Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 17 (1.9.1868)
- Date
- 1868-09-01
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Agen 1× ep/1043981
- Jeremiah 1× ep/1005299
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133 — ganz leer an Thatsachen, und wenn nun der Talmud diese Lücke durch Sagen, welche übrigens auch die alten Araber haben, ausfüllt, so gehört ein großer Theil derselben der Geschichte an, wenn irgendwo so findet hier der Satz „fabula veritatem ölet“ seine Anwendung. Josephus hat in seinem Geschichtswerke manche Thatsache ausgenommen, die mit den Erzählungen des Talmud übereinstimmt. Die Geburt des Moses wurde von den Sternsehern Egyptens voraus verkündet und Pharao traf seine Maßregeln. Aehnliche Sagen wiederholen sich bei den Uranfängen mancher Völker, und die persische Geschichte weiß eben so davon zu erzählen, wie die römische. Bei dem genannten jüdischen Historiker (^.uticfuit: IV., 2) ist Korach, wie im Talmud und wie bei den alten Arabern, Besitzer ungeheurer Schätze. Bileam gibt, ganz wie es der Talmud sagt, den Rath zur Verführung der Israeliten durch die Töchter Midians (idiä. IV. 5). Der Talmud beruft sich sogar ausdrücklich auf eine solche historische Tradition, er nennt uns die Namen der Mütter von Abraham, David, Samson und Haman, und bemerkt dabei: Das möge als Widerlegung gelten für die Ketzer, welche die Göttlichkeit der Torah bezweifeln (Baba Bethra, 91, a). In manchen Erzählungen des Talmud spiegeln sich die Sagen der alten Araber ab, so die Asmodaisage, die <L>agen aus dem Leben der Patriarchen und des Moses. (Bergl. die einschlagenden Artikel in Herbelot's orientalischer ^Bibliothek.) Viel Fabelhaftes wird auch von Adam erzählt. Der erste Mensch, unmittelbar aus der Hand Gottes geformt, liefert der Phantasie reichlichen Stoff. Der Talmud erzählt, was auch die Araber behaupten, Gott habe bei seiner Schöpfung verschiedene Arten Erde genommen — ein sinniges Bild für die verschiedenen Charaktere der Menschen — habe ihm alle seine Nachkommen für ewige Zeiten gezeigt. Selbst aus dem griechischen Sagenkreis wird vom Talmud Manches auf den biblischen Boden verpflanzt. Der Phönix hat im Vogel Chol, der im Paradiese von der verbotenen Frucht nicht essen wollte, und dadurch die Unsterblichkeit erwarb, seinen Doppelgänger. Das Gastbett des von Theseus getödteten Prokrustus wird recht passend in die Fremdenherberge der ungastlichen Stadt Sodom versetzt. Eigenthümlich ist die Angabe des Talmud, daß vor Abraham Niemand in seinem Aussehen alterte, vor Jakob keine Krankheit herrschte, vor dem Propheten Elischa Niemand von einer Krankheit geheilt wurde. (Baba mezia 87 a). Die Behauptung stützt sich darauf, weil die erwähnten Fälle zuerst bei den genannten Personen in der Bibel vorkamen. Bei Abraham heißt es zum ersten Male: „Er wurde alt." Mag die Deduction eine ziemlich schwache sein, so dürfte doch eine sagenhafte Ueberlieserung dabei zu Grunde liegen. Eine türkische Sage behauptet ebenfalls, Abraham war der Erste, der graues Haar bekam. Der 'Prophet Eliahu, als der verkündete Vorbote des Messias» (Malachai 3, 23) erscheint im Talmud gar oft ganz leibhaftig als ein ckeus ex raachina, als ein wahrer Helfer in der Noth. Herr Dr. Lettens hat bereits vor einigen Jahren („Wiener Blätter" 1851, Nr. 31) mit bekannter Meisterschaft die verschiedenen Lebensphasen des Israeliten gezeichnet, in denen dieser ewige Prophet als offizieller Beistand erscheint. Wenn nun noch heutigen Tages mancher Unglückliche auf seiner schweren Wanderung um das tägliche Brod diesen Himmelsboten als einen wohlwollenden Erretter zu treffen hofft, so soll ihm diesmal die unerbittliche Wissenschaft die süße Hoffnung nicht verkümmern. Entgegnung des Jg. Bau m, aust den im 4. Jahrg. Nr. 5. des „Abendland" enthaltenen Aufsatz: Ein