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Das Abendland · 1868-09-01 · 17 (1.9.1868) · p. Seite 134

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
17 (1.9.1868)
Date
1868-09-01
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 — für den, wenn man ihn weggibt, man sechs andere bekömmt.! Ich will nur zwei Beispiele aus der jüngsten Zeit anführen, die die angeführte Klage rechtfertigen werden. In einer Gemeinde P. im südlichen Böhmen fungirte ein tüchtiger Rabbiner 10 Jahre gewissenhaft. Weil er aber eine Ausbesserung^ seines Gehaltes verlangte, kündigte man ihm, ohne sich uin seine große Familie von 5 unmündigen Kindern ju bekümmern. Was sagt aber der Herr Kreisrabbiner dazu? Ja dieser fürchtet aus Eigennutz es mit der Gemeinde zu verderben. Darum spricht er non possumus. In einer andern Gemeinde K. im Westen Böhmens, wo man einen Concurs für einen anzustellenden Rabbiner veröffentlichte, verbrannten in einer daselbst ausgebrochenen Feuersbrunst einem Concurrenten seine dorthin eingeschickten Zeugnisse. Man lud ihn zu einer Probepredigt ein. Er kam, sah, überstand seinen Proberitt mit gutem Erfolg, wie sich fast die sümmtliche Gemeinde ihm gegenüber äußerte. Er kam mit ihnen überein. Was wäre also gebührlicher gewesen als daß man ihn akceptirt hätte? Aber nein, man berief einen Doctorrabbiner und jener mußte zurücktreten. Die mittleren und kleinen Gemeinden Böhmens machen bei der Anstellung eines Rabbiners die Probepredigt im Concnrse zur Bedingung, ist er einmal angestellt, dann wünscht man mehr den Unterricht von ihm als die Predigt. Ein Beweis, daß man mehr den Lehrer als den Rabbiner wünscht. Wo also zeigt sich eine Spur von Mangel an Rabbinern? Wie wird es erst aussehen, wenn durch das neu zu errichtende Seminar die jungen Rabbiner in Abondance sein werden und ihre Fangarme überall ausstrecken, wo nur ein Posten zu besetzen fein wird? Wäre es nicht wünschenswerther, wenn die Landesrepräsentanz Böhmens dahin wirken möchte, daß die Regierung vorerst feste Normen bestimme, wonach das Verhältniß zwischen Gemeinde und Rabbiner geregelt würde, damit nicht die Gemeinde, ihre Autonomie mißbrauchend, den Rabbiner so wegwerfend behandelte? Was nützt ein Seminar in so lange der Jüngling die traurigsten Aussichten für seinen künftigen Berus als Rabbiner hat? Erst dann, wenn die Existenz des Rabbiners eine gesicherte, seine Stellung eine achtbare sein wird, ist Hoffnung, daß der jüdische Vater seinen talentvollen Sohn zu diesem Stande bestimmen werde. Ein böhmischer Rabbiner. CorrespondenM. Brünn. Der zweite allgemeine österreichische Lehrertag, der am 25., 26., 27. August in hiesiger Stadt abgehalten wurde zählte auch viele israelitische Lehrer aus allen Theilen der Monarchie unter seinen Mitgliedern. Der Geist der Humanität und des Fortschritts, der in der Versammlung herrschte, das Band inniger Eollegialität, das alle Mitglieder umschlang, ließen keinen aus der Verschiedenheit der Eonfefsion hervorgegangenen Mißton in das harmonische Ganze dringen. Die jüdischen Lehrer betheiligten sich verhältnißmäßig stark an den Debatten, und wir bemerkten mit Vergnügen, daß sich einige derselben als tüchtige Redner und Denker bewährten und auch beim jedesmaligen Auftreten mit dem Beifalle der Versammlung beehrt wurden. Besonders gerne wurden die Reden des Herrn Director Lederer aus Pest wegen der schönen Vortragsweise und der vielen geschmackvoll dargestellten Anecdoten, mit denen er seine Reden würzte, gehört. Herr Lederer zählte zu denjenigen Rednern, die durch glücklichen Humor auch einem magern Inhalt Effekt zu geben wußten. Als erfahrene Schulmänner und beifällig begrüßte Redner nennen wir auch die Herren Guttmann aus Fünfkirchen und Salomon Pollak aus Leipnik, beide geißelten sarkastisch den bisherigen Sprachunterricht in den Volksschulen und stellten auch positive Anträge zur Verbesserung. Der letztere spickte seine Reden vielfach mit