelegen sein lassen, unter ihren Geschäftsfreunden eine Collecte zu veranstalten*), die hies. Hebrew Benevolent Society wird gewiß jeden noch so geringen Betrag dankend entgegennehmen. Möge der kommende IttlU fOtt? eine NLM für alle Trauernden sein, wie auch für die, welche den Leidenden mit warmen Herzen und starker That zu Hilfe eilen. Hebrew Leader. Locale und auswärtige ltotyen. Brünn. Der hiesige Fabrikant Herr Map Bum, der auch als Mitglied der Cnltusgemeinde-Repräsentanz ein anerkennenswerthes Streben zur Hebung des Gemein- und Uuterrichtswesens an den Tag legt, wurde von Sr. Majestät deni Kaiser durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes ausgezeichnet. Kromau. (Mähren.) Am 9. August starb hier der wegen seiner Frömmigkeit und seines Biedersinns hochgeachtete Greis Lasar Kaufmann. Die Betheiligung der hiesigen Bevölkerung bei der Leichenfeier war eine große. Herr Local- Rabbiner N. Bäck hielt eine sehr erhebende und rührende Leichenrede. 13 .. m. Pest. Der Prediger Herr Dr. Samuel Kohn wurde am 18. August vom Minister Baron Wenkheim zu der aus Anlaß des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers gegebenen Festtafel geladen. München. Prof. Brentano aus Fürth, der vom hiesigen Magistrate als Director der Handelsschule mit einem Jahresgehalte von 2700 fl. hieher berufen wurde, hat nun auch von der königl. bairischen Staatsregierung den ehrenvollen Ruf als ordentlicher Professor an das „Polytechnikum" erhalten. Kassel. Am 11. August tagte hier <ie von Dr. Philippsön berufene Rabbinerversammlung zur Regelung des ösfent- *) Ist bereits geschehen. Die Redaktion.

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