Wort über Stenografie bei den alten „Hebräern" von Mark. Freund. — (Forts, aus Nr. 13.) Daß die alten Hebräer, welche die Schrift höchst wahrscheinlich durch Moses aus Egypten erhalten I, sich große Verdienste um die Ausbildung der Schreibekunst erworben hatten, läßt sich nicht bestreiten. Denn schon 1 */2 Jahrhundert vor Christus hatte das Volk seine geschriebenen Gesetze, vervielfältigte und ergänzte sorgfältig seine heiligen Bücher, zu welchem Zwecke die Schriftgelehrten2) [CTHED] eine eigene Zunft unter den Priestern bildeten. Und wenn auch die Schrift der Hebräer dem praktischen Leben abgewendet und nur in der Hand jener Priesterkaste verblieb (vergl. Anmerk. 4. S. 101) um immer mehr heiligen Zwecken zu dienen, und daher zur wahren Vollkommenheit nicht gelangen konnte, so muß man dieser Nation doch das Verdienst in vollem Maße zu Theil werden lassen, welches sie sich durch den ausgeübten Einfluß aus die Verbreitung und allmäligen ausgedehnteren Nutzanwendung der Schrift unter dem Menschengeschlechte erworben. Hingegen erscheint die Annahme, daß die alten Hebräer schon die Kunst der „Geschwindschrift" gekannt und geübt haben, ganz unbegründet, und alle bisher auf diesem Gebiete gemachten Vermuthungen und aufgestellten Behauptungen können vor einer sorgfältigen Prüfung nicht bestehen. Und selbst die Bibelstellen. Psalm 45. V. 2.: „Meine Zunge ist der Griffel eines guten Schreibers"*) [Tn<3 “E’D tDp ferner Jeremias Kap. 36, B. 4: „Da rief Jeremia Baruch den Sohn Nerja, derselbige Baruch schrieb in ein Buch aus dem Munde Jeremia, alle Rede des Herrn, die er zu ihm geredet hatte" [“p3 srß*l -m3 p "sN2 HX 1!WT X“ip'l [-12D rfe bs rbx nn Ti?« mrr nm bz nx inw und V. 18: „Er las mir alle diese Rede aus seinem Munde und ich schrieb sie mit Tinte ins Buch"**) [^3TIX *^X X*1p [7*0 "£DH bj? 3113 '3X1 rfexn DW deren sich Viele als Beweise ihrer irrthümlichen Ansichten bedienen, erweisen sich als nur sehr schwache Stützen dieser Ansichten. — Man muß ebensowenig in dem von Jeremia herbeigerufenen Baruch einen „Schuellschreiber" erblicken, als das hebräische Wort „“Trip" in jener Psalmstelle „schnell" bedeuten muß. Und war jener Baruch ein in der Schreibkunst gewandterer Mann der die Fähigkeit besaß, geläufiger zu schreiben, als seine andern Amtsgenossen, so braucht er deshalb nicht „Schnellschreiber" (Stenograf) gewesen zu sein und das Wort „THE" heißt eben sowohl „kundig" als „schnell". Die ' oben angeführte Psalmstelle kann demnach ganz richtig heißen: „Meine Zunge ist der Griffel eines Schreibers" (Zeines in der Schrift kundigen), wie „aus dem Munde schreiben" nichts anders ist, als nach Vorsprechen schreiben. (Fortsetzung folgt.) Die Gemeindewirth schalt in Söhmen. Wer zu sehr für die Zukunft sorgt, pflegt oft an die Gegenwart zu vergessen. Es ist gewiß sehr löblich an die Errichtung eines jüdischen Seminars mit Ernst zu denken, damit in Zukunft die Gemeinden Israels mit tüchtig gebildeten Rabbinern versehen sein sollten. Aber woher all' die Besorgniß für die Zukunft, da es noch in der Gegenwart mehr Rabbiner als Rabbinatssitze gibt? So oft ein Concurs für ein Rabbiuat veröffentlicht wird, melden sich mehr Rabbiner als man braucht, und noch gibt es keine Gemeinde, die einen Rabbiner sucht und ihn nicht bekömmt. Von dieser Gewißheit ausgehend, behandeln die Gemeinden ihren Rabbiner mit einer solchen Gleichgiltigkeit wie einen Domestiken, 9 Allem Vermuthen nach die e p i st o l o g r a f i s ch e. '0 Schriftgelehrte sind mit der Schreibkunst vertraute Männer, die aber auch eine gründliche und umfassende Kenntniß der fünf inosaischen Bücher (Thora), der übrigen heiligen Schriften und der alten Ueberliefernngen besaßen. *) Velociter scribentis. **)Ex ore loquebatur quasi legens ad me omnes sermones istos et ego scribebam in volumine atramento.