lateinischen Sprüchen und auch ein Satz „unserer Weisen" wurde ins Treffen ge« führt. Noch manch andere Lehrer unseres Glaubens sprachen über einzelne Thesen würdig und effektvoll. Einige der unsrigen waren nicht so glücklich, oratorische Lorbeeren zu erringen, machten vielmehr glänzendes Fiasko und mußten, gedrängt von den nicht sehr schmeichelhaften Kundgebungen der Versammlung schon nach den ersten Sätzen die Rednertribüne verlassen. Wir wollen keine Namen nennen, und bemerken nur, daß mancher die bei dem ersten Lehrertag in Wien gemachte Erfahrung besser hätte benützen können. Nebst der Hauptversammlung wurden auch im Interesse einzelner Lehrergruppen mehrere Nebenversammlungen abgehalten. Eine solche Versammlung hielten auch die jüdischen Lehrer Mährens im Sitzungssaale der hiesigen Eultusgemeinde-Repräsentanz. Soviel wir erfahren konnten, war das Resultat dieser Berathung nicht von sonderlicher Bedeutung. Von einzelnen Mitgliedern der Versammlung waren auch pädagogische Vorträge angekündigt, und wir waren eben nicht entzückt darüber, als wir in einer Nummer der erschienenen „Mittheilungen aus dem Lehrertage" ein „Eingesendet" lasen, worin über Herrn P., einen jüdischen Lehrer aus Böhmen, der einen solchen Vortrag über „Schreibunterricht" hielt, Klage geführt wird, daß er mit seiner angeblich neuen Methode die Versammlung förmlich dupirt habe. Die Lehrer Oesterreichs, heißt es ungefähr in dem „Eingesendet", hätten nicht erst nöthig solche alte Weisheit vom Herrn P. zu lernen. Wir theilen Ihnen geehrter Herr Redakteur! diese Facta, die für ein jüdisches Fachblatt Interesse bieten, ohne irgend welche partikularistische Tendenz mit, und fürchten daher auch nicht der Ruhmredigkeit beschuldigt zu werden, wenn wir es konstatiren, daß die hiesigen Israeliten, wie alle Bürger der mährischen Landeshauptstadt, dem Lehrertage ihre thätige Theilnahme und innige Sympathie zuwendeten und daß der israel. Gemeindevorstand für die Zwecke des Lehrertags die Summe von 200 Gulden votirte. — —n. Brünn. Als Fortsetzung meines Berichtes über dieLundenburger Delegirtenversammlung theile ich Ihnen nun mit auf welche Weise die Verwendung der Interessen des Landesmassafondes beantragt wurde. 40 Proc. der Fondserträgniffe soll unterstützungsbedürftigen Gemeinden nach Maßgabe ihrer Leistungen auf dem Eultus- und Unterrichtsgebiete zugewendet werden, wofür der Bestand selbstständiger Rabbinate und die Zahl der an ihrer Schule angestellten öffentlichen Lehrer positive Anhaltspunkte bieten. 20 Proc. als Subvention an Rabbiner und Lehrer, deren Witwen und Waisen, mit dem Bemerken, daß man vor der Hand die jetzigen von der Regierung überkommenen dießbezüglichen Verhältnisse beibehalten wolle, daß es jedoch spätern Entschließungen Vorbehalten sein dürfte, nur solche Rabbiner und Lehrer ad personam zu unterstützen, die in ihrem Amte berufsunfähig geworden. 20 Proc. zur Ereirung und Erhaltung allgemeiner Anstalten. 15 Proc. als außerordentliche Hilfeleistung an Gemeinden, die von Elementarschäden oder andern Unglücksfällen heimgesucht wurden oder durch Uebersiedlung und Verarmung ihrer Mitglieder finanziell so herabgekommen, daß sie den ihren Funktionären gegenüber eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen nicht im Stande sind; endlich 5 Proc. zur Bildung eines Reservefondes, dessen Zinsen in die allgemeinen Erträgnisse einzubeziehen wären. — L. N. Prag. Die hiesige israelitische Gemeinde hat einen schmerzlichen Verlust erlitten und die Menschheit ist um einen edlen Mann ärmer geworden. Am 20. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr verschied sanft und Gott ergeben nach 6wöchentlichem Krankenlager an den Folgen einer Gelbsucht der berühmte Rabbi Simon Lasch im 72. Jahre seines Lebensalters.( Die Beziehungen, in denen ich mich zu dem Verewigten befand, setzen mich in den Stand, den ganzen Umfang des

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