Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 17 (1.9.1868)
- Date
- 1868-09-01
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 136 — lichen Gottesdienstes. Zwanzig Rabbiner, darunter Männer von bekanntem Namen, nahmen an der Versammlung Theil. Die Gegenstände der Berathung wurden einzelnen Commissionen zur Berichterstattung für eine nächste Versammlung übertragen. Unter andern wurde auch die Einführung eines 7jährigen Cyclus bei Vorlesung der Tora beantragt. Außerhalb der Liturgie liegende Fragen wurden gleichfalls in Berathung gezogen, wie z. B. die Modificirung der religiösen Speiseverbothe. Da die Versammlung nach dem Anträge des Rabbiner Dr. Geiger nur den Charakter einer Vorbesprechung behielt, so läßt sich noch über die positiven Resultate dieser Reformbestrebungen kein Urtheil füllen. Jedenfalls sind nicht jene innern Kämpfe und Parteiungen zu erwarten, wie sie im Gefolge der Rabbinerversammlungen in den Vierzigerjahren auftraten. Die Gewissensfreiheit hat auch auf dem Gebiete des Judenthums seit jener Zeit bedeutende Fortschritte gemacht. Rom. 'Rach den neuesten Aufnahmen beläuft sich die Bevölkerung Roms auf 217,378 Seelen, darunter sind 4602 israel. Glaubens. Paris. Der Arzt Legoyt, Chef der statistischen Abtheilung im Ministerium des Ackerbaues und des Handels in Paris, spricht in seiner neuesten Schrift den Juden eine größere Acclimatisationsfähigkeit in den verschiedenen Ländern und Welttheilen zu als andern Völkern — und was noch interessanter ist, auch eine geistige Bevorzugung durch einen vortheilhaftern Schädelbau. Die Unterschiede in den Verhältnissen des Schädelbaues und der Gehirnmasse bei den Juden und andern Völkern werden genau und nach Maßbestimmungen angegeben. Konstantinopel. Folgendes Beispiel wird Ihnen zeigen, wie in unserer armen Türkei die wichtigsten Angelegenheiten behandelt werden. In der Liste derjenigen Männer, die unlängst durch den liberalen Sinn des Sultans in das große Conseil zur Berathung über das Wohl des Vaterlandes berufen wurden, befand sich auch der Name Abraham aus Salonichi. Dieser unter seinen Glaubensgenossen angesehene Jsraelite ist aus Salonichi gebürtig, wohnt aber gegenwärtig in einer andern Stadt der Türkei. Die Commission, welche! die Conseilsmitglieder einberufen mußte, sieht den Namen Sa-! lonichi und beauftragt die Behörden jener Stadt dem Ge- , wählten seine Ernennnng bekannt zu geben. Wie Sie wissen, sind in der Türkei und namentlich unter den dortigen Juden die Geschlechtsnamen noch nicht eingeführt, und Sie können sich leicht die Verlegenheit des Gouverneurs von Salonichi denken, der unter seinen jüdischen Bürgern nicht einen, sondern einige Hunderte Abrahame zählt, aus die alle das Epitheton „aus Salonichi" vollkommen paßt. Der Gouverneur an blinden Gehorsam gewöhnt und nicht sehr geneigt die Befehle der Regierung einer Kritik zu unterziehen, läßt den ersten besten Abraham kommen, von dessen Verdiensten er nur das > einzige weiß, daß etwa das hohe Alter ihn berechtigen könnte, der Regierung Rathschlüge zu ertheilen und übergibt ihm das , Mandat mit dem gemessenen Aufträge, ohne Verzögerung nach Konstantinopel abzureisen. Der arme Abraham, der bisher in sehr obscuren Verhältnissen lebte und sein Gewissen von jedem Verdienste um den Staat frei weiß, ist von dieser Berufung nicht wenig überrascht, und argwöhnisch und furchtsam wie alle Israeliten in der Türkei, ist er überzeugt, daß ihm eine große Gefahr bevorstehe. In qualvoller Angst, nur von Ketten und Kerker träumend, seine letzte Stunde nahe fühlend, gelangt er in die Hauptstadt des Reiches. Er stellt sich der Regierung, wo ihn Niemand kennt vor, überreicht die Briese des Gouverneurs von Salonichi und wird zu seiner Ueberraschung als Mitglied des obersten Staatskonseils begrüßt. Der arme Mann weiß nicht, was mit ihm vorgeht, da man sich jedoch leicht an das Glück gewöhnt, leistet er mit dankerfülltem Herzen den vorgeschriebenen Eid und tritt sein Amt an. Da unser Abraham zufällig weder lesen noch schreiben kann, wird er natürlich der Section für den öffentlichen Unterricht zugetheilt, und sieht sich schon im Geiste als künftiger Inspektor aller türkischen Schulen. Indessen hatte der wahre Abraham von seinen Freunden den Sachverhalt erfahren und eilte nach Konstantinopel, um sich der Regierung als der eigentliche Berufene vorzustellen; mau erkennt den Jrrthum, allein was thun? Der andere ist bereits installirt und man will auch öffentlichen Skandal vermeiden. Man läßt lieber beide im Amte. So sitzen nun die beiden Abrahame als zufällige Doppelgänger im großen Rathe der Krone, und es ist nicht ihre Schuld, daß die ganze Geschichte, welche die türkischen Zustände gerade nicht im günstigsten Lichte erscheinen läßt, in die Öffentlichkeit drang. Amsterdam. Herr H. Wolfs wurde zum stellvertretenden Secretär im Ministerium des Innern ernannt. (Weekbl.) Hob»rt Town (Insel Van Diemensland). Wir haben schon früher Gelegenheit gehabt, mitzutheilen, daß der bisherige Rabbiner in Hobart Town, Herr Goldreich, eine Rabbinerstelle in Ballarat übernehmen wird. Heute liegen uns die von befreundeter Hand uns zugeschickten Nummern vom 28. Mai und 3. Juni der in Hobart Town erscheinenden Zeitung „The Mercury“ vor, aus denen wir entnehmen, daß am vergangenen Wochenfeste Herr Goldreich seine Abschiedsrede gehalten, bei welcher Gelegenheit von Seiten des Vorstandes der israel. Gemeinde an ihn eine sehr schmeichelhafte Adresse gerichtet wurde. Vor seiner Abreise veranstalteten dessen zahlreichen Freunde ein Festmahl, wobei ihm eine prachtvolle goldene Uhr als Andenken überreicht wurde. Die kurz vor dessen Abreise stattgehabte Prüfung in der Religionsschule lieferte ein glänzendes Resultat. Sein Nachfolger in Hobart Town ist Herr Stone. (Israel.) Briefkasten der Redaktion: Der löbl. Cultusvorstand zu B., die Herren Dr. H., in H. W. in B. bei K. werden hiemit, nachdem mehrere an Sie gerichtete Briefe unbeantwortet blieben, auf diesem Wege aufgefordert die für Inserate und Abonnement rückständigen Beträge unverwcilt einzusenden. Inserate. Von der ersten Hand aus Triest, feiner Sorte, verkauft Gefertigter einzeln oder in Kästchen, wie auch grüne Lulow und DOTl Aron Fischer, Schüttgasse, früher Mittel-Krona Nr. 7- Sara Kuh,geb. Plohn Ornamentenstickerei f. d. Synagoge in Prag1. Kleiner Ring Kr. 457 — 3. Stock. 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